float Magazine

Elan E6 Die neue Elan E6 feiert in Düsseldorf Premiere © Werft
Premiere Elan E6

Elan heuert den nächsten Star-Designer an

Nach der Kooperation mit Porsche Design zeigt Elan Yachts nun die Elan E6 – mit einem neuen, mindestens ebenso berühmten Designer.

von
Roland Wildberg
in
5 Minuten

Ein Porsche im Hafen reicht wohl nicht: Jetzt hat sich die slowenische Segelyacht-Werft Elan den nächsten berühmten Designer an Bord geholt. Nach Porsche Design, der gerade die GT6 für Elan zeichnete, ist nun Pininfarina dran.

Die bei Autos weltberühmte Marke Pininfarina verbinden viele mit Ferrari. Doch das legendäre Designstudio aus Turin entwarf in den 90 Jahren seit seiner Gründung nicht nur den Testarossa und zahlreiche andere rote Renner aus Modena – auch das Bootsheck des berühmten Alfa-Romeo Spider entwarf Pininfarina.

Elan E6
Die Elan E6: die längste der Produktlinie © Werft

Mit der Elan E6 will die slowenische Werft sich also erneut ein schwimmendes Denkmal setzen. Und was ein großes: Die Größte der sportlichen E-Flotte ist 47 Fuß, also etwas über 14 Meter lang, und damit die größte in dieser Produktlinie. Wie schon bei der GT6 hat auch die Elan E6 mehrere Eltern: Der renommierte britische Yachtkonstrukteur Rob Humphreys war für alles zuständig, was die Segelyacht als Wasserfahrzeug ausmacht.

Pininfarina gebührte die ebenso ehren- wie anspruchsvolle Aufgabe, eine elegante Form in die dynamischen Vorgaben der Nautik-Fachleute hineinzuträumen. Sehr dynamische Vorgaben: Die E6 ist ein Performance Cruiser und damit die seglerische Quadratur des Kreises. Sie soll schnell sein, sehr schnell sogar. Sie soll der Besatzung aber auch maximalen Komfort bieten. Also deutlich mehr als einen kardanischen Campingkocher und knarzende Carbon-Kojen.

Lösungen von der Hochsee-Regatta

Hervorstechendste Eigenschaft eines solchen Alleskönners: Er überträgt technische Lösungen aus dem Hochsee-Regattasport auf die Welt des Fahrtensegelns. In der Autobranche würde man das Crossover nennen. Dazu gehört laut Elan Yachts das Kimmdesign, eine Elan-Entwicklung ebenso wie die Doppelruder. Auch ein T-förmiger Kiel zeichnet die schwimmende Sportlimousine aus.

„Mit einer Rennyacht à la Pogo ist das nicht vergleichbar – die hat nämlich keinen Innenausbau“ sagt Nils Schürg, deutscher Generalimporteur von Elan, gegenüber Float. Die E6 schlage eben eine Brücke zwischen Komfort und Leistung. Sie sei kein reines Rennboot, aber eben auch keine reine Cruising-Yacht. „So wie ein Porsche eben auch kein Formel-1-Auto ist.“

Überdies können zukünftige Eigner ihre E6 durch diverses „Tuning“ werftseitig noch gehörig aufpeppen. Ein höherer Mast aus Carbon, tiefer Kiel, offenes Heck und weitere Anpassungen haben zusätzlich positiven Einfluss auf die Performance. Umgekehrt lässt sich unter Deck einiges Zubehör bestellen, das die Reise angenehmer, aber durch Mehrgewicht auch etwas langsamer macht. Der Rumpf und die Segeleigenschaften geben beides her, sowohl Cruise als auch Race, lässt Architekt Humphreys gegenüber dem britischen Fachmagazin „Sailhorse“ verlauten.

Der Gewichtsunterschied zwischen einer renn-optimierten E6 und einer eher preisgünstig ausgestatteten könne ohne Weiteres 850 Kilogramm betragen, ist von der Werft außerdem zu hören. Setzt man das mit den knapp elf Tonnen Verdrängung ins Verhältnis, wird deutlich: Viel mehr ist hier wirklich nicht mehr herauszuholen.

Pininfarina
T-förmiger Kiel © Werft
Pininfarina
Blick aufs Cockpit © Werft

„Sie ist eine Verschmelzung von italienischer Ästhetik, außergewöhnlicher nautischer Architektur und Hightech-Verbundtechnologie“, schwelgt darüber die Elan-Pressemitteilung. Als Dritten im Bunde hat die Werft für die Materialauswahl nämlich einen Spezialisten für Verbundwerkstoffe hinzugezogen. Gurit soll die technologischen Grenzen verschoben haben. Die Materialforscher haben erreicht, dass die Elan E6 der leichteste und steifste Serien-Cruiser in dieser Größenklasse ist, teilt die Werft mit.

Damit sie auch die schnellste ist, hat Humphreys den Rumpf nicht von kleineren Elan-Modellen abgeleitet, sondern völlig neu entwickelt. Verschiedene Entwürfe wurden umfangreichen CFD-Modellierungen und -Analysen unterzogen. Die Ergebnisse hat der britische Yachtarchitekt mit Hilfe des VPP (velocity prediction programs) bewertet und verglichen, um eine Feinabstimmung des Rumpfes vorzunehmen.

Fließende Linien verleihen Charakter

Designer haben es bei einem Fahrzeug, dass den Gesetzen der Physik folgen muss, nicht leicht mit ihrer gestalterischen Freiheit. Das zeigt schon die GT6, die zwar einige ansprechende Zitate aus der Welt des Motorsports trägt, aber ansonsten so wenig mit einem Gran-Turismo-Sportwagen gemein hat wie eine Bohrinsel mit einem Wolkenkratzer.

