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Bavaria SR 36 Die Bavaria SR 36 am Morgen unserer Testfahrt © Werft
Test Bavaria SR 36

Das 1.000-Stunden-Boot

Die neue Bavaria SR 36 läutet den Frühling ein. Wir haben das neue Familienboot auf der Ostsee getestet.

von
in
6 Minuten

Rund eintausend Arbeitsstunden stecken in jeder der neuen 36-Fuß-Motoryachten, die bei Bavaria Yachtbau entstehen. Die ersten Exemplare der Bavaria SR 36 laufen in den nächsten Tagen in Giebelstadt vom Band, um von da aus an Eigner vor allem in Europa verteilt zu werden. float hatte die Gelegenheit, Baunummer 1 des neuen Familienboots ausführlich in der Lübecker Bucht zu fahren.

Startpunkt für den allerersten Pressetest zusammen mit Kollegen des Best of Boats Awards ist die Mitte März fast bootfreie ancora Marina Neustadt. Schon in wenigen Tagen wird hier Boot an Boot liegen. Für die internationale Test-Crew hat an unserem Tag nur die Neuheit am Steg festgemacht­­.

Nach unserem Preview in der Werft im Oktober war klar: Die neue Motoryacht von Bavaria folgt einem einfachen Konzept: maximales Platzangebot an Bord, dazu ein Fokus auf Sicherheit und viel Komfort – also ein Boot, das für Familien gemacht ist.

„Social Areas“ für Freunde und Familie

Wir erinnern uns an die Einführung letzten Herbst in Giebelstadt. Die „Fokusgruppe“ sind „Family and Friends“. Das Zauberwort von Projektleiter Norbert Leifeld lautet „Social Areas“.

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Noch ist die Bavaria SR 36 im Hafen fast alleine © Stefan Gerhard

Auch in Neustadt begrüßt er uns am Steg, um uns zu zeigen, wie aus dem Mockup ein Boot wurde. Mit an Bord ist Bavaria-Pressesprecher Marcus Schlichting. Für den Lübecker ist der Testtag mit der Bavaria SR 36, die leise summend am Steg warmläuft, ein Heimspiel.

Auf das Boot geht es wahlweise seitlich oder über die breite Heck-Badeplattform. Schon stehen wir im offenen Cockpit, das – unser dänischer Kollege fragte danach – auch mit dreiteiliger Tür zu haben ist.

Über zwei breite Gangborde geht es ganz nach vorne zum Bug – wirklich sehr sicher, da überall Handgriffe laufen. Hinter der E-Ankerwinde, die unter dem Sprung- und Ausstiegsbrett liegt, ist für drei Sonnengäste extrabreit Platz. Bei aktuell sechs Grad Wassertemperatur ist Badengehen aber keine Option.

Edelstahl statt Dachsäulen aus GFK

Auch wenn es Mitte März mit Bootschuhen etwas fußkalt an Bord ist: Die Sonne scheint mit Wucht. Wir sehen, dass wir rundum durchblicken, während wir zwischen Fahrstand und U-Sitzgruppe im großen Cockpit stehen. denn die Säulen, die das schneeweiße Dach halten, sind sehr schmal.

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Schlanke Säulen tragen das Dach © Werft

Am hinteren Ende des GFK-Hardtops hat der Designer zwei wuchtige Edelstahlträger eingesetzt, auf denen das Gewicht der Deckenkonstruktion samt Webasto-Schiebedach ruht. Keine sonst übliche breite GFK-Säule stört achtern.

Auch am Steuerstand ist der Rundumblick sehr gut. Der Skip hat alles im Überblick bis hinten zur zweiten Sitzreihe am Heck. Dort lässt sich, auf der Position der Liegewiese, bei Bedarf auch ein Tisch aufschlagen für den Apéro am Ankerplatz. Am Dinnertisch selbst haben mindestens sechs, eher acht Personen Platz.

Alles, was nicht mit Schlafen zu tun hat, spielt sich auf Deck ab. Genau erklärt werden die Lebensbereiche 1 bis 6 im float-Preview Codenummer 36 für den Familienurlaub. Die Vorschiffskajüte, die standardmäßig per Vorhang abgetrennt wird, kann auch mit festem Schott bestellt werden. So entstehen zwei wirklich gleichwertige Kabinen, und die allermeisten Käufer haben genau dafür optiert.

  • alternativetextVom Kissen aus hat man die Wasserlinie im Blick © Werft
  • alternativetextDer Salon erstrahlt unter dem Dachfenster © Werft
  • alternativetextSchlafen deluxe © Werft

Es ist an Bord noch geräumiger als im Mockup versprochen, und auch unter Deck ist es überall hell. Ein Grund dafür ist (im Mini-Salon und Flur) das große Dachfenster, in den Kajüten die breiten, in den Rumpf eingelassenen Fenster mit Blick auf die Wasserlinie.

Komfortabel durch die Kurven

Wir legen bequem mit dem Joystick ab, der die beiden Volvo-Diesel ansteuert. Dann schweben wir durch die Fahrwasser-Tonnen dem Mittagslicht entgegen aufs offene Wasser. Unser Testschiff ist mit zwei Volvo Penta D4-300 mit je 300 PS ausgestattet. Playtime!

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Kein Versatz bei Kurvenfahrt © Werft

Die starken Motoren, die unsichtbar und gut isoliert vor dem Z-Antrieb arbeiten, ziehen gut an. Sie sind bei gut 21 Knoten Marschfahrt unauffällig – auch akustisch. Das elektrisch gesteuerte Sportlenkrad ist eine Wonne an Präzision und systembedingter Leichtgängigkeit.

