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Die 1212 Ghost ist das neueste Design-Statement der Frauscher Werft © Kerstin Zillmer
floats Beste 2020

Ghost on the Water

Die neue Frauscher 1212 Ghost ist ein minimalistischer Gentleman Racer – klassisch und ultramodern. Wir fuhren das Boot auf dem Gardasee.

von
Kerstin Zillmer
in
7 Minuten

Michael Frauscher und ich sitzen auf der Hafenmole, das Wasser plätschert gegen den Beton. Wir schauen seinem Bruder Stefan zu, der mit der 1212 Ghost auf dem Gardasee bereits die zweite Runde dreht. „Schon wieder ist mein kleiner Bruder schneller!“ beklagt sich Michael, der einen Tag später als Stefan Frauscher bei den Feltrinellis eingetroffen ist, um das neue Frauscher-Boot Probe zu fahren. „Früher bekam er das größere Schnitzel, jetzt fährt er zuerst mit der Ghost. Damit ist schon sehr schwer umzugehen,“ sagt Michael lachend. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen. Ich war gestern dabei, als Stefan das Boot fuhr.

Die Frauscher 1212 Ghost ist die vierte „Erscheinung“ in Folge, die die österreichische Werft vom Traunsee auf den Markt bringt: Mirage, Fantom, Demon, Ghost. Phänomene, die man nicht vergisst, wenn man ihnen einmal begegnet ist. Sie scheinen flüchtig und täuschen die Sinne. Die Ghost, die wir gerade von der Hafenmole aus beobachten, ist allerdings sehr real und nur flüchtig durch ihre hohe Geschwindigkeit.

  • Frauscher 1212 GhostDer Steuerstand liegt bei der Ghost auf der Mittschiffslinie © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1212 GhostAuch bei hohen Geschwindigkeiten liegt das Boot absolut stabil im Wasser © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1212 GhostDer steile Steven schneidet sanft die Welle © Kerstin Zillmer

Ein ungewöhnliches Fahrgefühl

Die Wellen sind mindestens 1,50 m hoch. Als ich zu Dino Feltrinelli und Stefan Frauscher auf die Ghost steige, bin ich innerlich auf eine ruppige Fahrt eingestellt. Dino war in seinem früheren Leben Rennfahrer, dem kann man schon trauen und den Booten sowieso, denke ich. Ich stelle mich zu Dino und Stefan ans Steuer, das optisch aufgeräumt klassische und digitale Anzeigen kombiniert. Der Steuerstand liegt bei der Ghost exakt auf der Mittschiffslinie. Das macht das Fahrgefühl ungewöhnlich: Man spürt am Steuer die Seitwärtsschwankungen nicht mehr.

Frauscher 1212 Ghost
Dino Feltrinelli am Steuer © Kerstin Zillmer

„Dino ist einer der besten Mechaniker und Bootsfahrer Italiens,“ findet Michael. Schon der Vater der Feltrinelli-Brüder Dino und Mauro war ein begnadeter Motorbootrennfahrer. Und auch der Großvater. Die Geschichte der Familien Frauscher und Feltrinelli ist bereits zwei Generationen alt. Die Frauscher Brüder fuhren H-Boot am Gardasee und lernten so die Feltrinelli-Werft am See kennen. Die Italiener bauten Motorboote, die Österreicher Segelboote, beide Familien wurden gute Freunde.

Als die Frauschers sich mit der St. Tropez an ihr erstes Motorboot wagten, holten sie die Feltrinellis ins Boot und hatten von da an zu ihrer Freundschaft auch eine Geschäftsbeziehung. Michael und Stefan Frauscher und Dino und Mauro Feltrinelli ergänzen sich seitdem: Die einen bauen die Boote, die anderen testen sie auf dem Gardasee und verkaufen sie in Italien.

Leichtigkeit trifft Stabilität

Dino beschleunigt, der steile Steven schneidet die Welle, und der Rumpf hebt sich schnell und sanft aus dem Wasser. Ich sehe zu, wie die Zahlen auf der digitalen Anzeige im Cockpit nach oben schnellen: 20 Knoten, 30 Knoten, 40 Knoten… wir bringen es auf stramme 47 Knoten gegen die Welle. Es ist ein rauer Ritt, aber das Boot meistert die herkulischen Gewalten spielend. Im Heck setzen dies zwei Volvo Penta D6-440 Dieselmotoren mit Z-Antrieb um, oder alternativ zwei Mercruiser-Benzinmotoren mit je 430 PS um. Der 850-Liter-Treibstofftank könnte uns mit einer Reichweite von bis zu 300 Meilen gleich 10 Mal über die Länge des Gardasees bringen.

