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© Arek Rejs
Bootstest

Bavaria E 40 Sedan: Der große Wurf

Neu und anders: Bavaria hat ein Motorboot gebaut, das von Segelyachten inspiriert ist.

Arek Rejs
von in
8 Minuten | 2 Kommentare

Die E40 von Bavaria Yachtbau ist bereits im Vorfeld vollmundig angepriesen worden. Von einer Revolution war die Rede, als der Bootsbauer Bavaria auf der Bootsmesse in Cannes im Jahr 2015 die ersten Entwürfe vorstellte: Eine Art Zwitter aus Motorboot und Segelboot sollte in der fränkischen Werft entstehen, ideal zum Reisen und leicht zu fahren. Ein Wanderboot mit zeitgemäßem Design, einem cleveren Raumkonzept und effizienten Antrieb, das zudem noch im Wettbewerb preislich bestehen kann.

Kurz gesagt: Die fränkische Werft wollte dem Bootsmarkt etwas noch nie dagewesenes präsentieren. Dass es ihr mit dem ehrgeizigen Vorhaben ernst war, konnte man zumindest schon am  Entwicklungsprozess ablesen. Denn daran beteiligt waren auch Kunden, Händler, Charterfirmen und Fachjournalisten, deren Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen beim Bau der  E40 mit berücksichtigt wurden. Das niederländische Designteam Vripack hatte dann die Aufgabe, die Ideen in passend zu machen.

Die neue Bavaria E40 ist also auch das Ergebnis intensiver Studien und Beratungen. Aber kann das Boot halten, was seine Hersteller versprochen haben? Trotz des innovativen Entwicklungsprozesses bin ich skeptisch. Werften versprechen gerne vollmundig die Revolution im Bootsbau und gehen dann letztlich nur kleine Entwicklungsschritte. Anfang November habe ich Gelegenheit, mich selbst davon zu überzeugen. Ich bin eingeladen, die neue Bavaria E40 Sedan auf ihrem Heimatfluss, dem bei Würzburg noch schmalen Main, zu testen.

Spitzer Bug und magisches Heck

Ein wenig Sorge hatte ich, dass es Anfang November in Deutschland zum Boot fahren zu kalt sein könnte. Nach dem Test weiß ich: Solange die Flüsse nicht zugefroren sind, kann man an Bord der E40 eine warme und gemütliche Zeit verbringen. Der Rumpf hat ein ziemlich scharfes V im Bug, das sich rasch zu fast vertikal laufenden Seitenwänden verbreitert. Das merkt man erst richtig, wenn man die Vorschiffskajüte betritt, die angenehm geräumig ist.

Im Rumpf sind vier große Fenster auf beiden Seiten eingelassen, die man öffnen kann. So kommt viel natürliches Licht in alle Kabinen. Ich bin erstaunt, keine Badeplattform zu entdecken, aber natürlich gibt es eine. Sie ist mit Leinen manuell absenkbar  – so wie man es auch von neueren Segelbooten kennt. Wenn die Badeplattform offen ist, führen zwei schmale Stufen aufs Heck. Ist die Badeplattform hochgeklappt, geht es über kleine Stufen auf beiden Seiten des Hecks an Bord. Oder man steigt von der Seite über.

Ein Achterdeck wie auf einer Decksalonyacht

Das Heck der E40 ähnelt dem von Segelyachten mit Decksalon: ein offenes Heck, Sofas rundherum, ein einklappbarer Tisch, kein Steuerstand. Die Anzahl der Sitzplätze achtern ist erstaunlich groß. Es gibt zwei Sofas mit Rückenlehnen, ein kleineres (für zwei bis drei Personen) an Backbord und ein größeres (ich schätze, für mindestens sechs Personen) auf der Steuerbordseite. Sind weniger Gäste an Bord, werden beide Sofas zu bequemen Lounges, die durch das weit herüber ragende Dach gut vor Wind und Regen geschützt sind. Wer sonnenhungrig ist, kann auf der großen Sonnenliege auf dem Vorschiff liegen. Das Gangbord ist sicher und breit. Noch sicherer wäre es, wenn die Reling durchgängig aus Stahl wäre und nicht, wie bei unserem Testschiff, aus Stahlseilen. Ich weiß, das ist auf Segelbooten auch so. Aber es ist ein Motorboot, und die Bordgäste werden nicht so behände sein, wie viele Segler es sind, besonders, wenn es Anfänger sind. Die Handläufe am Dach sind für mich etwas zu hoch montiert. Aber es ist ja der Prototyp.