Im Tempobereich um elf Knoten vibriert die Bavaria reproduzierbar. Aber das ist auch alles, was das Boot zum Thema Motor zurückmeldet. Geht der Hebel zurück zur Bummelfahrt, ist es so leise, dass Wind und Welle den Ton angeben.

Kurvenfahrt nicht nur für die Fotos

Erst fahren wir Kurven für die Fotocrew, dann für uns selbst. Sehr gemütvoll legt sich die Bavaria SR 36 in die Kurven und pariert auch selbst erzeugte Wellen mit größtem Gleichmut. Der Durchblick am Fahrstand bei Krängung bleibt angesichts der hohen Fenster sehr gut.

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Klar strukturierter Steuerstand mit Durchblick © Stefan Gerhard

Auch wenn wir dem Boot beim starken Einlenken die Sporen geben, gibt es keinerlei Versatz. Die Bavaria SR 36 bremst dann um rund zwei Knoten ab und kehrt anschließend wieder zum Normaltempo zurück.

Für Statistiker: Von Null bis zur Gleitfahrt braucht das Boot rund 13 Sekunden, bis zum Tempomaximum sind es 36 Sekunden. Das Limit mit den bis knapp unter 3.000 U/min tourenden Dieseln liegt beim float-Testtag bei 31 Knoten. Schneller waren auch die Bavaria-Werksfahrer einige Tage zuvor in Marktbreit auf dem Main nicht.

Der Lieblingsplatz

Auch auf diesem Boot gibt es einen Platz, wo ich am liebsten bin – wenn ich nicht fahre. Bei der Bavaria SR 36 ist es der kleine Beifahrersitz. Er ist unterhalb der langen Liege an Backbord nahe dem Niedergang platziert – direkt gegenüber dem Fahrstand.

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Der Lieblingsplatz © Werft

Andere mögen sich zum Entspannen draußen den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Ich finde den mit Bedacht im Salon eingefügten Kompaktsitz bestens. Wer dem Steuermensch Gesellschaft leisten und alles an Bord im Blick behalten will, ist hier richtig. Und genau dafür, so Norbert Leifeld, hat Bavaria diesen Lieblingssitz ins Boot konzipiert.

Auf dem Weg zum Klassiker

Gut, dass wir zwei Bavaria-Motoryachten bei unserem Testtörn sehen, wenn auch zufällig. Denn die E40 und die SR 36 kontrastieren – was anschaulich zeigt, wie klar Bavaria seit dem Neustart vor drei Jahren einen neuen Kurs eingeschlagen hat.

Das eine, 2015 erstmals angekündigte E-Modell ist, so haben wir es seinerzeit beschrieben, „eine Art Zwitter aus Motorboot und Segelboot“, um Segler zum Wasserwandern auf Binnengewässern zu bewegen. Heute ist das Boot von der Werft-Website verschwunden. Unser Testboot hingegen, im Herbst 2021 erstmals in Giebelstadt präsentiert, ist schon jetzt zeitlos.

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Toskana-Feeling … © Werft
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… mit Capri-Terrasse © Werft

Als klassischer Familien-Cruiser für Küstengewässer bietet das 2022er-Modell wenig Revolution bei viel Evolution. Vom größeren Schwestermodell Bavaria SR 41 werden 2022 mindestens 100 Exemplare ausgeliefert, für die kompakte 36-Fuß-Motoryacht sind „deutlich mehr“ in dieser Saison geplant.

Nächste Probefahrt: Palma oder Händler

Den Begriff „bewährt“ komplett positiv zu interpretieren, ist den Projektmanagern gelungen. Großer Aufwand ging dabei in die Detailarbeit. Die Bavaria SR 36 wirkt optisch, technisch und ergonomisch aktuell – und sie fährt sich dabei bestens.

Bavaria SR 36
Geräumiges Sonnendeck © Werft

Die Weltpremiere fand – nach dem Ausfallen der boot Düsseldorf 2022 – gerade erst virtuell im Netz statt. Mit einem Einstiegspreis von 325.000 Euro reklamiert Bavaria für sich, das im Vergleich preisgünstigste Angebot zu haben. Unser Testexemplar – bei dem alles inkludiert ist, was geht – ist mit über 500.000 Euro schon eine richtige Investition.

Technische Daten Bavaria SR 36

Länge über alles: 11,44 m (mit Badeplattform 12,28 m)
Rumpflänge: 10,87 m
Breite: 3,85 m
Höhe über Wasserlinie: 4,12 m
Tiefgang: 0,97 m (mit Antrieb oben 0,71 m)
Schlafplätze: 4+1 in zwei Kajüten
Maximale Passagierzahl: maximal 10 Personen
CE-Kategorie: B (küstenferne Gewässer)
Preis: ab 325.227 Euro

Messwerte

Seegang: ruhig, kein Wind, Treibstofftank: 500 l, 5 Personen an Bord

U/min l/h Knoten dB
700 3,2 4,2 67
1.000 37,2 6,0 69
1.500 18 8,1 73
2.000 41 9,6 81
2.500 64 13,3 83
3.000 88 22,3 81
3.500 118,4 30,5 84

Die nächste Gelegenheit, das Boot öffentlich im Wasser und nicht nur beim Händler zu sehen, ist die Palma Boat Show Ende April auf Mallorca. Die ersten 25 Exemplare sind bereits an die Bavaria-Vertragshändler verkauft. Man hört, dass ein Exemplar der Bavaria SR 36 wieder an unserem Testort zu sehen sein wird – zum Yachtfestival in der ancora Marina in Neustadt.

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