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Suncamper 35 © Kerstin Zillmer
Suncamper 35

Das perfekte Reiseboot

Der SunCamper 35 ist das neue Wanderboot von Balt Yachts. Wir waren damit im Herbst auf der Havel.

Kerstin Zillmer
von in
7 Minuten

Indian Summer in Brandenburg? Wir erleben ihn gerade. Weil wir mit der neuen SunCamper 35 rausgefahren sind. Taschen mit Büchern, Fernglas und Karten gepackt, Wein und Essen ins Körbchen, und nüscht wie raus auf die Havel: Dieses Wochenende gehört nur uns!

Wir haben schnell alles verstaut, Platz genug ist ja an Bord der SunCamper 35. Aber fangen wir mal hinten an – nicht bei der Geschichte, sondern beim Boot. Wir steigen seitlich über und stehen auf dem Achterdeck. Über Eck befinden sich eine Couch, ein Tisch und eine Leiter, die ins Dachgeschoss auf die Flybridge führt. An Steuerbord ist noch ein Sofa, das später einer unserer Lieblingsplätze wird.

Aber erst einmal schauen wir uns in der Kajüte um. Die Schiebetür geht nach Backbord auf. Da liegt auch das Bad. Was ist das für ein Luxus: Durch ein großes Fenster haben wir freien Blick aufs Wasser. Schön hell ist es dadurch natürlich auch, und der Raum wirkt groß. Das gefällt uns.

Suncamper 35

Das Panoramabad © Kerstin Zillmer

Gegenüber liegt die Achterkabine – zwei Stufen, und man ist unten. Links ist eine Schranknische. Schön finden wir, dass sie ein Fenster zur Pantry hat, das gibt Durchblick in beide Richtungen. Unser Boot hat eine Schottwand und eine Tür, aber es gibt diese kuschelige Ecke auch offen. Wieder die Stufe hoch, fällt unser Blick auf die indirekte Beleuchtung am Fuß der Pantry.

Suncamper 35

Suncamper 35

Suncamper 35

Die Achterkajüte

Suncamper 35

Indirekte Pantry-Beleuchtung © Kerstin Zillmer

Alles, was wir brauchen

Die Pantry hat auf 1,60 m alles, was man braucht – vor allem viel Licht durch die Fensterfront, die am gesamten Salon entlangläuft. Durch das Schiebefenster kann beim Kochen der Dunst gut ablüften. An die Pantry schließt sich der Fahrersitz an, den man verstellen kann und auf dem wir beide gut sitzen können – haben wir gleich ausprobiert. Und sind dann sofort wieder ausgestiegen durch die Seitentür auf das Gangbord und nehmen den Weg vor aufs Vorschiff.

  • Suncamper 35Kochen mit Ausblick © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Viel Platz auf dem Vorschiff © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Im Hintergrund fährt der SunCamper 30 vorbei © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Ausreichend breites Gangbord mit sicherer Reling © Kerstin Zillmer

Hier ist schön Platz zum Sitzen auf der Bank mit Rückenlehne, außerdem kann man mit mehreren Personen daneben auf dem ebenen Vorschiff Platz nehmen. Wenn man nicht achtern aufsteigen will, geht das auch über den Bug. Beim Anlanden oder wenn man auf den Strand fährt, nimmt man den Weg über diesen Bugausstieg, um bequem an Land zu kommen.

Suncamper 35

Über den Bugausstieg an Land gehen © Kerstin Zillmer

Wir laufen über das Gangbord an Steuerbord zurück, denn das Deckslayout ist asymmetrisch und breiter auf dieser Seite. Wir werfen den Außenborder an, ein Mercury mit 115 PS, holen die Fender ein, machen los und gleiten aus der Bucht. Das Bugstrahlruder schweigt. Den Kanal bei Fichtner Marine entlang, wo der Hafenmeister gerade vom Hund vertreten wird, geht es hinaus – und schon sind wir mittendrin, in der wundervollen Natur auf der Havel.

Die Leichtigkeit eines flachen Schiffs

Es ist bereits Herbst, aber noch warm in der Sonne. Also fahren wir lieber an der frischen Luft. Am Steuerstand im Salon befindet sich ein Hebel, mit dem sich der zweite Fahrstand oben auf die Flybridge aktivieren lässt. Wir steigen die Treppe hinauf, öffnen die Luke und befinden uns auf einer großen Sonnenliegewiese mit Steuerstand, an Backbord diesmal.

