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Boerteboot Helgoländer Börteboot © CC BY 2.0
Börteboote

Auf Helgoland wird bald elektrisch ausgebootet

Helgoländer Börteboote fahren demnächst elektrisch, wenn sie Touristen vom Bäderschiff zur Insel bringen.

Kerstin Zillmer
von in
3 Minuten | 1 Kommentar

Schon Ende letzten Jahres waren sie in den Schlagzeilen: Die klassischen Börteboote von Helgoland wurden Teil des immateriellen deutschen Kulturerbes. Der Verein zum Erhalt der klassischen Holzboote möchte sogar, dass der Bootstyp bald UNESCO-Weltkulturerbe wird. Erst einmal werden die traditionellen Fährboote jetzt aber elektrisch – und sollen so helfen, den ökologischen Fußabdruck von Helgoland, also die Energiebilanz der Hochseeinsel, zu verbessern.

Film 2 Börte Juli 2014

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Seit mehr als 200 Jahren bringen die sicheren Holzboote bis zu 50 Personen an Land. Sie pendeln zwischen Hafen und Bäderschiffen hin und her und bringen zusammen bis zu 1.000 Besucher am Tag an Land – und anschließend wieder zurück aufs Schiff. Bisher brummen Dieselmotoren mit bis zu 180 PS so laut, dass man sich an Bord regelrecht anschreien muss. Das ist nun bald vorbei.

„Da hört man nur noch das Schraubenwasser und ein bisschen Summen und denn war’s das, denke ich mal“, sagte Rainer Hatecke, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt Helgoländer Börteboote. „Für die Insel ist das ja auch ein Vorteil. Sie setzen damit einen Trend, der zum Slogan von Helgoland passt: Die Insel, die atmet.“ Und das elektrisch angetriebene Börteboot sei ein wichtiger Baustein in Richtung Null-Emissions-Insel, findet Hatecke.

Börteboot

Ausflug nach Hamburg © Hatecke

Börteboot

Rainer Hatecke © Hatecke

Tradition des Ausbootens verschwindet

Bis auf die zwei Bäderschiffe „Funny Girl“ aus Büsum und die „Fair Lady“ aus Bremerhaven können bereits alle anderen Schiffe direkt an der Hafenmole anlegen. Deshalb droht die Tradition des Ausbootens langsam auszusterben. Und deshalb hat der Verein im letzten Jahr für den Erhalt der Klassiker gekämpft und es geschafft, sie zum Kulturerbe erkären zu lassen. Von den mehr als 40 Börtebooten, die es insgesamt noch gibt, sind inzwischen nur noch elf im Einsatz, davon sieben beim Aus- und Einbooten.

Börteboot

Das Ausbooten per Boot wird weniger © CC BY 2.0

Rainer Hatecke leitet im niedersächsischen Freiburg an der Elbe die Werft, die die klassischen Börteboote herstellt. Hier wird gerade das ein besonders schönes Exemplar namens „Pirat“ restauriert. Der Bootsbauer baut und restauriert in seiner Werft bereits in dritter Generation Boote dieses Bautyps. 70 bis 80 % sind bei ihm in der Werft entstanden.

Zum Testen auf die Elbe

Nun wird Rainer Hatecke das erste Elektro-Börteboot bauen und hat dafür den Motorenhersteller Torqeedo mit an Bord geholt. Gemeinsam haben sie die nötige Leistung berechnet und sich für den Deep Blue 80i entschieden. Die Energie für den Motor liefert die neue, im Januar von float vorgestellte BMW-i3-Batteriebank.

Seine Vorzüge ausspielen kann der elektrische Antrieb mit dem langsam drehenden und drehmomentstarken Motor dadurch, dass die Boote nur etwa eine Stunde aus- und einbooten und dann wieder an die Steckdose zum Laden gehen. Feste Fahrzeiten wie im gewerblichen Einsatz sind für Elektromotoren ideal, deshalb nimmt Torqeedo Kurs auf die gewerbliche Schifffahrt.

Börteboot Pirat

Das Börteboot Pirat wird elektrisch motorisiert © CC BY 2.0

„Für uns ist das natürlich Neuland“, sagt Rainer Hatecke. „Börteboote bauen, restaurieren und Motoren einbauen können wir ja schon lange. Aber wie sich das Ganze elektrisch verhält, das wissen wir noch nicht. Wie groß die Kapazität sein muss, wollen wir jetzt testen.“ 

Ab Mitte Mai wird das Boot mit der elektrischen Motorisierung auf der Werft und dann in der Elbe getestet, bevor es zum Seestadtfest nach Bremerhaven geht. Dort wird es offiziell vom Helgoländer Bürgermeister Jörg Singer präsentiert, danach geht es weiter nach Helgoland und soll im Einsatz getestet werden.

Wer Rainer Hatecke in seiner Werft in Aktion sehen möchte, kann ihm in einen schönen Beitrag des NDR hier über die Schulter schauen.

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