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Grand Soleil 42 LC bei unserem Praxistest © Bruno Reithmann
Test Grand Soleil 42 LC

Einhand für Ozean und Kurzstrecke

Die Grand Soleil 42 LC ist als Einhandboot für Blauwasser-Törns gebaut. Wie segelt sich das Schiff auf der Kurzstrecke?

von
in
7 Minuten

Keiner steigt mit einer Rettungsweste in die Badewanne. Warum also sind wir mit einer ozeantauglichen Grand Soleil auf die Ostsee unterwegs? Schließlich ist die LC-Baureihe der italienischen Werft für ihre Langfahrten-Qualiäten bekannt. Wer hinter dem Doppelsteuerstand eines solchen Kreuzers steht, mag das baltische Meer wie einen Binnensee empfinden. Wie sich die Grand Soleil 42 LC, der kleinste Long Cruiser in der Flotte des Cantiere del Pardo, auf der Kurzstrecke segelt, wollten wir bei einem kürzeren Schlag in der Kieler Bucht herausfinden.

Da leuchtet sie in der Sonne: gewaltiger Rumpf, flacher langer Aufbau, eine Schönheit mit der Optik einer 50-Fuß-Yacht. Wenn da nicht dieser steil aufragende Bügel quer über dem Niedergang wäre, der das wohlwollende Auge irritiert. Der prominent platzierte Targabügel hat das Potenzial, eine Debatte zu entfachen über die alte Rivalität zwischen Ästhetik und Nützlichkeit. Eine Ambivalenz, die schon Generationen von Designern zur Verzweiflung brachte.

Grand Soleil 42 LC
Die Grand Soleil 42 LC bei unserem Ausflug auf der Ostsee © Bruno Reithmann

An den Anblick dieses Aufbaus musste zumindest ich mich erst einmal gewöhnen. Abgesehen von Grand Soleil kennt man diese Querstrebe eigentlich nur von Beneteau und Jeanneau. Aber der Targabügel ist ein durchaus ernst zu nehmender Sicherheitsaspekt. Denn das Boot ist ja hauptsächlich für Langstrecken gemacht. Alle Fallen und Strecker sind nach hinten geleitet, sodass man das Cockpit zur Bedienung nicht verlassen muss. Auch die Großschot wird über den Carbonbügel gefahren.

Wo die Großschot nicht im Cockpit stört

Bei stärkerem Wind und Welle befördert es die Sicherheit ungemein, wenn die Großschot aus dem barrierefreien Cockpit weg ist und man nirgends stolpern kann. Außerdem lassen sich am Bügel eine große Sprayhood und Bimini anbauen. Bei warmem Wetter könnte man auf den Duchten, oder sogar auf dem dafür vorbereitetem Platz auf dem Vorschiff, die optionalen Sonnenpolster ausbreiten und es sich „richtig gemütlich“ machen. Heute also nicht.

Doch mit dem Rücken angelehnt an der Kajütscheibe sitzen wir auch am Testtag unterwegs entspannt. Im Hafen kann man sich dazu überdies lang hinlegen. Mit Polster sogar so hoch, um alles gut im Blick zu haben. Die Ducht ist lang genug, um sogar die Arme abzulegen, und breit dazu.

Grand Soleil 42 LC
Übers Heck ist ein müheloser Einstieg möglich © Michael Krieg

Doch erst einmal heißt es, an Deck zu kommen. Besser noch als über den Bugspriet gelingt das auf der Kehrseite der Grand Soleil: Über die Badeplattform gelangt man mühelos ins Cockpit. Sie lässt sich auch gut zum Beladen des Beiboots nutzen, für Reparaturen aller Art, Klarmachen des SUP etc. Von dort bekommt man auch das Dinghi gut zu Wasser. Und im Staufach dahinter ist Platz für eine optionale Rettungsinsel.

Mit Vorschusslorbeeren an Bord

An Bord werden wir empfangen mit einer Lobeshymne auf die Tugenden der neuen Grand Soleil. Der Eigner ist mit an Bord, und er sagt Dinge, die skeptisch, aber auch neugierig machen: „Einfach zu handhaben … tolle Leistung.“ Knapp dreizehn Meter Bootslänge sollen also „einfach zu handhaben“ sein, noch dazu solo? Mit der Familie als Gästen? Und auch bei wenig Wind? Das alles unter einen Hut zu bringen, verlangt schon einiges von den Konstrukteuren.
Also raus in die Kieler Bucht, Segel ausrollen und sehen, was von den Versprechen zu halten ist. Gerade die schwache Brise ist gut für unseren Test. Denn schnell segeln kann jeder. Unter diesen Bedingungen muss sich zeigen, was in der 42-Fuß-Segelyacht steckt.

