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Zodiac Medline 7.5 Ein Boot fürs Mittelmeer und Metropolen: Zodiac Medline 7.5 © Hersteller
Zodiac Medline 7.5

Boot fürs Mittelmeer und Metropolen

Die Zodiac Medline 7.5 ist ein Familien-RIB für den Süden. Viel Platz an Deck macht es auch als Lounge-Boot tauglich.

Stefan Gerhard
von in
9 Minuten

Kompaktheit als Konzept – das ist das erste, was auffällt an der Zodiac Medline 7.5, die vor uns im Seglerhafen von Hyères am Steg liegt. Kompakt als Konzept ist das Schlauchboot, weil es ohne jede Platz-Verschwendung alles enthält, was man auf gut sieben Metern Bootslänge nicht unbedingt erwartet, bei Zodiac aber bekommt. Bei heftigem Wind stehen wir nun, wenige Monate später, auf der steinernen Pier und machen das Familienboot startklar.

Farblich mondän und modern

Beginnen wir von vorne, und zwar buchstäblich: Wir steigen vom Steg über – auf den Bug des brandneuen RIBs. Mit einer Auflage aus robustem Kunstholz rund um die Ankerrolle bietet die Bootsspitze guten Grip. Das ist wichtig beim feuchten Wetter am ersten Testtag. Wir staken, wie der Storch im Salat, über die vordere Liegewiese Richtung Cockpit.

Der Witterung wegen sind die Polste nicht angebracht. So schauen wir direkt auf die GFK-Oberflächen der beiden großen Schnaps im vorderen Bereich des Boots. Im größeren von beiden sind – durch solide, hydraulische Öffner gesichert – die soliden Kissen für beide Sonnenbetten verstaut. Mit sattem Türkis wirkt die Farbgestaltung der Auflagen und übrigen Polster mondän und modern gleichzeitig.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Das Vordeck als Liegewiese © Hersteller

Das vordere Fach, dem Bug zugewandt, gibt den Blick frei auf die elektrische Ankerwinde. Die Winde kann per Fernbedienung benutzt werden. Der Anker selbst ist unterhalb des Bugwulsts zu sehen. Das Geschirr verbleibt immer einsatzbereit außen. So kann der Anker schnell und spontan über die Winde ausgebracht werden. Zwei kleine Klampen, die im GFK-Teil der Schlauchboots am Bug eingelassen sind, erleichtern das Festmachen sehr, wie wir später bemerken.

Mit Volle-Fahrt-voraus-Sitz

Der Wind zaust am Boot, Wolken türmen sich auf – die Côte d’Azur zeigt sich ganz anders als erwartet. Zeit, es sich an Bord gemütlich zu machen. Direkt hinter dem Anker gibt es ein schräg angebrachtes Polster, es scheint für mich gemacht zu sein. Hier ergibt sich, ganz vorn im Bug, eine Sitzposition, die ebenso kommunikativ wie sicher ist.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Blick nach achtern © Hersteller

Mit dem Blick achteraus habe ich das ganze Boot im Überblick: Rechts und links schützt mich der breite Wulst der hellen Neopren-Hülle. Geradeaus blicke ich auf die Konsole mit dem Fahrstand, dahinter ist tatsächlich ein kleiner Salonbereich. Direkt davor kommt erst einmal mein Gegenüber: der Volle-Fahrt-voraus-Sitz nämlich.

Seitenhalt ist wichtig

Dieser Sitzplatz auf der Vorderseite der Mittelkonsole ist ein schön gestalteter und geschützter Platz – mit ordentlich Seitenhalt auf der rechten und linken Seite. Dafür sorgt die Kante, die in die Fahrkonsole aus GFK eingearbeitet ist.

Und Seitenhalt ist wichtig auf einem Schlauchboot, bei dem bei hoher Geschwindigkeit sehr starke Zentrifugalkräfte wirken können, die man auf einem konventionellen Motorboot so nicht erlebt. Die Beine gemütlich auszustrecken und die Füße an der Kante des Vorschiffsschapps einzuhaken, ist gerade bei höherer Geschwindigkeit nützlich.

  • Bootstest Zodiac Medline 7.5Haupteinsatzzweck: Familienboot für den Süden © Hersteller
  • Bootstest Zodiac Medline 7.5 © Hersteller
  • Bootstest Zodiac Medline 7.5 © Hersteller

Nützlich und sinnvoll wäre hier eine seitlich angebrachte Haltestange. Das würde auch den Laufweg an der Konsole vorbei zum Mittschiffsbereich noch sicherer machen. Denn vor dem Spaß kommt die Sicherheit an Bord. Das galt schon für das kompakte Universal-RIB Zodiac 5.5, das float 2018 testeten und wir als Schweizer Taschenmesser in Bootsform loben konnten.

