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© Sven Jürgensen / Mittelmann’s Werft
Bootstest

Corsair Pulse 600: Rasen auf drei Rümpfen

Ein Trimaran fürs sportliche Segeln, Trailer-Urlaubsörns und Kurztrips in heimischen Revieren. Kann das klappen?

von in
7 Minuten

Gegründet 1985 im sonnigen Kalifornien nahe San Diego, hat Corsair Marine sowohl den Firmensitz als auch seine Produktion nach Vietnam verlegt, nach Ho-Chi-Minh-Stadt, ehemals Saigon. Die Werft baut die wohl populärsten trailerbaren Trimarane der Welt, bisher mehr als 1.700 Schiffe.

Mehrrumpfboote polarisieren – schon lange nicht mehr, selbst bei uns. Die Zeiten, wo Kats und Trimarane auf hiesigen Gewässern lediglich ein Nischendasein fristeten, sind vorbei. Vor allem fürs Fahrtensegeln werden Katamarane wegen des großen Platzangebots an Bord und wenig bis so gut wie gar keiner Krängung immer beliebter.

© Sven Jürgensen / Mittelmann’s Werft

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Zielvorgabe: Universell und schnell

Im Gegensatz zu dieser Spezies mit Doppelrumpf erinnert bei einem Trimaran zumindest der Mittelrumpf noch an einen herkömmlichen Segelbootrumpf. Bei unserem Testschiff, dem neusten und kleinsten Corsair-Modell, ist der mittlere Rumpf eher mit einem schmalen offenen Rennjollenrumpf der 1930er-Jahre als mit dem einer Fahrtensegelyacht vergleichbar.

Der Corsair Pulse 600 soll einen erschwinglichen und familientauglichen Einstieg in der Tri-Universum bieten. Äußerlich gelingt dem Dreirumpfboot das schon einmal gut: Kompakt gebaut und von François Perus nach den neusten Erkenntnissen des Trimaran-Designs konstruiert, besitzt der Pulse 600 extra großvolumige Außenschwimmer und einen negativ ausgeformten Steven. Dies soll, so verspricht es die Werbung, besonders Performance-orientierte Segler begeistern.

Vielseitigkeit ist ein wesentliches Merkmal des Boots, das wir zum Probeschlag auf der Schlei testen. Es gibt viel Platz auf den Trampolinen, der wannenartige Mittelrumpf besitzt einen Süll mit recht breitem Profil, auf dem man bequem sitzen kann. Das offene Cockpit bietet Platz für vier Personen. Dank der ergonomischen Anordnung aller Bedienelemente kann aber auch Einhand gesegelt werden.

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© Sven Jürgensen

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© Michael Krieg

Farbige Kajüte zum Abnehmen

Eine kleine farbige, wetterfeste und abnehmbare (ja, richtig gelesen!) Schlupfkajüte vor dem Mast – zur Auswahl stehen Rot, Grau, Blau und Gelb – bietet knapp bemessenen, aber doch ausreichend viel Stauraum für den Tagestrip oder ein Wochenend-Abenteuer. Unter dem Cockpitboden gibt es noch ein wasserdichtes Staufach, beispielsweise für Wertsachen.

Der stabile Bügel in Form eines Ringrahmens bleibt stehen. Auf ihm steht der drehbare Mast. Unter einer aufgespannten Baumpersenning könnte man auch nach Wanderjollenart auf einer Luftmatratze und im Schlafsack nächtigen. Oder man hat ein kleines Camping-Wurfzelt dabei, das auf den Trampolinen genug Platz findet.

Der Tiefgang des Pulse 600 variiert dank einfachem Steckschwert und -ruder, die beide in Komposit-Bauweise ausgeführt sind, zwischen 0,22 bis 1,20 m. Zudem können beide komplett hochgezogen werden. Kein Problem also, mit diesem Tri wie mit einem Strand-Kat auch am flachen Ufer anzulanden. Das Großsegel lässt sich per Kurbel an der Mastvorderkante auf dem Baum aufrollen. Dazu kommen eine Rollfock und der Gennaker.

Einfach klappbar

Die beiden Schwimmer sind sowohl an Land als auch auf dem Wasser einfach klappbar, so wie bei allen Corsair-Modellen. Man braucht nur die Sicherungsbolzen vorn und hinten rausdrehen und die Wanten leicht lösen, sodass sie nicht unter Spannung stehen. Dann kann man die Ausleger problemlos mit einem Handgriff nach unten drücken, sodass sie dann unter dem Hauptrumpf verschwinden, während die Beams hochschwenken.
Das Klappen funktioniert wie bei allen Corsair-Trimaranen nach dem gleichen Prinzip. Das ist wichtig, eben auch im Wasser! Dadurch dass die Schwimmer nicht tiefer sitzen als der Mittelrumpf (die bleiben auf der gleichen horizontalen Position), werden sie auf der gleichen Ebene untergeschoben. Sie werden also nicht heruntergedrückt.

