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Seafaring 44 Fly Die Seafaring 44 Fly bei unserem Test vor Krk © Kerstin Zillmer
Test Seafaring 44 Fly

Into the Blue

Die slowenische Seafaring 44 Fly wurde beim Best of Boats Award zum Travel-Finalisten gekürt. Wir sind das Reiseschiff in Kroatien gefahren.

von
Kerstin Zillmer
in
6 Minuten

Es ist August. Die Sonne reflektiert das strahlende Weiß der Seafaring 44 Fly, die in der Marina Punat auf der Insel Krk in Kroatien auf ihre Testfahrt mit den Juroren des Best of Boats Awards wartet. Vor zwei Jahren haben wir die erste Version der Seafaring 44 getestet, heute sind wir auf der neuen Seafaring 44 Fly zu Gast.

Michael Gregorčič kommt mit dem Motorrad. Der Inhaber von Seafaring liebt schnelle Zweiräder, wenn er auf den kurvenreichen Landstraßen Sloweniens unterwegs ist. Geht er an Bord seines Boots, verlangsamt sich sein Puls. Auf dem Wasser sucht Michael Entschleunigung. Dann will er in Ruhe die wunderschöne Landschaft vom Wasser aus erleben. Und er will dabei unabhängig sein von jeglicher Logistik wie Häfen, Tankstellen oder Strom.

Dies war der Anspruch, als er die Seafaring 44 entwickelte: ein Schiff, das wenig Energie verbraucht, so geräumig wie nötig und so leise wie möglich ist. Konsequenterweise bekam die Seafaring 44 Fly mit 1.000 Litern Fassungsvermögen auch einen ausreichend großen Treibstofftank. Den Strom sammeln Sonnenkollektoren auf dem Dach, sie decken den gesamten Strombedarf an Bord.

Seafaring 44 Fly
Sonnenkollektoren decken den gesamten Strombedarf © Kerstin Zillmer

Mit dem aktuellsten Know-How der Autoindustrie

Michael Gregorčič, der als Inhaber der G4 Group unter anderem Fenster und Türen für Wohnmobile herstellt und diese weltweit vertreibt, baut seit gut zwei Jahren Motoryachten in Lesce. Damit verfügt die slowenische Werft für die Produktion von GFK-Booten über das aktuellste Know-How der Autoindustrie, was Gewicht, Stabilität und die Verarbeitung von Kunststoffen, Glas und Acryl betrifft.

Den Rumpf der Seafaring 44 Fly zeichnete der slowenische Yachtdesigner Andrej Justin, gebaut wird das Schiff bisher inhouse. Verbesserungen in der Konstruktion und beim Rumpfdesign führen zu deutlich niedrigen Betriebskosten. Mit nur etwa 10 Litern Verbrauch pro Stunde bei circa 8 Knoten kommt man auf eine Reichweite von 800 nautischen Meilen mit einer Tankfüllung. So ist das Boot in der CE-Kategorie B auch für Offshore, also für küstenferne Gewässer, zertifiziert.

  • Seafaring 44 FlyDas Achterdeck mit L-Lounge © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyBreite Gangborde an Steuer- und backbord © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyGute Sicht auf dem Vorschiff bei ruhiger Fahrt © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyAuf edlen Holzstufen hoch zur Flybridge © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyAuch das Dachgeschoss ist gut dimensioniert © Kerstin Zillmer

Die Seafaring 44 sticht optisch durch ihr modernes und puristisches Design in der Marina Punat deutlich heraus. Auf dem Achterdeck begrüßt uns Nina Gramc, die Produktmanagerin von Seafaring. Der gesamte Raum auf dieser 14,40 m langen und 4,25 m breiten Yacht ist sehr großzügig angelegt. Zwei Gangborde führen zum Vorschiff, wo sich mit aufgestellten die Rückenlehnen der Sonnenliegen aufstellen lassen und die Fahrt entspannt erleben lässt.

Vollverglastes Cockpit, solarbetriebene Lüfter

An Steuerbord und an Backbord befinden sich Seitentüren, die speziell für den Einsatz auf dem offenen Meer gesichert sind und den Salon angenehm temperieren. Zurück aufs Achterdeck: Hier führt eine hochwertige Treppe aus Edelstahl und Holz hinauf auf das Flybridge-Deck. Auch hier ist viel Platz für eine Sonnenliege, einen Tisch, den Steuerstand und ein Bimini zum Schutz vor der warmen Sommersonne.

Auf 360° Grad rundum bis zum Horizont blicken.

Dass der Werftinhaber aus dem Fensterbau kommt, erkennt man auch am vollverglasten Cockpit, wo an Backbord die L-förmige Sitzecke acht Personen Platz am Tisch bietet. Gegenüber liegt die Pantry – mit viel Stauraum und allem, was man für eine lange Fahrt ohne Stopp benötigt. Daran schließt sich der Steuerstand an.

Links davon führt eine Treppe unter Deck. Von oben fällt hier viel Licht herein und erhellt das Untergeschoss. Um den kleinen Flur gruppieren sich drei Kabinen. Es sind die Eignerkabine im Vorschiff mit einem extra großen Bett, zwei Doppelkabinen für die Gäste und das Bad. Solarbetriebene Lüfter sorgen im Sommer für kühle Luft in den Kabinen, wenn es draußen warm ist. Einzigartig ist der Schließmechanismus der Türen. Sie fallen mittels magnetischer Schnapper leise und sanft ins Schloss. So wie hier hat die Werft viele gute Detaillösungen gefunden.

