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Die neue Jeanneau Yachts 60 bietet das, woran es auf See generell mangelt: Platz © J. J. Bernier Die neue Jeanneau Yachts 60 bietet das, woran es auf See meist mangelt: Platz © J. J. Bernier
Premiere Jeanneau Yachts 60

Größer segeln!

Die neue Jeanneau Yachts 60 geht übers Übliche hinaus, nicht nur bei Rumpflänge und Segelfläche.

von
Michael Krieg
in
6 Minuten

Luxus kann vielerlei Gestalt haben: Mal räkelt er sich provokativ und ungeniert im Rampenlicht, mal bleibt er distinguiert im Hintergrund. Jeanneau, Tochter des weltgrößten Yachtbauers Beneteau, nutzt das L-Wort bei ihrem neuesten Modell von der ersten Sekunde an. Und auch auf den zweiten Blick wird das hohe Niveau, auf dem die Werft agiert, beim Anblick der Jeanneau 60 deutlich.

Die 60-Fuß-Segelyacht ist zwar nicht das größte, wohl aber das großzügigste Schiff der neuen Produktlinie. Luxus zeigt sich vor allem dort, woran es auf See immer mangelt: am Platz. Drei Beispiele geben eine Vorstellung von dem, was die 60-Fuß-Yacht größer als das Übliche macht. Zum ersten: Auf Wunsch erhalten Eigner am Bord ein Bad, dass sich über die gesamte Schiffsbreite zieht.

Zum zweiten: Serienmäßig bietet eine Tendergarage am Heck Platz für ein bis zu drei Meter langes Dinghi. Und schließlich, als Tüpfelchen auf dem „i“: Die Sitzoberflächen unter Deck können auf Wunsch in edlem Foglizzo-Leder bezogen werden. Muss sicher nicht sein, aber allein diese Option ist eine Ansage.

  • Jeanneau 60Im Spiegel ist der Zugang zu einer Tendergarage © J. J. Bernier
  • Jeanneau Yachts 60Am Bugspriet lassen sich Segel anschlagen © J. J. Bernier
  • Jeanneau 60Der Steuerstand ist auf gleicher Höhe mit dem Deck © Werft

Die Abwesenheit von Opulenz

Angesichts dieser Gestaltungsmöglichkeiten gewinnt die selbstbewustte Ansage der Werft Gestalt: „Ein wahres Schmuckstück in edler Fassung“, heißt es auf der Jeanneau-Website. Das Segel-Juwel vereine „beispiellosen Komfort an Bord“ mit den besten Segeleigenschaften seiner Klasse, ist „eingepackt in Luxus“. Große Worte, in der Tat. Kann das Schiff das halten, was das Marketing verspricht?

Bemerkenswert ist auf den ersten Blick die Zurückhaltung, mit der das große Fahrtensegelschiff aufwartet. Anders gesagt: Es ist die Abwesenheit von zur Schau getragener Opulenz, die angenehm auffällt. Schon für die Vorläufer, die 51, 54 und 64, bekam Jeanneau viel Anerkennung. Buchstäblich in diesem Fahrwasser kreuzt auch die Jeanneau 60, wie der Neuheit auf den ersten Blick anzusehen ist. Der Rumpf trägt offenkundig dieselbe Handschrift wie die Schwestermodelle. Erneut waren als Konstrukteur Philippe Briand, als Designer der Brite Andrew Winch tätig.

Jeanneau Yachts 60
Aus jeder Kabine bietet sich durch Fenster im Rumpf Blick aufs Wasser © J. J. Bernier

Platz geht zumeist auf Kosten von Eleganz – nicht so bei der Jeanneau 60: Das jüngste Kind aus Les Herbiers bei Nantes wirkt von der Seite schlank und elegant. Bildprägend ist der gestreckte, flache Kajütaufbau mit seinen langen Salonfenster. Diese und zahlreiche versenkte Dachluken sorgen im Vergleich zu den bisherigen Entwürfen für viel natürliches Licht im Inneren der Yacht. Großzügige Rumpffenster ermöglichen von jeder Koje aus einen Blick aufs Wasser.

