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Die Gorch Fock in besseren Tagen © Wikimedia Commons, gemeinfrei Die Gorch Fock in besseren Tagen © Wikimedia Commons, gemeinfrei

Werft will Gorch Fock als Pfand behalten

Droht eine zweite Insolvenz durch die Sanierung der Gorch Fock? Die Bredo-Werft fürchtet, auf Kosten sitzenzubleiben.

Michael Krieg
von in
3 Minuten

Die Bremerhavener Bredo-Werft droht, die bei ihr liegende „Gorch Fock“ als Pfand zu behalten. Sollten der Sub-Auftragnehmer nicht 4,3 Millionen Euro erhalten, gebe man das Schiff nicht frei, berichtet der Spiegel. Eigentlich soll das Segelschulschiff der Deutschen Marine am 21. Juni zum Weiterbau ausgedockt werden. So jedenfalls ist die Planung, wenn der Rumpf wieder schwimmfähig ist. Oder besser gesagt: So war die Planung.

Droht der zweiten Werft die Insolvenz?

Die bisherige Sanierung kommt fast einem Neubau gleich. Und diese Arbeiten führte die Bremerhavener Bredo-Werft aus, im Auftrag der von einem Korruptionsskandal, Betrugsvorwürfen und Insolvenz heimgesuchten Elsflether Werft, dem eigentlichen Auftragnehmer. Wie bekannt, sind die Kosten über Jahre ohne Projektkontrolle explodiert.

Seitdem die Elsflether Werft Insolvenz angemeldet hat, ist zu befürchten, dass die Bremerhavener von der Bredo-Werft auf ihren Forderungen und Kosten sitzen bleiben. Und die sind hoch. Wenn kein Geld fließt, so befürchtet man seitens der Werft in Bremerhaven, gerate man unter Umständen selbst in die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit. Ihr Fazit: Ohne Zahlung kein Ausdocken!

Gorch Fock

Die Gorch Fock © Michael Krieg

Hilferuf an die Bundeswehr

Vor zwei Monaten hatte der Bredo-Geschäftsführer nach dem Spiegel-Bericht eine Liste mit Forderungen an das Ausrüstungsamt der Bundeswehr in Koblenz gesandt. Demnach soll die Elsflether Werft ausstehende Rechnungen in Höhe von 11,3 Millionen Euro nicht beglichen haben. Aufgrund des Insolvenzverfahrens müsste die Bremerhavener Werft eigentlich abwarten.Doch das wollen, das können die Bremerhavener nach eigenen Angaben nicht. Aufgrund der ausbleibenden Zahlungen komme selbst in Gefahr, zahlungsunfähig zu werden. Außerdem, so heißt es aus Bremerhaven, habe man einen Großteil des Schiffs neu gebaut.

Daraus leitet die Werft nun ihren Anspruch ab, dass der von ihnen wiederhergestellte leere und nicht schwimmfähige Rumpf hauptsächlich der Werft gehöre. Jedenfalls so lange, bis man vollständig bezahlt werde. So zitiert der Spiegel aus dem Schreiben an das Ausrüstungsamt.

Gorch Fock

Die Gorch Fock im Einsatz © Deutsche Marine

Bei der Elsflether Werft ist man derweil unbesorgt. Auf Anfrage von float, welche Auswirkungen der angekündigte Rückbehalt des Schiffes wirtschaftlich für die Elsflether Werft und den Baufortgang bedeutet, antwortete am Wochenende ein Vertreter der Werft: „Das Rückbehaltungsrecht wird gegenüber der Marine geltend gemacht. Die Elsflether Werft arbeitet gemäß der bestehenden Verpflichtungserklärung weiter.“ Wenn das Schiff denn ankommt.

Werftmitarbeiter drohen mit Blockade

Die Bredo-Werft fordert allerdings zurzeit „nur“ 4,3 Millionen Euro, um das Schiff freizugeben. Das wurde nach vermittelnden Gesprächen zwischen Wirtschaftspolitikern aus Bremen und Niedersachsen mit den Chefs der Werften in der Bremer Wirtschaftsbehörde vereinbart.

Bleibt die Frage, ob die Bundeswehr als Auftraggeber der Schiffssanierung nun wiederum zur Kasse gebeten wird und jetzt doppelt zahlen muss. Denn sie hatte der Elsflether Werft bereits Millionen überwiesen. Nur wurde hier das Geld nie weitergeleitet. Mit drei Millionen Euro von der Bundeswehr wäre die Bredo-Werft zunächst zufrieden. Das wird aber wohl von den Streitkräften abgelehnt.

Das sei ein fatales Signal, das eben auch die Bredo-Werft in den Abgrund ziehen würde, hieß es dazu aus Kreisen der Bremer Politik. Kann sich der Bund so aus seiner Verantwortung gegenüber der Werft einfach davonstehlen? Diese Frage hat Zündstoff. Denn wenn tatsächlich kein Geld fließen sollte, drohen die Mitarbeiter der Werft offenbar damit, den Weg der „Gorch Fock“ zurück in ihr Element einfach zu versperren.

Basis für Planung fehlte

Die Weiterführung der immer teurer werdenden Sanierung war mehrmals durch ranghohe Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums genehmigt worden. Von Beginn an habe „die Basis für die Planung“ gefehlt, zitierte der Spiegel im Januar 2019 einen Bericht behördlichen Prüfer. Bereits im April 2018 hatte das zuständige Bundeswehramt gegenüber float fehlenden Überblick bei der Sanierung des Großseglers eingeräumt.

 

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