Der coole Touch eines Designboots

Die leicht in Richtung Steuerbord versetzt montierte Mittelkonsole ist ein sehr schönes Stück Design. Der kantige, nur die Instrumententafel schützende Windschutz aus Plexiglas hat den coolen Touch eines Designprodukts.

Ohne zu viel hinein zu interpretieren: An Bord der Medline 7.5 bin ich eher an eine Mini-Wally, Fjord oder eines der kantigen Frauscher-Modelle erinnert als an ein Schlauchboot aus Frankreich. So viel macht eine gut gestaltete Konsole mit einer ergonomisch richtig geformten und platzierten Windschutzscheibe aus.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Steuerstand der Zodiac Medline 7.5 © Hersteller

Eine Fusion-Stereoanlage des Typs MS-UD 755 mit Bluetooth, deren Bedienelement ich selbstverständlich abnehmen kann, komplettiert das Setting. Es ist genug Platz im Armaturenbrett, um einen Kartenplotter mittlerer Größe unterzubringen. Bei unserem Boot, dem Prototyp und Baunummer 1, ist diese Fläche frei.

Wellenreiten an der Côte

Der Fahrstand selbst ist einfach und sehr funktional gestaltet: Über das mit Kunstleder bezogene Ultraflex-Lenkrad hinweg sehe ich die standardmäßige Kontrollanzeige des japanischen Motorenherstellers. Rechts, und genau an der richtigen Stelle, ist die sehr gut in der Hand liegende Einhebelschaltung platziert.

Den Trimmknopf habe ich direkt unter meinem Daumen. Eine Kopfdrehung mit dem Blick zurück zeigt mir – hinter der Essecke – den großen, 300 PS leistenden Motor von Yamaha unseres Testboots, den ich von hier aus dirigiere.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Zugfahrzeug für Boarder: die Medline 7.5 © Hersteller

Wir verlassen den windumzausten Seglerhafen und fahren hinaus in die bewegte See. Das Meer an der Côte d’Azur zeigt sich in diesem Frühjahr anders als erwartet. Rund anderthalb Meter hohe Wellen zeigen uns, was das Boot kann. Sicher lässt sich die Medline 7.5 durch Berg und Tal steuern, selbst ein wenig mehr Tempo können wir aufnehmen, sobald die Dünung es uns gestattet.

Gutmütig und genau steuerbar, halten uns der große Motor und der vorn mit tiefem V versehene Rumpf auf Kurs. Nichts knirscht an Deck. Keine G-Kräfte, die an uns zerren. Wir ziehen die Kurven so eng wie möglich. Keine Chance, den Hebel ganz nach vorne zu ziehen.

Ricardo Masabeu, ein erfahrener RIB-Rennpilot und Bootstester aus Spanien, kommt uns vor der Hafeneinfahrt auf der Bombard Sunrider 650 entgegen. Er hat Spaß, wir auch. Familien könnten das anders sehen. Denn selbst die Segler gehen heute nicht raus.

Zwei Tage vorm Test war weniger Welle

Zodiac Medline 7.5 © Hersteller

Einen Tag zuvor erreichte das Zodiac-Team bei der Probefahrt mit dem Prototypen 48 Knoten Maximum – in der Konfiguration mit dem 300 PS starken Motor von Yamaha. Von den dabei gemessenen Beschleunigungswerten konnten wir nur träumen. Mit 18-Zoll-Inox-Prop und zwei Personen an Bord beschleunigte die Medline 7.5 in 2,8 Sekunden von Null auf 15 Knoten (4,4 Sekunden von Stillstand auf 20 Knoten, 6 Sekunden von Null auf 30 kn).

Der Pilot sitzt auf der Spüle

Die Schläuche sind aus Neopren gefertigt. Die Schläuche haben eine neue konische Form und sind etwas kürzer als zuvor. Die Form nennt der französische Hersteller „Fish Tail“. Prominent ist das neue große Logo von Zodiac im Heckbereich zu sehen. Die Tubes genannten Schläuche sind im Farbton „Off-White“ gehalten. Der Rumpf aus GfK ist entweder in weiß zu haben, für einen Aufpreis von 1000 Euro auch in hellgrau.

