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Elektra Mit Wasserstoff und E-Antrieb von Berlin nach Hamburg © TU Berlin - EBMS
Update Forschung

Baustart fürs welterste emissionsfreie Schubboot

Die TU Berlin entwickelt mit der „Elektra“ ein Schubboot, das mit Wasserstoff elektrisch von Berlin nach Hamburg fährt.

float Redaktion
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4 Minuten

Im Oktober geht es los: Die „Elektra“ wird gebaut. In etwas über einem Jahr wird man auf Berlins Wasserstraßen das weltweit erste elektrisch angetriebene Schubboot sehen, aber nicht hören und riechen können, denn wenig bis keine Schall- und Schadstoffemission ist das Ziel des Projekts. Wie die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft GmbH (Behala) jetzt mitteilte, wird im Oktober dieses Jahres auf der Barthel-Werft in Sachsen-Anhalt mit dem Bau des alternativ angetriebenen Schubboots begonnen.

Die „Elektra“ soll im Schubverkehr zwischen Berlin nach Hamburg eingesetzt werden und dabei gasförmigen Wasserstoff als Energieträger tanken. Eine Brennstoffzelle an Bord wandelt den Wasserstoff in elektrischen Strom um, der Elektromotoren antreibt. Überschüsse werden in Batterien gespeichert.

Altes Prinzip, modern umgesetzt

Mit diesem vollelektrischen, hybriden Antriebskonzept soll „das dynamische Zusammenwirken der Energiequellen im Hinblick auf die maximale Reichweite des Kanalbinnenschubboots erforscht und optimiert“ werden, schreibt die Nationale Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellenenergie (NOW) auf ihrer Website. Sie koordiniert das „Projekt Elektra“ und ist neben dem Bundesverkehrsministerium einer der größten Förderer.

Entwickelt und umgesetzt wurde es unter der Leitung von Prof. Gerd Holbach im Fachgebiet „Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme“ an der Technischen Universität Berlin entwickelt. Wir haben im März mit ihm über alternative Energiesysteme und ihre praktische Umsetzbarkeit gesprochen.

Teltow

Prof. Holbach vor dem Entwurf der Elektra in der Werkstatt des Instituts © Kerstin Zillmer

Bei der Elektra nutzt man die Brennstoffzellentechnologie zur Basis-Energieversorgung des Antriebsstrangs. Spitzenlasten werden durch die Akkumulatoren bereitgestellt. Wasserstoff als Energiespeicher soll also in Zukunft auch eine Basis-Versorgung des Strombedarfs an Bord gewährleisten – ein Einsatzzweck, der in vielen Fachkreisen noch vor Kurzem als Utopie bezeichnet wurde. Die Brennstoffzellen werden nachhaltig mit grünem Wasserstoff aus Windparks betrieben.

Heute: Strom aus Brennstoffzellen

Brennstoffzellentechnologie wird an Bord von Großschiffen bis heute, wenn überhaupt, ausschließlich zur Deckung des Strombedarfs der Hotellasten von Kreuzfahrtschiffen am Kai in Hafenstädten genutzt. Ein Einsatz, der in Städten die Emissionsbelastung extrem verringern wird und keine Diesel- oder Schweröl-Emissionen mehr über die Anwohner niederrieseln lässt. Vorausgesetzt, möglichst viele Reeder der Großschifffahrt lassen sich auf dieses noch recht teure Prinzip ein.

Elektra

Ursus an der Laderampe © Behala

Doch Brennstoffzellentechnologie in Zusammenarbeit mit Akkumulatoren für den Lasten-Einsatz auf längeren Strecken? Damit dürfte die „Elektra“ ein echtes Novum darstellen. Zudem sollen mit dem Projekt Maßnahmen zum infrastrukturellen Aufbau für das Aufladen der Akkumulatoren mit Landstrom an Stromtankstellen getestet und schließlich eingerichtet werden. Bisher sind für diesen Energiebedarf noch keine E-Tankstellen auf dem Wasser vorhanden. Auf brauchbare Lösungen muss die Branche noch warten.

Von Berlin nach Hamburg Lasten mit Strom schieben

Also befährt die „Elektra“ komplettes Neuland: Sie soll mit ihren zu schiebenden Lastenträgern nicht nur kurze Strecken etwa innerhalb Berlins absolvieren, sondern auch Schwerguttransporte von Berlin nach Hamburg und zurück durchführen. Für die 395 km lange Route wird das Schubboot – je nach zu schiebender Tonnage – vier bis sechs Tage benötigen.

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