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Wettkampf verkehrt: Die Gran Trawler kommt garantiert nicht als erste ans Ziel © Werft Der Grand Trawler 62 ist beim Boots-Wettrennen nicht Hase, sondern Igel © Werft
Premiere Beneteau Grand Trawler 62

Entdecker fahren langsamer

Beneteau hat sein größtes Reiseboot Grand Trawler 62 bewusst nicht auf Tempo getrimmt, sondern auf Gelassenheit.

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in
6 Minuten

Langsamkeit kann zu beeindruckenden Erkenntnissen führen. Spätestens nach Sten Nadolnys Roman über den britischen Polarforscher John Franklin ist die „Entdeckung der Langsamkeit“ sprichwörtlich geworden. Der Romanheld war so langsam, dass er viele Dinge wahrnahm, die anderen entgingen. Und so begehrenswert krasses Tempo auch erscheinen mag: Sehnen wir uns nicht alle am Ende nach Entschleunigung? Genau das bietet der Grand Trawler 62 von Beneteau. Es ist ein Reiseschiff für alle, die schon angekommen sind.

Robert Chaffer, Projektleiter bei Beneteau für die Trawler-Motoryachten, hat uns das neue, mit 62 Fuß Rumpflänge größte Modell der Serie vorgestellt. Und den Typ Bootsfahrer skizziert, für den das Schiff gemacht ist: erfahrene Reisenende zu Wasser (gerne auch ehemalige Segler),  die ihre Zeit nicht mit rastlosem Suchen vertun wollen. Sondern sich treiben lassen und entdecken – mit dem Boot zum Entdecken. Nicht nur in fernen Weiten, sondern gern direkt vor der Tür.

  • Beneteau Grand Trawler 62Draufsicht der 18,95 Meter langen Yacht Gran Trawler © Werft
  • Beneteau Grand Trawler 62Die Flybridge mit Steuerstand und dahinter liegendem Barbereich © Werft
  • Beneteau GT 62Auf dem Hauptdeck ist viel Platz – vorn der Steuerstand mit Niedergang © Werft
  • Beneteau Grand Trawler 62Mittschiffs die Eignerkajüte, dahinter die Maschinen © Werft
  • Beneteau GT 62Bei der Vier-Kabinen-Version ist die Eignerkajüte geteilt © Werft

Beneteaus großer Wurf

Der Grand Trawler 62 ist die derzeit größte Motoryacht, die der Weltmarktführer im Programm hat. Nach dem Erfolg der Serie Swift Trawler, von der Beneteau bisher gut 1.300 Einheiten verkauft hat, ist das 18,90 Meter lange, seetüchtige Reiseboot in doppelter Hinsicht ein großer Wurf.

Beneteau Grand Trawler 62
Durch große Fensterflächen im Rumpf kommt viel Licht ins Unterdeck © Werft

Mit ihren zwei MAN-Dieselmaschinen von zusammen 1.460 PS erreicht die 28 Tonnen schwere Grand Trawler maximal 22 Knoten. Im Maximaltempo zu fahren wäre auf Dauer unwirtschaftlich und natürlich zu laut, Die empfohlene Marschfahrt sind acht bis zwölf Knoten, also um die 20 km/h. Reicht das? Und was bekommt man dafür?

Der Rumpf ist auf Verdrängerfahrt optimiert. So verbraucht der Grand Trawler mehr als ein Drittel weniger Kraftstoff bei diesem Tempo als ein Gleiter. Seine Reichweite liegt dann bei rund 1.670 Kilometern – das entspricht in etwa der Distanz zwischen Gibraltar und Sizilien.

Mit 20 km/h kann man zwar nicht gerade die Gänseblümchen auf dem Deich zählen, aber das Reisen wird doch sehr gemütlich. So stellt man sich das bei Beneteau auch vor: Die niedrige Geschwindigkeit wird sogar ausdrücklich vermarktet, ein bemerkenswerter Schachzug. Eine Reise von Südfrankreich nach Korsika, etwa hundert Seemeilen, dauert mit dem Grand Trawler über elf Stunden. Mit der Fähre schafft man es in sieben.

