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Jeanneau Merry Fisher 895 © Kerstin Zillmer
BOOTSTEST

Jeanneau Merry Fisher 895: La Grande Petite

Die Merry Fisher 895 ist der neue Weekender von Jeanneau.

von in
6 Minuten

Merry Fisher ist die Lieblings-Serie der Deutschen, wenn es um Jeanneau-Motorboote geht. Jetzt hat die französische Werft die Linie um ein größeres, mit Außenbordern ausgestattetes Modell erweitert, das mehr Komfort und Platz bietet: Die neue Merry Fisher 895 ist als größtes Modell der Serie ein gelungen konzipiertes Boot für Wochenendtörns.

Beim Presse-Testevent in Cannes haben wir Jeanneaus 2017er-Premiere erstmals fahren können. Seitdem bin ich davon überzeugt: Dieses Boot ist ganz klar ein Familienboot – und kein Angelboot mehr, auch wenn der „Fisher“ noch im Namen steht.

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© Kerstin Zillmer

Die MF 895 ist die vergrößerte und aufgerüstete Version des seit fünf Jahren existierenden kleineren Schwestermodell 855. Schon damals hatte mein Kollege Uwe G. Meiling geschrieben: „Aus der so charmanten wie treffenden französischen Beschreibung für diese Boote pêche-promenade (Fischen und Promenieren) können wir das Wörtchen pêche getrost streichen, wenn wir von der Merry Fisher 855 sprechen.“ Für ihn war die seinerzeit größte Merry Fisher „nicht nur ausgewachsen, sondern auch zum vollwertigen Cruiser gereift“.

Zwei Türen als echte Innovation

Und jetzt die etwas längere Merry Fisher 895: Zwei echte Innovationen sind die Schiebetür am Steuerstand und die kleine, sehr nützliche Tür im Freibord auf der Steuerbordseite. Kindern und älteren Menschen erleichtert die in die Bordwand eingefügte Türe den Zugang an Bord. Für mich ist das ein klares Merkmal für ein Familienboot.

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Licht und Luft am Steuerstand© Werft

Die kompakten Weekender sind für die klimatischen Verhältnisse hierzulande ideal ausgestattet. Dank der großen Seitentür lässt sich das immerhin fast neun Meter lange Boot unkompliziert anlegen. Diesen Zugang vom Steuerstand zum Seitendeck hatten bei Jeanneau bisher nur die größeren Reihen Leader und NC. Gut konzipiert ist auch, dass sich die Klampe direkt von dieser Position aus belegen lässt. Der Gangbord an Steuerbord ist deutlich breiter gestaltet als an Backbord und gibt, da wo man es braucht, viel Bewegungsfreiheit zwischen Heck und Bug.

Platz „en masse“

Das Boot verfügt über relativ große Badeplattformen rechts und links der Außenbordmotoren. An Steuerbord ist die integrierte Badeleiter mit einem soliden Haltegriff platziert. So kommen alle nach dem Schwimmen leicht wieder an Bord. Der Durchgang zwischen Badeplattform und Cockpit ist stufenlos. „Danke“ sagen dazu schon jetzt meine Zehen. Sehr gut gelöst ist die Montage des Hecksofas in der Plicht. Über Führungsschienen ist es leichtläufig nach vorne verschiebbar. Das ist sehr praktisch, wenn mehr Platz auf der Badeplattform benötigt wird oder man die Außenbordmotoren in flachen Gewässern anheben möchte.

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Sofa in U-Form© Werft
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Sofa in L-Fom mit hochgeklapptes Motoren

Ein weiteres schönes Merkmal für ein Familienboot ist die klappbare Sitzbank auf dem Vorschiff. In Sekundenschnelle lässt sich die bequeme Sitzbank in eine Sonnenliege für zwei verwandeln. Ich bin sicher, dass Jeanneau bald auch eine Lösung finden wird, um dort einen kleinen Tisch und Becherhalter zu montieren. Wer lieber achtern die Sonne genießt, senkt den Tisch ab, legt zusätzliche Kissen auf und erhält so eine zweite Doppelsonnenliege im Heckbereich.

Alternativ und sicher nach Sonnenuntergang ist hier der Platz fürs Dinner im Freien. Von der Optionsliste kann man dazu ein L-förmiges oder sogar U-förmiges Sofa bestellen. Wählt man die U-Form, hängt man einen zusätzlichen Sitz an, der auch als zusätzlicher Stauraum dient. In der L-Form ist das Sofa fixiert.

Viel mehr Licht überall

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Licht und Luft© Werft
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Eine echte Pantry

Der Salon der neuen 895 besitzt das charakteristische Layout der Merry-Fisher-Reihe. Neu ist, wie viel Licht es hier gibt. Die Frontscheibe, die großen Seitenfenster und die Dachfenster lassen viel natürliches Licht von draußen in den Salon. Der Raum wirkt damit größer und geräumiger als er tatsächlich ist. An Backbord gibt es zwei einander gegenüberliegende Sofas (das vordere lässt sich schwenken), in der Mitte dazwischen steht der Holztisch. Die Rückenlehne lässt sich bequem (leichtes Anheben reicht) nach vorne oder hinten klappen – je nachdem, in welche Richtung man sitzen möchte. Zum Schlafen kann der Essplatz mit wenigen Handgriffen zum zusätzlichen Bett für zwei Personen umgebaut werden.

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Zum Essen© Werft
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Zum Schlafen

Gegenüber dem Esstisch ist die mit doppeltem Gasherd, Spüle und Kühlschrank vollausgestattete Pantry. Der Fahrersessel wurde auf dem Kühlschrank montiert, eine sinnvolle und weit verbreitete Lösung, um keinen Platz an Bord ungenutzt zu lassen.

