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Gleiches Baumaterial, unterschiedlicher Rumpf: Aluminium-Yachten Allures 40.9 (unten) und Ovni 400 aus Frankreich © Werften
Allures 40.9 und Alubat Ovni 400

Mit Alurumpf um die Welt

Sicherer und schneller als GFK-Alternativen: Die Aluminium-Langfahrtschiffe Allures 40.9 und Ovni 400 im direkten Vergleich.

von
Hans-Harald Schack
in
8 Minuten

Seitdem Stahl fast komplett aus dem Segelyachtbau verschwunden ist, hat schimmerndes Aluminium dessen Position eingenommen. Dabei geht es vor allem um Sicherheit: Das Leichtmetall hat bei gleicher Stärke etwa die doppelte Festigkeit von GFK. Und seine Lebensdauer ist praktisch unbegrenzt.

Die Ovni 400 und die Allures 40.9 standen auf der boot Düsseldorf 2020 keine fünfzig Meter voneinander entfernt – für uns eine gute Gelegenheit, einen vergleichenden Blick auf beide Boote zu werfen. Die beiden französischen Marken, die seit langem auf und mit dem Werkstoff Aluminium bauen, erfreuen sich bei deutschen Fahrtenseglern anhaltender Beliebtheit.

Natürlich sollte man auch mit einem Alu-Boot nicht auf die Felsen rauschen, schon gar nicht bei Seegang. Aber ein Kratzer oder selbst eine Beule im Aluminium – seit Jahrzehnten weltweit geschätzt bei robusten Arbeitsbooten – sind doch etwas anderes als ein struktureller Schaden im GFK einer Blauwasseryacht.

Unterschiedliche Zielgruppen

Die beiden 40-Fuß-Schiffe – die Allures aus Cherbourg am Ärmelkanal, die Ovni aus Le Chateau d’Olonne an der Atlantikküste – stehen exemplarisch für Aluminium-Segelyachten. Aber sie stehen auch für unterschiedliche Ansätze und Zielgruppen.

Die eleganten Schiffe von Allures Yachting sind stylisher, und sie genießen das größere Renommee als ihre Marktbegleiter. Ovni dagegen gilt als das Arbeitspferd der Alu-Globetrotter. Die Knickspantfertigung ist diese Serie eben auch ein bisschen günstiger. Um so interessanter ist es, dass der Grundpreis beider Boote annähernd gleich ist.

Praktisch unbegrenzte Lebensdauer

Allures baut Langfahrt-Yachten, deren Lebensdauer praktisch unbegrenzt ist – ordentliche Pflege vorausgesetzt. Grand Large Yachting, so der Name der Werftgruppe, baut neben Allures auch Boote der Marken Outremer, Gunboat und Garcia.

Auf der boot Düsseldorf 2020 gezeigt wurde die Nachfolgerin der erfolgreichen Allures 39.9. Der Rumpf der neuen Allures 40.9 ist tatsächlich keinen Zentimeter länger als der ihrer Vorgängerin. Nur wird jetzt der Bugspriet, der von der Allures 45.9 übernommen wurde, mit dazu gerechnet. Und die Werft hat einiges unternommen, die schon als perfekt geltende Allures 39.9 noch zu verbessern.

Praktisch: Man kann mit der Allures auch flache Häfen anlaufen oder trockenfallen, was besonders in unbekannten Revieren hilfreich ist. Mit dem Integralschwert hat der Rumpf zwischen 1,06 und 2,75 Metern Tiefgang. Das verleiht ihm in Verbindung mit einer Doppelruderanlage sehr gute Amwind-Eigenschaften.

Im Achterschiff hat der Skipper an Steuerbord seinen Technikraum. (Und natürlich die Skipperin: Uns ist eine Flugzeugbau-Ingenieurin bekannt, die an Bord alles zerlegt, was Schrauben hat.)