Das Boot verliert auch nicht aufgrund der Tatsache, dass die Außenrümpfe höher als der Hauptrumpf liegen, im zusammengeklappten Zustand an Stabilität. Sie dienen immer noch als Schwimmkörper, egal in welcher Position. So kann man sich noch sicher und ohne Krängung auf dem Tri bewegen. Durch die problemlose Reduzierung der Breite passt der Corsair-Tri in jede übliche kleinere Hafen-Box. Die Breite des Tris variiert von ausgeklappt 4,50 m bis zu schlanken 2,45 m.

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© Sven Jürgensen / Mittelmann’s Werft

Slip und trailern gut

Durch die konsequente Leichtbauweise wiegt der Tri nur rund 370 kg. Mit Zuladung und Trailer (250 kg) kommt man auf eine Anhängelast von 620 kg. Das moderate Gesamtgewicht und die ebenso moderate Breite des eingeklappten Boots machen es möglich, dass die Straßenfahrt sogar mit einem ungebremsten Trailer zulässig ist. Die EG-Richtlinien erlauben europaweit eine Trailerbreite von 2,55 m. Der Pulse 600 kann somit von einem normalen PKW gezogen werden.

Aufgrund des relativ geringen Gewichts kann der Tri außerdem wie eine Jolle über eine Rampe geslippt werden. Sehr gut ist dies: Zur Standardausrüstung gehört ein Transportrahmen in Kompositbauweise, der sich zum Sliptrailer umbauen lässt oder auf einen Straßentrailer montiert werden kann. Dazu kommt ein einfach aufzutakelndes Rigg mit optionaler Jütt-Vorrichtung. So kann man den Mast auch solo bedienen. Nach Aussagen des Anbieters liegt die Setup-Zeit bei lediglich 20 Minuten. Viel schneller ist auch eine ähnlich große Einrumpf-Jolle nicht segelfertig einsatzbereit.

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Muss was aushalten

Trimarane müssen mehr aushalten als Einrumpfboote. Rumpf und Schwimmer der Corsair Pulse 600 bestehen aus einer GFK-Sandwichkonstruktion mit Schaumkern, die im Vakuum-Infusionsverfahren hergestellt wird. Da Rigg und Rümpfe durch die hohe Beschleunigung stärker als bei klassischen Booten belastet sind, werden die steigenden Lasten an den Verbindungen vom Schwimmer zum Hauptrumpf durch den Einsatz entsprechender Materialien aufgefangen. So gibt es Karbonverstärkungen an den sensiblen Punkten und eine zweifache Carbon-Rahmenverstärkung im Mittelrumpf, neben weiteren technisch durchdachten Ideen.

Beim Test auf der Schlei bei geringer Welle und moderaten Windbedingungen wurden diese Verbände allerdings kaum beansprucht. Anders war das bei der letzten Kieler Woche, als unser Testschiff beim Multihull Welcome Race von Kiel nach Eckernförde segelte: Beim Ritt über die Kieler Außenförde wurde die Pulse 600 bei vier bis fünf Beaufort Windstärke und entsprechender Welle einer ungleich härteren Prüfung als am Testtag unterzogen. Das Schiff meisterte diese Bedingungen ohne Schwierigkeiten und konnte, als kleinster Teilnehmer im Feld, einen beachtlichen Platz 3 belegen.

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Tempomacher

Angetrieben wird der kleine Tri am Wind von 24,6 Quadratmetern Segelfläche. Das drehbare Mastprofil wird zusätzlich als Segelfläche genutzt und sorgt für eine geringere Windverwirbelung. Noch einmal so viel Segelfläche kommt durch den Gennaker hinzu.

Um den aber im Einsatz zu erleben, müssen wir erst einmal von Kappeln die engere Schlei Richtung Arnis und darüber hinaus aufkreuzen. Dabei kommen wir bei zunächst schwachwindigen Bedingungen und einer Höhe von knapp 50 Grad am Wind auf fünf bis sechs Knoten – mit rund einem Knoten Gegenstrom.

Entspannt sitze ich auf dem Trampolin, rutsche bei der Wende lediglich auf die andere Seite, greife den anderen langen Pinnenausleger (optional doppelt!) und halte den Tri so problemlos an der Windkante. Erstaunlich agil geht er auch durch die Wende, unterstützt durch eine kurzzeitig back gehaltene Fock.
Dann kommt das, wonach so gut wie jeder Mehrrumpf-Segler süchtig ist, etwas das den Adrenalinspiegel deutlich steigen lässt und eines der Hauptargumente für den Kauf eines solchen Gefährts ist: der Gennaker-Einsatz.

Fahrtgeschwindigkeiten von 24 Knoten sind damit in der von uns getesteten Konfiguration wohl schon gesegelt worden. Die erreichen wir zwar nicht, aber mühelos und bei kurzfristig einsetzenden kleinen Böen und dreimaligem Anpumpen des Gennakers kommen wir in Sekunden auf bis zu 15 Knoten Tempo.

