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Beneteau Oceanis 46.1 Traumtörn gebucht, aber das Schiff unerreichbar? © G. Cantini / Beneteau
Test Beneteau Oceanis 46.1

Die große Freiheit

Die Oceanis-Baureihe gehört zu den erfolgreichsten Yachten der Welt. Warum? Unser Test der Oceanis 46.1 auf der Ostsee geht dieser Frage nach.

von
Michael Krieg
in
8 Minuten | 2 Kommentare

Der Testtag beginnt ungemütlich: Dauerregen, kaum Wind, dichter Nebel – dann gehen wir eben unter Deck! Zum Glück gibt es auch hier viel zu entdecken. Die Beneteau Oceanis 46.1 gehört – wie die gesamte Oceanis-Flotte – zu den erfolgreichsten Segelyachten der Gegenwart. 150 mal wurde das 14,60 Meter langen Boote alleine in der letzten Saison verkauft. Dass dies nicht nur an der Marktdominanz der französischen Werft liegt, zeigt unser Besuch an Bord.

Beneteau Oceanis 46.1
Vorm Start der Rauschefahrt © Michael Krieg

Aufgrund der bis Mittag herrschenden Wetterlage verkriechen wir uns zunächst unter Deck. Eine variantenreiche Raumaufteilung ist unter Deck möglich: Die Oceanis 46.1 kann mit drei, vier oder auch fünf Kabinen bestellt werden. Und sogar die Vier-Kabinen-Version hat für jedes Zimmer ein dazugehöriges Bad.

Innen hell und hochwertig

Anders als die etwas größere Oceanis 51.1, die von Berret/Racoupeau gezeichnet wurde, ist unser Testschiff nach Plänen von Finot-Conq gebaut. Trotzdem sehen sich beide Segelyachten mit flachem Aufbau und modernen Rumpflinien sehr ähnlich.

  • Beneteau Oceanis 46.1Salon © Guido Barbagelata
  • Beneteau Oceanis 46.1Eignerkoje © Guido Barbagelata
  • Beneteau Oceanis 46.1Heckkabine © Guido Barbagelata
  • Beneteau Oceanis 46.1Bad © Guido Barbagelata
  • Beneteau Oceanis 46.1Salon © Guido Barbagelata

Alles wirkt – auch auf den zweiten Blick – hochwertig und behaglich. Das Boot, für dessen Gestaltung unter Deck Nauta Design verantwortlich zeichnet, wirkt wie von Licht durchflutet: Zahlreiche Fenster im Rumpf sind Standard. Diese vielen Öffnungen und der Kajütaufbau sorgen für ein lichtdurchflutetes Ambiente. Plissees und verdeckte Schieberollos verhindern im Hafen ungewünschte Einblicke von außen.

Die Wände sind mit hellen Kunststoff-Paneelen verkleidet. Das bildet einen schönen Kontrast zum Mobiliar in matt lackiertem Mahagoni-Farbton. Wer es unter Deck noch strahlender haben will, kann die Einrichtung in hellem Eichenfurnier bestellen.

Beneteau Oceanis 46.1
Bordbibliothek © Guido Barbagelata
Beneteau Oceanis 46.1
Navigationsecke © Guido Barbagelata

Feines Detail: die Bordbibliothek

Schön ist das große Bücherbord für eine kleine Bordbibliothek. Bücher für lange Abende im Hafen stehen so griffbereit längs dem Hauptschott, direkt neben dem Zugang zur Eignerkabine. Für die große Fahrt gibt es reichlich Stauraum in Schränken und Schapps.

Beneteau bietet insgesamt vier Kajütlayouts. Im Standard mit drei Kabinen befinden sich eine L-förmige Pantry links neben dem Niedergang und gegenüber ein recht großes Bad mit abgetrennter Dusche. Es folgt dahinter eine stattliche Salon-Sitzgruppe. Um den Salontisch haben bis zu sechs Personen Platz.

Beneteau Oceanis 46.1
Salon-Sitzgruppe mit Owners-Corner gegenüber © Guido Cantini

Direkt gegenüber, vor der Pantry, ist sogar Raum für eine kleine Chaiselongue, eine gepolsterte Liege mit Kopflehne als so genannte „Owners Corner“. Außerdem gibt es einen Navigatorensitz mit Blick in Fahrtrichtung. Der liegt allerdings am Hauptschott und damit schon recht weit in Richtung Vorschiff.