Schildkröten beobachten

Diese Strecke fuhr der Eigner eines Swift Trawlers – der überigens mehrfach mit dem Best of Boats Award als bestes Reiseboot ausgezeichnet wurde, mit eben dieser neu entdeckten Langsamkeit. Bei glatter See und klarem Himmel geriet der Skipper beinahe ins Meditieren – bis er auf seinem Kurs drei große Meeresschildkröten entdeckte.

Der Mann drosselte das Tempo, um ihnen beim Schwimmen zuzuschauen. Eine ungemein befriedigende Beobachtung, bei der die Zeit keine Rolle mehr spielte. Wäre er schneller gefahren, hätte er sein Ziel natürlich früher erreicht. Doch ihm wäre verborgen geblieben, wie anmutig so eine große Schildkröte durch den freien Ozean paddelt.

In der Zeit zwischen Beobachtungen der Meereswelt und der Ankunft am Ziel ist das Boot auch einfach nur Heimat. Denn was Beneteau „Trawler“ nennt, ist natürlich alles andere als ein Hochsee-Fischerboot. Er strahlt als Reiseschiff vor allem behagliche Wohnlichkeit aus, wozu die großzügige Raumgestaltung gehört – wie auch bei den kleineren Swift-Trawler-Modellen.

Es gibt den 62-Fuß-Trawler wahlweise mit drei oder vier Kabinen – und jede Kabine erhält ein separates Bad. Platzprobleme haben nicht einmal die beiden feisten Sechszylinder im Heck. Allein die Eignerkajüte hätte in Hotel-Kategorien den Status der Präsidentensuite.

Beneteau Grand Trawler 62
Achtern sitzt man dank bodentiefer Fenster direkt am Wasser © Werft

Eine Terrasse zum Meer

Die Kundengruppe definiert Robert Chaffer Beneteau ziemlich genau. Der Idealkunde für ihn sind „Großeltern, die ihren Kindern die Enkel für ein paar Tage abnehmen“. Spontaner erster Gedanke nach dem Lesen dieses Claims: Solche Großeltern möchte ich auch haben! Aber es gibt sie sicher, irgendwo da draußen unter den wohlhabenden Boomern, die schon einige kleine und schnelle Boote hinter sich haben. Und jetzt Zeit und Muße haben, auch länger auf dem Boot zu leben.

Oder, wie Robert Chaffer es gegenüber float definiert: „Nach 15+ Jahren Bootserfahrung“ – hat man den Bodenkontakt keineswegs verloren. Die 62 Fuß Rumpflänge messende Motoryacht ist nämlich alles andere als ein Protzboot. Der Grand Trawler ist ein komfortables Wohnzimmer auf dem Wasser, eine „Terrasse zum Meer“, um einen weiteren Claim zu zitieren.

Diesen Aussichtspunkt gibt es auch sichtbar in Gestalt einer großen Badeplattform. Sie ist gegen Aufpreis beweglich und motorisiert, um so durch Absenken Beiboote oder Sportgeräte und „Water Toys“ wie ein Wassermotorrad bequem wassern zu können. Die Tendergarage, in der solcherlei schwimmender Zeitvertreib gelagert wird, kann optional zu einer vierten Kajüte werden. Das Hinterstübchen ist separat zugänglich und eignet sich damit auch als Crew-Unterkunft.

Beneteau Grand Trawler 62
Die Badeplattform ist gegen Aufpreis mit Motorkraft versenkbar © Werft

Gut zum Versteckspielen

Bei der Wahl des Aufenthaltsorts haben die Passagiere die große Auswahl. Während man an Bord vieler Motoryachten sich des Eindruck nicht erwehren, in einer schwimmenden Sardinendose zu residieren, ist der Grand Trawler – nomen est omen! – beinahe zum Versteckspielen geeignet: Platz in Hülle und Fülle auf mehreren Ebenen.

Der Thronsaal der GT ist der Salon, der durch große Panoramafenster in alle Richtungen viel Licht und Sicht durchlässt. Das Hauptdeck ist in zwei große Lounges unterteilt, zwischen denen zwei Stufen Niveauunterschied liegen. Der vordere Bereich mit dem Steuerstand ist leicht erhöht, dazu gibt es noch eine separate Pantry.

