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Dehler 34c auf dem Strelersund © Werft
Bootstest

Dehler 34: „Das ist ’ne richtige Dehler“

float-Tester Jan Schäper ist die neue Dehler 34 gesegelt und berichtet im Interview über seine Eindrücke

float Redaktion
von in
5 Minuten | 9 Kommentare

Fast so viele Jahre alt wie Füße lang ist die Dehler 34, die es nun als deutlich veränderte Wiederauflage gibt. Nach rund 30 Jahren hat die Werft ihr ehemaliges 34-Fuß-Erfolgsmodell überarbeitet und an ihr neues und modernes Portfolio angepasst. Soeben ist die neue Dehler vom US-amerikanischen Cruising World Magazine zum Boot des Jahres 2017 gewählt worden. float-Tester Jan Schäper segelte das Boot in der Competition-Version.

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alle folgenden Fotos: © Kerstin Zillmer

float: Hallo Jan, wann und wo hast Du die neue Dehler 34 getestet?

Jan Schäper: Das war im September, gleich nach der Premiere. Wir waren auf dem Greifswalder Bodden unterwegs, wo die Werft ja seit einigen Jahren ihren Sitz hat.

float: Bist Du vorher schon mal eine Dehler gesegelt?

Jan Schäper: Ja, vor einigen Jahren mal eine um die 40 Fuß.

float: Kommen wir gleich zur Sache: Wie segelt das Boot?

Jan Schäper: Dehler bietet die 34er ja in sehr unterschiedlichen Konfigurationen an. Ich habe die Competition-Version mit längerem Rigg und tieferem Kiel getestet, und es hat irre viel Spaß gemacht. Laut Werft kann wegen des neuen Carbon-Cages sehr viel am Boot verändert werden. Wir hatten den 2,10 m tiefen Kiel drunter.
Bei sehr stabilen 20 bis 25 Knoten Wind sind wir zunächst raumschots gefahren. Wir haben immer so rund neun oder mehr Knoten Fahrt gemacht. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie schön sich die Dehler 34 steuern lässt. Das längere Ruderblatt in der Competition-Version ist sehr feinfühlig, und das Schiff reagiert sofort und sehr genau.

float: Und wie lief sie am Wind?

Jan Schäper: Wir sind wegen des hohen Riggs mit zwei Reffs am Wind gesegelt, die Genua ganz draußen. Die Dehler 34 lässt sich auch dann gut durch die steile Welle steuern, die etwa einen bis 1,50 m hoch war. Das Boot lief um sechs bis 6,5 Knoten und ließ sich auch auf diesem Kurs schön steuern. Immer wenn sie in den Wind schießen wollte, konnte man das sehr gut ausfahren. Sie macht sehr gut Höhe und läuft mit dem tiefen Kiel sehr steif. Bei 30 bis 35 Grad Höhe war das natürlich Knüppeln, bei 45 bis 50 Grad jedoch großartig zu segeln.

Jan Schäper beim Test der Dehler 34c

float: Hast Du Dich denn auf einer Dehler wiedergefunden, als Du die neue 34er betreten hast?

Jan Schäper: Ja, absolut. Das ist ’ne richtige Dehler. Allein wegen des sportlichen Risses, der Linien und der Segeleigenschaften. Ich habe allerdings auch etwas vermisst: Dehler hat eine früher alle Fallen und Leinen unter Deck geführt. Das ist mir eindrücklich in Erinnerung geblieben. Auf der neuen 34er wurde das nicht übernommen. Dehler begründet das mit Gewichtsgründen und der Tatsache, dass man zum Beispiel vor Regatten schneller und einfacher Leinen tauschen kann.
Optisch ist das Boot gelungen, auch wenn mir persönlich etwas an Eigenständigkeit verloren gegangen ist. Aber das ist ja fast überall so.

float: Wie gefiel Dir die Dehler 34 unter Deck?

Jan Schäper: Das Schiff wirkt so gar nicht wie die dunklen „Kohlenkeller“ früher. Es ist hell, luftig und sehr geräumig. Ich mag diese hellen Hölzer und Bezugstoffe. Die Kojen sind sehr groß und gemütlich. Es ist auch alles an Bord, was man auch auf längeren Törns so braucht. Außerdem macht die Verarbeitung einen sehr guten Eindruck und wirkt hochwertig. Alles an Bord ergibt Sinn, und es gibt keinen unnötigen Schnickschnack.

  • Schmuck und mit Klapptisch: Der Salon
  • Zum Köcheln unterwegs: Die Pantry
  • Ebenerdiger Weinkeller
  • Navigationsplatz mit Dehler-Historie
  • Die Uni-Door schließt drei Bereiche ab
  • Bad mit separater Dusche
  • Eignerkabine im Vorschiff
  • Schlafzimmer achtern

float: Welche Kritikpunkte hast Du?

Jan Schäper: Den Doppelsteuerstand finde ich klasse, aber der dadurch in der Mitte fest eingebaute Tisch würde mich stören, wenn man mal mit vier Leuten oder mehr im Cockpit ist. Dann wird es auf 34 Fuß Länge echt eng.

float: Was hat Dir besonders gefallen?

