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HMElizabeth II visiting Gloriana, The Royal Rowbarge © Eva Zielinska-Millar / Senior Photographer Royal Collection Trust

Elektrisierte „Gloriana“

Neue Motoren für die Prunkbarkasse der Queen

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Wenn Monarchen bei Prozessionen, Schiffsparaden und anderen Anlässen zu Wasser unterwegs sind, benutzen sie dazu eine Prunkbarkasse. Bewegt wird so ein Zeremonien-Boot durch Ruderer, die vorne im Boot sitzen, während der Steuermann üblicherweise achtern hinter dem Salon steht.

Selbstverständlich hat auch die britische Königin Elisabeth II ihre eigene Prunkbarkasse, mit der sie sich auf der Themse zeigt. Das Prachtstück heißt „Gloriana“, die Queen bekam es 2012 zum diamantenen Thronjubiläum 60 Jahre nach der Thronbesteigung geschenkt – zusammen mit einer Parade auf der Themse, der größten ihrer Art seit 350 Jahren, mit mehr als 1.000 Wasserfahrzeugen aus dem gesamten Commonwealth.

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Parade auf der Themse zur Diamond Jubilee© Tony Harrison über Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Der Bau der Prunkbarkasse wurde durch den britischen Wirtschaftsmanager Lord Sterling initiiert. Der umtriebige Baron und ehemalige Börsenmakler Jeffrey Sterling of Plaistow gründete einst P & O, einen der größten Reederei-Konzerne der Welt, er gehört außerdem dem Order of the British Empire an und ist bestens vernetzt. Seit 1991 sitzt der heute 82-jährige für die Konservativen im Oberhaus des britischen Parlaments. Für das Diamond-Jubilee-Geschenk „Gloriana“ soll Lord Sterling einen Tipp vom Sohn der Königin, Prinz Charles von Wales, erhalten haben.

Die 27 Meter lange Barkasse wird von 18 Ruderern und zwei Elektro-Innenbordmotoren angetrieben. Neben der Crew finden weitere 34 Personen auf der „Gloriana“ Platz. Unter der Leitung von Mark Edwards von Richmond Bridge Boathouses wurde das Boot innerhalb eines Jahres in traditioneller Bauweise aus Holz gefertigt. Das Deck besteht aus Kastanienholz und stammt von den Ländereien von Prinz Charles. Die Zierelemente sind, wie es sich für ein königliches Schiff gehört, vergoldet. Die auf 1,5 Millionen Englische Pfund geschätzten Kosten wurden von Lord Sterling und anderen privaten Finanziers getragen.

Giovanni Canaletto: Westminster-Brücke mit der Lord Mayor’s-Prozession, 29. Oktober 1746© Public Domain

Das Äußere der „Gloriana“ ist inspiriert durch ein Gemälde des venezianischen Malers Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, der im 18. Jahrhundert Stadtansichten von London malte. Das schwimmende Vorbild gehörte dem seinerzeitigen Lord Mayor von London. Bleibt der eigentümliche Name des im April 2012 von der Königin selbst getauften Schiffs: „Gloriana“ ist ein Spitzname von Queen Elisabeth I.

Einen offiziellen Einsatz nach der Taufe hatte die königliche Barkasse bei den Olympischen Spielen in London, wo die „Gloriana“ das olympische Feuer über die Themse beförderte. Heimathafen sind die St. Katharine Docks in London. In den Sommermonaten kann man die vom Gloriana Trust betriebene Barkasse häufig zwischen Central London und Henley auf der Themse sehen. Dann läuft sie unter elektrischen Motoren.

Das elektrische Antriebssystem, bisher batterieseitig gespeist aus 16 24-Volt-Lithiumbatterien mit je 100 Amperestunden, wurde nun samt Motoren ausgetauscht. Die Gloriana-Gesellschaft hat sich dazu für zwei neue Elektromotoren des bayerischen Herstellers Torqeedo entschieden. Zum Einsatz kommen zwei Deep Blue 40 Systeme, die das Boot optisch dezent und während der Fahrt emissionsfrei per Saildrive antreiben. Da die Neumotorisierung bereits erfolgte, werden für das königliche Boot keine Post-Brexit-Zölle anfallen.

Die „Gloriana“ in Zahlen











Länge:26,90 m
Breite:3,40 m
Tiefgang:0,90 m
Durchfahrtshöhe:3,00 m
Durchfahrtshöhe mit Flaggenmasten:6,95 m
Gewicht:1 t
Rudermannschaft:18
Deckbesatzung:3
Fahrgäste:30

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