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Die Nordship 570 DS im Bau © Werft
Premiere Nordship 570 DS / 500 DS

Gebaut für die halbe Ewigkeit

Was Sirius in Deutschland, ist in Dänemark Nordship: Die Werft ist spezialisiert auf elegante und praktische Decksalon-Kreuzer.

von
Michael Krieg
in
7 Minuten

Was waren das für bescheidene Zeiten, als Wilfried Erdmann mit seinem nur 7,62 Meter langen Boot „Kathena“ auf Weltumseglung gehen konnte! Dass dieses Format allerdings schon 1967 nicht das Nonplusultra darstellte, verdeutlicht sich aus dem Umstand, dass man dem damals 29-Jährigen seine Leistung in Deutschland anfangs nicht glauben wollte.

Über 50 Jahre später haben sich die Zeiten in manchem geändert, und die Boote sind größer geworden. Wer heute auf große Fahrt gehen möchte, sucht nach 40 Fuß – mindestens. Auch mit der Ursprünglichkeit des Segelns allein ist es vielen nicht getan. Es muss schon ein Entwurf mit optimalen Segel-, Licht-, Platz- und Sichtverhältnissen sein.

Nordship konstrunktion
Handwerkskunst bei Nordship © Christian Bengstroem

Etwas, das zum Beispiel die dänische Werft Nordship in Lunderskov nahe dem jütländischen Kolding baut: Das Unternehmen mit über 40 Jahren Erfahrung hat soeben zwei maßgeschneiderte Langfahrtyachten vorgestellt. Es handelt sich um elegante Kreuzer, die komplett individualisiert sind.

Decksalon sieht richtig gut aus

Nordship hat sich – ähnlich dem deutschen Hersteller Sirius – auf Yachten mit Decksalon und Mittelcockpit spezialisiert. Diese Bauart kommt bei Menschen, die viel Zeit an Bord verbringen, ob nun im Hafen oder unterwegs, besonders gut an. Wie man aus einem reinen Zweckbau Schönes machen kann, zeigt bereits die kleinere Nordship 430 DS. Hier wird aus dem gut belichteten Aufenthaltsraum eine Lounge, wenn nicht eine Aussichtsplattform.

Der erhöhte Salon ist sichtlich das Herzstück aller Nordships. In den neuen Modellen, die 50 und 57 Fuß großen DS-Yachten, ist dieses Atrium noch größer. Die für Deckssalonyachten typischen Rundum-Panoramafenster lassen es taghell werden. Egal, was draußen für ein Wetter herrscht – der freie Ausblick ist immer da.

Nordship konstrunktion
Das Deck der neuen Nordship 570 DS © Werft

Die Achterkabinen sind mehr als einfache Schlaf-Abteile: Hier bereitet der Aufenthalt auch zwischendurch Vergnügen, was sich längst nicht für alle Fahrtenyachten sagen lässt. Auch über Deckshaus und Mittelcockpit hinaus sind die Linien der neuen Kreuzer sehr gefällig. Unterstützt wird der Eindruck durch den relativ flachen Kajütaufbau mit seinem getönten, nicht unterbrochenen Fensterband, dem sich die kaum niedrigere Süllkante des Mittelcockpits anschließt.

Customfertigung von Grund auf

„Wir passen Sie nicht an unsere Yachten an. Vielmehr passen wir unsere Yachten an Sie an.“ Mit diesem Statement werben die Dänen für ihre Yachten aus der Custom-Reihe. Es sind maßgeschneiderte Einzelanfertigungen für anspruchsvolle Eigner. Die Werft sieht keine Notwendigkeit dafür, künftigen Eignern einen Katalog mit Gestaltungsoptionen vorzustellen. Einzig der Kunde bestimmt die Richtung.
„Die Nordship 500 DS ist bereits verkauft in die USA und wird voraussichtlich Anfang 2022 geliefert werden“, sagt Thomas Dan Hougaard. „Die Nordship 570 DS geht noch in diesem Sommer nach Deutschland. Beide Boote sind zu 100 Prozent Einzelbauten.“

Entsprechend dem Wunsch, ob ein Paar oder eine größere Crew das Boot segeln soll, wird die Segelyacht mit der passenden Anzahl von Kojen und Kabinen ausgebaut. Einzelkabinen oder Doppelkabinen mit nebeneinander liegenden Kojen, Etagenkojen, Doppelbetten, Queen- oder King-Size-Betten – alles geht. Und so ist es also ganz gleich, ob die neue Nordship 500 DS für acht Personen oder die Nordship 570 DS für bis zu zehn Personen ausgelegt ist.