Spannend ist, worauf ich sitze, nämlich auf der Spüle. Die extrem schmal gestaltete Sitzbank bietet genau die Sitzfläche, die es braucht für zwei vollwertige Flip-Up-Sitze nebeneinander. Klappe ich die Sitze hoch, indem ich den seitlichen Verschluss löse und die Sitze hydraulisch nach oben fahren lasse, dann zeigt sich vor mir eine Bordküche im Westentaschenformat.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Die Pantry ist unterm Fahrersitz © Hersteller

Wende ich mich, auf der Pilotenposition stehend, nach achtern, habe ich die Spüle direkt vor mir. Rechts davon befindet sich bei unserem Testboot die Aussparung für den Herd – oder für den Bordgrill. Das Schneidebrett aus Kunststoff mit dem eingearbeiteten Logo von Zodiac wird, das ist dann doch sehr französisch, gleich mitgeliefert.

Direkt unter dem Beifahrersitz ist der üppig dimensionierte Kühlschrank von Dometic. Näher an der Crew als an Bord der Medline 7.5 war der Getränke-Vorrat bei kaum einem anderen Boot. Klappe auf, Kaltgetränk raus, Klappe zu.

Die Dinner-Ecke als Herz des Boots

Apropos Klappe: Die gesamte Konsole kann natürlich aufgeklappt werden. Löse ich die Verschlüsse, lassen sich die aus solidem Stahl gearbeiteten Fußleisten als Griffe zum Heraufziehen der soliden Konsole nutzen. Schon öffnet sich ein sehr großer Stauraum für alle Arten von Wasserspielzeug vor mir.

Das eigentliche Herz des Schiffs, pardon: Festrumpf-Schlauchboots, ist achtern. Hier ist, geschützt hinter der Sitzbank für Fahrer und Beifahrer, eine richtige Essecke entstanden. Sie bietet genug Platz für fünf Personen, die keine Berührungsängste haben.

Klappe ich den seitlich in der Backbordwand montierten Bedarfssitz hoch, ist sogar das Kopfende der Tafel auf der Gangbordseite mit einem Dinner-Gast belegbar. Sechs Personen finden so mit etwas gutem Willen Platz. Für vier Personen ist es, auf den gepolsterten Sitzen in U-Form, allemal gemütlich um den rund 60 × 1,20 m großen Tisch aus Echtholz.

  • Bootstest Zodiac Medline 7.5Die Sitzecke mit Holztisch © Hersteller
  • Bootstest Zodiac Medline 7.5Blick zum Kopfende © Hersteller
  • Bootstest Zodiac Medline 7.5Statt sitzen liegen © Hersteller

Begrenzter Platz mehrfach genutzt

Das asymmetrische Gangbord gibt dem Schlauchboot einen sehr großzügigen Charakter. Und der begrenzte Platz achtern lässt sich mehrfach nutzen, wenn man umbaut. Fahre ich den Tisch herunter, kann hier auf ganzer Breite gesonnt werden. Die Musik gibt es gratis dazu. Denn die leistungsstarken Lautsprecher von Fusion sind in den hohen Geräteträger eingelassen.

Dieser GFK-Bogen verleiht dem Boot eine schnittige Seitenlinie. Er bereitet mit knapp zwei Metern Höhe auch überdurchschnittlich hochgewachsenen Menschen kein Kopfzerbrechen.

Schade ist, dass sich die gepolsterte Rückenlehne ganz im Heck nicht einfach umklappen lässt, um so die zweite Sonnenliegewiese ohne weitere Polster aufbauen zu können. Das mag eine bewusste Entscheidung gewesen sein, damit der doch sehr große Motor direkt dahinter nicht im Blickfeld der ganzen Familie ist.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Das Heck ist der Hub… © Hersteller

Bootstest Zodiac Medline 7.5

… fürs Baden und Wassersport © Hersteller

Heck als Hub

Der Käfig rund um den Außenborder schützt nicht nur die Passagiere vor dem hubraumstarken grauen Yamaha-Motor. Die solide Edelstahlstange ist gleichzeitig auch der Wasserskimast – mit integrierter Wasserskiöse. So ist der das Heck der „Hub“, die Startstelle, für den aktiven Wassersport an der Leine.

Und der gerätelose Wassersport, sprich Schwimmen? Über die im Heck montierten GFK-Elemente, die wie im Bug mit Kunstteak belegt sind, geht es schnell ins Wasser. Einmal am Träger festgehalten, geht es – schwupps – hinein ins Wasser. Positiver Nebeneffekt des GFK-Elements im Heck: Uns stehen zwei sehr solide Heckklampen zur Verfügung.