Versenkbarer TV-Bildschirm

Bei unserem Testschiff treffen wir auf die zweite Einrichtungsvariante: Hier dominiert an der Backbordseite die Längspantry. Der Vorteil hierbei: Zwei Seefahrer haben an großen Flächen nebeneinander Platz zum Arbeiten und Kochen. Die L-Pantry ist zwar seegerechter, doch bei Lage bietet das mittig platzierte Möbelstück – mit automatisch versenkbarem TV-Bildschirm – im Rücken eine gute Möglichkeit zum Abstützen.

Beneteau Oceanis 46.1
Version mit Längspantry und separater Duschkabine im Vorschiff © Werft

Für diese Konstellation mussten allerdings die Chaiselongue und der Navigationsplatz weichen. Letzterer liegt dann mit Sitz rücklings zur Fahrtrichtung an der Salonsitzgruppe. Optional für die Pantry gibt es eine Fußpumpe für die Seewasser-Nutzung in der Spüle.

Wir sind an Bord der gehobenen Chartervariante: Sie ist auch geeignet für große Familien, denn es gibt drei Kabinen mit dazugehörigem eigenem Bad. Diese sind achtern sowohl von der jeweiligen Kabine als auch vom Salon aus zu erreichen. So können die Bäder unterwegs auch tagsüber von der gesamten Crew genutzt werden. Im gesamten Schiff gibt es ausreichend Stehhöhe.

Stehhöhe überall unter Deck

Die Achterkabinen sind mit Schrank, reichlich Ablagen und Tageslicht durch das Rumpffenster ein lebenswerter Ort. Sie können durch je ein Luk (zum Cockpit und nach achtern Richtung Steuerstand) erhellt werden und lassen sich daher gut querbelüften.

Beneteau Oceanis 46.1
Fenster im Rupf sorgen für Tageslicht in allen Kabinen © Guido Barbagelata

Die Eignerkoje im Vorschiff wirkt geradezu fürstlich: Es gibt ein 2,05 x 1,60 Meter großes Inselbett, voluminöse Schränke und zusätzliche Schapps. Schön ist hier der Blick ins Freie durch die Rumpffenster, und das geht sogar im Liegen. Die Nasszelle ist übrigens zweigeteilt: an Backbord mit Dusche, gegenüber mit WC. Und beide haben ein eigenes Waschbecken.

Platz unter Deck für bis zu zehn Personen

Beim ebenfalls möglichen Ausbau auf vier oder auch fünf Kabinen teilt ein Längsschott die Eignerkabine. Aus der Duschkabine wird dann ein weiteres vollständiges Bad, so dass jede Doppelkabine eine eigene Nasszelle mit Dusche und WC hat.

In der Fünf-Kabinen-Version muss sich die Crew der beiden Achterkajüten dann zugunsten eines weiteren Zimmers anstelle der Steuerbord-Nasszelle ein Bad gegenüber teilen.Alle Toiletten werden gegen Aufpreis auch als Elektro-WC angeboten.

Beneteau Oceanis 46.1
Fünf Doppelkabinen – drei Bäder: Es könnte etwas eng werden © Werft

Neun bis zehn Personen an Bord dürften aber selbst auf einem 46-Fuß-Schiff das Platzangebot an seine Grenzen bringen. Schon die Drei-Kabinen-Version ist für Charter reizvoll – so wie unsere Testyacht. Wenige Tage später soll sie für eine Charterfirma in Griechenland fahren. Das heißt: Vorsicht!

Die Ostsee ist fast zu klein

Kaum haben wir uns unter Deck ausgiebig umgesehen, ändert sich das Wetter schlagartig: Der Wind frischt mehr und mehr auf, vertreibt den Nebel und beschert der Testcrew ein in Böen sogar stürmisches Vergnügen. Dass es trotzdem ein Vergnügen bleibt, liegt klar am Potenzial der Oceanis 46.1.

