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Ganz Ovation 7.6 © Alle Fotos Kerstin Zillmer
Bootstest

Ganz Ovation 7.6: Ganz. Schön. Klasse.

Ganz Yachting stellt einen neuen Weekender vor, die Ovation 7.6. float hat es im sommerlichen September am Zürichsee getestet.

Kerstin Zillmer
von in
5 Minuten | 1 Kommentar

Der See glitzert flaschengrün, Sonnenhungrige nutzen den warmen Septembertag für das vielleicht letzte Bad in diesem Jahr. Neben mir geht Anna, unsere neue Best of Boats Jurorin, die ich im Mai auf dem Brunswick-Event in Kroatien kennenlernte, als sie schwedisch blond mit einer Sea Ray 250 an mir vorbeiraste. Jetzt testen wir als Kolleginnen die Ganz Ovation 7.6. am Zürichsee Und finden es klasse.

Vor uns liegt eine Garage mit schneckenförmiger Auffahrt und Oberdeck, Ganz Yachting steht auf dem Schild, wir gehen die Rampe hinunter. Über unseren Köpfen hängen Boote wie spanische Schinken in einer Bar, dann stehen wir im Inneren der Werft und werden von Davor Panarese, dem Verkaufschef, begrüßt. Ein schneller Kaffee, ein kurzer Gang über das Gelände und wir stehen am Steg. Vor uns hängt bereits die kupferfarbene Neuheit am Haken. Was wir sehen, gefällt.

Der weiche Kontrast zwischen der kupferfarbenen Lackierung und dem Grün des Zürichsees sowie die gute Linie des Unterwasserschiffs lassen ahnen, dass dies ein besonders gelungenes Boot ist. Wenig später setzen wir zum Mittagessen auf die andere Seite des Sees über.

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Das Design an Deck ist von hoher Qualität, geöltes Teak verbindet sich mit Chrom und Lack, der Platz ist für das 7,65 Meter lange Boot enorm. Die geschwungenen Linien des Deckslayouts verbessern den Bewegungsraum, während das Auge Farbe, Form und das hochwertige Material genießt. Die hydraulisch absenkbare Badeplattform – ein Markenzeichen von Mathias Ganz – liegt auf der Wasserlinie, wenn sie heruntergelassen ist. Ist sie geschlossen, bildet sie den Heckspiegel. Die riesige Sonnenliege schließt direkt an die geschwungene Sitzbank an und bietet viel Platz zum Sitzen oder Liegen. Die Polster sind aus hochwertigem DryTech-Material.

Um mehr Platz an Deck zu gewinnen, hat Ganz die Frontscheibe und die Kajüte ein bisschen weiter nach vorne verlegt. Die abgerundete Scheibe hat eine starke Neigung, ist ein bisschen höher gezogen und schützt gut vor Fahrtwind. Die Schlupfkajüte unter dem mit Teak belegten Vordeck ist groß genug für zwei Personen, komplett gepolstert. Sie bietet ausreichend Raum und Komfort für eine Übernachtung.

Als wir in den kleinen Hafen am Restaurant fahren, machen wir Eindruck. Blicke ruhen auf uns, manche stehen sogar auf, um besser sehen zu können. Das Boot scheint uns gut zu stehen. Beim Essen sprechen wir mit Davor Panarese über Ganz Boats und Bootsbau am Zürichsee. Die Werft, früher eine Kies-Verladestation, wurde schon in den 1970ern zur Segelwerft umgewidmet. Zur Jahrtausendwende kauft Vater Ganz die Werft, baut dort Segelboote und bietet seinen Kunden auch Bootsservice und Winterlager an. 2003 steigt Sohn Mathias, der eigentlich aus der Automotorentechnik kommt, in das Unternehmen ein. Er stellt das Angebot auf offene Sportboote und Weekender um, die hier am See gut laufen.

Das erste Boot, das Mathias Ganz selbst entwirft, ist die Ovation 6.8, ich bin sie 2012 in Berlin auf dem Wannsee gefahren. Das Boot mit dem puristischen Design, das es auch als elektrische Version mit dem Deep Blue Innenborder von Torqeedo gibt, hat Ganz bisher gut verkauft. Das Layout stammt aus der Feder von Mathias, der am liebsten auf Papier zeichnet, bevor er die Entwürfe mit dem Yachtdesigner Davide Leone weiterentwickelt.

