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Sirena 64 und 58 © Werft/Jeff Brown Sirena 64 und 58 © Werft/Jeff Brown
Bootstest

Besuch bei zwei Riesen

Mit 58 und 64 Fuß baut Sirena richtig groß. Wir fuhren die Riesen.

Arek Rejs
von in
4 Minuten

Die Türkei ist nur selten Ziel für Sportboottests. Das mag auch daran liegen, dass hier weniger Sportboote gebaut werden als im Rest Europas. Dafür gibt es in der Türkei Werften, die größere Segel- und Motoryachten bauen – wie Sirena Marine. Die nahe Istanbul ansässige Werft ist hierzulande vor allem durch Segelyachten der Marken Azuree und Euphoria bekannt. Weit weniger bekannt sind die Motoryachten der jungen Werft, die unter dem eigenen Namen Sirena Yachts angeboten werden. float hat die Gelegenheit wahrgenommen, mit der Sirena 58 und der Sirena 64 zwei Riesen auf dem Wasser kennenzulernen – und natürlich auch zu fahren.

Sirena 58 und 64 – float Bootstest und Werftbesuch

Doppelte Bootsfahrt am Bosporus

Unsere Probefahrt in den ersten Frühlingstagen beginnt in der Pendik-Marina, einem großen und modernen Yachthafen auf der asiatischen Seite von Istanbul. Im Hafen liegen zwei Motoryachten, die Sirena 58 und Sirena 64. Beide Schiffe wurden im Studio von Tommaso Spadolini entworfen – und zeigen erkennbar die Handschrift eines Konstrukteurs, dessen Renommee sich auf Entwürfen im Superyachtbereich aus vier Jahrzehnten gründet.

Ich bin den beiden Riesen bereits während des Cannes Yachting Festivals im vergangenen September begegnet. Aber es ist etwas anderes, mit diesen Schiffen auf offener See zu fahren als mit einem Dutzend anderer Gäste in der Schlange zu stehen, um an Bord zu kommen.

Eine Überraschung auf dem Vordeck

Die Sirena 64 ist die erste große Motoryacht, die von Sirena Yachts gebaut und 2014 eingeführt wurde. Der Entwurf ist damit streng genommen mehr als drei Jahre alt. Das macht aber in diesem Segment nicht so viel, denn als Semi-Custom-Schiffe unterscheiden sich alle ausgelieferten Boote stark im Design: Stoffe, Holz, Rumpffarbe und Inneneinrichtung werden individuell gewählt.

Sirena Yachts

Sirena 64 © Werft/Jeff Brown

Angetrieben wird die gefahrene Sirena 64 durch Zwillingsmotoren des Typs CAT C12.9 mit je 850 PS. Es braucht einige Zeit, um in Fahrt zu kommen. Bis zum Erreichen der Gleitfahrt, ja, das geht tatsächlich, vergehen 13 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 Knoten – bei 2.250 U/min und einem Kraftstoffverbrauch von 162 l/h pro Motor, in Summe 324 Liter pro Stunde. Da braucht es schon das nötige Kleingeld.

Es mag merkwürdig klingen bei diesen Dimensionen, aber in jeder Geschwindigkeit ist das 64-Fuß-Schiff einfach zu fahren. Der Gashebel ist für meinen Arm zu weit vom Steuerrad entfernt und auf der linken Seite platziert. Das wirkt zunächst seltsam. Doch eigentlich gefällt mir die Position, die sich beim Fahren als ziemlich komfortabel erweist.

Der Kunde fragte, ob er nicht einen Whirlpool auf dem Vorschiff haben konnte. Warum nicht?

Die von uns gefahrene Sirena 64 wurde für einen Eigner in Mexiko gefertigt, der auf dem Vorschiffsdeck anstelle der Sonnenliegefläche lieber einen Whirlpool haben wollte. Einen Jacuzzi ganz vorn ist sicher nicht die am einfachsten umsetzbare Idee, da sich damit die Gewichtsverteilung des Boots ändert, wenn man zusätzlich 200 kg Gewicht aufs Bugdeck stellt. Aber der Kunde ist manchmal ein König, warum also nicht?