Jan Schäper: Vor allem die sportlichen Segeleigenschaften. Dazu noch, dass sich jeder seine Dehler weitgehend nach seinen Bedürfnissen anpassen kann. Die hochwertigen Beschläge und die gute Verarbeitung wären noch zu nennen und die angenehme Wohnlichkeit unter Deck.

float: Wem würdest Du die Dehler 34 empfehlen?

Jan Schäper: Also, für Familien, die auf der Ostsee auch mal einen langen Urlaub machen wollen, ist das ein perfektes Boot. Überhaupt finde ich, dass sich die 34er für die Ostsee wirklich gut eignet und auch sehr schnell gesegelt werden kann. Ich würde das Boot auch Einhand segeln, so wie es da lag.

float: Also trotz vieler Neuerungen immer noch Dehler?

Jan Schäper: Ja, absolut.

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Einhandtauglich

 

Das ist neu an der Dehler 34

Der Rumpf der Dehler 34 wird im Vollsandwichkern gebaut, der farbige Wasserpass ist in das Gelcoat eingelassen. Die „Outer-Skin“ der Sandwichbauweise wird mit Vinylester verarbeitet. Der Sandwichkern besteht aus Balsaholz, das für gute Isolation sorgt und den Rumpf schön leicht macht.
Was bei der ersten Dehler 34 in den 1980ern noch ein Stahlgerüst war, ist heute der Dehler Carbon Cage, den die Werft in Zusammenarbeit mit judel/vroljik & co entwickelt hat. Er verleiht dem Boot laut Werft 20% mehr Steifigkeit. Das Mastfundament ist um 50% steifer und bietet damit eine bessere Kraftverteilung. Der Effekt: Mit einem stabilen Rumpf kann man höher am Wind fahren, da die Rigg-Spannung auch bei Seegang konstant hoch bleibt.

Technische Finessen an Bord der Dehler 34 sind das Smart Light System, die neuesten B&G Zeus2 Plotter und ein Wireless Entertainment System. Die langen Rumpffenster an Backbord und Steuerbord und die große Decksluke mit einer Kantenlänge von 70 cm lassen angenehm viel Licht ins Bootsinnere. Die Stehhöhe in der neuen Dehler 34 steigert sich vom Niedergang mit 1,88 m zur Decksluke bis 1,94 m. Das von Dehler entwickelte „Uni-Door“ Konzept, mit einer Tür für drei Kabinen ist eine geschickte Lösung für mehr Raum an Bord. Alle Details sind schlicht und elegant. Es fühlt sich gut an unter Deck: Schöne Lichtführung, weiche und abgerundete Formen, warmtoniges Holz, der Stil ist nordisch puristisch.

Technische Daten der Competition-Version

Länge über alles: 10,70 m
Rumpflänge: 10,30 m
Breite:3,60 m
Tiefgang:2,10 m
Gewicht:5,45 t, davon Ballast 1,70 t
Motorisierung:Volvo D1-20 (13,3 kW / 18 PS)
Optional:Volvo D1-30 (20,1 kW / 27,3 PS)
Frischwassertank:230 l
Benzintank:160 l
Masthöhe:17,02 m
Gesamtsegelfläche:71,00 m2
Großsegel:41,00 m2
CE Zertifizierung:B
Design:judel/vrolijk & co.
Innendesign:Dehler

Die Dehler 34 ist in der Standardversion für 129.115 Euro zu haben. In der von uns gesegelten Competition-Version kostet sie 169.165 Euro.

In unserer Version waren diese Extras dabei:
Gelcoat (grau), Competiton-Paket, Unterhaltungpaket, Competition-Mast, Bugspriet, Cruisingpaket mit Teak, Dehler-Freeride-Segel, Maindrop-System, B&G-Plotter an den Steuerrädern

www.dehler.com

9 Kommentare

Ich hab sie leider noch nicht gesegelt, aber die Inneneinrichtung ist eine Zumutung und einer Dehler unwürdig. Scharfkantig, gebogene Abdeckungen der Schapps, unter die man kriechen muss, um Instrumente abzulesen und Schalter zu bedienen, viel Stauraum dem (unschiffigen) Design geopfert, kaum vernünftige Haltemöglichkeiten – welcher Nichtsegler entwirft so eine unmögliche Einrichtung? Für mich wäre das Schiff alleine deswegen nicht zu gebrauchen.

Antwort
Olaf Dicker /

Scharfkantig, gebogene Abdeckungen der Schapps? Auf welchem Schiff waren sie? Das Gegenteil trifft zu.

Antwort

Bitte bitte bitte nicht zu technisch! Mir gefällt das so. Steht alles

Dehler kennt man als Segler auch wenn man nicht zig Modelle gesegelt ist. Schön zu sehen, dass dieses Schiff den Markenkern offenbar weiterführt.

Antwort

Das Layout des doch recht neuen float magazines finde ich sehr gelungen.
Diesen artikel allerdings weniger.
Jemand der vor einigen Jahren mal auf ner Dehler irgendwie um 40 Fuß war behauptet, dass es alles ganz Deheler Typisch sei´…

Sonst leider auch etwas wenig Inhalt. Ich würde mich freuen, gerne technischere Tests zu haben. Dadurch könntet ihr euch deutlich von den anderen deutschen Magazinen abheben. Einfach mal die Tests der englsichen Magazine angucken. Und gerne auch mal etwas kritisches über die Schiffe schreiben.

Antwort

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