  • Suncamper 35Rundum schöne Sicht © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Eine große Sonnenliegewiese mit Steuerstand © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35 © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Aufstieg zur Flybridge © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Zur Sicherheit verschließen © Kerstin Zillmer

Hier können mindestens vier Personen neben Fahrer und Fahrerin sitzen oder liegen. Ganz nebeneinander kann man allerdings nicht sitzen. Naja, man kann nicht alles haben. Hinter den Sonnenliegen sind auf dem Dach drei Solarpaneele, die Strom erzeugen für die vier Batterien an Bord. So sind wir lange autonom, ohne den Motor laufen lassen zu müssen.

Weil der SunCamper unten herum so flach gebaut ist, fährt sich unser Schiff leicht und lässt sich sanft steuern. Der Rumpf hat wenig Wasserwiderstand und und zeichnet sich durch besonders günstige hydrodynamische Laufeigenschaften aus. Eine ganz kleine Bewegung am Rad reicht: Schon bewegt sich das Boot, auf 5 Grad genau, in die gewünschte Richtung. Noch ein Lenkanschlag, und wir halten direkt auf die Fahrrinne Richtung Westen nach Brandenburg und Havelberg zu. Hier am Steuer wirkt es fast, als seien wir mit einem Sportboot unterwegs. Oben offen eben.

  • Suncamper 35Leicht zu steuern © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35 © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35 © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Durch die Seitentür die Landschaft zu zweit genießen © Kerstin Zillmer

Links von uns liegt eine bewaldete Havelinsel, rechts ist das Ufer, davor die Gänse – und wir dazwischen. Ein großes Schubschiff stampft uns entgegen, mindestens zehnmal so lang wir unser Elfmeterschiff. Nur sanft das Ruder eingeschlagen, gehen wir dem Frachtschiff aus der Spur. Einen Gashub später sind wir hinter der Fahrtonne. Wir trollen uns und kehren mit einer eleganten Lenkbewegung zurück auf unseren Kurs. Das macht Laune. Das Maximum von 26 km/h interessiert uns heute nicht. Mit 10 bis 15 km/h entschleunigen wir, so schnell es geht.

Autonom ankern über Nacht

Es wird etwas kühler, und wir wechseln nach unten. Der sanfte Wind des späten Nachmittags weht von hinten durch die Hecktüre, die Bank an Steuerbord ist ein wunderbarer Platz zum Lesen in der Abendsonne. Luftige Erkenntnis: Die Seitentür reizt dazu, mit einer Hand am Steuer auf dem breiten Seitendeck zu stehen und die Dinge aus der lässigen Perspektive des Anlegeprofis zu betrachten. Aber für uns gibt’s hier noch nichts zum Anlegen. Eher zum Ankern.

Wir schalten den hinter uns am Heck leise arbeitenden Außenborder auf niedrige Drehzahl und lassen uns in einen der Seitenarme des Flusses treiben. War es draußen auf dem offenen Wasser lauschig, so ist es hier unvergleichbar ruhig. Fast wie ein Kanu gleiten wir leise in die Bucht. Einmal Aufstocken und kurz mit Schulterblick durch die Glastüre achteraus und Motor aus.

Der Kartenplotter am schnittig-sportlich wirkenden Armaturenbrett zeigt uns, dass wir genug Wasser unterm Kiel haben. Auch Strom haben wir ausreichend – für Licht, die Ankerwinde und das Bugstrahlruder, mit dem wir uns in Position ruckeln. Das Solarpaneel oben auf dem Deck füttert über den Ladeverteiler die Batterien an Bord.

Suncamper 35

Die späte Herbstsonne im warmen Salon genießen © Kerstin Zillmer

Hier werden wir heute Nacht bleiben. Wir nehmen einen späten Tee im Salon, mit dem Blick dahin, wo wir herkommen: in die Abendsonne. Die Hecktür bleibt jetzt zu. Mit einer Persenning könnten wir auch die Heizung im Achterdeck anmachen und dort sitzen. Wir lesen etwas über die Geschichte der Werft. Konstrukteur Jacek Centkowski hat den SunCamper entworfen. Der Danziger arbeitet auch für Jeanneau und hat allen aktuellen Booten des Typs Merry Fisher Gestalt gegeben.

Suncamper 35

Der SunCamper ist erwachsen geworden © Kerstin Zillmer

Vom Herzensprojekt zum vielseitigen Reiseschiff

Der neue SunCamper 35 ist ein Herzensprojekt von Centkowski und dem Werftchef Benedikt Koslowski nach zwei Jahrzehnten Auftragsproduktion. Beide fahren einmal pro Jahr los, erkunden ein bestimmtes Revier, und manchmal ist ein befreundeter Journalist dabei. So war es auch Anfang des Jahrzehnts, auf der Jungfernfahrt des ersten SunCamper 30. Bis Weißrussland führte die Tour seinerzeit.