Gemütlich oder G-Kräfte

Die Zodiac Medline 7.5 zeigt schon ein wenig die Extreme an, die sich aus der Kombination eines Familienboots und einem Renn-RIB ergeben. Auf der einen Seite erlaubt das Boot gemütliches Beisammensein mit der Familie oder Freunden auf dem Wasser. Das zeigt sich bei der wunderbare Sitzgruppe und den zahlreichen anderen Positionen, wo man an Bord Platz nehmen kann.

Zum anderen haben wir mit 300 Pferdestärken und V8-Motorentechnik ein – für gut sieben Meter Länge – sehr stark motorisiertes Boot, das pure Kraftentfaltung bietet. um es einmal positiv auszudrücken. Andersherum gesprochen: Wird das Boot voll ausgefahren, wird wohl niemand mehr am Kaffeetisch sitzen wollen.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

300 PS bringen die Medline auf 48 Knoten © Hersteller

So heißt Mehrzweckboot aus meiner Sicht, dass sich die Zodiac-Neuheit für den jeweiligen Einsatzzweck mehrerer Zielgruppen nutzen lässt. Aber es wird eher nicht direkt nacheinander für Kaffeefahrten und Racing genutzt.

Kuchenbude fürs mediterrane Boot

Ist das Wetter mäßig, lässt sich eine – gar nicht südeuropäische – Kuchenbude ganz einfach etablieren. Dazu werden die Gestänge, die fest am großen Instrumententräger montiert sind, ausgeklappt und über die gesamte Sitzgruppe gezogen. Ist man mit einer Variante der Medline 7.5 ohne den optionalen Geräteträger unterwegs, lässt sich das Bimini auch an anderer Stelle im Heck des Boots anbringen.

Zum Standard bei der Zodiac Medline 7.5 gehört eine ganze Menge, zum Beispiel auch der Tisch, was bei RIBs nicht immer selbstverständlich ist. Von der Optionsliste unbedingt ins Orderbuch eines Käufers gehören meiner Ansicht nach das Bimini, die achterlichen Sonnenliegen, der mit Gas betriebene Herd und der Kühlschrank.

24 Polstervarianten sind zu haben: Unser Testboot hat eine reizende und sehr ansprechende Kombination aus türkisfarbenem Kunstleder und grauen Rücken-Zierelementen aus wasserfestem Kunstcord mit edel wirkender heller Absteppung zu bieten. Und wieder: mehr Design als erwartet.

Ob man einen Eiswürfelbereiter braucht, mag der eigene Geschmack entscheiden. Der Geräteträger, der unter anderem die Lautsprecher aufnimmt und die Mitte des integrierten Biminis bildet, ist essentiell, wenn man das Konzept des kompakten Familienboots ernst nimmt – und nicht nur bei strahlendem Sonnenschein unterwegs ist.

Schwimmende Insel

Auch wenn die Zodiac Medline 7.5 mit einem 300 PS starken Außenbordmotor motorisiert ist: Das RIB auch eine schwimmende Insel, die gut auch auf Seen und Flüssen zum Einsatz kommen kann. Und auf den Fluss- und Fließgewässern hiesiger Wassermetropolen wie Berlin, die allmählich von einer neuen, jungen Gruppe urbaner Bootsfahrer bevölkert werden.

Bootstest Zodiac Medline 7.5

Zu viert in der Dinner-Ecke © Hersteller

Dies ist ein Argument dafür, ein Schlauchboot auch einmal nicht nur als schnellen Untersatz für Strandtouren im Mittelmeer und der Adria einzusetzen.

Die Zodiac-Crew, die den von der Medline 7.40 abgeleiteten Prototypen nach Hyères gebracht hat, sieht für die neue Medline 7.5 vor allem den Süden Europas als Einsatzgebiet. „Wir erwarten für dieses Boot auf dem Mittelmeer-Markt den größten Marktanteil.“ Das ist nur das Start: Ein neun Meter langes Medline-Modell ist in Vorbereitung, mit Premiere zur Paris Boat Show.

Technische Daten Zodiac Medline 7.5

Länge (außen)7,34 m (innen 6,16 m)
Rumpflänge6,45 m
Breite (außen)2,90 m (innen 1,67 m)
Gewicht1.150 kg (ohne Motoren)
Motorisierungmaximal 300 PS
CE-KategorieB (küstenferne Gewässer)
Maximale Passagierzahl16 Personen (bei CE B: 6 Personen)
Preisab 45.125 Euro

Messwerte

2 Personen an Bord, weniger als 15 km/h Wind, Wellengang: 30 cm

Drehzahl (U/min)Tempo (Knoten)Verbrauch (l/h)
50032,5
1.00065
2.0001013,3
3.0002024,2
4.0003140,5
5.0004168
5.5004484
5.90048101
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