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Luxusyacht ohne Motor: das geplante Ocean Resort von Alva Yachts © Werft
Alva Yachts

Mit Schönheit die Welt retten

Alva Yachts will das Rad neu erfinden: Die stylischen Kats werden rund um den Nachhaltigkeits-Gedanken entwickelt.

von
Roland Wildberg
in
5 Minuten

Schönheit wird die Welt retten, das hat schon Fjodor Dostojewski gewusst. Alva Yachts interpretiert den großen russischen Dichter auf seine Weise: Äußerliche Attraktivität und Nachhaltigkeit gehen gut zusammen, ist das Credo der jungen Werft.

Damit fällt sie auf. Ökologisches Design haben schon viele versprochen – bei den meisten Produkten beschränkt sich dieser Anspruch allerdings auf mehr oder weniger angedeutete Bionik mit ein paar bunten LED-Streifen. Die Ideen- und Bootsschmiede aus Deutschland tritt gleich mit mehreren aufsehenerregenden Booten und Konzepten an, die in den kommenden Monaten und bis ins nächste Jahr 2021 vorgestellt werden.

Unverwechselbare Silhouette

Gut erkennbar ist das bei der jüngsten Schöpfung von Alva Yachts, dem elektrisch angetriebenen Katamaran Ocean Eco 60: Hier sind die Solarpaneele nicht einfach in das Dach des Aufbaus integriert. Vielmehr ist die Fläche selbst ein einziges Solarkraftwerk, dass sich – gerade gestreckt – bis hinunter zum Bug zieht.

Alva-Yachts premiere
Ocean Eco 60 © Werft

Die gesamte Fläche ist auf den Renderings in Blau gehalten: Branchenübergreifend ist das die Symbolfarbe für „saubere“ Energie. Nebenbei gelingt dem jungen Designer ein gleichermaßen dynamisches wie aggressives Auftreten seines Schiffs: Die kühne Keilform verleiht dem 18,40 Meter langen und 10,20 Meter breiten Katamaran eine unverwechselbare Silhouette.

Im Herbst kommt Baunummer 1

Wieviel Nachhaltigkeit wirklich in dem Konzept steckt, können wir bald nachprüfen: Denn das Mega-Multihullboot Ocean Eco 60 ist kein Luftschloss. Die ersten beiden Exemplare sind bereits im Bau. In diesem Herbst soll die Baunummer 1 für Tests zur Verfügung stehen. Motorisiert wird der 18,30 Meter lange Kat mit 2 x 280 Kilowatt starken Elektromotoren, also zusammen mehr als 760 PS.

Mit bis zu 20 Kilowatt elektrischer Leistung versorgt sie das blaue Dach. Die Energie wird in einem 300 Kilowattstunden große Lithium-Ionen-Akku zwischengespeichert. Bei vollen Akkus und optimaler Sonneneinstrahlung erhalten die Maschinen genügend solar erzeugte Energie, um die Yacht mit sieben Knoten Marschfahrt bis zu 200 Kilometer weit zu bringen. Bei fünf Knoten Fahrt und maximaler Sonneneinstrahlung soll die Energie aus den Solarpanels ausreichen, um dauerhaft unterwegs zu sein – kostenlose Mobilität von Sonnenauf- bis untergang!

Großzügiges Platzangebot

Beim Innenraum ihres „Rebellen der Meere“, wie ihn Alva Yachts nennt, schöpft man ebenfalls aus dem Vollen: Von der Flybridge über das Hauptdeck bis zu den Kabinen im Unterdeck, das sich über beide Rümpfe erstreckt, profitieren sämtliche Lebensbereiche vom überaus großen Platzangebot.

Nicht ohne Grund sind große, elektrisch angetriebene Motoryachten – seien es die Solarkatamarane von Silent Yachts oder der kompakte Luxus-Daycruiser Voltaire – häufig Mehrrumpfboote: Neben dem Zugewinn an Platz hat die Konstruktion mit zwei Rümpfen einen deutlich geringeren Wasserwiderstand als gleich lange Einrumpfschiffe. Hinzu kommt die deutlich ruhigere Lage für mehr Komfort an Bord.

Alva Yachts bietet den Eco 60 in zwei Konfigurationen an: als Privatyacht mit einer regelrechten Eigner-Suite und mindestens zwei Gästekabinen komplett mit Balkon, aber auch als Charterschiff mit zwei Crew-Kämmerchen in den beiden Bugsektionen sowie fünf Doppelkabinen.

Brennstoffzelle grundsätzlich möglich

Für Langstrecken-Törns und als Sicherheits-Option ist auch der Einbau einer Brennstoffzelle möglich, um den Antrieb zusätzlich mit lokal emissionsfreier Energie zu nähren. Wann wir diese Technologie, die beispielsweise im maritimen Güterverkehr zum Einsatz und als Zusatzantrieb bei Kreuzfahrtschiffen kommen wird, auch in der Freizeitschifffahrt im praktischen Einsatz sehen, ist vor allem eine Frage der kommenden Infrastruktur.