Revolutionär: Der Steuerstand ist hinten im Salon

Der Raum im Achterdeck ist schon erstaunlich groß, doch vom Raumgefühl im Salon bin ich besonders beeindruckt. Hier durchfluten große umlaufende Panoramafenster den Raum mit Licht. Zu diesem Gefühl der Weite passt die ungeteilte Frontscheibe. Die Fenster sind aber nicht das Interessanteste am Innenraumdesign der Bavaria E40. Das Innovativste ist die Position des Steuerstands. Üblicherweise befindet der Fahrstand sich im vorderen oder mittleren Teil des Boots, was den Nachteil hat, dass der Fahrer seine Gäste im Rücken hat.

Auf der E40 ist es anders: Der Steuerstand liegt auf der Mittelachse des Boots und ist im hinteren Teil des Salons platziert. So sieht der Rudergänger nicht nur, was auf dem Wasser um das Boot passiert, sondern hat gleichzeitig auch optimale Sicht auf das Geschehen auf seinem Boot. Der Fahrersitz ist ein bequemes Sofa für zwei Personen, das etwas höher positioniert ist als die anderen Salonsitze. So kann der Kapitän des Bootes wunderbar mit allen Gästen im Salon kommunizieren. Ich mag diese neue Idee sehr und die Fahrerposition funktioniert wirklich gut während unseres Tests. Zu Anfang hatte ich ein bisschen Sorge, dass die Sicht nicht ausreichend gut sein könnte, oder andere Personen im Salon die Sicht beeinträchtigen, da aber die Sitzbank hoch genug ist, ist der gesamte Blick schön frei.

Abgesehen von diesem revolutionären, im Motorbootbau absolut neuen Feature ist der Salon eher klassisch aufgebaut. An Backbord befindet sich die Pantry mit doppeltem Gasherd, Herd, Kühlraum und Spüle, auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Essbereich mit langem hölzernem Tisch und großem Sofa, das fast die ganze Länge des Salons einnimmt. Das Salonkonzept funktioniert sowohl wenn man zu zweit fährt, als auch in größerer Gruppe.

Die Kabinen sind groß und komfortabel

Der Niedergang zur Eignerkabine liegt klassisch am Ende des Salons mit einem Doppelbett im Scherenstil, das man bei Bedarf aus einander ziehen kann. Wirklich in Einzelbetten trennen lassen sich die beiden Schlafstätten wegen der Buglinie aber nicht. Zwei Schränke gibt es natürlich auch. Vor der Eignerkajüte befinden sich rechts und links zwei weitere Türen.

Die eine führt zum Badezimmer mit Dusche, die andere, auf der Steuerbordseite, zur Toilette mit Waschbecken. Alles hier ist wirklich groß und komfortabel. Auf einem Boot für sechs Personen ist es eine sehr gute Idee, Toilette und Dusche räumlich zu trennen. Eine weitere wirklich schöne Lösung ist der Stauraum unter den Niedergangstufen. Er ist groß und von innen beleuchtet.

Und wo schlafen die anderen Gäste?

Zwei weitere Kabinen und ein Bad mit WC und Dusche liegen unter dem Salon. Der Niedergang zu diesen Kabinen ist seitlich unterhalb des Fahrersitzes platziert. Aber keine Sorge: Es besteht keine Gefahr, sich den Kopf zu stoßen, wenn man nach unten geht. Unten geht es auf der rechten Seite zu einer von zwei Doppel-Gästekajüten. Etwas niedriger als die Bugkabine, ist dieser Raum ebenfalls sehr komfortabel – mit viel Aussicht durch die großen Fenster.

