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Fesch mit flacher Silhouette: der Elektrokatamaran Frauscher TimeSquare © Kerstin Zillmer
Frauscher TimeSquare 20

Fescher Freiraum auf 20 m²

Frauscher hat mit der TimeSquare 20 das Elektroboot konsequent zu Ende gedacht.

von
Kerstin Zillmer
in
6 Minuten

Beinahe lautlos gleitet die Frauscher TimeSquare 20 aus dem Hafen am frühen Morgen des zweiten Testtags auf dem Traunsee im Salzkammergut. Nach der Hitze am Vortag strahlt der Himmel blau und die Luft ist kühler. Als das Boot auf den See hinausfährt, macht die junge Frau Musik an und tanzt ein bisschen. Eine schwimmende Tanzfläche ist der neue Elektrokatamaran von Frauscher auch.

Frauscher TimeSquare 20
Stefan und Johanna Frauscher verlassen den Hafen © Kerstin Zillmer

Dieses Mal wollte die Werft vom Traunsee das Elektroboot neu erfinden. Radikal haben sie sich bei ihrer Neuschöpfung vom Gleitrumpf verabschiedet. Sie haben das Deck konsequent auf zwei Rümpfe gestellt, schmal wie Kufen, damit sie so gut wie kein Wasser mehr verdrängen. Wer elektrisch fahren will, muss Gewicht sparen, damit man so weit und energiesparend wie möglich kommt.

Auf den Freiraum kommt es an

„Zeit mal Raum“ könnte man den Namen TimeSquare frei übersetzen. Auch der New Yorker Times Square – der wimmeligste Platz in Manhattan, benannt nach der New York Times, die dort einst residierte – klingt im Namen mit. Die Zahl 20 steht für die Quadratmeter an Bord: Auf 8,30 m x 2,50 m bietet der Elektro-Katamaran Platz. 20 qm für viel Zeit zum Zusammensein, Entspannen, Spaß haben. Ein großer, schön gestalteter Lebensraum auf dem Wasser für sieben Personen.

Vier Jahre lang hat sich Frauscher Zeit genommen, den Elektrokatamaran zu entwickeln. „Grundelsee“ nannten sie den Holz-Prototypen, den Entwicklungsleiter Thomas Gerzer zum Experimentieren gebaut hatte. Mit ihm machten die Entwickler Probefahrten auf dem Traunsee, so lange, bis das Konzept stand. 2018 hatten sie den Freunden von Frauscher den ersten Entwurf als „Specter“ vorgestellt. Letztlich wurde daraus die TimeSquare. Gut Ding will Weile haben.

Da ein Kat eher „schiach“ ist, also hässlich, wie man in Österreich sagt, war die herausfordernde Aufgabe für den Designer Gerald Kiska, der genau wie die Frauschers eher „schräg“ denkt, etwas Schönes daraus zu machen. Man weiß, dass Kiska das kann. Er hat die neue Frauscher-Linie mitentwickelt und kennt die Philosophie der Werft bestens.

Auch für den Designer des Unterwasserschiffs, Harry Miesbauer, war die Entwicklung der Doppel-Rümpfe Neuland. Niemand wusste vorher, wie sie performen würden. Denn es gab keine Referenzen, auf die sie aufbauen konnten. Man weiß es immer erst wirklich, wenn das Boot schwimmt.

Frauscher TimeSquare 20
2x 10 kW von Torqeedo … © Kerstin Zillmer
Frauscher TimeSquare 20
… treiben die TimeSquare an © Kerstin Zillmer

Alles wirkt leicht und ist stabil

„Wir wissen, dass es anspruchsvoller ist, ein Elektroboot zu bauen, das eine gute Performance hat, als ein Motorboot“, weiß Stefan Frauscher. Während wir zusammen mit 20 km/h über den See fahren, können wir an Bord ungestört von Motorenlärm über die Entwicklung der Werft reden.