Allures 40.9
Mit nur einem Meter Tiefgang sind flache Strände für die Allures 40.9 kein Problem © Werft

Werftfrischer Glanz schimmernder Spanten

Statt des Technikraums wird auch eine zweite Achterkabine angeboten, in dieser Version hat das Schiff drei separate Schlafräume und zwei etwas kleinere, aber absolut ausreichende Nasszellen. Die Raumaufteilung ist praktisch und bewährt. Die Einrichtung aus Alpi-Light-Oak, das hochwertiger ist als gewöhnliches Sperrholz, wurde in vielen Details unauffällig verbessert.

Es gibt jetzt mehr Stauraum in der Pantry und generell mehr Platz im Salon. Die Tür zum Technikraum ist so breit, dass man eine von der Werft eingebaute Waschmaschine auch wieder hinausbefördern könnte, wenn es mal nötig sein sollte.

Öffnen wir die Tür im Heckschott, um die Ruderanlage zu inspizieren, erblicken wir schimmernde Aluminium-Spanten auf ebensolchem Aluminiumblech, der werftfrische Glanz weicht im Lauf der Zeit natürlich dem milchigen Hellgrau einer schützenden Oxid-Schicht.

Ideal für die Langfahrt

Es ist alles auf den langen, komfortablen Aufenthalt an Bord eingerichtet. Zwei 13-Kilo-Gasflaschen passen in eine der Backskisten, die von der Badeplattform her zugänglich sind.

Der Geräteträger am Heck ist größer geworden und hat Platz für Solar-Paneele mit bis zu 1000 Watt Leistung, auch er stammt von der Allures 45.9, wie wir von Nils Schürg erfahren. Sein Unternehmen Blue Yachting vertritt in Deutschland neben Allures und der Partner-Marke Garcia auch die Boote von Elan.

  • Allures 40.9Mit dem Schwertkiel ist die Allures 40.9 auch am Wind gut unterwegs © Werft
  • Allures 40.9Der Heckbügel ist gut designt und dezent © Werft
  • Allures 40.9So sieht ein Alu-Rumpf aus: Mattgrau schimmert das Leichtmetall in der Sonne © Werft

Ein kleines Detail nur, das aber zeigt, dass Praxistauglichkeit höchste Priorität genießt: Für einen stabilen Niro-Handgriff am Aufbau, der dem Sprayhood im Wege ist, gibt es eine Klappe im Tuch. Das ist deutlich aufwändiger, als den Griff wegzulassen – aber Sicherheit geht den Yachtbauern eben vor.

Deck mit GFK belegt

Das Deck ist, wie schon beim Vorgängermodell, aus GFK gefertigt, verklebt und mit Aluminiumschrauben verschraubt. Das ermöglicht eine bessere Wärme- und Schallisolation als ein Aludeck und ist zudem auch leichter. Die Püttings und der Dieseltank sind mit dem Rumpf verschweißt, der Kunststoff-Wassertank dagegen stellt ist eine separate Einheit.

Wie bei einer Langfahrtyacht zu erwarten, ist die Ausstattungsliste umfangreich. Für 372.000 Euro in der Basisvariante bekommt man ein segelfertiges Schiff. Die Allures 40.9 kommt mit einem dreifach reffbaren Groß, Rollgenua und einem 50 PS starken Saildrive von Volvo Penta, der beim Trockenfallen geschützt hinter dem Integralschwert liegt.

Oh, eine Ovni 400

Auch berühmte Werften wie Alubat haben mal klein angefangen: mit einer 25-Fuß-Kielyacht vor 46 Jahren. Seitdem verließen über 1.500 neu gebaute Boote das Firmengelände am Atlantik. Für viele Langfahrtsegler – und auch für ganz normale Küstensegler – sind diese Segelyachten ein Traum: Sie sind robust, zuverlässig und charaktervoll.

Trotz des großen Zuspruchs beim segelnden Publikum geriet die Wert finanziell in Schieflage. Mit einem neuen Investor und neuen Modellen ist man seit 2014 dabei, wieder auf Erfolgskurs zu gehen. Seit kurzem ist die Marke auch wieder in Deutschland vertreten.