Sogar für eine Waschmaschine ist Platz

Eine Tür auf der linken Seite führt zum Maschinenraum. Weil dieser Raum so einfach zu erreichen ist, muss man daran denken, die Tür verschlossen zu halten, wenn Kinder mit an Bord sind. Die Bavaria E40 ist auch als Version mit zwei Kajüten erhältlich. In diesem Fall gibt es nur eine Kabine unter dem Salon: mit großem Bett in der Mitte, Sofa und Schrank an den Seiten. Dies wäre meine Kabine, wenn ich dieses Boot mein eigen nennen würde. Ich mag die Achterkabinen mehr als die Vorschiffs-Kajüten, weil sie viel Privatsphäre bieten. Unter dem Niedergang zur Gästekabine ist Stauraum für eine Waschmaschine. Das ist wichtig, wenn  man länger mit mehreren Leuten unterwegs ist. Und natürlich gibt es noch mehr Stauflächen unter den Sitzen und in den Kabinenschränken. Das Boot ist für lange Urlaube auf dem Wasser gut vorbereitet. Aber wie lange können wir die E40 bis zum nächsten Tankstopp fahren?

Entschleunigung ist wichtiger als schnelles Vorankommen

Die Reichweite der Bavaria E40 Sedan hängt davon ab, wie schnell wir reisen wollen. Unser Testschiff wird durch einen Volvo-Penta-D3-Motor mit 150 PS Leistung angetrieben. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von zehn Knoten bei 3.100 U/min liegt der Kraftstoffverbrauch bei 29 Litern pro Stunde. Bei diesem Tempo bietet der 270 Liter fassende Kraftstofftank nicht unendlich viel Reichweite.

Doch die E40 ist kein Rennboot, sondern konzipiert für angenehmes langsames Fahren – Entschleunigung ist wichtiger als schnelles Vorankommen bei diesem Konzept. Das entspricht ganz den Bedürfnissen der Kunden von Wanderbooten, die reisen und nicht heizen wollen. Wir müssen also lediglich langsamer fahren und ein paar Motorumdrehungen pro Minute heruntergehen, um unsere Reichweite fast zu verdreifachen. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von knapp unter acht Knoten sinkt der Kraftstoffverbrauch bei 2.000 U/min auf neun Liter pro Stunde. Bei dieser Geschwindigkeit kann man mit dem Schiff 30 Stunden am Stück fahren. Selbst wenn man unterwegs ankern möchte, reicht es immer bis in die nächste Marina. Unser Testboot ist übrigens in den vier Monaten, in denen es in ganz Europa unterwegs war, weniger als 200 Stunden Motorenstunden gelaufen.

Toll: Mit einem Knopfdruck vom Diesel zum E-Antrieb

Eine weitere, sehr nützliche Eigenschaft unseres Testboots ist der als Option erhältliche Hybrid. Dabei laufen ein Diesel- und ein Elektromotor parallel an einer Welle. Um vom Diesel zum elektrischen Antrieb zu wechseln (oder auch anders herum), muss man nur einen Knopf drücken, ohne das Boot dafür abzustoppen oder die Motoren ausschalten. Der Elektromotor läuft nicht nur völlig ruhig, er spart auch Geld und gibt zusätzliche Energie, wenn wir sie brauchen. Die Höchstgeschwindigkeit bei Fahrt über Elektromotor beträgt sechs Knoten. Die eingebaute Batterie erlaubt uns diese Geschwindigkeit für eine Stunde. Aber wenn wir auf fünf Knoten verlangsamen, können wir schon für zwei Stunden auf elektrisch fahren. Natürlich gibt es einen Bildschirm, der uns alle Details über Batterien und Motoren und Kupplung zeigt – sogar die Richtung, in die unser Propeller dreht!

Die Kraft des Hybrids

Mit vollständiger Akkuladung ergeben sich zwei zusätzliche Stunden Fahrt, fast kostenlos. Die vollständige Ladung des Akkus per Landstrom dauert rund sieben Stunden. Um sie aufzuladen, muss man nicht zurück zur Marina. Man drückt eine Taste am Gashebel, und der Dieselmotor lädt die Akkus während der Fahrt wieder auf. Der Kraftstoffverbrauch ist dadurch naturgemäß etwas höher – um rund zwei Liter pro Stunde zusätzlich.