Währenddessen arbeiten am Heck zwei Torqeedo-Cruise-10-Motoren, gespeist von vier je fünf kWh bietenden Lithium-Batterien. Bei geringer Geschwindigkeit von 10 km/h schaffen sie eine Strecke von 110 km. Bei voller Geschwindigkeit von 26 km/h reduziert sich die Reichweite auf 24 km.

Etwa 200 kg vom Gesamtgewicht von etwas mehr als einer Tonne kann die Werft beim Laminat und beim Teakholz noch einsparen, weil sie dort ein bisschen zu dick aufgetragen haben. Dann können sie auf 28 km/h kommen. Aber Geschwindigkeit ist bei diesem Boot nicht das Thema. Es geht viel mehr um die Reichweite.

  • Frauscher TimeSquare 20Panoramablick auf der Pole-Position © Kerstin Zillmer
  • Frauscher TimeSquare 20Der Steuerstand ist aus Carbon © Kerstin Zillmer
  • Frauscher TimeSquare 20Der Fahrersitz lässt sich zur Sonnenliege umlegen © Kerstin Zillmer
  • Frauscher TimeSquare 20Geschwungene Linien geben dem Deck Form © Kerstin Zillmer
  • Frauscher TimeSquare 20Die Motorabdeckungen sind die Halterung für die Reling © Kerstin Zillmer
  • Frauscher TimeSquare 20Kühler Grund: der Kühlschrank © Kerstin Zillmer
  • Frauscher TimeSquare 20Viel Stauraum unter den Sonnenliegen © Kerstin Zillmer

Ich durchmesse mit großen Schritten das Deck und probiere die verschiedenen Sitz- und Liegemöglichkeiten aus: Den vorderen Bereich mit den beiden Sonnenliegen, wo man während der Fahrt das gesamte Panorama im Blick hat. Und die Plätze um den aus Carbon gebauten Fahrerstand, wo man voll in das Geschehen an Bord eingebunden ist.

„Es gab begeisterte Reaktionen von Journalisten, die am Testtag positiv überrascht waren, nachdem sie zuerst mit dem Konzept nicht so viel anfangen konnten. Man muss es fühlen und spüren. Das kann man über Fotos oder Renderings nicht vermitteln“, sagt Stefan Frauscher. Auch ich habe mich zuerst etwas schwer getan mit dem Design, muss ich zugeben. Aber jetzt gefällt mir, was ich sehe. Und wie immer bei Frauscher sind es die Details, die harmonischen Formen, die klugen Lösungen, die das Design besonders machen.

Sie wissen, dass die Geschwindigkeit bei diesem Modell nicht das Wesentliche ist und haben erst gar nicht versucht, dass Boot auf Höchstleistung zu trimmen. So ist das, was man an Bord hört, nur das Pläschern der Wellen, die die beiden Rümpfe umspielen. Die Frauscher TimeSquare 20 ist ein Ohrenschmaus. Hier kann man zur Ruhe kommen, sich wohl fühlen und das Wasser wirklich wahrnehmen. Oder die Musik aufdrehen und sich beim Glas Champagner zum Walzer drehen. Wir sind schließlich in Österreich.

Frauscher TimeSquare 20
Platz und Ruhe für gute Gespräche © Kerstin Zillmer

In die Zukunft denken

Die Frauschers sind nicht nur dafür bekannt, neue Wege zu gehen, sie haben auch die meiste Erfahrung mit Elektrobooten. Schon 1955 haben Vater Hans und Onkel Ernst die ersten Holzboote mit Elektromotor gebaut. Inzwischen haben sie in 66 Jahren mehr als 3.000 Stück verkauft. Da hat man schon Erfahrung, auf die man bauen kann.