Beneteau Oceanis 46.1
Wetterfest ausgerüstet ging es... © floatmagazin
Beneteau Oceanis 46.1
... auf die herbstliche Ostsee © Michael Krieg

Denn die Beneteau Oceanis 46.1 ist für die große Freiheit gemacht: Als Zielgruppe definiert Beneteau Familien und Fahrtensegler, die auch gern auf Langfahrt gehen. Doch „die Ostsee ist dafür fast schon zu klein“, sagt Lars Reisberg von Enjoy Yachting, die uns die Segelyacht zur Verfügung stellt.

Beneteau Oceanis 46.1
Ideal für Familien und Fahrtensegler: Oceanis 46.1 © Guido Cantini

Nach dem Auslaufen – unter Motor mit der größeren 80-PS-Maschine, die knapp sieben Knoten bei 2.000 U/min erreicht – gehen wir erst mal ins Reff. Schließlich sind es bis zu 25 Knoten Wind, in Böen auch über 30. Keine Kaffeefahrt also. Schnell stellt sich heraus, dass die herrschenden Bedingungen für unsere Beneteau ein Klacks sind.

Rollmast hilft beim Reffen

Selbst mit einem einfach geschnittenen Dacron-Segel geht es kraftvoll zur Sache, zeigt sich das Potenzial des Schiffs. Mit dem optionalen Rollmast haben wir die Segelfläche schnell den herrschenden Bedingungen angepasst – und zwar auf die Fläche eines zweiten Reffs, wäre wir mit Bindereff unterwegs.

Beneteau Oceanis 46.1
Gut gerefft dank Rollmast © Michael Krieg
Beneteau Oceanis 46.1
Praktische Leinenboxen in Steuernähe © Michael Krieg

Im Standard wird die Beneteau mit einer Selbstwendefock geliefert. Unsere Testyacht ist mit einer überlappenden Roll-Genua bestückt. Eine bis zu 116 Prozent überlappende Genua ist möglich, da die Unterwanten am Kajütaufbau sitzen. Als Extra braucht man dann noch seitlich montierte Schotschienen. Damit wird der Durchgang zum Bug frei, was gut ist für die Sicherheit.

Um zusätzliche Segel wie Gennaker oder Code Zero zu fahren, kann auch als Extra ein Bugspriet montiert werden. Die Werft bietet dazu zusätzliches Tuning: Im Angebot sind unter anderem der rund einen Meter längere Carbonmast mit hydraulisch verstellbarem Achterstag und hochwertige Laminatsegel mit 28 Prozent mehr Segelfläche und überlappender Genu. Höherwertige Deckausrüstung und ein tiefer Kiel mit Bleibombe sind ebenfalls im Angebot.

Beneteau Oceanis 46.1
Für die große Freiheit konzipert © Guido Cantini

Das Cockpit ist riesig

Fallen und Schoten sind vom Doppel-Steuerstanden aus leicht erreichbar. So ist die Yacht auch mit kleiner Crew gut zu beherrschen sein. Direkt vor den Steuerrädern sind die Stautaschen – mit festem Deckel nehmen sie die Leinen auf. Aufklappbare Podeste bieten dem Rudergänger sicheren Stand bei Lage – und eine gute Möglichkeit zum Abstützen, wenn man zum Steuern auf dem Seitendeck sitzt.

Das Cockpit ist riesig: Es bietet bis zu acht Personen bequem Platz. Zusätzlich gibt es im Hafen oder vor Anker viel Platz zum Sonnenbaden – auf dem Kajütdach zu beiden Seiten des Niedergangs und auf den Duchten. Bei Lage unterwegs können sich die Mitsegler gut am großen Cockpittisch abstützen.

Beneteau Oceanis 46.1
Oceanis 46.1: üppige Platz im Cockpit © Guido Cantini

Rumpf mit hoher Stabilität

Die markanten, bis zum Bug durchgezogenen Kimmkanten verleihen dem Rumpf eine hohe Formstabilität. Sie gleicht nicht nur den unter 30 Prozent liegenden Ballastanteil aus, sondern kann erheblich leichter ausgelegt werden. Durch diese Gewichtsersparnis steuert sie sich so agil, dass wir kaum einen Unterschied zur viel kleineren Oceanis 30.1 festgestellt haben.

