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© Nimbus
Premieren

Der neue Nimbus

Die Schweden bauen neue Daycruiser – und setzen auf Alu.

Stefan Gerhard
von in
4 Minuten

Bekannt ist Nimbus für seine souverän gestalteten Coupé-Cruiser wie die Nimbus 365 Coupé, deren Flybridge-Variante 405 und auch elektrisch motorisierbare Daycruiser. Andere Marken und Serien unter dem Dach der schwedischen Schiffsschmiede verschwanden wieder. So war über die familiären Nova-Modelle und die spurtstarke R-Serie irgendwann die Zeit hinweggegangen. Nicht nur Motorboottester trauerten diesen Booten nach. Doch die als schmerzliche empfundene Lücke wird jetzt geschlossen, mit Blick zurück und voraus.

Acht mal drei in 9, 10 und 11

Insgesamt acht neue Boote in drei Mini-Modellreihen mit drei Rumpflängen sollen die Nachfolge der Nimbus-Bestseller antreten. In acht, neun und elf Metern Länge sollen in Zukunft Tender (Modellbuchstabe T), Commuter-Boote (die C-Serie) und Weekender (die W-Serie startet bei neun Metern) auf den GFK-Kiel gelegt werden.

Die ersten Ergebnisse aus der Konstruktionsabteilung in Langedrag sehen, wie alles in den letzten Jahren, sehr gut aus. Was Chefdesigner Joacim Gustavsson und Technikchef Mats Jacobsson im Nimbus-Hauptsitz im königlichen Yachthafen bei Göteborg konstruiert und gestaltet haben, heißt schlicht Nimbus W9 und Nimbus T9. Beide Boote hatten vor kurzem Premiere.

  • „Nimbus
  • Nimbus W9
  • Nimbus W9
  • Nimbus W9

Weekender mit V8, Außenborder und Diesel

Den Anfang machte in Düsseldorf der Weekender W9. Der langgezogene Rumpf hat eine scharf geschnittene Bugpartie und ist achtern relativ flach. Die Wasserlinie wurde so lang wie möglich entworfen, um die gewünschte Seetauglichkeit zu erhalten. „Unser Ziel war sicherzustellen, dass das Boot sicher und harmonisch bei allen Geschwindigkeiten fährt, besonders zwischen 20 und 35 Knoten und dass es eine niedrige Gleitschwelle hat.“ beschreibt Mats Jacobsson seine Aufgabenstellung für die W9.

Mit der langen Liste an Booten, von denen Joacim Gustavsson sich hat inspirieren lassen, klingt der Chefdesigner ein bisschen so wie jemand, der in der Süßigkeitenabteilung eines Kaufhauses übernachten durfte. 50 Jahre Werftgeschichte sind das Füllhorn, das Nimbus hier ausgießt. Der Inneneinrichtung der Nimbus W9 wird viel Ähnlichkeit mit der 26 Epoca und 32 Ballista nachgesagt, das breite Vordeck ist bekannt von der Max II. Das Design der Fenster ist inspiriert von der 22 Spectra, und auch die junge 305 Drophead taucht wieder auf. Das Wichtigste ist wohl das von den Coupés übernommene breite Gangbord, für eine bestimmte Zeit ein Alleinstellungsmerkmal der schwedischen Werft.

Nimbus W9

Nimbus W9

Nimbus W9

beide: © Nimbus Boats

Mit dem standardmäßigen 300-PS-Außenborder soll eine Höchstgeschwindigkeit von über 40 Knoten drin sein. Drin statt dran sein kann der Motor alternativ auch. Angeboten wird die W9 mit einem V8-Innenborder von Volvo Penta aus US-Produktion und mit dem Volvo Penta D4-300. Wie gut, wenn das Testcenter des Motorenherstellers nur wenige Bootskilometer vom Büro des Nimbus-R&D-Teams entfernt ist.

T wie Tender – oder doch D?

