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Leo Sampson packt Tally Ho sicher ein und besucht spannende Klassiker-Bauprojekte in England.
Refit-Projekt

Leo besucht Refit-Kollegen in England

Leo Sampson packt Tally Ho sicher ein und besucht spannende Klassiker-Bauprojekte in England.

Tommy Loewe
von in
3 Minuten

Das Wetter wird ungemütlich an der Sequim Bay im äußersten Nordwesten der USA. Leo Sampson beschließt, dass es Zeit wird für ein paar Wochen Urlaub im Süden Englands. Dort will er sich von befreundeten Bootsbauern inspirieren lassen. Aber bevor er die Baustelle der seines Holzklassikers Tally Ho verlässt, werden noch die ersten drei Spantenpaare ausgesägt, zusammengebaut und eingesetzt.

Es ist eine Freude zuzusehen, mit welcher Akribie Leo Sampson mit seinen Helfern zu Werke geht. Etwa dann, wenn er die Spanten mit einem Laser-Nivellierer ausrichtet und mit einer eigens angefertigten Fräs-Schablone den Fuß genau anpasst. Manchmal wird es dem Zuschauer allerdings bange: Etwa dann, wenn Leo mit der großen Kettensäge in kurzer Hose auf dem Holzstapel steht und die 8 cm starke Eiche zersägt.

Zum Glück wacht die Ara-Dame Poncho über die Gesundheit und Sicherheit der Schiffszimmerer, die beim Refit-Projekt beteiligt sind. Währenddessen pinselt Leos Freundin Francesca das frische Holz dick mit Leinöl ein. Dann wird alles in Planen eingepackt und die Tally Ho extra gut abgepallt. Und los geht die Reise über den großen Teich nach Großbritannien.

Bedding Wooden Boat Frames / Packing Up Shop! – Rebuilding Tally Ho EP31

direkt zum Video Einpacken der Tally Ho

Zurück in Old England

In England angekommen besucht Leo zwei Bootsbauprojekte in Cornwall. Zunächst führt ihn seine Reise nach Truro bei Falmouth, wo er die Baustelle des Pilot-Cutters Pellew besucht. Das Projekt wird geleitet von Luke Powell, einem gut gelaunten Bootsbauer in den 50ern. Die Pellew ist benannt nach einem Seehelden des frühen 19. Jahrhunderts. Das Schiff ist die Replika des Pilot-Cutters Vincent.

Das Original wurde 1852 gebaut und beendete sein Dasein nach 60 Jahren aktivem Lotsendienst als Hausboot in einem Schlickloch. Mit 68 Fuß Länge und 74 Tonnen Verdrängung ist es das größte traditionelle Holzschiff, das je in England gebaut wurde. Man erkennt schon an den Spanten den enormen Unterschied zur Tally Ho.

Tally Ho

Pilot-Cutter Vincent © Leo Sampson

Früher wurden diese Kutter mit sechs Lotsen und einem Schiffsjungen in die Irische See gesegelt. Hier wurden ankommende Schiffe mit Lotsen für den englischen Kanal bestückt. Oft musste der Schiffsjunge dann das Riesenbiest von Schiff alleine zurück nach Falmouth schippern. 2020 soll die Pellew wieder in Dienst genommen werden und auf Chartertörns Geld einfahren. Damit soll die Ausbildung junger Schiffszimmerer und Bootsbauerinnen finanziert werden.

Das entsprechende Schiff ist schon in Planung: Ein Dreimaster für Frachtfahrten unter Segeln, finanziert von einem Mäzen und einigen in Cornwall ansässigen Firmen und Institutionen. Leo Sampson hatte im Frühjahr 2018 (in Episode 17) bereits über die Pellew berichtet. Jetzt ist er schwer beeindruckt von den Fortschritten beim Bau. Luke ist stolz und voller Zuversicht, in naher Zukunft die Leitung des Projekts in jüngere Hände abzugeben. Er will nur noch beratend dabei sein.

The largest new wooden boat in the country! – Replica Pilot Cutter PELLEW Update (Tally Ho EP32)

direkt zum Video Leo besucht Luke Powell

Chris Rees und seine Lugger

Weiter geht es für Leo Sampson nach Millbrook nahe Plymouth. Er besucht Chris Rees, der dort eine kleine Werft leitet, die sich mit traditionellem Bootsbau beschäftigt. Seine englische Berufsbezeichnung ist „Shipwright“. Das lässt sich am besten mit Schiffszimmerer übersetzen. Unter der Leitung von Chris entstanden interessante Projekte wie der Nachbau des Dreimast-Luggers Greyhound, der heute als Charterboot und – wie der deutsche Frachtsegler Avontuur – ökologische Transporte fährt.

Auf das Baukonto von Chris Rees geht auch die Replika des Fischluggers Spirit of Mistery. Mit diesem 37 Fuß kurzen Schiff haben sieben Fischer im Jahr 1854 die Reise nach Australien gewagt. Nach 116 Tagen kamen sie in Melbourne an. Der neue Eigner Pete Goss hat die gleiche Reise im Jahr 2009 wiederholt. Er erlitt beinahe Schiffbruch, kam mit halbwegs unversehrter Crew dann aber doch an.

Chris Rees restauriert zur Zeit einen Bristol Pilot Cutter von 1905. Außerdem kümmert er sich noch um eine alte Fähre, die ursprünglich als Dampfschiff gebaut wurde. Später wurde sie auf Diesel umgerüstet. Bis vor ein paar Jahren war die „Armadillo“ im Dienst. Das Schiff gilt als die englische Fähre, die am längsten kontinuierlich gefahren ist.

Chris möchte das Schiff neu aufbauen und mit „Green Power“, also einem Elektromotor versehen. Dann will er sie wieder in Dienst stellen. Er hofft noch auf einen Geldgeber. Die Interviews mit Chris Rees sind spannend, auch wenn man manchmal zweimal hinhören muss. Denn englische Schiffszimmerer haben nicht immer eine geschliffene Aussprache. Die Anwahl der Untertitel hilft.

Meeting a Master Boatbuilder / 1905 Pilot Cutter – Rebuilding Tally Ho EP33

direkt zum Video Leo besucht Chris Rees

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