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Catamaran-Galileo Ein Mix aus Waterworld und Todesstern: Der Mega-Kat Galileo © beiderbeck designs GmbH
Superyachten

Die Mutter aller Yachten

Meeres-Monster: Designer aus Bremen haben einen gigantischen Katamaran entworfen – so groß, dass er gleich mehreren Yachten ein Hafen sein könnte.

von
Roland Wildberg
in
5 Minuten

Eine schwimmende Marina für Superreiche: Das könnte „Galileo 2“ werden. Was das Bremer Unternehmen Beiderbeck Designs da erträumt hat, toppt sogar die Supermacht-Yacht zweier Pixel-Artisten aus Holland.

Nicht, weil der Bremer Entwurf weniger großkotzig oder etwa günstiger wäre – nach Angaben der Urheber handelt es sich um „das größte Konzept“, was sie jemals schufen, und kostet mindestens 500 Millionen Euro. Ohne sinnvolles Klein-Zubehör wie Yachten, Hubschrauber oder U-Boote.

Aber zwei Aspekte machen das Ding ansatzweise realistisch: Erstens: Eine Umsetzung ist zumindest denkbar. Zweitens: Die Quelle hat Erfahrung im Yacht- und Schiffsdesign.

Superyacht-Katamaran Galileo 2 von Beiderbeck Designs aus Bremen
Der gigantische Kat bietet zwischen seinen Rümpfen einen sicheren Hafen für gewöhnliche Yachten © beiderbeck designs

Platz für Bars, Spas und Pool

Doch von Anfang an: Vor zwei Wochen tauchten erstmals Renderings der Kopfgeburt im Internet auf. „Galileo²“ ist ein riesiger, nein gigantischer Katamaran, rund 200 Meter lang, 80 Meter breit. Solche Dimensionen ähneln tatsächlich denen der holländischen Träger-Phantasie.

Auf dem Deck zwischen den hochhaushohen Rümpfen ist ebenso wie bei der Pixel-Fantasie des begrünten Flugzeugträgers ausreichend Platz für die standesgemäßen Bars, Spas und Suiten. Ein zentraler Pool mit 1.700 Quadratmetern Fläche passt auch noch drauf.

In der Konfiguration, die von den Designern entworfen wurde, ist die ganze Herrlichkeit allerdings nur einem illustren Kreis zugänglich: 38 Gäste, so Beiderbeck Designs, dürfen an Bord. Ihnen sollen 75 Crewmitglieder das Wasser oder die Handtücher reichen, Kaviar auftragen oder die Kissen aufschütteln.

Superyacht-Katamaran Galileo 2 von Beiderbeck Designs aus Bremen
Auf dem 80 Meter breiten Oberdeck ist Platz für einen riesigen Pool mit dazugehöriger Freifläche © beiderbeck designs

Halber Erdumfang als Reichweite

Wer bei diesem Angebot aus den Latschen kippt, ist in guten Händen: Natürlich wird an Bord auch Platz für eine eigene Klinik sein.

Der Antrieb des kolossalen Kats muss halten, was die futuristischen Abmessungen versprechen – und daher schöpft die Galileo² ihren Energiebedarf nicht etwa aus Gasturbinen oder einem Kernreaktor, sondern aus Methanol, das über Brennstoffzellen in elektrischen Strom gewandelt wird.

Bis zu 22 Knoten schnell soll die Konstruktion fahren können, rund 40 km/h. Die Reichweite schätzt Beiderbeck Designs auf 19.000 Seemeilen – etwas mehr als der halbe Erdumfang am Äquator.

Superyacht-Katamaran Galileo 2 von Beiderbeck Designs aus Bremen
In den Rümpfen sind auch Werfthallen (rechts) und Hangars für Toys und Tender denkbar © beiderbeck designs

Ein Ausloten der Möglichkeiten

Welche Art von Energie die Bremer dazu gebracht hat, so großspurig zu denken, ist indes unklar. Ein Leserkommentator der britischen Daily Mail, die vor zwei Wochen das Thema untersuchte, hat einen Vorschlag: Das passiere, „wenn gelangweilte Designer ihre Kinder während der Corona-Isolation nach neuen Ideen fragen“.

Wirklich? „Für uns ist das ein Ausloten der Möglichkeiten“, so die beiden Inhaber von Beiderbeck Designs, Immo Lüdeling und Tim Ulrich, gegenüber float. Man zeige sozusagen den „übernächsten Schritt“. Das Unternehmen hat die notwendige Erfahrung und offenbar auch Reputation für solche Scharaden: „Wir finden uns auf ganz vielen Großyachten wieder.“

Zwang zur Verschwiegenheit

Superyacht-Katamaran Galileo 2 von Beiderbeck Designs aus Bremen
Die schwimmende Stadt haben die Designer als Luxus-Unterkunft für maximal 38 Bewohner konfiguriert – bedient von 75 Crewmitgliedern © beiderbeck designs

So hat Beiderbeck Designs das vor neun Jahren abgeschlossene Refit der 138-Meter-Yacht „Rising Sun“, 2004 bei Lürssen gebaut, zu verantworten. Für die 1976 entstandene Segelyacht „Phocea“, 75 Meter lang und ursprünglich ein Viermast-Schoner, hat Firmengründer Jörg Beiderbeck beim Refit 1999 die Inneneinrichtung entworfen.