Ab zehn Knoten gibt es einen leichten Sington unter dem Mittelrumpf, die Rümpfe gewinnen Auftrieb, und die zunächst noch sprudelnde Hecksee wird mit einem eher zischenden Geräusch zunehmend glatter. Gespannt freudige Mienen auf den Gesichtern aller Crewleute an Bord spiegeln den Spaß wider, den man mit diesem Segelgefährt haben kann.

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Tempo mit Gefühl

Trotz der erreichbaren Geschwindigkeit zeigt sich, mit wie viel Feingefühl auch beim Kreuzen vor dem Wind das Ruder wirkt. Einziger Wermutstropfen für mich ist das für diesen Segelspaß viel zu schnell erreichte nächste Ufer des hier schmalen Ostseefjords. Und die Tatsache, dass wir nach mehreren problemlosen Halsen in kaum einem Drittel der Zeit unseren Ausgangspunkt schon wieder erreicht haben. Ja, Geschwindigkeit, die süchtig macht!

Ohne nennenswerte Welle auf der Schlei ist das Segelvergnügen mit der Corsair Pulse 600 eine durchweg trockene Angelegenheit. Lediglich als wir ein paar kleine Dampferwellen kreuzen, fliegt etwas Spritzwasser unter das Trampolin und nach hinten. Man ahnt, dass das Segeln mit diesem Tri bei höherem Wellengang erheblich nasser werden könnte. Ein Trocken- oder Neoprenanzug wäre dann für unterwegs ein sinnvolles Accessoire.

Für Familien, sportliche Crew und solo ist das neueste trailerbare Model von Corsair ein durchaus erschwinglicher Einstieg in die wirklich aufregende Welt des Trimaran-Segelns. Durch den unkomplizierten Aufbau ist das Boot schnell einsatzbereit und kommt als Leichtgewicht schon bei wenig Wind zu unerwartet hohem Tempo.

Durch das moderne Design ist die Corsair außerdem eine echte Augenweide – insgesamt also eine gelungene Mischung aus Sportgerät, Daysailer und schickem Wanderboot.

Segelbedingungen

Wetter: sonnig
Wellengang: 0-1
Wind: 2-3 Beaufort, in Böen bis 4

Technische Daten












Rumpflänge: 6,00 m
Breite: 4,50 m (2,45 m mit angeklappten Seitenschwimmern)
Tiefgang: 0,22 bis 1,20 m
Gewicht: 370 kg
Besegelung: Groß (17,1 m²), Fock (7,5 m²), Gennaker (25,4 m²)
CE-Kategorie: C (küstennahe Gewässer)
Preis: ab 38.554 Euro
wie gesegelt: rund 49.310 Euro
Standardausstattung (Auswahl): Segel (Groß, Fock), Pinnenverlängerung, Carbon-Ruder, Carbon-Steckschwert, Slipwagen
Extras (Auswahl): Gennaker mit Gennakerausrüstung, Carbon-Bugspiet, doppelter Pinnenausleger, Außenborder-Halterung, Folierung der Rümpfe, Tacktick-Racemaster

Für die freundliche Unterstützung danken wir
Mittelmann’s Werft
Nestleweg 6
24376 Kappeln
Tel. (04642) 27 22
mittelmannswerft.de

Weiterer Anbieter
Corsair Deutschland
Wettersteinstraße 16
82024 Taufkirchen
Tel. (089) 308 23 44
corsair-germany.com

Die Mitbewerber

Astus 20.2

Dieser Einsteiger-Trimaran der französischen Firma Astusboats aus der Bretagne wartet mit einer guten Ausrüstungsausstattung auf, bietet zumindest für eine Person in der kleinen Kajüte einen Schlafplatz und ruft sein seglerisches Potenzial vor allem auch bei Leichtwind ab. Dazu ist er einhandtauglich und kann zusammengeschoben ohne Sondergenehmigung von einem Mittelklassewagen gezogen werden.

Technische Daten









Länge über alles: 5,95 m
Breite: 4,25 m (2,54 m bei eingezogenen Schwimmern)
Tiefgang: 0,25 / 1,25 m
Gewicht: 480 kg
Besegelung: Groß (19,0 m²), Vorsegel (5 m²)
CE-Kategorie: C (küstennahe Gewässer)
Preis: auf Anfrage

SeaRail 19

Dieser preiswerte, leichte und dank des einfachen Systems zum Anklappen der Beams trailerbare Trimaran soll sowohl den Einsteiger als auch erfahrenen Segler ansprechen.

Technische Daten









Länge über alles: 5,80 m
Breite: 4,45 m (1,80 m mit eingeklappten Beams)
Tiefgang: 0,20 / 1,17 m
Gewicht: 320 kg
Besegelung: Groß (16,0 m²), Vorsegel (7,7 m²), Rollgennaker (25,8 m²)
CE-Kategorie: C (küstennahe Gewässer)
Preis: auf Anfrage

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