Pininfarina
Die Elan E6 von oben betrachtet © Werft

Pinifarina, die mit der Wally 101 und einigen anderen Yachten bereits nautische Erfahrungen sammelte, hat sich den Job natürlich trotzdem nicht leicht gemacht: Einerseits folgt ihr Design der Linie der bereits schwimmenden E-Yachten, andererseits hat das Turiner Büro „fließende Linien“ gezeichnet, um dem Boot „einen einzigartigen Charakter zu verleihen“.

„Das Ergebnis ist ein Segelboot mit unverfälschten Formen und einem modernen Stil, der in die Zukunft gerichtet ist – die Richtung, in die Liebhaber von Leistung immer schauen müssen“, wird Daniele Mazzon, Pininfarinas Chief Transportation Designer, in der PM von Elan zitiert.

Schnell, leicht und fest zugleich

Der Rumpf wirkt in seiner Eleganz fast zerbrechlich – und doch soll die E6 die festeste Struktur ihrer Klasse haben. Mehr noch: Elan glaubt, sie ist zugleich die leichteste und schnellste! Die Quadratur des Kreises wird möglich durch die erstmalige Zusammenarbeit mit Gurit, dem Branchenführer für Verbundwerkstoffe.

Im Laminieren unter Einsatz von Vakuum-Infusion war Elan schon lange führend. Bei der E6 setzte das Projektteam mit dem 3D-VAIL-Verfahren noch einen drauf. Diese nochmalige Verbesserung bei der Vakuuminfusion ermöglicht eine erhebliche Gewichtseinsparung bei den Verbundstoffteilen. Zugleich wird der Rumpf noch einmal ein gutes Stück fester.

Die Zusammenarbeit mit Gurit, so führt die Werft aus, habe die eigenen Ingenieure motiviert, altbekannte Gewissheiten grundlegend in Frage zu stellen. Jeder Winkel und jede Ecke sei analysiert worden, um die notwendigen Verstärkungen ebenso wie die Entlastungen festzustellen.

Das Deckslayout wurde abgestimmt mit den beiden slowenischen 470er-Olympiateilnehmern Mitja Margon and Tomaž Čopi. Sie haben sich, so teilt Elan mit, im Wesentlichen aufs Feintuning konzentriert. Dazu gehörte zum Beispiel die endgültige Position der Winschen, des laufenden Guts und Ausrüstung. All diese Bemühungen resultieren in einem Am-Wind-Geschwindigkeitspotenzial von acht Knoten bei zwölf Knoten wahrem Wind, schätzt Humphrys. Das ist beachtlich.

Für eine eingespielte Besatzung

Die E6 ist definitiv zum Segeln mit einer eingespielten Besatzung gedacht. Sie ist dafür mit drei Hochleistungs-Winschen auf jeder Seite ausgestattet. Mit ihnen sind präziser Trimm und schnelle Manöver ein Leichtes. Elan hat auch hier nichts dem Zufall überlassen: Die Architektur vom Rigg und seinen Bedienungselementen wurde von einem ehemaligen olympischen Segelteam ausgiebig getestet.

Weil Segeln allein nicht satt macht, hat die E6 auch ein ausgefeiltes Komfort-Programm an Bord. Es reicht von einem Grill im optionalen Staukasten über Spüle und Kühlschrank unter Deck bis zu einer Badeplattform in zwei verschiedenen Größen.

  • Elan InnenbereichGroßzügige Kajüte © Werft
  • Elan InnenbereichKomfort garantiert durch Spüle und Kühlschrank © Werft
  • Elan InnenbereichBett mit Blick in den Himmel © Werft
  • Elan InnenbereichEin weiterer Schlafbereich © Werft

Die italienischen Designer hielten die Balance zwischen Ästhetik und Funktionalität. Im Inneren entschieden sie sich für Eichenfurnier. Einzelne Sichtelemente sind aus Massivholz ausgeführt. Um Gewicht zu sparen, sind auch leichte Möbel erhältlich, die mit Furnier aus dem afrikanischen Laubholz Okoumé belegt sind. Die E6 verfügt außerdem über eine voll ausgestattete Kombüse mit einem nach vorne öffnenden Kühlschrank sowie optionaler Mikrowelle oder Kaffeemaschine.

Auch preislich will Elan Maßstäbe setzen: Segelfertig kostet die E6 ab 416.000 Euro. Zum Vergleich: Ein ähnlich dimensionierter Performance-Cruiser der dänischen Werft X-Yachts, die X4-9 mit einer Gesamtlänge von 15,08 Meter, kostet ab 593.000 Euro. „Price Percormance“ nennt die Werft das.

Technische Daten Elan E6

Länge: 15,30 m
Breite: 4,49 m
Tiefgang: 2,80 m
Gewicht: 11,25 Tonnen
Maschine: 50 PS (Volvo Penta)
Großsegel: 68,5 qm
Fock: 53,7 qm
CE-Kategorie: A (Hochsee- und Starkwind-tauglich)

Probefahrten voraussichtlich ab April

Der Bau des Prototyps der Elan E6 steht kurz vor dem Beginn, und die Yacht wird im Januar auf der boot Düsseldorf vorgestellt. In der Drei-Kabinen-Version mit serienmäßigem Doppelsteuerstand kostet die Elan E6 ab 379.900 Euro. Ein zusätzliches Sail-Ready-Paket kostet ab 36.990 Euro. Potenzielle Käufer werden die neue Yacht ab April in Portorož in Slowenien segeln können.

Welchen Designer von Weltrang wird Elan wohl demnächst verpflichten? Wir tippen auf Giugiaros Italdesign…

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame