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© Jordan Mc Queen, unsplash
Smartphone-App

Retter im Smartphone

Für jeden Wassersportler zur Pflicht werden sollte diese neue Seenotretter-App: Denn SafeTrx kann Leben retten.

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Mit der Smartphone-Anwendung SafeTrx für Android und iOS ist die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an den Start gegangen.

Um die App nutzen zu können, muss man sich zuvor mit seinen Daten anmelden. Dazu gehört unter anderem mindestens ein Notfallkontakt. Öffnet man das Programm nach erfolgreicher Anmeldung zum ersten Mal, bekommt man eine übersichtliche Auswahl mit vier Menüpunkten auf den Startbildschirm.

• Explorer – derzeitige Position via Google Maps
• Routenplaner-Modus
• Nur-Aufzeichnen-Modus
• Hilferuf

Beginnen wir beim letzten Punkt, dem Hilferuf. Nach einem Klick hierauf erscheint ein Menü, das die aktuelle Position, den Kurs und die Geschwindigkeit angibt. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, hier einen Notfall – mit der roten Taste – einzuleiten oder um technische Hilfeleistung – die grüne Taste – zu bitten.

Was immer man auch auswählt: Die Anrufe laufen beim Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) der Seenotretter in Bremen auf. Die Unterscheidung zwischen beiden Punkten hilft den Seenotrettern, die Lage einzuschätzen. Gleichzeitig mit der Auslösung wird auch die aktuelle Position des Melders oder der Melderin übertragen. Natürlich nur, sofern eine Netzabdeckung für das Internet vorhanden ist.

Routen planen mit den Rettern

Für Wassersportler ist der Routenplan-Modus im Alltag sicherlich der mit Abstand wichtigste. Dabei wird ein sogenannter Überfahrtsplan erstellt. Dazu gibt man die Daten zum eigenen Boot (gerne mit Bild) ein, legt dann fest, wie viele Personen an Bord sind und schätzt die erwartete Ankunftszeit, also die ETA, die Estimated Time of Arrival. Hier wird auch der Notfallkontakt ausgewählt. Das ist die Person, die automatisch informiert wird, wenn das Ziel nicht im vorgegebenen Zeitrahmen erreicht wird. Dann legt man den Ausgangspunkt, mögliche Wegpunkte und das Ziel fest.

Startet man nun den Törn, wird in regelmäßigen Abständen – abhängig vom Ladestand des mobilen Endgeräts – die aktuelle Position übertragen. Als Teil des sogenannten Routenplan-Eskalationsprozesses erhalten Nutzer 15 Minuten vor dem geplanten Erreichen des eingestellten ETA eine Nachricht aufs Handy: „Ihre Ankunft ist in 15 Minuten überfällig. Bitte SafeTrx-Fahrt verlängern oder beenden.“

Kontrolliert eskalieren

Reagiert man nicht auf diese Nachricht, gibt die App zum ETA-Zeitpunkt noch einmal Laut, zusätzlich bekommt man eine SMS geschickt. Nutzer werden darauf aufmerksam gemacht, dass nun in 15 Minuten die Notfallkontakte benachrichtigt werden, sollte man nun nicht reagieren.
Tut man wiederum nichts, passieren eine Viertelstunde nach der geplanten Ankunft (also ETA+15) parallel drei Dinge:

1. Sie erhalten aus der App die Mitteilung, dass die Fahrt abgelaufen ist und die Notfallkontakte benachrichtigt werden.
2. Sie erhalten eine SMS, die Sie über die Überfälligkeit informiert.
3. Die hinterlegten Notfallkontakte erhalten eine Nachricht.

Der genaue Wortlaut an die Vertrauensleute an Land lautet: „Dies ist eine automatische SMS der DGzRS-SafeTrx-App. Nehmen Sie Kontakt mit [hier steht dann Ihr Name] auf, da die Ankunft im Hafen seit 15 Minuten überfällig ist. Sie wurden von [Name des Wassersportlers selbst] als Kontakt angegeben. Im Notfall erreichen Sie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unter Tel. +49(0) 421 53 68 70.“

Nun sollten die Notfallkontakte versuchen, den angegebenen Nutzer oder einen der Mitreisenden zu erreichen, um die Situation zu klären. Besteht Grund zur Annahme, dass etwas Unschönes passiert ist, müssen die Notfallkontakte die Seenotretter selbst aktiv informieren. Durch das MRCC können die aufgezeichneten Tracking-Daten dann rasch ausgewertet und eine gezielte Suche eingeleitet werden.

Komm heim, Angler!

Im Nur-Aufzeichnen-Modus entfällt das Eskalationsverfahren. Es eignet sich damit ideal beispielsweise für Angeltouren, bei denen die Route vorab nicht so klar ist, aber feststeht, dass man abends wieder im Ausgangshafen ankommen wird.

In diesem Modus wird ebenfalls die Strecke mitprotokolliert und regelmäßig auf den Server übertragen. Wird dann ein Notfall „von Hand“ ausgelöst, entweder per App oder durch Angehörige, kann anhand des Streckenverlaufs eine gezielte Suche gestartet werden.

Nützliches Beiwerk
Neben diesen Grundfunktionen besitzt die App einige weitere Funktionen, und zwar diese:

• Erstellung einer Checkliste: Aus einer großen Auswahl an Menüpunkten und eigenen Eintragungen kann man eine persönliche Checkliste zusammenstellen, die vor Fahrtantritt durchgegangen werden sollte. Das hilft, nichts zu vergessen.
• Informationen über das lokale Wetter: Die App bietet aktuelle Wetterinformationen des Deutschen Wetterdiensts, so dass man auf einen Blick weiß, welches Wetter unterwegs zu erwarten ist.
• Übersicht über DGzRS-Stationen der Seenotretter in der Nähe
• Tipps zur Sicherheit auf See: Alles, was man aus der Broschüre „Sicher auf See“ kennt, ist elektronisch in der App hinterlegt, so dass die App zum (guten) Nachschlagewerk wird.

Kein Allheilmittel

Eines sollte man bei der Nutzung beachten: Starten Sie die App noch an Land, wenn Sie Netzabdeckung haben. Im Augenblick des Starts wird eine Verbindung zum Server benötigt, um die Fahrten etc. überhaupt initialisieren zu können. Danach sollte die App nicht geschlossen werden.

Die App ersetzt keines der anderen Sicherheitssysteme an Bord. Sie dient als zusätzliche Sicherheit. Denn für die Nutzung der App benötigen man Netzabdeckung durch den eigenen Mobilfunkbetreiber.
Nichtsdestotrotz hilft SafeTrx im Falle einer Suche deutlich. Durch die aufgezeichnete Strecke, im ärgsten Fall bis zum Verlassen der Mobilfunkabdeckung, kann das Suchgebiet recht gut eingegrenzt werden. Damit erhöhen sich die Chancen auf Auffindung merklich.

Die Informationen zum genutzten Boot helfen den Seenotrettern dabei, die Gesamtsituation besser zu beurteilen. Denn ist es beispielsweise ein Unterschied, ob man mit einem Stahlrumpfschiff im Seegatt mit Grundseen zu kämpfen hat oder auf einer modernen GFK-Segelyacht mit Kielbombe unterwegs ist. Das im Archiv hinterlegte Bild des Boots kann die Suchmannschaften deutlich unterstützen, um eine schnellere Identifizierung zu ermöglichen.

Elektronischer Fehlervermeider

Mit der App werden klassische Fehler bei einer Meldung „automatisch“ vermieden. So hat sich in der Praxis herausgestellt, dass unter dem psychischen Druck in einer Notsituation oft auch die Positionsangaben falsch mitgeteilt werden. Mit der automatischen Übermittlung ist das schon einmal ausgeschlossen.

Auch Angehörige von Bootsfahrern ist die App nützlich. So können Landeier mit Zugangsdaten zur SafeTrx-App über http://safetrx.seenotretter.de den Törnverlauf mitverfolgen. SafeTrx ist auch bei anderen Hilfsorganisationen, beispielswiese in Großbritannien und den Niederlanden, mit Erfolg im Einsatz.

Ich persönlich bin der Meinung, dass die kostenfrei nutzbare App eine Sonderspende an die Seenotretter wert ist. Diese Gesamtzahl der Funktionalitäten ist beeindruckend und gut kombiniert. Danke, Seenotretter!

Erforderliches OS: Android (ab Version 4.0) und IOS (ab Version 7.0)
Die Seenotretter-App SafeTrx finden Sie im Playstore bzw. iTunes.

5 Kommentare

inshoreoffshore /

Hi,
für die Segler in den Niederlanden: Die KNRM bietet die gleiche App unter dem Namen „KNRM Helpt“ an (ebenfalls vom Hersteller „SafeTrx“).
Schöne Grüße
Christian

Antwort
Thomas Stasch /

Hallo Christian, in der Tat… Das ist die gleiche Plattform. Sie wird auch vom RYA in UK und in Australien genutzt. Aber je nach Hilfsorganisation mit einigen spezifischen Änderungen und Ergänzungen. Als Segler halte ich SafeTrx von den Seenotrettern für mich an Bord für ein Muss.

Antwort
Thomas Stasch /

@Dieter:
Die App funktioniert natürlich auch im Mittelmeer (überall auf der Welt – sofern Mobilfunk verfügbar ist). Die Frage ist im Wesentlichen, ob Dein Vertrag Datenroaming hergibt und es eingeschaltet ist – sonst können die Positionsdaten nicht übertragen werden.

Wenn Du einen Seenotfall auslöst, landest Du natürlich im MRCC der DGzRS in Bremen. Die Kolleginnen und Kollegen werden dann Fall an das zuständige MRCC weiterleiten. Wenn es übertragene Positionsdaten gibt, werden die ebenfalls weiter gegeben. International arbeiten die MRCCs gut zusammen. Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage?

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