Für den besonderen Energiehunger – Nachhaltigkeit kann auch kompromissfähig sein – bietet Alva Yachts zusätzlich Dieselgeneratoren an. Zum Einsatz kommen hocheffiziente, drehzahlgeregelte Stromerzeuger von Fischer Panda aus Ostwestfalen. „Hierbei hat der Redundanz- und Sicherheitsgedanke oberste Priorität“, erklärte Mathias May dies im Interview unseren österreichischen Kollegen von Ocean 7. „Das Wissen um die Möglichkeit, notfalls über einen längeren Zeitraum mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sein zu können, ist ein nicht zu vernachlässigender Safety-first-Aspekt.“

Alva Yachts premiere
Alva Ocean Eco 90 © Werft

Großer Bruder mit wenig Tiefgang

Und auch ein großer Bruder entsteht inzwischen auf der Werft: Die Ocean Eco 90 ist in ihrem Konzept der kleineren Ocean Eco 60 sehr ähnlich. Mit 27,50 Metern Länge und 14 Metern Breite bietet das Schiff noch deutlich mehr Fläche. Wie lässt sich dieser Raum nutzen?
Auf der Flybridge sind neben profanen Steuer- und Navigationsarmaturen auch eine Cocktailbar, ein Whirlpool und die Sky-Lounge mit Liegefläche für nächtelanges Sterngucken vorgesehen. Bei nur 1,20 Metern Tiefgang stehen dem Luxus-Katamaran auch kleine Häfen und versteckte Buchten offen. Die Baunummer 1 der Alva Ocean Eco 90 ist beauftragt und bereits im Bau.

Ein Tennisfeld-großes Solarkraftwerk

Für die Marschfahrt der Luxusyacht gibt Alva Yachts rund zehn Knoten an. Maximal soll der Öko-Keil bis zu 18 Knoten schnell unterwegs sein können. Die 200 Quadratmeter Solarfläche hat ungefähr die Ausdehnung eines Tennisfelds. Sie soll das Schiff befähigen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ohne zusätzliche Energie übers Meer zu stromern.

„Im Unterschied zu anderen Katamaranen ist die Technologie nicht zusätzlich adaptiert, sondern ein zentrales Gestaltungsmerkmal“, heißt es dazu von der Werft. Im Anfang war also der Wille, von Grund auf ökologisch zu denken. Das Design wurde um einen solar-elektrischen Antrieb herum gedacht, nicht mehr und nicht weniger. Dabei machen die Gründer, Holger Henn und Mathias May keinen Hehl aus ihrer Pionierrolle: „Wir können zwar heute bei weitem noch nicht alle Antworten geben, doch wir können die Aufgaben definieren, um diese konsequent anzugehen.“

Pica Yachts war der Vorgänger

Die neue Marke ist aus der 2013 gegründeten Marke Pica Yachts hervorgegangen. Das Unternehmen strotzt nur so vor Selbstbewusstsein: Nicht weniger als „die Verbindung von Luxus und Nachhaltigkeit“ ist ihr selbstgewähltes Motto. Seit dem Start wurden bereits 40 Yachten gebaut.

Auch eine Segelyacht haben Henn und May im Programm. Die 25 Meter lange Ocean Sail 82 besitzt einen augenfällig modernen Riss und motort, wenn nicht unter Segeln, per Hybridantrieb. Der vorgesehene 184 PS starke Elektromotor dürfte die Ocean Sail 82 bei Flaute in respektable Tempobereiche bringen.

Alva-Yachts premiere
Alva Ocean Eco 82 © Werft

Auch die Rekuperation – also die Rückgewinnung von Bewegungsenergie durch den antriebslos mitlaufenden Propeller – beherrscht der Motor. Beim Segeln dreht der Saildrive-Propeller mit und hilft so, die Lithium-Ionen-Akkus an Bord wieder aufzuladen. Das beeindruckende Design brachte Alva Yachts bereits eine Platzierung auf der Shortlist des International Yacht & Design Awards.

Floating Homes wie Luxusyachten

Die Werft, die mit Henndesign über ein hauseigenes Designbüro verfügt, hat noch ein weiteres Projekt auf Lager. Es sind „schwimmende Luxusyachten ohne Antrieb“, wie Matthias May es formuliert. Anders gesagt: Häuser auf dem Wasser, aber ganz besondere. Während gewöhnliche „Floating Homes“ äußerlich meist Containern auf Pontons gleichen, sind die Entwürfe von Henn Design filigrane Domizile. Deren Dächer breiten sich in elegantem Schwung wie ein schützender Kokon über das Objekt. Sie bilden auch die Basis für die Solaranlagen.

Alva-Yachts premiere
Das Ocean Resort von Alva Yachts © Werft

Auch das Konzept für das Wohnen auf dem Wasser ist vom ersten Strich an ganzheitlich durchdacht. Dazu gehören auch Entsorgung und Energieerzeugung. Die Technologie fürs Häuslebauen und die entsprechende Umsetzung leitet Alva Yachts aus den Erfahrungen ab, die das Team beim Yachtbau gewonnen hat.

Die Ortswahl für das Hauptquartier passt. Das Designbüro hat seinen Hauptsitz mehr als 200 Kilometer von der Küste entfernt im niedersächsischen Kurort Bad Pyrmont. Der Palmengarten des großzügigen Kurparks beherbergt die vermutlich größte Palmenfreianlage nördlich der Alpen. Die Produktion der Alva Yachts und die Präsentation der fertigen Solarschiffe haben aber am Mittelmeer ihren Ort. Wir werden von Bord berichten.

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