  • alternativetextDie Nordship 570 DS im Bau © Werft
  • alternativetextDie Segelyacht wird mit der passenden Anzahl von Kojen und Kabinen ausgebaut © Werft
  • alternativetextAnhand der von der Werft gemachten Vorschläge kann sich der Kunde orientieren © Werft

Anhand der von der Werft gemachten Vorschläge kann sich der Kunde orientieren und dann nach seinem Gusto entscheiden. Allein für die Pantry werden drei verschiedene Platzierungen angeboten – vom Salon bis zur geräumigen Eignerkabine im Heck. Oder sie wird im erhöhten Decksalon integriert, damit sich auch der Schiffskoch inklusive Panoramablick enger der Crew zugehörig fühlt. Die dritte Möglichkeit: Die Pantry kann auch vorm Salon in Richtung Vorschiff verortet werden.

Gebaut für die halbe Ewigkeit

Damit sich die hohen Kräfte von Kiel und Rigg gleichmäßig über den gesamten Rumpf verteilen können, werden alle Yachten von Nordship mit einem massiven Rahmen aus galvanisiertem Stahl versehen. Dieser ist felsenfest mit dem Rumpf verbunden. Auch alle Schotten, Schrankelemente, Schapps und Kojen werden im Rumpf anlaminiert. Das verleiht der Struktur zusätzliche Steifigkeit. Wenn nicht für die Ewigkeit, so doch für sehr lange.

  • alternativetextAlle Fallen und Schoten auf einer Nordship sind ins Cockpit bis zum Steuerstand umgelenkt © Werft
  • Nordship 570 DSDie Nordship 570 DS in der Werfthalle © Werft
  • alternativetextDie Nordship 570 im Bau © Werft

Es ist sicher nicht vermessen, von den Segeleigenschaften der bereits existierenden kleineren Nordships auf diejenigen der neuen Yachten zu schließen. Auch sie erhalten modernes Rigg ebenso wie moderne Rumpfformen. Alle Fallen und Schoten auf einer Nordship sind ins Cockpit bis zum Steuerstand umgelenkt. Der Skipper kann alle Leinen bequem vom Steuerstand aus bedienen und benötigt so keine Unterstützung von der restlichen Crew.
Durch Edelstahlrohre werden sie unter dem Dach des Deckshauses und durch das Süll des Cockpits direkt zum Steuermann geführt, ohne dass dieser den Steuerstand verlassen muss. Das Cockpit bleibt so leinenfrei und verhindert unnötige Stolper- und Verletzungsgefahr.

Detaillösungen für sichere Törns

Die Nordship-Yachten sind vorwiegend für Langfahrten konzipiert. So schützt unterwegs das hohe Cockpitsüll die Crew und sorgt für ein Gefühl von Sicherheit und Komfort. Sollte man das Cockpit unterwegs doch einmal verlassen müssen, wird für die Sicherheit beim Gang an Deck die durchgängige Fußreling aus massivem Teak und das hohe Deckshaus sorgen.

Riss der Nordship 570 DS und Nordship 500 DS
Das Deck der 500 DS (oben) und 570 DS (unten) © Werft

Auf dem großen Vordeck gibt es reichlich Platz zum Sonnenbaden. Ein auf dem Cockpitboden montierter solider Niro-Bügel ist nicht nur die Basis für den abnehmbaren Cockpittisch, sondern dient auch als optimale Stütze bei Lage auf See.

Auch beim Gang unter Deck ist für Sicherheit gesorgt. So sind zahlreiche Haltegriffe in die Möbel integriert und werden genau da platziert, wo man sie beim Gang durch den Salon zum Festhalten benötigt.

Zwei Steuerstände als Option

Die Achterkabinen bieten – wie schon erwähnt – gut durchdachte Privatsphäre, in die man sich auch tagsüber gern einmal zurückzieht. Man hat sein eigenes Reich, getrennt von den anderen Crewmitgliedern, dazu noch mit der Möglichkeit einer separaten Toilette und Dusche.

Ein maßgeschneiderter Innenausbau also auch hier, sei es bei der Wahl der Aufteilung, über das verwendete Holz bis hin zum Design. Und alles ohne Kompromisse bei der sprichwörtlichen dänischen Design- und Handwerkskunst und der Qualität.

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Nordship 500 DS und 570 DS © Werft

Abhängig von den Anforderungen und Einsatzmöglichkeiten bietet die Werft verschiedene Kielvarianten an, darunter auch eine Hubkielvariante. Beide Modelle können dazu entweder mit einer Einzel- oder auch Doppelsteueranlage bestückt werden. Wählen kann der Kunde auch zwischen zwei oder nur einem Steuerstand, Genua statt Selbstwendefock im Standard sowie Kutterstag.