  • Ovni 400Die Ovni 400 hat zwei Bügel für Sprayhood und Geräteträger © Werft
  • Ovni 400Die umlaufende Panoramascheibe lässt viel Licht in den Salon © Werft
  • Ovni 400Am Wind hat das Schiff eine Segelfläche von bis zu 93 Quadratmeter © Werft

Mit Mut zur Kante

Gut segelnde Knickspanter zu bauen ist das Metier von Alubat. Diese Baumethode galt lange Zeit als die einfachste Möglichkeit, Bleche zu Schiffen zu verarbeiten. Heute, in Zeiten von Chines – also betont kantigen Kimm-Knicken – und senkrechten Steven, ist das auch stilistisch wieder aktuell.

Die Ovni 400 wirkt modern, aber nicht modisch. Sie zeigt, wie ihre Vorgänger, Mut zur Kante und das unverwechselbare Profil der neuen Ovni-Generation. Dadurch sieht sie schneller aus, als sie es mit zwölf Tonnen Gewicht bei 12,30 Metern Länge tatsächlich sein kann. „Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit beträgt 8,3 Knoten“, sagt uns Carsten Matthias, der die Werft in Deutschland vertritt.

Mehr Volumen im Bug

Wer sich unter die aufgepallte Alubat-Segelyacht stellt, entdeckt zuerst den fetten und runden Steven. Das ist eine Verbeugung vor dem Zeitgeist. Die Imocas und andere Racer setzen zurzeit auf immer voluminösere Vorschiffe. Das bringt bei begrenzter Bootslänge Auftrieb, der die Vertrimmung in Längsrichtung mindert und den Rumpf vor dem Wind früher in Gleitfahrt versetzt.

Der abgerundete Steven verleiht der Ovni 400 die Dynamik eines größeren Schiffs. De facto ist sie eines, dem man lediglich aus Vermessungsgründen die Nase ein bisschen gestutzt hat. Die Konstrukteure von Charter- und Langfahrtyachten sagen „Danke!“ für diesen kleinen Trick. Denn für sie bringt die knuffige Optik vor allem Platz im Innenraum. Auch der leicht negative Verlauf des Stevens folgt der Mode. Er bringt jedoch bei einem Fahrtenschiff keinen nennenswerten Vorteil.

Ovni 400
Ein runder Bug für mehr Volumen © Harry Schack

Am eigenwilligen Design scheiden sich die Geister: Eine Ovni mag man – oder eben nicht. Es gibt unzählige Knickspanter in der Geschichte des Yachtbaus, und nur ein gutes Dutzend ist optisch wirklich gelungen. Die Ovnis zählen sicher dazu. Die 400 ist übrigens keine Modifizierung eines bestehenden Entwurfs, sie wurde bei Mortain & Mavrikios völlig neu konstruiert.

Kein Rollreff möglich

Um kein unnötiges Topgewicht zuzulassen, wird das Schiff nur mit konventionellen Reffs angeboten. Angesichts der Horrorstories, die in der Globetrotter-Community zum Thema Mast-Rollreff im Umlauf sind, scheint das vernünftig. Man könnte aber auch der Meinung sein, dass Segler selber entscheiden sollen, ob sie ein Rollreff haben wollen oder nicht. Unter dem Gesichtspunkt des Hebelgesetzes ist allerdings das konventionelle Reff das bessere.

Die Details der Ovni 400 wirken durchdacht. So dient der Geräteträger auch als Schlauchboot-Davit. Und die Badeplattform ist keine Klappe, sondern ins Heck integriert. Das spart Gewicht und Mechanik, geht andererseits aber ein wenig auf Kosten des Innenraums.

Das Deckslayout wiederum ist einhandtauglich, die Steuerstände sind auch die Zentrale für die Segelbedienung. Eine Selbstwendefock gibt es nicht.