  • Grand Soleil 42 LCDas Cockpit verfügt über zwei Steuerräder © Rüdiger Rasmus
  • Grand Soleil 42 LCDie Leinenführung ist verdeckt. © Rüdiger Rasmus
  • Grand Soleil 42 LCDer Baumniederholer © Rüdiger Rasmus

Was ist also einfach? Das fängt mit der gesamten Leinenführung an. Sie läuft verdeckt in Richtung Steuerstand. Für Ordnung sorgen unterwegs zwei Leinenboxen am Ende der Cockpitbuchten. Ein bisschen diszipliniert muss man schon sein. Aber auf der anderen Seite, wenn man auf Langstrecken unterwegs ist, hat man sicher Zeit genug, alles nach jedem Schlag wegzuräumen.

Sensibel mit schmalem Ruderblatt

Unterwegs stehen Leistung und Spaß im Mittelpunkt: Garant dafür ist das schmale Ruderblatt von 2,10 Metern Länge, das eine ausgezeichnete Sensibilität auf die Zwillings-Steuerräder bringt. Das Manövrieren mit der Grand Soleil 42 LC ist ein Vergnügen. Und das sowohl was die reinen Leistungsdaten bei diesen Schwachwindbedingungen als auch das Handling am Steuerrad betrifft. Die Räder liegen relativ weit außen, sie gewähren dem Steuermenschen folglich den freien Blick nach vorn.

Zu gern wollen wir auch erfahren, wie sich die italienische Segelyacht bei mehr Wind verhält. Der zukünftige Eigner verrät es: Der L-Kiel mit Bleibombe mit seinem niedrigen Schwerpunkt und die Breite des Hecks tragen sehr dazu bei, dass sich das Schiff auch bei widrigeren Bedingungen entspannt führen lässt.

Grand Soleil 42 LC
Der Gennaker im Schwachwindeinsatz © Bruno Reithmann

Nicht kleckern, sondern klotzen! Alle eingesetzten Komponenten sind ausreichend groß und bieten Reserven. Das, so erklärt mir Lukas Heyde vom Händler Diamond Yachts, habe Grand Soleil schon immer so gemacht. „Was man der Werft zugute halten darf: Sie haben richtig vernünftiges Tauwerk auf dem Boot verwendet. Das kommt aus der Regattahistorie der Werft. Aber hier ist es super-komfortabel: Wenn Du weit damit fahren willst, hat das Boot Energiereserven.“

Für die Fallen, auf denen richtig Druck ist, werden große XXA-Dreier-Klemmen von Spinlock eingesetzt. Auf den ersten Blick sind das Kleinigkeiten. Aber damit unterscheidet sich die Grand Soleil erheblich von vielen anderen Serienbooten. Bei einem Vorführschiff wie dem unseren wird natürlich immer etwas mehr gezeigt als die Basisausstattung. Inklusive größerer Winschen.

Fürs Meer aufrüsten

Sollte man doch einmal auf große Fahrt gehen wollen: Auf unserem Testschiff wurde mit der Vorrichtung für ein Stagsegel dafür vorgesorgt. Zunächst mit einem Padeye (dem Decksauge) auf dem Kollisionsschott. Dann oben mit einem 2:1-Fall und dem entsprechenden Mastfitting dafür. Bei dieser Langstrecken-Option kann man das Stagsegel als Selbstwendefock nutzen. Außerdem gibt es eine Option für Genua-Schienen, ebenfalls für Selbstwende-Eigenschaften.

Grand Soleil 42 LC
Blick auf den Bug … © Bruno Reithmann
Grand Soleil 42 LC
… und das Vorschiff © Michael Krieg

Das wäre eine Konfiguration, die es auf der Ostsee eigentlich nicht braucht, weil die Distanzen einfach zu klein sind. „Bläst tatsächlich mal der Wind so stark, bleiben die meisten Ostseesegler sowieso zu Hause. Wir haben diese Option für Hochseeschiffer“, erklärt Lukas Heyde. „Abhängig von der Frage, was der Kunde vorhat, haben wir uns alle Optionen offen gehalten. Eine Nachrüstung ist aus bautechnischen Gründen gar nicht so einfach.“

Gerollt statt gefaltet

Unsere Konfiguration mit dem 52 Quadratmeter großen Rollgroßsegel – ein Vantage One Fullbatten von One-Sails – ist bei Grand Soleil eigentlich nicht üblich. Aber da die jetzige Generation von Rollgroßsegeln mit vertikalen Latten so vernünftig steht, dürften das wohl die meisten Kunden bevorzugen. Vor allem deshalb, weil das Tuch dank der Latten ohne Wulst zuverlässig ein- und ausgerollt werden kann.
Die Latten sorgen dafür, dass das Achterliek oben gehalten wird. Auch die knapp 50 Quadratmeter große Selbstwendefock mit vertikalen Latten und UV-Schutz ist aus dem Material hergestellt. Bei Wendewinkeln um 90 Grad loggen wir zwischen 4,6 und 5,8 Knoten, und das bei schwachem Wind.