Wer im Internet nach dem Firmennamen sucht, geht indes eher in die Irre. Stimmt, so die Firmenchefs, es sehe so aus, „als würden wir nichts tun“. Das hat seine Ursache in den Verschwiegenheitspflichten gegenüber super-solventen Auftraggebern. Wie Lüdeling und Ulrich augenzwinkernd sagen: Bei Geheimnisverrat „würde man uns die Hände abhacken.“

Außenbereich im Vordergrund

Superyacht-Katamaran Galileo 2 von Beiderbeck Designs aus Bremen
Natürlich gehört zu einem solchen Repräsentations-Riesen auch ein modischer Infinity Pool, der durch Glaswand aus der Perspektive eines Schwimmers optisch mit dem Meer verschmilzt © beiderbeck designs

Vom klassischen Design einer Großyacht mit messerscharfem Bug und klar gegliederten Aufbauten zum Megakat ist es ein gewagter Schritt, doch „die Branche wird schmerzfreier“, wie die beiden Designer sagen. Das liege zum einen an der zunehmenden Aufgeschlossenheit für Industriedesign.

Augenfällig zeigte sich das in jüngerer Vergangenheit bei Projekten wie den Phillipe-Starck-Schöpfungen Segelyacht A, erbaut in Kiel und 2017 in Betrieb genommen, oder Motoryacht A, beide im Auftrag des russischen Oligarchen Andrei Melnitschenko. Er repräsentiert überdies eine wachsende Kundengruppe, die „weniger dem traditionellen Yachtdesign verhaftet ist.“

Ein weiterer Grund ist eher pragmatisch und dürfte Yachtseglern geläufig sein: Der Kat hat viele Vorteile, die ein Einrumpfboot nicht bieten kann. Vor allem viel Platz im Außenbereich: „Bis vor wenigen Jahren waren Megayachten sehr Innenraum-lastig“, so Lüdeling und Ulrich. Inzwischen werde auch auf Open-Air-Zonen viel Wert gelegt.

Der schwimmende Yachthafen

„Und dafür kommt nun der Kat ins Spiel.“ Welches Schiff hat schon ein 80 Meter breites Deck anzubieten? Zwischen den Rümpfen gibt es eine Menge Fläche zu füllen, noch dazu in mehreren Ebenen: Auf dem Oberdeck haben Auftraggeber nahezu freien Gestaltungsspielraum. Es stören weder Masten, Winschen noch Rettungsinseln. Auf Meeresniveau ist Platz für „Toys & Tenders“ wie der notwendige Fuhrpark einer Megayacht in der Branche genannt wird.

So entsteht das Konzept eines schwimmenden Yachthafen: Die Galileo² hat in ihrem Schoß, also zwischen den gewaltigen Rümpfen, Platz für Piers von insgesamt 80 Meter Länge. Hier können „gewöhnliche“ Yachten und andere Wasserfahrzeuge anlegen und manövrieren.

Natürlich stehen auch Kräne bereit, um Beiboote abzufieren oder Yachten zur Instandhaltung aus dem Wasser zu holen. Womit wir beim Anwendungsfall schwimmender Hafen wären. Die Galileo² wird buchstäblich zur „Mutter aller Yachten“. Und dass das Sinn ergibt, haben die Schöpfer nicht bloß herbeifantasiert: „Ein solcher Kat ersetzt ein komplettes Shadow Vessel.“

Mit diesem Begriff werden Begleitboote oder -schiffe bezeichnet, die für gewöhnlich als Versorger und schwimmende Übernachtungsmöglichkeit für Crew und Gäste eine repräsentative Megayacht begleiten. Der riesige Kat bietet so viel Raum, dass er also ein ganzes Schiff einspart. Und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis.

Superyacht-Katamaran Galileo 2 von Beiderbeck Designs aus Bremen
Aus der Draufsicht erschließt sich die gewaltige Fläche, die für Sonderwünsche des solventen Kunden komplett zur Verfügung stehen. Am Bug befindet sich der Hubschrauber-Landeport. © beiderbeck designs

EchtesInteresse an kleinerer Version

Ein animiertes Wasserschloss – analog zum Luftschloss – ist nach Darstellung der Beiderbeck-Chefs auch ein geeigneter Köder, den ein Designstudio wie ihres von Zeit zu Zeit im Teich platziert. Offenbar hat schon der ein oder andere dicke Fisch danach geschnappt: „Es gibt Gespräche“, so viel darf verraten werden.

Die anfragende Person habe Interesse an einer 120 Meter langen Version. Das ist zwar deutlich kleiner als der großspurige Entwurf. Doch im aktuellen Vergleich durchaus realistisch. Und: „Die Superyachten werden immer größer.“ Think big.

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