  • Ovni 400Gemütlicher Salon mit Blick nach vorn © Werft
  • Ovni 400In der großen Längspantry lässt sich auch auf See entspannt k © Werft
  • Ovni 400Hinter der Nasszelle befindet sich entweder ein Technikraum oder eine weitere Kabine © Werft

Bis zu vier Kabinen

Unter Deck bestimmt das Integralschwert die Raumaufteilung. Wer das aber nicht weiß, der übersieht es. Mit seinen Rundumfenstern wirkt das Schiff überall hell und regelrecht gemütlich.

Der künftige Eigner kann zwischen Ausbauvarianten von zwei bis vier Kabinen wählen. Trotz des voluminösen Stevens ist die rechteckige Doppelkoje recht schmal ausgefallen – wer hier zu zweit übernachtet, muss mit Tuchfühlung rechnen. Auf See sind schmale Kojen generell nicht schlecht.

Die Ovni 400 kostet in der einfachsten segelfertigen Basis-Version 365.000 Euro. Auf der Messe gezeigt wurde eine Version mit etwas umfangreicherer Ausrüstung, also mit Heizung, Autopilot und stärkerer Motorisierung.

Beruhigendes Plus an Tempo und Sicherheit

Die Allures 40.9 und Ovni 400 haben viele Gemeinsamkeiten: Beide bieten die gleichen Grundvoraussetzungen wie etwa Doppelruder, Alurumpf und Schwertkiel. Beide sind extrem vielseitig, für lange Ozeantörns ebenso wie fürs Trockenfallen in Küstennähe. Beide Schiffe sind auch echte Charaktere. Und beide haben Leute konstruiert, die in rauen Revieren (Biskaya bzw. Bretagne) zu Hause sind.

Auch der Preis weist – leider – eine Parallele auf: Ovni wie Allures sind im Vergleich zu gleich großen GFK-Kreuzern relativ teuer. Das reduziert ihren Käuferkreis: Eine Aluyacht muss man sich leisten können. Dafür erwirbt man ein beruhigendes Plus an Tempo und Sicherheit.

Alle weiteren individuellen Vorzüge – ob hohe Wohnqualität wie bei der Ovni 400 oder eher sportliche Erscheinung wie bei der Allures – sind dann schon fast Geschmackssache. Diese optischen Differenzen sowie die Unterschiede im Layout an und unter Deck kann Käufern die Wahl etwas erleichtern.

Zwei Boote für die Weltumseglung

Auch die Größe der Crew spielt eine Rolle: Auf der Allures kommt sich eine große Besatzung tendenziell weniger in die Quere, so bietet die deutlich breitere Sitzgruppe im Salon mehr Komfort bei der Zusammenkunft als auf der Ovni.

Auch die kleineren Diesel- und Wassertanks auf der Allures sind praktisch, wenn das Boot nur als reguläre Yacht für normale Urlaubstörns genutzt wird. Denn kleinere Tanks heißt auch frischerer Diesel und frischeres Wasser. Von außen sieht die Allures dazu noch dynamischer aus und passt sich in den europäischen Yachthäfen optisch in das Bild der herkömmlichen GFK-Yachten ein.

Eines ist jedenfalls sicher; Für die Weltumseglung sind beide Aluminium-Yachten bestens geeignet. Der deutlichste Unterschied zu GFK als Rumpfmaterial ist die Haltbarkeit: Die besondere Hochwertigkeit sorgt für größeren Werterhalt beim Wiederverkauf.

Technische Daten Allures 40.9 & Alubat Ovni 400

YachtAllures 40.9Alubat Ovni 400
Länge12,65 m12,90 m
Breite4,15 m4,35 m
Tiefgang (Schwert geholt/gefiert)1,06 m / 2,75 m0,98 m / 2,88 m
Gewicht/Verdrängung10,9 t11,2 t
Frischwassertank330 l550 l
Dieseltank400 l500 l
Segelfläche am Wind82,5 qmClassic 85 qm / Square Top 93 qm
Motor50 PS Diesel50 PS Diesel
Basispreis372.000 Euro365.000 Euro

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