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Maxus Evo 24 © Michael Krieg
Bootstest

Maxus 24 Evo: 24 Fuss evo-lution

Ein kleiner großer Kreuzer für Binnen und Buten: Maxus 24 evo mit Dreikiel-Auswahl.

Michael Krieg
von in
7 Minuten | 1 Kommentar

Ein 24-Fuß-Kleinkreuzer für sechs Personen mit Stehhöhe und drei Kielen zur Auswahl – geht das? Auf dem Schweriner See hofften wir, fündig zu werden und testeten die neue Maxus 24 evo der polnischen Northman-Werft. Die beinahe zehn Jahre alte Konstruktion Maxus 24 wird von der 24 evo abgelöst – und evo steht für Evolution. Das von Konstrukteur Jacek Daszkiewicz ersonnene Lifting sieht man äußerlich schon auf den ersten Blick. Das Heck ist, verglichen mit dem Vorgängermodell, breiter geworden. Die 24 evo hat, wie die 26er von Maxus, nun gerade Seitenwände und einen ausgeprägten, nach hinten auslaufenden und leicht ansteigenden Knickspant für verbessertes Segelverhalten bei Lage.

Neuer Riss mit neuer Rumpffertigung

Die Rumpf-Deck-Verbindung der Konstruktion ist, wie bei allen aktuellen Maxus-Yachten, inzwischen neu: Der Rumpf wird „rumgezogen“ und ist auf 10 cm Breite mit dem Deck vollflächig verklebt, sodass durch die Innen-Anlaminierung ein homogener Schiffskörper entsteht.
Was ist sonst von außen zu sehen? In der Standardversion ist bei der 24 evo keine feste Scheuerleiste vorgesehen – die sollte aber nachgerüstet werden, um den Rumpf vor Kratzern beim Anlegen zu schützen. Die Fußreling ist aus Teak gefertigt und endet vor der optionalen Mastlegevorrichtung. Am Spiegel ist im Standard mittig eine feste Maststütze angebaut. Zwei Drähte (Option) zwischen der Heckreling schließen das Boot nach hinten hin ab.

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@ Michael Krieg

Im halben Dutzend unterwegs

Deutlich merkbar wirken die veränderten Konstruktionslinien im Inneren: Die Heckkoje, in der quer genächtigt wird, ist geräumiger geworden und bietet mit einer Größe von 2,25 x 1,20 cm – wohl bemerkt, auf einem 24 Fuß-Schiff! – nun zwei erwachsenen Personen ausreichend große Schlafplätze. Das Gefühl einer beengten Schlafhöhle kommt auch wegen der ausreichenden Kopfhöhe von 0,80 m nicht auf, im Fußbereich sind es noch immer 0,50 m. Weitere Schlafplätze, die ausreichend groß für Erwachsene sind, gibt es im Bug mit 2,07 x 1,65 m und, etwas kürzer, im Salon mit 1,80 m Länge und einem Meter Breite neben dem Tisch, wenn dort Kojenverbreiterungen (gibt es als Option) reingelegt werden. Schlafplätze also für sechs Personen. Dieses halbe Dutzend Crewmitglieder findet auch genug Platz am besonders großen und beidseitig ausklappbaren Klapptisch in der Messe.

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@ Michael Krieg

Freie Sicht über den Salontisch

Ein weiterer Vorteil der 24 evo gegenüber der Vorgängerin ist, dass der Mast wieder ein ganzes Stück nach vorne gerückt ist. So ergibt sich ein größerer Salon ohne Sichtbehinderung, wenn man sich gegenüber sitzt. Gut ist auch die Möglichkeit, eine zusätzliche Decksluke in der Mitte des Schiffs einbauen zu lassen; diese bessere Lüftungsmöglichkeit für den Salon war bei der bisherigen Maxus 24 nicht möglich, da dort der Mast weiter mittig stand. Eine größere Luke im Vorschiff als bisher gehört zum Standard.Ein weiterer positiver Effekt der neuen Konstruktion mit den geraden Seitenwänden ist deutlich mehr Platz unter Deck, vor allem auch bei der Tiefe der Schränke. Beim runden Rumpf der alten Maxus 24 sind die Pantryschränke lange nicht so tief. Im unteren Bereich sind sie, ohne ein wirkliches Platzangebot, nur angedeutet.

Zähneputzen a la mode

Die Maxus 24 evo hat neben einem praktischen Geschirrfach auch eine kleine Spüle gewonnen. So lassen sich zur Not und entsprechend vorgesorgt sechs Personen verpflegen. Stehhöhen von 1,87 m im Pantrybereich bis 1,75 m im vorderen Salonbereich bieten mehr Lebensraum unter Deck.
Sechs Personen benötigen auch reichlich Stauraum fürs Urlaubsgepäck, und der ist vorhanden. Kleinkram verschwindet in den langen Schwalbennestern rechts und links im Salon. Weitere gibt es achtern und vorn, dazu einen Schrank im Salon neben der Pantry. Mehr Staumöglichkeiten gibt es reichlich in allen Schiffsbereichen unter den Kojen.