Seitdem hat sich der SunCamper sehr verändert. Er ist sozusagen erwachsen geworden. Nicht nur wegen der Größe, sondern wegen der vielen Möglichkeiten, die man an Bord hat. Aus dem hohen, fast wie ein Campingmobil wirkenden Boot mit großer Frontscheibe ist im Laufe der Jahre ein echtes Reiseschiff mit schön geschwungener Seitenlinie geworden, das für einen guten Preis sehr viel Boot bietet.

Suncamper 35

Die Seitenansicht ist auch mit Flybridge elegant © Kerstin Zillmer

Ungemein praktisch, platzreich und schön eingerichtet war der SunCamper schon damals. Jetzt ist er groß geworden – und ausgetüftelt, der Importeurin sei Dank. Annekathrin Fichtner hat das Herzensprojekt ebenfalls zu ihrem eigenen gemacht. Der SunCamper 35, so erfahren wir, sieht heute auch wegen ihrer Ideen so gut aus. Hier in Deetz an der Havel hat die Ingenieurin ihre Erfahrungen in das Reiseboot eingebracht und es mitkonzipiert.

Nach einer lauschigen und warmen Nacht an Bord ist der Morgen schon kühl, und wir bleiben zum Frühstück im Salon. Wir lassen den Motor an und gleiten entspannt weiter zum nächsten Hafen, wo wir uns mit Freunden zum Essen verabredet haben. Mit ihnen wollen wir ein Stückchen weiterfahren. Platz an Bord fürs Wasserwandern auf der Havel ist mit sieben Schlafplätzen ja genug. Und dann planen wir gemeinsam unseren nächsten Urlaub: Hoch zur Ostsee, das Meer sehen.

Suncamper 35

Das perfekte Reiseboot © Werft

Technische Daten SunCamper 35

Länge über alles: 10,60 m
Breite: 3,00 m
Tiefgang: 0,60 m
Höhe über Wasserlinie: 2,90 m (2,55 m minimale Durchfahrtshöhe mit gelegtem Lichtmast)
Gewicht: 3.700 kg (ohne Motor)
Motorisierung: Mercury-Außenborder von 30 bis 115 PS, Einbaudiesel: 38 bis 57 PS
Passagierzahl: maximal 10 Personen
CE-Kategorie: C (küstennahe Gewässer)
Konstrukteur: Centkowski & Denert Design Studio
Werft: Balt Yachts
Grundpreis: 89.259 Euro (inkl. Steuern, ohne Motor)

  • Suncamper 35Die Vorschiffskabine © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Das Bad mit Waschbecken und Toilette im Vorschiff © Kerstin Zillmer
  • Suncamper 35Die Tür zum Salon © Kerstin Zillmer

Unser SunCamper kostet 134.000 Euro inklusive MWSt mit Plotter, elektrischer Ankerwinde, zweitem Steuerstand, Fäkalientank, Achterkabine mit Schottwand und Tür, Fernseher, Kühlschrank, Solaranlage mit Ladeverteiler für drei Gelbatterien, Landanschluss mit zwei Ladegeräten und Wandlern, Warmwasserversorgung und Heizung, Bugstrahlruder, 190-l-Benzin-Tank, 240-Wasser-l-Tank, elektrischem WC, 120-l-Fäkalientank und einem 115 PS starken Mercury-Außenborder.

Standardmäßig ist der SunCamper 35 ausgestattet mit Hydrauliksteuerung, Bugstrahlruder (Lewmar, 2 kW), V4A-Schutz für 3 Kiele, Badeleiter, Bugsitz, GFK-Bugtür, PVC-Fenderleiste, 8 Klampen, 2 Schiebetüren, Front- und Seitenscheiben aus Echtglas, Scheibenwischern, LED-Navigations- und -innenbeleuchtung.
Die Basisversion bietet 5 bis 7 Kojen in 2 Kabinen und der Dinette mit Corian-Arbeitsfläche, Gaskocher, Spüle, einem Haupt-Bad mit Waschbecken und Dusche und einem zweiten Bad in der Bugkabine mit Waschbecken. Die Interieur-Oberflächen sind im Standard aus HPL Eiche/Walnuss.

Anschauen, probefahren und kaufen kann man den SunCamper 35 bei Fichtner Marine.

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