Zum Thema „einfache Handhabung“: Wir waren zu viert an Bord. Doch mit diesem Segel kann man auch alleine raus aufs Wasser. Man zieht es schon im Hafen hoch, stellt unterwegs den Autopilot an, geht nach vorn und rollt den Code Zero aus. Der Gang nach vorn ist frei, weil breit und unverbaut. Während die Oberwanten außen am Rumpf angebracht sind, greifen die Unterwanten an der Kajütseite an. Ist man zu zweit, kann der Steuermensch hinten bleiben. Ist man oft solo unterwegs, bietet es sich an, die Rollleine bis nach hinten zu verlängern.

Angeboten wird auch eine Sportversion ohne Targabügel, sowohl mit offenem als geschlossenem Heck. Sprich, die Heckklappe schließt mit dem Cockpitboden respektive mit den Bänken ab. Dabei kommt das Boot mit höherem Rigg, das auf Wunsch auch aus Kohlefaser ist. Noch agiler als die 42er als Sportversion ist die Grand Soleil 44 Performance. Es ist übrigens noch eine Grand Soleil 40 in Planung.

Ein geschickter Design-Trick

Schlichte Eleganz und Funktionalität empfangen mich im Salon. Sowohl die Innenausstattung als auch die äußeren Linien sind das Werk der Mailänder Firma Nauta Design. Dessen Hauptmerkmale sind helle Farben ebenso wie eine elegante Auswahl beim Holz – entweder Eiche oder Teak. Der freundlichen Eindruck verstärkt sich durch viel natürliches Licht, das durch Skylights und Rumpf- sowie Kajütfenster dringt.

  • Grand Soleil 42 LCUnter Deck erfreut uns die Pantry … © Michael Krieg
  • Grand Soleil 42 LC… der klassische Kartentisch … © Michael Krieg
  • Grand Soleil 42 LC… und die geräumige Eignerkajüte. © Michael Krieg

Das weiß gepolsterte Vorderschott sowie die hellen, bespannten Deckenpaneele hinterlassen einen nachhaltig vornehm-eleganten Eindruck. Ein sehr geschickter Designtrick: Ein großer, länglicher Spiegel neben der Badtür mildert die Dominanz der Holzwand im Salonbereich. Die Stehhöhe variiert zwischen zwei Metern in der Pantry und beträgt ansonsten durchgängig 1,93 m. Vorn und achtern ist es mit 1,88 m etwas niedriger.

Vier, sechs oder acht Schlafplätze

Angeboten werden mit je zwei Nasszellen und separater Dusche eine Drei- als auch Zwei-Kabinen-Version. Erstere ist die Standardausführung. Hier bieten drei Doppelkojen Habitat und Komfort für eine sechsköpfige Crew. Optional ist ein Salontisch, der zu einer weiteren Doppelkoje abgesenkt werden kann. Sowohl das Inselbett im Vorschiff als auch die Einzelbetten achtern in der Zwei-Kabinen-Version bieten komfortable Maße.

In der so genannten Eignerversion wird die backbordseitige Achterkabine zu einem Multifunktions-Raum mit größerer Pantry erweitert. Und es gibt mehr Arbeitsfläche. In der „Lounge“ mittschiffs sitzen die Gäste an drei Seiten um den großen Salontisch. Das Angebot an Stauraum unter Deck wird dem Platzbedarf für die große Fahrt gerecht.

Technische Daten Grand Soleil 42 LC

Länge: 12,90 m
Breite: 4,16 m
Tiefgang: 2,25 m
Gewicht: 9,6 to
Ballast Standardkiel: 2,9 to (28 %)
Großsegel: 54 qm
Selbstwendefock: 50 qm
Gennaker: 151 qm
Motorisierung: Volvo Penta D2-50 mit 50 PS
CE-Kategorie: A (Hochsee)

Ich wollte nicht in den Hafen zurück

Am Ende des Tests wollte ich nicht in den Hafen zurückzukehren, sondern – mit dem für später angesagten frischeren Winden – Ziele jenseits der Kieler Bucht ansteuern. Nicht zuletzt, weil ich ein Boot kennenlernte, das genau dafür geschaffen wurde, um möglichst viele Meilen abzuspulen: die DNA der in Forlì ansässigen Werft.

Die Grand Soleil 42 LC ist erkennbar ein Kind von Cantiere del Pardo. Deren Boote sind allesamt dafür ausgelegt, wirklich Strecke zu segeln. Dafür bietet das Einstiegsmodell in die Long-Cruise-Reihe maximalen Komfort für ein entspannes Leben an Bord. Der Grundpreis ab Werft beträgt 379.000 Euro. Die Segelyacht ist solide und seetüchtig gebaut. Damit geht es locker, komfortabel und schnell bis zum Leuchtturm und zurück. Und wer raus will aus der Ostsee, kann sie fürs „richtige“ Blauwassersegeln ausrüsten lassen.

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