Frauscher 1212 Ghost
Mit 46 Knoten bei 1,5 m Welle gegenan © Kerstin Zillmer

Die Ghost fährt sich mit einer Leichtigkeit und Stabilität, die ich bei einer 12-Meter-Yacht noch nicht erlebt habe. Das Boot liegt auch bei hohen Geschwindigkeiten absolut stabil im Wasser und bleibt – dank des gut berechneten Rumpfs – trotz der hohen Wellen und der flachen Windschutzscheibe trocken. Wir bekommen nicht einen Spritzer Wasser ab. „Dass der Rumpf so gut funktioniert, ist wie immer auch etwas Glück. Aber Glück entsteht auch aus der Erfahrung und Können,“ weiß Michael Frauscher. Nichts klappert oder schlägt in der Welle. Die Frauscher-Boote sind auch mit wenig Applikationen schön, denn das Design muss puristisch sein für Frauscher.

Frauscher 1212 Ghost
Das Cockpit bleibt auch bei hohen Wellen trocken © Kerstin Zillmer

Ein forscher Geist

Ebenso wichtig wie das Design sind für Michael Frauscher die Fahreigenschaften ihrer Boote. Vielleicht hat sich die österreichische Werft ganz besonders gegen das Vorurteil durchsetzen müssen, dass sie Boote für den See bauen. Umso mehr haben sie bewiesen, dass ihre Rümpfe absolut rauwassertauglich sind, wie hier auf dem Gardassee und mit der 1414 Demon Air letztes Jahr auf Mallorca zu erleben war.

Frauscher 1212 Ghost
Dino Feltrinelli und Stefan Frauscher auf der Ghost © Kerstin Zillmer

Nachdem Dino gezeigt hat, was in diesem forschen Geist steckt, übernimmt Stefan Frauscher das Steuer. Auch für ihn ist es die erste Fahrt mit der Ghost. Etwa drei Jahre lang arbeitet die Werft – von der Entwicklung bis zur Fertigstellung – an einem neuen Modell. Und erst wenn man sie fährt, weiß man wirklich, ob sie gut geworden ist. „Ich bin völlig überwältigt!“, schwärmt Stefan Frauscher. „Ich glaube, da ist uns ein Meisterstück gelungen!“

Frauscher 1212 Ghost
Ein so konsequentes 12-Meter-Sportboot gibt es kein zweites Mal © Kerstin Zillmer

Ein minimalistischer Gentleman Racer

Am Tag darauf sehen Michael und ich zu, wie Stefan das Boot elegant durch die Kurve zieht. Die Schönheit der Ghost findet sich in ihrer Zurückgenommenheit und im Detail – ein radikaler Ansatz. Ein so konsequentes 12-Meter-Sportboot gibt es kein zweites Mal, meint Michael Frauscher. Jedes andere Boot in dieser Größe muss heute viel mehr im Innenraum bieten, nicht so dieses. Mit der flachsten Windschutzscheibe und dem größten Teakdeck auf dem Vorschiff unter den Frauscher-Booten ist es ein minimalistischer Gentlemans-Racer – klassisch und doch modern.

Jedes Boot denken sie in der Frauscher-Werft von Grund auf neu, zitieren aber immer auch die anderen Boote. So lehnt sich die Ghost erkennbar an die 1017 GT an, nur moderner, frischer, etwas aggressiver vielleicht. Harry Miesbauer ist auch hier verantwortlich für das Unterwasserdesign und Stephan Everwin, ein junger Designer aus Gmunden, zeichnet für das Design des Überwasserschiffs. Thomas Gerzer, der schon die 1017 GT entwickelt hat, ist auch hier der Projektleiter.