Während der Fahrt ist der Salon so gut belüftet, dass niemanden zu warm werden kann. Frische Luft kommt durch die Seitentür, das Schiebedach und das Seitenfenster. Wird das Boot nicht in Mitteleuropa, sondern auf dem Mittelmeer eingesetzt, könnte es sinnvoll sein, eine Klimaanlage als Extra zu bestellen. Der Belüftungsschacht befindet sich dann unter dem Sofa. Die Klimaanlage selbst befindet im riesigen Stauraum in der Plicht, der übrigens mit einer Leiter begehbar ist.

Die neue Merry Fisher 895 ist das einzige Boot aus dieser Serie, das über zwei separate, durch Wände getrennte Doppelkabinen verfügt. In der Vorschiffskajüte steht ein Kingsize-Bett, das Zugang von beiden Seiten bietet. Die Standardlänge von 1,80 m lässt sich auf zwei Meter für die Nacht verlängern. Große, leicht zugängliche Stauflächen unterm Bett schlucken viel Gepäck. Kajüte Nummer 2 befindet sich mittschiffs, direkt unter dem Salon. Der Zugang zur Kabine befindet sich auf der Backbordseite des kleinen Korridors. Direkt gegenüber geht’s zum Bad mit Toilette und Dusche.

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Vorschiffskajüte© Werft
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Bad mit Dusche

Beide Kabinen sind ausreichend komfortabel und dank viel natürlichem Licht hell, das durch das Glasdach vor dem Beifahrersitz und den langen Seitenfenstern fällt. Naturgemäß ist die Mittschiffskabine unter dem Salon deutlich niedriger als die Kabine im Vorschiff. Beide bieten bequeme Betten, Schränke und genügend Stauraum und Platz zum Umkleiden.

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© Werft

Manövrierfähigkeit gut, die Sicht rundum perfekt

Unser Testboot wird durch zwei Außenbordmotoren von Yamaha mit je 150 PS Leistung angetrieben. Die stärkste verfügbare Einzelmotorisierung sind 350 PS. Für die Offshore-Version mit verstärktem Rumpf mit eine maximale Leistung von 2 x 200 PS möglich. Diese Variante ist mit der CE-Kategorie B für küstenferne Gewässer zertifiziert, während die Standardversion die Kategorie C erhält.

Wie alle Merry-Fisher-Boote ist auch die Neuheit leicht zu steuern. Auch die Manövrierfähigkeit der 895 ist gut, die Sicht rundum perfekt. Wir müssen nicht kompliziert trimmen, um das Boot in optimale Gleitfahrt zu bringen. Unser Testschiff beschleunigt sehr gut, kommt schnell ins Gleiten und verhält sich auch bei Kurvenfahrt wirklich sicher. Im Hafenbereich lässt es der Rumpf in niedriger Geschwindigkeit gut manövrieren.

Das Boot in Cannes war mit zwei 150 PS starken Yamaha-Motoren mit Seilzug ausgestattet, die nicht hydraulisch oder elektronisch gelenkt werden. So war das Lenkrad eher schwergängig, und es war in dieser Konfiguration nicht ganz leicht, die Drehzahl exakt konstant zu halten und in gleichbleibender Geschwindigkeit zu fahren. Meine Kollegen, die das Boot mit 350-PS-Einzelmotorisierung und elektronischem Gashebel fuhren, hatten einen sehr guten Eindruck vom Fahrverhalten des Boots.

Ist die Merry Fisher 895 ein Kandidat für den BOB Award als bestes Familienboot?

Auf alle Fälle. Die Best of Boats Award Jury, zu der ich gehöre, sucht die besten Boote in den Kategorien Beginner, Familiy, Fun, Travel und Fishing aus. Alle Boote, die wir nominieren, sind von mindestens fünf Juroren getestet. In einer internen Abstimmung bewerten wir die Boote. Die neue Merry Fisher 895 hat beim Best of Boats Award bestimmt gute Chancen. Ein Boot ist dieser Größe und Ausstattung zu einem Grundpreis von weniger als 70.000 Euro findet man im aktuellen Wettbewerb der Werften nicht leicht.

MF = NC 895 @ USA

In den USA hat das neu eingeführte Modell den Namen Jeanneau NC 895 erhalten. Der Name erinnert natürlich an die elegante NC-Serie, zu der unsere 895 gewissermaßen die Brücke schlägt. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist das Modell bereits so beliebt, dass Jeanneau plant, einen Großteil der Produktion für dieses Boot in die Vereinigten Staaten zu verlegen.

Mehr über das Boot: jeanneau.com

Messwerte















Drehzahl (U/min)Geschwindigkeit (Knoten)Treibstoffverbrauch (Liter pro Stunde)
7002,63,4
1.0004,36
1.5005,89,7
2.000713,7
2.5008,321,4
3.0009,332,5
3.5001245
4.00017,451,3
4.50023,561
5.0002872
5.50031,292
6.00034,5115

4 Personen an Bord, Benzintank: 100%, Wassertank: leer, Temperatur: 20° C, Wind: bis 3 Beaufort, Wellengang: bis 1 m

Technische Daten (wie gefahren)









Länge über alles:8,90 m
Breite:2,99 m
Motorisierung:2 x Yamaha F 150 mit je 150 PS (112 kW)
Gewicht:3.060 kg (ohne Motor)
Maximale Passagierzahl:10
CE-Kategorie:C (küstennahe Gewässer)
Preis (ohne Motor):ab 67.592 Euro

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