Rund ums Schiff schlendern

Und diese Großzügigkeit setzt sich unter Deck auch in der Fläche fort – dort, wo es auf den meisten Segelyachten kurz und knapp wird: Die breite Rumpfform und das hohe Freibord, zusammen mit einer erhöhten Cockpitsohle achtern, kommen deutlich der Stehhöhe und dem Raumgefühl im achteren Unterdecks-Bereich der Jeanneau 60 zugute. Gleichzeitig genießt der Rudergänger eine bessere Sicht nach vorne. Überall segelt man größer auf diesem Schiff, auch unter Deck!

  • Jeanneau Yachts 60Die Badeplattform bietet auch Zugang zur Tendergarage © Werft
  • Jeanneau 60Oberlichter sorgen zusätzlich für helle, freundliche Räume © Werft
  • Jeanneau 60Die Eignerkabine ist so groß wie eine Hotelsuite © Werft

Die praktische Folge des Niveau-Ausgleichs im Heck: barrierefreie Mobilität an Deck. Schon bei den kleineren Sun Odyssey Modellen wie der 410 und 440 hat sich diese Gestaltungsart bewährt. Das so genannte Walk-around-Konzept bedeutet, dass man vom Steuerstand aus ohne Stufen über die Seitendecks auf das Vorschiff und zurück spazieren kann.

So braucht niemand mehr über Sitze oder Süllränder zu klettern, um an Großmast oder Fock etwas aufzuklaren. Oder die Crew kann, bei wenig Wind, ihren Bewegungsdrang austoben und einmal rund ums Schiff schlendern. Ob die niedrige Silhouette auch dazu führt, dass bei schwerem Wetter das Cockpit mehr Wasser nimmt, wird ein Praxistest erweisen.

Auffällig auch der negative Bug mit seinem fest angebauten Bugspriet. An diesem lassen sich asymmetrische Vorsegel wie Gennaker oder Code Zero anschlagen. Auch als Ankerhalterung ist es bestens geeignet. Auf Wunsch kann auch ein abnehmbares inneres Vorstag geordert werden. Ein weiteres unauffälliges Luxus-Attribut: Sitzbänke, Trittstufen, Cockpitboden und die Heckplattform sind serienmäßig mit Teakholz belegt.

Drei Meter langes Tochterboot

Bereits angesprochen haben wir die geschickte Unterbringung des Dinghis: Ein bis zu drei Meter langes Beiboot verschwindet komplett im Heck. Es wird in einer nach Backbord versetzten Tendergarage untergebracht. Über die Badeplattform lässt es sich mit wenig Aufwand ab- und aufslippen, fast wie das Tochterboot eines DGzRS-Rettungskreuzers. Schneller ist ein Dinghi kaum verfügbar und auch wieder verstaut.

Jeanneau Yachts 60
Stufenloser Übergang zwischen Cockpit und Vorschiff © J. J. Bernier

Je nach Einsatzgebiet und Wunsch lässt sich das Cockpit mit einem Stoff-Sonnensegel überspannen. Zusätzlich gibt es eine stabile Sprayhood, die am Targabügel über den Niedergang befestigt werden kann. Angeboten und windsicherer wird aber auch ein festes Bimini als solide Cockpitüberdachung.

Eine Segelfahrtenyacht in dieser Größe bietet als Option selbstredend eine externe Pantry im Bereich des Cockpits an. Mit all diesen Extras können die Eigner sich ihr sportlich-mediterranes Schiff zu einem vollwertigen Offshore-Kreuzer für längere Reisen umbauen.

Das Schott ist verschiebbar

Auch bei der Inneneinrichtung entpuppt sich die Jeanneau 60 als Boot der vielen Varianten: Hier sind alles in allem 19 Grundrisse möglich. Damit kann das Schiff in vier unterschiedlich ausgestattete Wohnbereiche aufgeteilt werden: Vorpiek, Front- oder Eignerkabine, Salon mit Pantry und die hinteren Kabinen.

Jeanneau Yachts 60
Serienmäßig sind Deck und Stufen mit Teakholz belegt © Werft

Für die Vorpiek werden drei Versionen angeboten: entweder als große Segellast; alternativ eingerichtet als Skipperkabine mit eigener Nasszelle oder konventionell als Doppelkabine. Eine raffinierte Option: Zur Vorpiek wird noch ein Gutteil des Salons abgezweigt, dann entsteht eine große Suite mit Doppelkoje und einem Sofa. Alternativ ist auch das bereits erwähnte große Bad möglich, dass über die gesamte Breite des Vorschiffs geht – fast schon ein Wellness-Bereich.