Als modernes Trawlerschiff ist die Sirena 64 mit drei oder vier Kabinen plus einer Doppelkabine für die Crew lieferbar. Eine unglaubliche Größe hat das Flybridge-Deck. Die standardmäßig vorhandene Dusche befindet sich im Antennenmast. Zur Standardausrüstung aller Sirena-Yachten gehört auch die hydraulische Badeplattform. Und es gibt sie auch mit einen klappbaren Antennenmast, um niedrige Brücken passieren zu können.

Eine Nummer kleiner ist immer noch riesig

Nach dem Test der 64 wechseln wir die Boote und gehen an Bord der Sirena 58, dem neuesten Modell. Das hat alles, was das größere Schwestermodell – abgesehen vom Jacuzzi auf dem Deck – bietet und noch mehr. Die schöne Neuheit wartet mit einer umwerfenden Vorschiffskajüte auf. Die Rückwand der Kabine ist zum Niedergang hin offen und bietet einen eigenen privaten Zugang zum Loungebereich auf dem Bugdeck.

Sirena Yachts

Sirena 58 © Werft/Jeff Brown

Die offene Kabine lässt den verfügbaren Raum unter Deck deutlich größer erscheinen. Ein überzeugendes Beispiel für ergonomisch optimale Gestaltung. Ich empfehle allen, auf einer Messe an Bord der Sirena 58 zu gehen, um zu sehen, wie gut das Konzept aufgeht.

Unterschiedliche Innenraumkonzepte

Die Sirena 58 wird mit zwei oder drei Kabinen für die Bordgäste und einer Einzelkabine im Heck für den Charterkapitän angeboten. Die Bordküche ist im Salon relativ weit hinten platziert, damit sie vom Achterdeck leicht zugänglich ist. Bei der Sirena 64 ist die Kombüse im Salon zwischen der Essecke und dem Steuerstand – ganz im Stil einer großen Motoryacht.

Das „kleine“ Testschiff überrascht uns beim Beschleunigen

Das 58-Fuß-Schiff wird mit identischer Motorisierung angetrieben wie das größere 64-Fuß-Schiff. Das „kleinere“ Testschiff schafft damit eine Höchstgeschwindigkeit von 28 Knoten bei 2.300 U/min und einem Kraftstoffverbrauch von 163 l/h pro Motor. Die Beschleunigung ist interessanterweise nicht besser als bei der größeren Yacht. In Summe hatte ich, der ich üblicherweise Boote von sechs bis 18 Metern Länge fahre, das größere Fahrvergnügen mit der Sirena 58 – auch wenn es ziemlich kühl war. Denn leider hatten wir kein Glück mit dem Wetter. Eine warme Jacke war Pflicht, um die Boote am Bosporus von der Flybridge aus zu fahren.

Von der Auftragsfertigung für Azimut…

Sirena Marine wurde 2006 von der Kiraça Holding gegründet, einer der größten Unternehmensgruppen in der Türkei, wie wir bei der Firmenpräsentation am Hauptsitz der Werft in Bursa Orhangazi, einem Vorort von Istanbul erfahren. Der Start auf der internationalen Bühne beginnt für Sirena durch eine Partnerschaft mit der italienischen Werftgruppe Azimut-Benetti. Hier am Bosporus werden zwei Modelle der sehr beliebten Motoryachtserie Azimut Magellano produziert. Mit Unterstützung der Muttergesellschaft führt man bei Sirena sehr bald auch eigene Bootsmarken ein.

Sirena Yachts

Die komplette Sirena-Crew vorm Firmensitz © Werft/Jeff Brown

… zu den eigenen Mini-Megayachten

Augenblicklich produziert die Werft als Auftragsfertiger noch die Azimut Magellano 43. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch längst auf den Marken Sirena Yachts, Azuree und Euphoria. Diese Schiffe entstehen in den inzwischen erweiterten Produktionsstätten.

Auf 155.000 qm Produktionsfläche bauen, so die Werftangaben, mehr als 550 Mitarbeiter drei Modelle von Sirena Yachts und sechs Segelyachtmodelle der Marken Azuree und Euphoria. Alles wird unter einem Dach produziert – von den Formen bis zum Stapellauf. Neben der Größe der Fabrik ist die Professionalität der Abläufe in den modernen Fertigungsanlagen beeindruckend.

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