In der vergangenen Woche wurde auf der Bootsmesse in Stockholm der erste Nimbus-Tender vorgestellt. Pate für den Nimbus T9 standen die schnellen und sportlichen Boote der Nova- und der R-Serie. Ende der 1990er-Jahre von Designer und Bootsrennfahrer Ocke Mannerfeld entworfen, stand das „R“ seinerzeit für Racer. Das letzte Facelift hatten die legendär sicher laufenden Boote 2013 erhalten. Dann waren sie eingestellt worden.

Nimbus T9

Klar von der R-Serie inspiriert © Nimbus Boats

Nun also T statt R. Eigentlich könnten die Boote auch mit „D“ gekennzeichnet werden, denn die Nimbus T9 ist ein Daycruiser. Als Tagesausflugsboot ist es für alle möglichen geselligen Aktivitäten und Wassersport geeignet. Auch wenn eine Doppelkoje Übernachtungstouren mit Freunden und Familie möglich macht:  Das Bordleben spielt sich überwiegend auf Deck ab.

Das Achterdeck bietet mit einem geraden Sofa besonders viel Platz – für Fracht, wenn die Nimbus denn mal tendern soll – oder maximale Bewegungsfreiheit beim Tauchen. Möglich sind auch familientypische Möbel wie ein Sofa in U-Form mit Platz für fünf Personen, das zum Sonnenbett werden kann, und die Wet-Bar mit Spülbecken und Kochfeld, hinterm Fahrersitz. Genau wie die W9 kann die Nimbus T9 mit einem Außen- oder Innenborder motorisiert werden. Nur einen Diesel gibt es nicht.

Nimbus T9

Unverkennbare Ähnlichkeit mit Axopars T-Top © Nimbus Boats

Nimbus setzt auf Alu

Seit Mitte Januar 2018 ist Nimbus Boats Teilhaber von Alukin, einem schwedischen Hersteller von Aluminiumbooten. Diese Meldung, exakt zur boot Düsseldorf platziert, zeigt den Willen der Göteborger Bootsbauer nach Diversifizierung. Wie bei der Marke Paragon – die noch immer zum Portfolio gehört, von der man aber sonst nicht viel hört – geht es Nimbus beim Neuerwerb 2018 um eine andere Klientel als klassische Cruiser-Fahrer.

„Byggs för proffs“, gebaut für Profis, ist der Slogan von Alukin. Rund eine Fahrstunde nordöstlich von Stockholm entstehen in Norrtälje Pilothouse-Kabinenboote, offene Bowrider, Arbeits- und Anglerboote. Insgesamt werden 19 Modelle zwischen sechs und 8,50 m Länge gebaut. Das passt: Die offene See und Finnland sind nicht weit entfernt.

Mit dem Kauf nutzt Nimbus den augenblicklichen Boom bei Aluminiumbooten, der ganz Skandinavien erfasst hat. Dieses Geschäft will man nicht den finnischen Herstellern alleine überlassen: 9.184 finnische Boote gingen 2017 in den Export, davon fast 8.000 nach Schweden und Norwegen. Alukin ist in den letzten Jahren rasch gewachsen, die Verkaufszahlen sind nach eigenen Angaben 2017 um 30 % gestiegen.

Alukin für die Profis

Die Liaison scheint für beide Partner nützlich: Nimbus kann Boote aus dem unverwüstlichen Werkstoff Aluminium anbieten, die von kompetenter Hand „Made in Sweden“ geschweißt werden. Für Maria Nikula, Miteigentümerin von Alukin, öffnet sich durch das Nimbus-Händlernetz die Tür zur Welt ein Stück. „Konkret bedeutet es, dass wir mehr Möglichkeiten anbieten, die Boote anzuschauen und Probe zu fahren. Das wird auch den Weg für den Export öffnen“, so die künftige Geschäftsführerin. Für die Entwicklung der Boote zeichnet wie bisher Peter Nikula verantwortlich.

Die Arbeitsboote werden weiter von Alukin direkt verkauft. Der Vertrieb der Freizeitboote wird zu Nimbus gehen. Wir können gespannt sein, wann die ersten Alukin-Boote hierzulande zu sehen, zu fahren und zu kaufen sein werden. Der sinnfällig klingende Werftname ist übrigens ein Anagramm des Familiennamens der bisherigen Eigner.

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