Und bei Frauscher denken sie immer umfassend und gründlich. „Wir hätten auch einen etwas leichteren Rumpf bauen können, der noch weniger Energie verbraucht hätte. Wir haben ihn aber bewusst so konzipiert, dass er in Zukunft auch mit 2 x 20 kW motorisiert werden kann. Dann können wir in die Gleitphase kommen und vielleicht auch kleine feststehende Foils anbauen.“ Das ist zwar jetzt noch kein Thema. Aber die Entwicklung haben sie bereits mitgedacht, als sie die Rümpfe entwickelt haben.

Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus, will ich von Stefan Frauscher wissen: „Wenn Du ein Boot baust, bist Du nie wirklich nachhaltig. Aber ich denke, wir haben dazu beizutragen, das Freizeitvergnügen auf dem Wasser umweltfreundlicher zu machen. Elektro ist ganz klar die sauberere Lösung.“

Frauscher TimeSquare 20
Frauscher sieht, dass sich weltweit neue Märkte auftun © Frauscher

Neue Bereiche

Die Frauscher TimeSquare 20 soll die Werft in Märkte führen, in der geringer Energieverbrauch wesentlich ist. „Für uns ist es wichtig, dass wir in der Elektrobootentwicklung mitspielen“, erklärt mir Verkaufschef Stefan Frauscher. „Wir werden noch andere Modelle entwickeln, denn wir sehen eine Tendenz darin, dass sich weltweit neue Märkte auftun werden. Da wollen wir dabei sein.“ Deshalb baut Frauscher eine eigene internationale Sparte auf und hat Maximilian Frauscher zum Vertriebsleiter für Elektroboote ernannt. Auf den großen Messen wird in Zukunft immer ein Elektroboot dabei sein.

„Ob wir nun drei oder fünf von diesem Boot verkaufen, ob sie es uns aus dem Händen reißen oder es ein Verkaufsflop wird, ändert nichts an der Richtung, in die wir gehen wollen. Die TimeSquare 20 ist das perfekte Beispiel dafür, dass wir uns mit neuen Konzepten auseinandersetzen. Wer glaubt, man kann in ein bestehendes Motorboot einen Elektromotor einbauen, und denkt, damit sei es getan, der irrt“, ist Frauscher überzeugt.

  • TimeSquare 20Ob ein Ausflug unter Frauen … © Werft
  • TimeSquare 20… ein romantischer Abend zu zweit © Werft
  • TimeSquare 20… oder ein Tag mit der Familie, die TimeSquare bietet vielseitigen Einsatz © Werft

Der Markt wird umfangreicher und diverser werden. Es wird weiter die herkömmlichen Motorboote geben, es wird weiterhin schnelle Gleiter geben. Aber das Elektroboot wird in Zukunft eine größere Rolle spielen. „Wir haben inzwischen Kunden, die sich, obwohl Motorboote dort, wo sie fahren wollen, erlaubt sind, lieber ein Elektroboot kaufen“, weiß der Verkaufschef.

Wo geht die Reise hin, will ich von Stefan Frauscher wissen? „Wir testen jetzt erst mal die TimeSquare 20 weiter. Für den Herbst haben wir uns eine Strategiesitzung vorgenommen, in welche Richtung wir weiterdenken wollen.“

Frauscher TimeSquare 20
Autorin Kerstin Zillmer bei der Testfahrt © Werft

Aus meiner Sicht hat die Frauscher TimeSquare 20 den Test bestanden. Es ist ein Konzept, das ankommen wird, davon bin ich als Berlinerin überzeugt. Ich sehe mich schon damit am Kanzlerinnenamt vorbeischippern. Jawoll, denn die erste TimeSquare soll schon im August in Berlin ankommen.

Technische Daten Frauscher TimeSquare 20
Länge: 8,30 m
Breite: 2,50 m
Motorisierung: 2 Elektromotoren Torqeedo Cruise mit je 2 bis 10 kW
Batteriekapazität: 7 bis 30 kWh
Gewicht: ab 1.150 kg
Maximale Passagierzahl: 7 Personen
Preis: 200.000 Euro
Ausstattung siehe Werft

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