Praktisch ist, dass die Matratzen vorne mittig geteilt sind, und alle Deckel mit Scharnieren versehen sind. So lässt sich alles gut aufklappen, und Federn zum Feststellen sorgen dafür, dass alles auch aufbleibt. Die Staufächer unter den Salonkojen sind so groß, dass zumindest vier Leute ihre Reisetaschen reinstellen können. Im offenen Achterschiff gibt es nahe dem Heck einen weiteren großen Stauraum.

In der Nasszelle ist standardmäßig bewusst kein Waschtisch installiert (er kann aber nachgerüstet werden), da die wenigsten Eigner – so hört man es vom Anbieter – den Waschtisch nutzen, sondern lieber mehr Platz im Raum haben, um beispielsweise Segelsäcke unterzubringen. Zum Zähneputzen oder Frischmachen weicht man dann auf das Wasserbecken in der Pantry aus.
Die Tür der Nasszelle kann am Niedergang gut arretiert werden. Eine Dusche in der Nasszelle ist grundsätzlich nicht vorgesehen, kann aber im Außenbereich im Cockpit nachgerüstet werden. Der Platz für das Chemie-WC und den entsprechendem Sitzplatz mit reichlich Kopffreiheit ist großzügig bemessen.

In unserem Testschiff ist sogar ein See-WC mit Fäkalientank eingebaut. Der Tank befindet sich in der Backskiste an Steuerbord. Gäbe es keinen, hätte man hier zusätzlich Stauvolumen. Frischwasser wird standardmäßig in einem 20-Liter-Kanister gebunkert, der hinten in der Backskiste gestaut ist. Auf dem Testschiff ist der Tank im Bugbereich eingebaut. Bis zu 70 Liter Volumen sind maximal möglich.
Der Ausbau im hell und großzügig wirkenden Innenraum ist sauber ausgeführt. Wirkte die alte Maxus 24 mit ihren massiven Holzumleimern für den heutigen Geschmack eher altbacken, bevorzugt die Werft nun klarere modernere Linien. Verwendet werden für Möbel und Wände besonders pflegeleichte HPL-Kunststoffplatten in Holzoptik – Stil: Eiche gekälkt. Zwölf verschiedene Polsterfarben stehen zur Auswahl.

In der Traveller-freien Zone

Für den Test auf dem Schweriner See hätten die Bedingungen nicht besser sein können. Der 8-PS-Außenborder von Selva mit Elektrostarter und Lichtmaschine beschleunigt die Maxus bei halber Last und wenig Welle schnell auf knapp fünf Knoten Fahrt.
Die fünf Knoten erreichen wir knapp auch unter Groß und mit 105er-Fock, deren Größe durch die außenstehenden Wanten begrenzt wird. Hohe Anforderungen an die Trimmkünste des Seglers werden beim Testschiff nicht abverlangt. Das Traveller-freie Cockpit bietet den Vorteil von viel verfügbarem Raum im Cockpit. Bis zu sechs Personen hätten hier Platz – vor Anker oder im Hafen. Unter Segeln reicht es für drei, will man sich nicht unnötig in die Quere kommen.

Wir wollen mehr

Bei kleinen Winddrückern zieht es mich immer wieder auf die hohe Kante. Die Kante ist ergonomisch perfekt zum Laufdeck hin angeschrägt. Dies ist etwas, was von vielen Konstrukteuren nicht beachtet wird: dass man beim Lageschieben gut oben draufsitzen kann und keine Angst zu haben braucht, von dort herunterzurutschen. Das erhöhte Laufdeck achtern sorgt außerdem für einen trockenen Hintern beim Sitzen. Die in die langen Duchten integrierte Stützkante gibt zusätzlichen Halt, wenn man sich dagegenstemmt. Breite Gurtbänder an der Reling erlauben mir , mich bequem anzulehnen. Mit Pinne und Ausleger steuert sich die Maxus 24 evo bequem, sicher und mit freiem Blick nach vorn.
Eine nur kleine Welle bei durchschnittlich 10 Knoten Wind (2 bis 3 Beaufort) zeigen hart am Wind bei Wendewinkeln um etwas mehr als 90 Grad schon mal knapp 5 Knoten Speed auf dem Hand-GPS. Kneift man weniger, ist auch ein halber Knoten mehr möglich. Die Maxus hat selbst unter diesen Bedingungen gutes Fahrtenpotenzial und nimmt nach einer Wende sofort wieder Fahrt auf.
Natürlich verlangt es uns bei der relativ kleinen Vorsegelfläche schnell nach mehr: So kommt beim Test noch der leicht zu bedienende und schnell gesetzten Drifter zum Vergrößern der Segelfläche und deutlich mehr Segelspaß zum Einsatz, wobei wir bei entsprechenden tieferen Kursen mit gleichen Windbedingungen schon mal die 6-Knoten-Marke knacken.