Die 500 DS Custom Line

Langfahrttauglich und Platz für acht Personen – so bewerben die Dänen ihre neue 500 DS aus der Custom Line. Sie kann ausgestattet werden mit bis zu vier Doppelkabinen. Wer das nicht braucht, weil die Welt ausschließlich zu zweit bereist werden soll, ordert weniger Kabinen. Und nutzt den freigewordenen Raum vielleicht für eine Werkstatt oder das Boat Office.

Nordship 570 DS
Das Layout der 500 DS © Werft

Wie schon angesprochen, kann die Pantry auf verschiedenen Positionen eingebaut werden. Erfahrungsgemäß dürfte der beliebteste Kochplatz allerdings im Bereich zwischen dem Salon und der großzügigen Eignerkabine im Achterschiff liegen. Wer seine Pantry jedoch nicht im Salon haben möchte, kann sich dort auch für den Einbau eines maßgeschneiderten Sessels oder eine Navigationsecke entscheiden.

Die große Eignerkabine im Achterschiff hat ein eigenes, geräumiges Bad. Es besteht aber auch die Möglichkeit, zwei weitere Doppelkojen zu etablieren. Eine davon unter dem Salon und eine weitere im Vorschiff sowie eine Doppelkabine. Optional wird dann ein Bad für jede Doppelkabine oder ein Bad für beide Doppelkabinen angeboten.

Die 570 DS Custom Line

Reicht der in einem 15-Meter-Schiff gebotene Platz nicht, schneidern die Dänen ihren Kunden alternativ die neue Nordship 570 DS als perfekte Langfahrtyacht auf den Leib. Bei einer Größe von 17,40 Meter wird es dann keine Rolle mehr spielen, ob man als Paar mit oder ohne professionellem Skipper oder mit Familie und Freunden unterwegs ist.

Möglich, aber fast zu schade ist es, diese edle Yacht auch zur Charter anzubieten. Qualität und Komfort jedenfalls sind im Überfluss vorhanden. Das Cockpit ist geräumig, der Platz im Vorschiff bietet den zuvor angesprochenen Schlaf-Platz für bis zu zehn Gäste.

Nordship 500 DS
Das Layout der 570 DS © Werft

Eine einfache Handhabung der Yacht steht auch hier trotz ihrer Größe von 57 Fuß im Fokus. Ausgestattet mit einem Doppelruder soll ein sicheres Rudergefühl vermittelt werden. Je nach Vorhaben und Anforderungen kann sich der Kunde für ein Ruder mit Skeg oder ein freistehendes Spatenruder entscheiden und eben verschiedene Kielvarianten.

Technische Daten Nordship 500 DS / 570 DS

Nordship-Yacht500 DS570 DS
Länge14,95 m17,40 m
Breite5,00 m5,10 m
Tiefgang2,35 m2,40 m
Gewicht21 t26,9 t
Großsegel72 qm95 qm
Frischwasser1.000 l1.200 l
CE-KategorieA (Hochsee)A (Hochsee)

Dass die individuelle Einrichtung unter Deck bei einer 75-Fuß-Segelyacht noch viel mehr Möglichkeiten bietet, liegt auf der Hand. Der aufwändige Findungsprozess, um das Beste aus dem verfügbaren Platz herauszuholen, ist als Werftleistung bei Nordship inklusive. Preise werden bei der Klasse nicht genannt.

Zwei Werften unter einem Dach

Seitdem die dänische Faurby-Werft vor einigen Jahren von Skærbæk nahe Fredericia nach Lunderskov gezogen ist, liegen beide Werften, Nordship und Faurby, direkt nebeneinander. 2018 haben sie sich beide zu einem Betrieb zusammengeschlossen. Der Name ist Programm: True Boat Builders. Das scheint zu passen, denn auch die Faurby-Yachten sind wie die Nordships hochwertige Individualbauten. Sie werden ebenfalls nur nach Auftrag gefertigt.

Die Nordship Crew in der Werft
Die Werft-Crew © Werft

Der entscheidende Unterschied: Segelyachten von Faurby sind in ihrem äußeren Erscheinungsbild für heutige Verhältnisse im Vergleich zu den breiten Raumwundern europäischer Großwerften ungewöhnlich elegant. Das Fazit nach unserem float-Test der Faurby 363 E passt auch zu Nordship: optimale Segeleigenschaften, größtmögliche Haltbarkeit und hochwertiges Finish. Und das in bestechender Eleganz.

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