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Frauscher 1414 Demon Air Frauscher 1414 Demon Air © Frauscher
Frauscher 1414 Demon Air

Kompromisslos Frauscher

Das Wesentliche ist unsichtbar für die Augen. Michael Frauscher erklärt, was ihm wichtig ist an der neuen Frauscher 1414 Demon Air.

von
Kerstin Zillmer
in
7 Minuten

Luxus ist ein dehnbarer Begriff – in der Wüste kann bereits Schatten Luxus sein, doch wer im Wald wohnt, wird sich seines „Reichtums“ selten bewusst sein. Und sind schon Boote an sich ein Luxus, so erst Recht die Klasse der Gentlemen Racer: gemacht für das pure Vergnügen, von jeder Zweckbindung befreit, in ihrer offensichtlichen Losgelöstheit vom profanem Nutzdenken erst wirklich schön.

Der österreichische Bootsbauer Frauscher ist seit langem ein klangvoller Name in diesem Marktsegment. Mit der Frauscher 1414 Demon Air hat er unserer Vorstellung von Luxus eine weitere Fußnote hinzugefügt.

Dieses Boot sieht bereits schnell aus, wenn es nur im Hafen liegt. Die Ideen, die seiner Schöpfung zugrunde liegen, reflektieren sich wirkungsvoll in der imaginären Liste all jener Vergnügungen, die damit möglich werden: schnell Fahren mit und ohne Ziel, Sonnenbaden, Party auf dem Wasser; und natürlich bella figura machen…

Was bedeutet es, ein solches Boot zu entwerfen, zu planen und schlussendlich zu bauen? Und vor allem: Was ist der Anspruch der Designer und Konstrukteure?

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Frauscher 1414 Demon Air
Michael Frauscher nach der ersten Fahrt in Port Adriano auf Mallorca © Kerstin Zillmer

In Port Adriano haben wir den Entwicklungschef Michael Frauscher bei seiner ersten Probefahrt im Mittelmeer begleitet, der tatsächlich ein bisschen nervös ist, als wir den Hafen verlassen. Doch das legt sich bald. An Bord erklärt Michael uns, was für ihn das Entscheidende ist an der 1414 Demon Air. Und was seine Vorstellung von Luxus ausmacht.

float: Was ist anders beim Design der 1414 Demon Air, Michael?

Michael Frauscher: Frauscher ist kompromisslos: Jedes Boot wird neu gedacht. Wir definieren zuerst den Zweck, daraus ergibt sich die Form und der Raum, die Gestaltung und das Design. Alles folgt dem Zweck des Bootes: Was soll es leisten, was können? Danach entscheiden wir.

Ein Boot, wie die Mirage zum Beispiel, darf ruhig eckig sein und Drama bieten. Eine 858 Fantom Air hat Sexappeal. Weil bei der 1414 Demon Air die Aufenthaltsflächen wesentlich sind, haben wir uns für rundere Formen an Deck entschieden. Hier braucht es weniger Drama, weil die Demon im Ganzen ja schon so kraftvoll und imposant wirkt.

Frauscher 1414 Demon Air
Frauscher-Produktmanager Thomas Gerzer fährt die 747 Mirage auf dem Gardasee © Kerstin Zillmer

Was waren die Herausforderungen bei der Entwicklung der Demon Air?

Technisch gesehen war die größte Herausforderung das freistehende T-Top, das nach vorne auskragt. Weil wir für gute Performance stehen, und unsere Boote gut fahren müssen, war es wichtig, dass das T-Top leicht ist. Wenn man den Schwerpunkt eines Bootes nach oben verlagert, hat man sowohl in der Kurvenfahrt als auch beim Abstoppen ein viel zu großes Moment. Zudem werden die Fahreigenschaften dramatisch schlechter, wenn es schwer ist. Deshalb haben wir uns für leichtes Carbon entschieden.

Ihr habt bisher kein Carbon in dieser Dimension verbaut. Woher kam das Know-How?