Die Daten in der Tabelle zeigen den Kraftstoffverbrauch an, während der Motor als Generator arbeitet. Die volle Aufladung dauert rund 90 Minuten; dafür gibt es zwei Stunden Cruisen per Elektromotor extra. Eine weitere nützliche Funktion des Elektromotors ist der Boost-Modus. Dabei kann der Elektromotor kurzfristig zusätzliche Kraft geben, beispielsweise fürs Manövrieren im Jachthafen. Das einfache Hybrid-System ist gut zu bedienen und macht das Fahren der E40 Boot wirtschaftlicher und umweltfreundlicher.

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  • alternative text© Kerstin Zillmer
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  • alternative text© Rolf Nachbar
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Ein großes Rad drehen

Ich habe einiges über die Motorisierung geschrieben, aber noch nichts über das Fahren. Das Schiff besitzt ein großes Lenkrad aus rostfreiem Stahl, was an eine Segelboot erinnern soll ´ – und das funktioniert auf diesem Boot wirklich gut. Das große Rad macht das entspannte Lenken sehr komfortabel. Normalerweise muss man bei einem Verdrängerschiff mit Einzelmotor ständig nachsteuern, um das Schiff auf geradem Kurs zu halten. Bei der E40 müssen wir das nicht tun, zumindest nicht so oft. Es hält den Kurs wirklich gut, und ebenso gut verhält es sich in Kurvenfahrt. Der Main nahe Würzburg ist ziemlich schmal. Bei einer Geschwindigkeit von mehr als acht Knoten lässt sich mit der E40 komfortabel ein Vollkreis drehen, ohne dass wir ein Strahlruder benutzen oder verlangsamen. Die Fahreigenschaften bei Kurvenfahrt sind wirklich gut. Wir haben die Strahlruder nur verwendet, um das Schiff im Jachthafen seitwärts zu bewegen. Die E40 lässt sich wirklich einfach und entspannt fahren.

Fazit

Mit der E40 führt Bavaria eine neue Motoryacht-Baureihe auf dem Markt ein, die von Segelyachten inspiriert ist. Nicht alles an Bord kommt einer großen Revolution gleich, der Steuerstand im achterlichen Teil des Salons ist jedoch eine Innovation mit wirklich guter Funktionalität. Es bleibt abzuwarten, ob andere Werften diese Lösung zu kopieren versuchen – und ob Bavaria es auch für andere Boote anbieten wird. Eins hat die Bavaria E40 auf Anhieb geschafft: ein entspanntes Gefühl bei der Fortbewegung auf dem Wasser zu bieten, besonders wenn wir mit dem Elektromotor fahren. Alles, was wir dann hören, sind das Wasser und der Wind.

Bavaria E40 Sedan

Länge: 12,29 m Breite: 4,2 m Tiefgang: 1,10 m Gewicht: 10.500 kg Motorisierung: Volvo Penta D3-150 (150 PS), alternativ: D2-75 (75 PS) oder D4-300 (300 PS) CE-Kategorie: B (küstenferne Gewässer), Maximale Passagierzahl: 14 Personen, Preis: ab 199.000 Euro

Die Werft

Bavaria Yachtbau GmbH, Bavariastraße 1, 97232 Giebelstadt, Tel. (09334) 94 20, bavaria-yachtbau.com

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Allert marin GmbH Zur Uferaue 1 14542 Werder (Havel) Tel. +49 3327 42330 info@allertmarin.de
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Allert Marin ist seit mehr als 20 Jahren autorisierter Vertragshändler für Bavaria-Motoryachten und Bavaria-Segelyachten in der Havel-Region, seit 2009 autorisierter Vertragshändler für Greenline-Yachten in Deutschland.

2 Kommentare

Hans-Gert /

Ich war sehr beeindruckt, das schöne Schiff auf der Boot & Fun zu sehen. So viel Raum ist selten. Ich las, dass es an der Müritz eingesetzt werden soll. Stimmt das?

Antwort

Ja, das ist richtig. Die Bavaria E40 Sedan kann ab sofort bei Yachtcharter Schulz in Waren gechartert werden. Kaufinteressenten können sich an den Bavaria-Vertragshändler „Allert marin“ in Werder/Havel wenden.

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