Beneteau Oceanis 46.1
Steuert sich agil ... © Guido Cantini
Beneteau Oceanis 46.1
... trotzdem stabil auch bei Krängung © Guido Cantini

Dank des Doppelruders ist die Oceanis 46.1 auch bei größerer Krängung gut steuerbar. Die Gefahr, an der Kreuz dabei aus dem Ruder zu laufen, gibt es nicht. Denn immer zeigt mindestens eines der beiden Ruder volle Wirkung. Weil die beiden Ruderblätter jeweils klein sind, ist die Rückmeldung für den Rudergänger allerdings weniger gut spürbar als bei einem einzelnen großen Blatt.

Bis zu neun Knoten Fahrt

Stoisch schiebt unser Schiff auch bei mehr Lage und bis zu ein Meter hohen Wellen durch die Ostsee. Die Rumpfgeschwindigkeit von knapp neun Knoten erreichen wir wegen der stark gerefften Segelfläche zwar nicht. Zumindest auf tieferen Kursen sind wir aber immer noch bis zu sieben Knoten schnell unterwegs. Es ist faszinierend, was an den neuen Rümpfen durch die Form an Performance rausgeholt werden kann.

Beneteau Oceanis 46.1
Oceanis 46.1: bis zu neun Knoten mit optimaler Besegelung möglich © Guido Cantini

Mit der Oceanis 46.1 hat Beneteau eine Familienyacht konstruiert, die mit entsprechender Einrichtung auch sehr gut als Charterboot geeignet ist. Eine ausgewogene Mischung aus großem Volumen, gewisser Eleganz und – bei entsprechendem Upgrade – sehr guter Segelleistung spricht sie ein breites Publikum an. Die bisherigen Verkaufszahlen haben es schon bewiesen.

Was kostet der Spaß? In der gut ausgestatteten Basisversion ist die Familie ab 268.000 Euro dabei. Das ist ein erfreulich gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Unser Testschiff kommt, so wie ausgerüstet, auf 422.000 Euro. Der Transport, das Aufriggen und eine Antifouling-Behandlung sind mit dabei.

Technische Daten Beneteau Oceanis 46.1

Länge über alles: 14,60 m
Rumpflänge: 13,65 m
Breite: 4,50 m
Tiefgang: 1,75 m / 2,35 m / 2,65 m
Gewicht: 10.597 kg
Segelfläche: 112 qm
Motorisierung: 57 oder 80 PS

Beneteau Oceanis 46.1
Oceanis 46.1: viel Potenzial unter Segeln © Guido Cantini

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2 Kommentare

Hm, ich wünsche mir eigentlich tiefergehende Infos so in der Richtung Langlebigkeit, wie dick ist der Rumpf, wo wird ausgesteift. Als Interessent interessiert mich nur, wie lang das Schiff halten wird und wo die Problemzonen liegen. Erst wenn das Schiff stabil ist beschäftige ich mich mit so Dingen wie Stehhöhe oder Holzarten.

Antwort
Michael Krieg /

Lieber Leser!

Vorweg: Welche verlässliche Aussage kann man in puncto “Langlebigkeit” sagen bei einem nagelneuen Schiff, dass erst seit 1 Jahr auf dem Markt ist, wo in 10, 15 Jahren Problemzonen sein werden/können?
Nur so viel:
1. Die Yachten sind CE-zertifiziert, hier Kat A, sind also nachweislich für die “unbegrenzte Ozeanfahrt” in allen Wetterlagen zugelassen.
2. Die OCEANIS ist nach Werft- und Händlerangaben die meilen- und zahlenmäßig erfolgreichste Fahrtenyacht der Welt, aktuell in der 7ten Auflage.

Ich empfehle bei Interesse zu einem Werftbesuch mit Einblicken in den Bauprozess:
https://www.enjoy-yachting.de/werftbesuch-bei-beneteau/
http://no-frills-sailing.com/flagship-oceanis-51-1-in-the-beneteau-yard/

Materialstärken etc. sind oft gut geschützte “Geheimnisse” der Werften. Manche Werften laden zu Tagen der offenen Tür oder Werftbesuchen für Interessenten/Kunden ein, sodass man das dort sehen kann.

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