Wenn man von Carbon in echter Leichtbauweise spricht, ist man entweder bei der Fahrzeug- oder Flugzeugtechnik. Wir haben in der Industrieregion Oberösterreich eine kompetente Firma gefunden, die sehr schöne Spezialitäten für die europäische Luftfahrtindustrie macht. Sie bauen nun für uns das T-Top.

Michael Frauscher
Das leichte, stabile T-Top ist eines der beeindruckendsten Designmerkmale der 1414 Demon Air © Kerstin Zillmer

Wie habt ihr die Kraft, die beim schnellen Fahren und gerade in Kurven und Wellen auf das Dach einwirken, ausgeglichen?

Durch eine Edelstahlaufnahme, die das T-Top mit dem Rumpf verbindet. Es ist fest im Rumpf einlaminiert und abgespreizt. Strebverbindungen verteilen die Kraft in alle Richtungen, auch auf die Motorfundamente, so dass nicht das T-Top steif ist und sich der Rumpf bewegt, die nötige Steifigkeit erhält. Und eine gewisse Bewegung lassen wir wie beim Flugzeugflügel zu.

Was nicht schwingt, das bricht. 

Das ganze T-Top wiegt nur 150 kg, das ist für diese Fläche ein Sensationswert. Es können drei Leute drauf stehen, wir haben es ausprobiert.

Frauscher 1414 Demon Air
Das T-Top schließt den Raum ab © Kerstin Zillmer
Frauscher 1414 Demon Air
... und gibt Sicherheit © Kerstin Zillmer

Der Winkel ist extrem. Warum so viel?

Weil wir weiterdenken. Wenn man in der zentralen Lounge sitzt, gibt einem das T-Top Sicherheit und schließt diesen Raum zusätzlich ab. Man spürt im Schulterhalsbereich: Das ist noch was dahinter. Das gibt ein gutes, sicheres Gefühl und Wohlbefinden.

Gleichzeitig reflektiert es, quasi als Weiterführung, das Sideblade aus Carbon auf der Außenseite des Rumpfes. Wir haben die genaue Postion mit vielen 1:1 Modellen erprobt und so hat sich dieser Winkel ergeben. Natürlich haben wir die Neigung dann durchgerechnet, aber alles kann man nicht ausrechnen auf einem Boot. Es gibt zu viele Faktoren: Aerodynamik, Hydrodynamik, Anstellwinkel, Wellen – letztlich ist es eben auch unsere Erfahrung, die uns leitet.

Ihr verwendet den gleichen Rumpf wie bei der 1414 Demon. Wie hat sich der Schwerpunkt jetzt verlagert?

Wir haben ja nicht nur einen, wir haben zwei Schwerpunkte. Einen in der Vertikalachse, einen in der Längsachse. Wenn das Boot vorne kein Deck und weniger Einbauten hat, wandert der Schwerpunkt automatisch zurück in Richtung Motoren. Bei der Demon Air liegt der Schwerpunkt ziemlich genau dort, wo man am Steuerstand sitzt.

Frauscher 1414 Demon Air
Kraftvoll im Antritt, spritzig in der Kurve und sanft in der Welle © Kerstin Zillmer

Entsprechend lustig ist das Fahrvergnügen. Das Boot bewegt sich um die Achse, wo wir sitzen, und man spürt so kaum, ob man über eine Welle fährt. In der Höhenachse hat sich durch das niedrigere Deck der Schwerpunkt etwas nach unten verlagert, wird aber mit dem T-Top wieder etwas nach oben angehoben.

Wie war dein Eindruck vom Fahrverhalten? Was ist speziell für die Fahreigenschaften?

Großartig! Spritzig und sicher. Toll, dass ein Neun-Tonnen-Schiff so leichtfüßig und lustig fahren kann, wie eines mit vier Tonnen. Es erinnert mich sehr stark an die hervorragenden Fahreigenschaften der 1017 GT Air.

Frauscher 1414 Demon Air
Die Performance steht für Frauscher im Mittelpunkt © Kerstin Zillmer

Wie würdest du die Fahreigenschaften eurer Boote beschreiben?