Frauscher 1212 Ghost
Echte Handwerkskunst in Teak © Kerstin Zillmer
Frauscher 1212 Ghost
... und feinste Polsterarbeit © Kerstin Zillmer

Gegen den Strom schwimmen

Als ich die Renderings der 1212 Ghost im Frühsommer zum ersten Mal sah, war ich überrascht, dass sie mich so wenig überraschten, gestehe ich Michael Frauscher. „Für uns war es total logisch“, sagt er. „Wir haben bewusst erst die 1414 Demon gebaut, um die Marke nach oben hin auszubauen. Wir wollten mit der Demon ein Design-Statement setzen und haben einfach den Zwischenschritt übersprungen. Wir sind ja bekannt dafür, dass wir gegen den Strom schwimmen.“ Er ist in der Firma der Antreiber für Neues und immer schon beim übernächsten Schritt.

Frauscher 1212 Ghost
Die Werft will verschiedene Räume © Kerstin Zillmer
Frauscher 1212 Ghost
... an Bord schaffen © Kerstin Zillmer

Beim Deckslayout legt die Werft großen Wert darauf, verschiedene Räume an Bord zu kreieren. Achtern ist Platz zum Sonnenbaden. Um den Cockpit-Tisch herum, sehr definiert und abgeschlossen, ist Platz zum Sitzen. Und am Steuerstand der Platz zum Stehen. Das Deck ist wie bei der 1017 sehr klassisch: Mit langen Teakleisten belegt ist es teuer und aufwändig, aber auch unglaublich schöne Handwerkskunst. Die Sonnenliege achtern ist wie bei der Demon zweigeteilt mit einem mittigen Durchgang. Ausgesprochen schön sind die Polster: In sich gerundet haben sie kaum Nähte. Wie macht man das?

„Es tut weh vor lauter Schönheit“, sagt Michael Frauscher

Das Innendesign der 1212 Ghost verkörpert exakt den Stil von Frauscher: extrem schlicht – keine Schnörkel, jede Linie präzise, nichts ist angespachtelt. Nur gute Materialien und sehr klare Linien bstimmen den Stil. Michael Frauscher beschreibt das so: „Du gehst unter Deck und sagst: Da ist ja nix! Und dann: Oh, ist das schön!“ Tatsächlich ist es das. Das kühn geschwungene Sofa schmiegt sich perfekt in das Layout ein, es gibt kaum rechten Winkel, nur Rundungen und Farbkontraste: Kühles grau kombiniert mit dem warmen Ton des hochwertigen Teaks, die Stufe im Fußboden weiß abgesetzt. Indirektes Licht ersetzt das Sonnenlicht.

  • Frauscher 1212 GhostDas gekonnte Spiel mit Licht, Farbe und Form © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1212 GhostRund, dynamische Formen © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1212 GhostDas Spiel mit dem Licht © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1212 GhostDie Stufen im Fußboden weiß abgesetzt © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1212 GhostDas große Bad mit Dusche © Kerstin Zillmer

Frauscher-Kunden kochen selten an Bord, sie essen im Restaurant, so die Erfahrung. Deshalb hat die Werft die Pantry konsequent eingespart und den Platz für ein großes, elegantes Bad mit Dusche genutzt. Zum Kühlen von Schaumwein und Sprudelwasser gibt zwei Kühlschränke an Bord und drei Tische, an denen man sie genießen kann. Sie sind mit einem Biminitop serienmäßig zu beschatten. Und zum Sonnenbaden lassen sich die Tische zu großzügigen Liegeflächen absenken.

Stefan Frauscher fährt in den Hafen und Michael entschuldigt sich und springt auf. Nun ist endlich er an der Reihe. Am späten Nachmittag, die Sonne steht schon tief, fahren wir ein weiteres Mal raus, Stefan auf der Ghost, Mauro und ich auf einer Fantom Air. Ich mache Fotos und steige anschließend zu Stefan auf die Ghost über. Smoke on the Water, a racer on the lake, summe ich und hoffe, dass der Tank niemals leer wird.

Frauscher 1212 Ghost
A racer on the Lake © Kerstin Zillmer

Technische Daten

Länge: 11,99 m
Breite: 3,50 m
Leergewicht: 8 t
Tiefgang: 1,10 m / 0,8 m
Tank: 850 l
Frischwasser: 150l
Motorisierung: Mercruiser V8 8.2l, 430 PS oder Volvo Penta D6 440 PS
Personen an Bord: 10
Preis (Benziner): 713.383,58 € incl. 19 % MWSt.

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