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Für die neue Ovation 7.6 haben Ganz und Leone einen völlig neuen Rumpf entworfen. Schale und Deck sind in Italien in Sandwichbauweise hergestellt und werden bei Ganz in der Werft montiert und ausgerüstet. Das Unterwasserschiff ist komplett neu aufgebaut und das Boot verhält sich deutlich besser in der Welle. Ein steilerer Steven mit weniger Auftrieb und eine längere Wasserlinie, reduzieren den Verbrauch. Hinter den seitlichen Lufteinlässen verbergen sich die Tankentlüftung und Sensoren. Die Ovation 7.6 läuft mit gleicher Leistung und nahezu doppeltem Gewicht genauso schnell wie die Ovation 6.8 bei identischem Verbrauch. Dazwischen liegen sechs Jahre Entwicklung.

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Die Sitzposition auf der Zweierbank im Cockpit ist gemütlich und sicher, man kann sich gut festhalten und hat ausreichend Beinfreiheit. Der Beifahrersitz kann zur Liege umgeklappt werden. Das Steuerrad aus Holz und Chromspeichen ist etwas größer und sehr schön im Handling. Das Boot reagiert sehr gut auf alle unsere Manöver. Es ist extrem wendig, läuft sauber geradeaus und kommt schnell ins Gleiten. Die Fahreigenschaften sind laut Mathias Ganz in der 350-PS-Motorisierung von Volvo Penta am besten, möglich sind Alternativen von 300 PS bis 430 PS.

Unser Testboot wird von einem V8-Volvo-Penta-Motor mit 380 PS samt Katalysator und Duoprop angetrieben. Unserer Einschätzung nach ist es ein kleines bisschen übermotorisiert. „Die Kunden wollen hier am See eher mehr Motorleistung“, so Ganz. Wir fahren auf ruhiger Welle bei 5500 Umdrehungen 42 Knoten Höchstgeschwindigkeit. Bei diesem Speed reagiert das Boot für unseren Geschmack etwas weich, bei 35 Knoten läuft es ideal. Die Marschfahrt sowie der Verbrauch von 65 Litern sind bei 30 Knoten und 4500 U/min am besten. Lautstärke und Motorenklang geben bei dieser Geschwindigkeit angenehm und man kann sich gut unterhalten.

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Ebenfalls gut gefällt mir der Plotter. Im schön gestylten Display – das Ganz mit seinem Programmierer selbst entworfen hat – ist alles zu finden: Kartenmaterial, Rückfahrkamera, Ankerwarnsystem. Auch die Musikanlage läuft über den Bildschirm. Das System kommt von Raymarine und Ganz hat es gemeinsam mit dem Hersteller für seine Motoren angepasst. Es greift auf die Motordaten zurück und bildet sie auf der Bedienoberfläche ab – die eigentliche Recheneinheit steckt in einem anderen Bauteil. Über die intelligente Software werden alle Verbräuche geschaltet, man kann nachts das Fußlicht dimmen und das Fahrlicht schaltet sich im Nachtmodus automatisch an. Herkömmliche Assistenzsysteme greifen nicht so weit. Daran erkennt man deutlich den Motorexperten in Ganz.

Das Boot macht wirklich Spaß. Wir rasen den Zürichsee rauf und runter, was in der Fahrrinne erlaubt ist, und kosten die Zeit voll aus. Wir finden trotz akribischer Suche keine Mängel, die Verarbeitung ist erstklassig. Nur der Kühlschrank ist enttäuschend leer – mit einem Glas Sekt könnten wir auf das Boot anstoßen – aber wir sind ja zum Arbeiten hier. Also fahren wir zurück zur Werft, wo uns Mathias zum Interview schon erwartet.

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Preis

wie gefahren: 225.000 Euro
Mit der kleinsten Motorisierung kostet das Boot in der Serienausstattung 131.668 Euro.

Motorisierungsvarianten:

  • Volvo Penta V8-300 Kat DP mit 300 PS
  • Volvo Penta V8-350 Kat DP mit 350 PS
  • Volvo Penta D6-330 DP mit 330 PS
  • Volvo Penta D6-370 DP mit 370 PS

Technische Daten

Länge7,65 m
Breite2,50 m
Tankvolumen300 Liter
Personenzahl8
CE-KategorieC (küstennahe Gewässer)
Gewicht2.350 kg

Serienausstattung

  • Teak auf Vordeck und im gesamten Cockpit
  • Fahrersitz 1+1 zum Hochklappen
  • Kühlschrank und Gläserhalter hinter Fahrersitz
  • Heckklappe hydraulisch inklusive Holzbeplankung
  • Boatcontrol mit touch-screen boat management
  • Navigationsbeleuchtung, Cockpitbeleuchtung, Kabinenlicht in LED
  • 2 Batterien mit ektronischen Hauptschaltern
  • Holzlenkrad mit polierten Chromspeichen

Die Sonderausstattung erhalten Interessenten bei der Werft.

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