  • Seafaring 44 FlyOffenes Wohnkonzept © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyEin sehr großzügig dimensionierter Salon © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyUnter Deck liegen die drei Kabinen und das Bad © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyDie helle Vorschiffskajüte mit XL-Bett © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyKajüte mit Doppelbett an Backbord © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyBad mit abgetrennter Dusche © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyMagnetisch schließende Türen © Kerstin Zillmer
  • Seafaring 44 FlyDie Kajüte an steuerbord © Kerstin Zillmer

Anti-Roll-Gyro wie bei einer Superyacht

Oben werden bereits die beiden Motoren des Typs Yanmar 4VL 195 angeworfen. Das Bugstrahlruder schiebt unser Boot sanft aus der Box, und wir verlassen den Hafen. Im Vergleich zur ersten Seafaring 44, die wir 2016 kennenlernten, haben sich die Fahreigenschaften des Halbgleiters sehr verbessert. So wurde der Rumpf komplett überarbeitet.

Die neue Seafaring 44 Fly fährt sich sicher und leicht bei allen Manövern. Unser Testschiff ist einem MC2 Anti-Roll-Gyro-Stabilisator von Quick ausgerüstet. Der als Option angebotene Stabilisator sorgt für noch mehr Komfort gegen die Einflüsse von Wellengang. Wir schalten den Stabilisator unterwegs ab, und die Stabilität des Boots unterscheidet sich bei leichter Welle kaum merkbar. Auf hoher See werden die Fahrten mit Stabilisator aber um einiges angenehmer.

Seafaring 44 Fly
Sonnenkollektoren decken den gesamten Strombedarf ab © Kerstin Zillmer

Der Steuerstand der Seafaring 44 Fly im Cockpit ist funktional und wirkt aufgeräumt. Der für diesen Bootstyp ideal große 16-Zoll-Kartenplotter von Garmin liefert alle Daten, die wir brauchen und ist übersichtlich angebracht. Nur die Sitzbank, passend für zwei Personen, könnte etwas stärker gepolstert sein. Das klassisch aus Holz gefertigte Ruder läuft geschmeidig. Unser Schiff reagiert direkt und fließend auf alle Manöver, die wir fahren.

Der Dieseltank der 44er ist bei Fahrtstart zu Dreivierteln voll, wir haben wenig Welle und kaum Wind. Die über elf Tonnen wiegende Yacht verbraucht bei Marschfahrt mit 16 km/h nur 10,4 Liter. Mit 61 Dezibeln ist das Schiff dabei fast flüsterleise. So macht langes Cruisen wirklich Freude. Und durch die elektrisch zu öffnende Frontscheibe weht dabei auch noch ein kühles Lüftchen.

Seafaring 44 Fly
Leise und sparsam im Verbrauch © Kerstin Zillmer

Niedriger Verbrauch und 360-Grad-Panorama

Das Konzept des Boots ist konsequent und durchdacht. Die Seafaring 44 Fly überzeugt auch bei der Umsetzung mit vielen schlauen Details. Der Halbgleiter-Rumpf und die kluge Berechnung der unterschiedlichen Schichtdicken des eher breiten Schiffskörpers halten den Verbrauch niedrig. Die technologische Kompetenz der Firmengruppe bei unterschiedlichsten Baumaterialien ist hier sehr gut zu erkennen.

Die Seafaring 44 Fly bietet viel Raum auf drei Ebenen. Es ist kaum zu bemerken, dass wir heute zu siebt an Bord sind, wenn die Gäste sich auf den unterschiedlichen Levels zwischen Bug und Heck verteilen. Die breiten Gangborde und die zwei Seitentüren machen das Anlegen einfach, da man vom Fahrstand aus jederzeit bequem aufs Seitendeck kommt. Das Schiff ist auch deswegen mit zwei Personen leicht zu handhaben. Und der 360-Grad-Rundumblick erleichtert dabei manches Hafenmanöver.

Seafaring 44 Fly
Die Flybridge als schattiger Platz mit bester Aussicht © Kerstin Zillmer

Die Flybridge ist ein großes Plus für das Boot, gerade in einem südlichen Revier wie Kroatien. Die Seafaring 44 Fly bietet eine geglückte Balance zwischen Anwendung und Form, Design und Preis. Das Schiff ist gut motorisiert. Und es hat genau die Ausstattung an Bord, die man braucht, um gut und komfortabel zu reisen – egal ob auf dem offenen Meer, an der Küste oder auf Flüssen. Aus diesem Grund wurde die neue Seafaring im Jahr 2018 Finalistin beim Best of Boats Award in der Kategorie Best for Travel.

Erhältlich ist die Seafaring 44 in einer Coupe- und dieser Flybridge-Version. Zur boot Düsseldorf präsentiert die slowenische Werft erstmals ihr nächstes Modell, die Seafaring 34s. Etwas schneller soll die neue, kompakte Reiseyacht sein, die für das jüngere Publikum gemacht ist. Zu sehen ist sie in Halle 17, Stand A 32.

Technische Daten Seafaring 44 Fly

Länge über alles:14,39 m
Breite:4,25 m
Tiefgang:0,80 m
Leergewicht: 9.250 kg
Edelstahl-Dieseltanks:1.000 l

Edelstahl-Wassertanks:550 l

Kabinen:2 oder 3
Schlafplätze:6 bis 8
Bäder:2
MotorisierungVolvo Penta D3 mit 110 PS
optional2x mit 150 PS, 1x D4 mit 260 PS
Preisab 348.000 Euro

Mehr Informationen auf der Werft-Website.
Seafaring in Deutschland wird von Seafaring Yachts Niederlande angeboten.

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Bmarine Singel 12 9001 XP Grou (Niederlande) Tel. +31 566 688816 [email protected]
www.bmarine.nl
Direkt zur Seafaring 34S

Bmarine bietet als Wassersportunternehmen seit 2006 Full Service. Seit 2017 sind wir Händler von Seafaring Yachts für Norddeutschland und die Niederlande.

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