Wie die veränderte Rumpfform das Segeln verändert

Die Maxus 24 evo liegt durch die veränderte Rumpfform im Vergleich zu ihrer älteren Schwester deutlich stabiler mit dem flacheren Unterwasserschiff auf dem Wasser. Schiebt das Boot mehr Lage, sorgen die Chines für mehr Stabilität. Erfreulich dazu, wie steif die mit aufholbarem Schwert und Innenballast ausgerüstete Testjacht sich beim Driftereinsatz verhält. Um Seglern unterschiedlichster Reviere etwas bieten zu können, wird die Neue außer mit Schwert auch in drei Kielvarianten angeboten – inklusive Kimmkiel zum sicheren Trockenfallen.
Das Deckslayout ist gut durchdacht. Zum Serien-Lieferumfang sind im Standard Andersen-Typ10- und Ronstan-Blöcke verbaut. Leider nur als Zubehör gibt es Andersen ST 12 und eine erhöhte Großschotbasis, was für einen guten Winkel zum sicheren Bedienen der Großschot sorgt – darauf sollte man nicht verzichten. Angeknöpfte Stautaschen nehmen überschüssige Fallen und Strecker auf – oder auch mal die Winschkurbel. Wasserabläufe, Klampen und Relingfüße machen einen durchdachten Eindruck. Sollte trotz umgelenkter Fallen und Strecker doch einmal der Weg auf das Vorschiff führen, ist dort nichts im Weg, vor allem keine Unterwanten, die zum Maststellen und -legen. Diese sind innen am Aufbau angeschlagen und bilden mit den außen am Rumpf befestigten Oberwanten einen Durchgang.

Polnische Konstrukteure machen heute zweierlei

Konstrukteure und Werften aus Polen machen heute zweierlei. Entweder kommen sie mit immer neuen Fahrtenyachten um die 25 Fuß Länge auf den Markt und bedienen so Einsteiger in den Segelsport als auch Umsteiger von weitaus größeren Booten, die es zurück zu trailerbaren Kajütbooten zieht. Oder, so wie bei der neuen Maxus 24 evo, verbessern die Konstrukteure einen älteren Entwurf nicht nur im Detail, sondern entwickeln mit einem neuen Riss bei gleicher Länge ein neues Schiff, das mehr Lebensraum unter Deck und auch bessere Segeleigenschaften bietet.
Die sowohl im Innenausbau gewachsene, sorgfältig gefertigte und mit großem Variantenreichtum bei der Kielauswahl angebotene Maxus 24 evo ist ein überzeugendes Boot in seiner Klasse, das die Erfolgsgeschichte ihrer Vorgängerin fortsetzen wird.

Alternativen auf 24 Fuß

Die preislich günstige Mariner 24 von Konstrukteur Wojciech Spisak ist eine slipfähige Traileryacht mit maximalen Ausmaßen für den Straßentransport ohne Genehmigungen. Sie bietet bis zu acht Schlafplätzen, hat eine separate Nasszelle und recht große Pantry. Die besten Segeleigenschaften zeigt die Yacht auf spitzeren Kursen zum Wind.
Die Phobos 24.5 ist ein kleiner, massiv gebauter noch trailerbarer Fahrtenkreuzer mit viel Volumen unter Deck, sodass bis zu vier Personen einigermaßen ungestört, was die Platzverhältnisse angeht, auf Fahrt gehen können. Die Segeleigenschaften sind aufgrund des relativ hohen Gewichtes der Yacht eher „gemäßigt“.

Die Werft

Northman Shipyard,
u. Przemysłowa,
11-600 Węgorzewo (Polen),
Tel. +48 87 427 03 00,

www.northman.pl

Maxus 24 evo

Preis:

ab 26.891,62 Euro (wie gesegelt: ca. 53.500 Euro)

Länge:8,20 m
Rumpflänge:7,35 m
Breite: 2,55 m
Tiefgang: 0,32 bis 1,35 m
Gewicht: 1.750 kg
Stehhöhe: 1,76 bis 1,88 m
Schwert: 55 kg (Innenballast: 400 kg)
Festkiel: 350 kg (Innenballast: 140 kg)
Twinkiel: 2 x 215 kg (Innenballast: 140 kg)
Hubkiel: 300 kg (Innenballast: 100 kg)
Theoretische Rumpfgeschwindigkeit:6,6 Knoten
Besegelung:Groß (19,0 m²), Vorsegel (12,0 m²), Drifter (32 m²), Gennaker (33,0 m²)
CE-Kategorie:B (küstenferne Gewässer, C mit Schwert))

Ein Kommentar

float Redaktion /

Wieviel sich seit der Einführung der ALTEN Maxus 24 getan hat, lässt sich am Fazit von Michael Kriegs Segeltest aus dem Jahr 2009 ablesen: „Die Segeleigenschaften der Maxus 24 mit denen eines gleich großen Sportboots oder klassischen Jollenkreuzers zu vergleichen, ist unlauter. Wer mit einem so kostengünstigen und trailerbaren Kleinkreuzer liebäugelt, sucht – zusätzlich zum variablen Tiefgang – vor allem Platz an und unter Deck und ein einfach bedienbares Boot mit unaufgeregten Segeleigenschaften. Das alles bietet die Maxus 24, die standardmäßig so ausgerüstet ist, dass man ohne großes Nachrüsten sofort auf Fahrt gehen kann.“

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