Dieser Gestaltungsspielraum ist möglich, weil das Schott, das die Vorpiek teilt, nach vorne verschoben werden kann. So entsteht die offene, große Fläche der vielen Möglichkeiten. Aber wenige Handgriffe genügen, um diesen Raum alternativ in zwei Doppelkabinen mit jeweils eigener kleinen Nasszelle umzubauen.

Freistehende Sessel im Salon

Für die Steuerbordseite des Salons stehen drei mögliche Layouts zur Verfügung: eine Version mit Sofa, angrenzendem Kartentisch und Hängeschrank, eine seitliche Zweibett-Kabine oder eine „offene“ Version mit zwei freistehenden Sesseln. Großzügiger kann an der breitesten Stelle des Rumpfes ein Salon kaum eingerichtet werden. Verzichtet man auf den Steuerbord-seitigen Navigationsplatz, käme es einem sehr viel größeren Bad zugute.

Zum ersten Mal hat Jeanneau die große Kombüse vorne neben dem Hauptschott über die gesamte Schiffsbreite positioniert. Sie ist vom Durchgang zur vorderen Kabine geteilt. Diese Anordnung trägt ebenfalls dazu bei, den großen Raum im Salon extra zu betonen. Natürlich wird auf Wunsch auch ein großer Gefrierschrank eingebaut.

Schließlich kann auch der hintere Wohnbereich entweder als Eignerkabine über die gesamte Schiffsbreite und mit großem Bad eingerichtet werden, oder als Zwei-Kabinen-Version, mit einer Doppelkoje an Steuerbord und einer Zweibett-Kabine als Stockbetten an Backbord und jeweils eigener Nasszelle. Im Charterbetrieb fänden bei Bedarf in dem Raum sparendsten Layout mit sechs Kabinen bis zu zwölf Personen einen Schlafplatz. Segelfertig kostet die Jeanneau 60 755.650 Euro.

Jeanneau Yachts 60
Als Sonnenschutz dienen Sprayhood und Bimini - es gibt aber auch ein großes Sonnendach © J. J. Bernier

Italienisches Ambiente und Superyacht-Features

Der Innenarchitekt Andrew Winch zeichnet für das Design unter Deck verantwortlich. Seit mehr als 25 Jahren entwirft der Brite elegante Wohnräume, und auch im maritimen Bereich punktet er mit seinem Blick fürs Wesentliche bei der Ausstattung. Konzeptionell ist Winchs Werks also gerade gerade für Jeanneaus Oberklasse bei den Segelyachten.

Lediglich die Holzauswahl für die Tischlerarbeiten im Innenraum ist begrenzt. Hier steht entweder Teak oder helle Eiche zur Verfügung, und passend dazu die Bodenplanken. Bei den Polstern dagegen sind gleich zehn verschiedene Designs im Angebot. Die Hälfte davon, für ein maximal luxuriöses Ambiente, aus dem angesprochenen Leder von Foglizzo, einer inzwischen 100-jährigen italienischen Ledermanufaktur. Was will man mehr?

Technische Daten Jeanneau Yachts 60

Länge: 18,28 m
Breite: 5,20 m
Gewicht: 20 to
Tiefgang: 2,55 m
Segelfläche: 72 qm (Großsegel) + 81 qm (Genua)
Motor: 110 bis 150 PS von Yanmar
Masthöhe (über Wasserlinie): 25 m
CE-Kategorie: A (Hochsee)
Maximale Passagierzahl: 16 Personen

Für das Innendesign der Kabinen stehen dem Kunden je nach persönlichem Geschmack drei verschiedene Einrichtungsstile an Auswahl für die Kopfteile und die Verkleidung um die Betten herum zur Verfügung. Zu haben sind die Farben Sand, ein dezenter Ton in Hellbeige, das etwas dunklere Affogato, benannt wohl nach dem Farbton der italienischen Eis- und Espressospezialität, oder Royal blue – ganz klassisch.

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