Es gibt so viel Platz im Speisesaal, dass jeder Bordgast das Essen auf altrömisch-dekadente Weise, nämlich im Liegen einnehmen könnte.Und dieser Komfort setzt sich an Bord weiter fort.

Rechts des Steuerstands geht es in die Schlafräume. Dank 15 großformatiger, rechtwinkliger Rumpffenster wirken die Privatgemächer fast wie großzügig dimensionierte Hotelzimmer, nicht wie Kabinen.

Beneteau Grand Trawler 62
Die Kabinen sind hell und luftig, fast wie Hotelsuiten © Werft

Die Veranda im Obergeschoss

Das Obergeschoss ist als Veranda angelegt: Nur ein Sonnendach trennt Schiffsführer und Badegäste von den Elementen. Hinter dem Backbord-Steuerstand ist reichlich Platz für allerlei Mobiliar und eine kleine Bar mit Spüle. Der Außensteuerstand auf der Flybridge gehört zu den größten in diesem Marktsegment, erwähnt Beneteau-Mann Robert Chaffer stolz. Auch auf dem Vorschiff gibt als Hide-away eigenes abgeschiedenes kleines Sonnendeck mit Doppelliege.

Zu beiden Seiten des Decksaufbaus ist genug Platz, um bequem nach vorne zu gelangen, denn der Grand Trawler ist schließlich fünf Meter breit. Der innere Loungebereich ist durch drei Eingänge erreichbar. Der Steuerstand kann optional mit einem zweiten Sitzplatz ausgestattet werden. Originalton Beneteau: „Eine Copilotenbank bringt noch mehr Geselligkeit während der Fahrt.“

Beneteau Grand Trawler 62
Hinter dem Steuerstand auf dem Hauptdeck sind Küche und Sitzecke © Werft

Stehhöhe ab 1,99 Meter

Zum Heck hin sind bodentiefe Fenster eingelassen, die ebenfalls viel Licht in den Innenraum lassen. Gestaltet wurde das Gesamtkonzept vom italienischen Designbüro Micad, erfahrenen Zeichnern von Superyachten. Die Innenarchitektur mit viel Holz, Leder und ausgewählten Textilien stammt von Nauta Design. Größe drückt sich übrigens auch in Stehhöhe aus: Auf dem Hauptdeck beträgt sie 2,02 Meter, in allen Kabinen mindestens 1,99 Meter.

Technische Daten Beneteau Grand Trawler 62

Länge18,95 m
Breite5,41 m
Tiefgang1,40 m
Gewicht28.500 kg
Motorisierung2x 730 PS MAN Diesel
Maximale Passagierzahl10 Personen
CE-KategorieB (außerhalb von Küstengewässern)

Da selbst im schönsten Traum nicht alles umgehend in Erfüllung geht, hat Beneteau einen Wunschzettel entwickelt – sprich, eine Sonderausstattungsliste. Sie umfasst neben der Hub-Badeplattform einen Icemaker für die Terrasse, vier Unterwasserscheinwerfer für nächtlichen Badespaß, eine Geschirrspülmaschine oder Lederbezüge für Möbel und Türen. Auch ein bescheidener „Weinkeller“ für 23 gute Flaschen, zwölf Yachttischgedecke sowie eine Waschmaschine nebst Trockner für den Wirtschaftsraum können bestellt werden. Merke: Wenn der Weg das Ziel ist, muss man dabei nicht auf frische Hemden verzichten.

Beneteau Grand Trawler 62
Das achtere Sonnendeck ist überdacht, eine Reling sichert den Übergang zur Badeplattform © Werft

Der Grand Trawler 62 wird in der italienischen Beneteau-Werft in Montfalcone hergestellt, wo auch die Schiffe der auf Luxus und Lifestyle gebürsteten Schwestermarke Monte Carlo Yachts entstehen. Die Auslieferung der ersten Exemplare des GT 62 ist für die jetzt startende Saison angekündigt.

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