Es ist eigentlich das typische Frauscher-Fahrverhalten. Dafür gibt es kein Wort.

Sie frauschelt?

Sehr elegant! (lacht) Sie bewegt sich markentypisch, so wie wir das haben wollen. Man verzichtet vielleicht auf ein bisschen Volumen hier und da, aber die Performance steht im Mittelpunkt. Hinter jeder erfolgreichen Marke steht immer eine starke Philosophie. Die Marke bleibt dann erfolgreich, wenn man konsequent bei seiner Philosophie bleibt. Da gehört bei Frauscher unbedingt das gute Fahrverhalten dazu.

Ihr habt den Rumpf immer weiter verfeinert, aber ihr habt ihn nicht grundsätzlich verändert.

Der Unterschied ist: Es ist die Arbeit, die wir reinstecken, wir drehen immer mehr an den Stellschrauben, verfeinern, optimieren. Jeder, der Schiffbau studiert hat, kann so einen Rumpf zeichnen, das ist kein Hexenwerk. Es ist das engagierte Entwickeln, der Anspruch. Hier noch eine Leiste, diese starken Abrisskanten im Stufenrumpf, die an der richtigen Stelle sein müssen. Das muss man sich erarbeiten. Wenn der Rumpf nicht passt, muss man die Form ändern. Dort steckt das Geheimnis.

Frauscher 1414 Demon Air
Runde Formen an Deck © Kerstin Zillmer
Frauscher 1414 Demon Air
... zum kraftvollen Rumpf © Kerstin Zillmer

Wir haben viel Erfahrung, aber wir arbeiten auch sehr viel an den Booten. Für uns ist es nicht gut genug, wenn es nicht perfekt ist. Dann muss ich halt noch mal drei Runden drehen. Das ist unser Geheimnis.

Ihr habt eine Stufe beim Steuerstand eingebaut. Was war der Grund dafür?

Es hat zwei Gründe. Wir haben so Stehhöhe unter Deck und dazu die richtige Höhe im Cockpit und eine gute Übersicht. Sonst hätten wir Fußstützen einbauen müssen, was wir nicht wollten.

Es fühlt sich gut an, dort zu stehen. War das beabsichtigt?

Das liegt daran, dass es ein Fahrerlebnis-Boot ist. Immer wenn man eine Frauscher fahren sieht, stehen vier Leute um den Steuerstand, denn sie wollen alle fahren. Bei anderen fährt der Pilot wie der Taxifahrer, dahinter findet das Leben statt. Bei uns ist das Fahren ein zentrales Erleben. Deshalb ist es auch der zentrale Ort. Und meistens fährt ja der Eigner. Er hat das lustigste Erlebnis an Bord.

  • Frauscher 1414 Demon AirUnter Deck tut sich ein eigener Lebensraum auf © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1414 Demon AirEin Bett so groß wie zu Hause © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1414 Demon AirVerschachtelte Lichtführung hinter Holz © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1414 Demon AirUnd ein vollständiges, lichtes Bad © Kerstin Zillmer
  • Frauscher 1414 Demon AirViel Platz zum Essen... © Werft
  • Frauscher 1414 Demon Air... zum Sonnenbaden © Werft
  • Frauscher 1414 Demon Air... oder Tanzen © Werft

Was heißt für euch Luxus?

Er springt nicht sofort ins Auge. Bei uns ist das gute Fahrerlebnis der Luxus: Gutes Fahren, viel Platz, hohe Qualität.

Warum ist euer Design so außergewöhnlich?

Unsere größte Herausforderung heißt: Was kann ich weglassen, um es besser zu machen? Wir haben viele Details, die spannend, technisch herausfordernd und designmäßig sehr hochwertig sind. Aber viel schwieriger, als etwas draufzuschrauben, ist es, unnötige Dinge wegzulassen. Das menschliche Auge und der Geist brauchen Freiraum. Dann kann ich mich entspannen. Weniger ist mehr.

Im November gewann die Frauscher 1414 Demon Air auf der Messe Boot & Fun Berlin den Best of Boats Award in der Kategorie Best for Fun.

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