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Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC © Kerstin Zillmer
Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC

Neun Meter für Fischer und Familien

Die Cap Camarat 9.0 CC sieht aus wie ein schnelles Anglerboot. In der 2019er Neuheit von Jeanneau steckt aber mehr.

von
Stefan Gerhard
in
6 Minuten

Die Cap Camarat 9.0 CC von Jeanneau macht auf den ersten Blick den Eindruck eines typisch US-amerikanischen Angelboots. Das Neunmeterboot mit dem Rumpfdekor im Bienenwabenmuster und markanten Angelrutenhaltern am T-Top-Dach ist aber französisch durch und durch. Ist das neueste Modell aus Deutschlands beliebtester Motorbootserie dieser Werft nun eine sehr sportliche Tender für Meeresangler oder doch ein Familienboot?

Die Motorisierung mit zwei großen, jeweils 250 PS starken Außenbordern lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass vor uns am Steg ein kräftiges Angelboot für Küstengewässer liegt. Dazu passt auch der breite Rundgang auf beiden Seiten der Konsole. Das umlaufende Gangbord macht es einfach, sich zwischen Heck und Bug zu bewegen.

Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC
Der Fahrstand
Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC
© Kerstin Zillmer

Für Meeresangler-Boote typisch sind auch die versenkbaren Sitzbänke im Heckbereich. Die Bänke sind in die Bordwände der Cap Camarat 9.0 CC eingelassen und können bei Bedarf ausgeklappt werden. Dann gibt es in der Plicht genug Platz für acht Personen. Der Fall scheint klar: Hier ist alles ausgelegt fürs Angeln, oder?

Klasse Kläppchen führt unter Deck

Kaum sind wir an Bord, stellt sich heraus, dass wir es bei der erstmals im Frühjahr präsentierten Cap Camarat 9.0 CC auch mit einem Familienboot zu tun haben. Neun Meter Rumpflänge sind schließlich ein gewisses Ausmaß: Hier ist also genug Platz für mehr Annehmlichkeiten als nur ausreichend viel Auslauf an Deck für Freizeitfischer.

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Da ist zum Beispiel auf dem Vorschiff eine interessant wirkende große Klappe direkt vor dem Steuerstand. Darunter vermute ich zunächst ein sehr großes Staufach. Denkste! Diese Tür ist zwar eine Klappe, doch anstelle eines Schapps ist hier eine Kabine, die sich unter dem Vorschiff befindet.

  • Cap Camarat 9.0 CCDer Niedergang © Kerstin Zillmer
  • Cap Camarat 9.0 CCGeräumige Bugkajüte © Kerstin Zillmer
  • Cap Camarat 9.0 CCFreier Blick zum Himmel © Kerstin Zillmer

Das klasse Kläppchen erlaubt zweierlei: Man kann hier, direkt von der Vorschiffskajüte aus, in angenehm temperierten Nächten mit unverbauter Perspektive in den Himmel schauen. Zum anderen lassen sich durch den Ladeschlund auf sehr einfache Weise die Polster nach dem Tagestörn in Windeseile verstauen. Und dies, ohne dass die Decksmannschaft noch einmal rund ums Boot bis zum Niedergang laufen muss.

Apropos verstauen: Die Plicht präsentiert sich als sehr, sehr großzügig dimensioniert. Klappe ich den Tisch hoch und stelle so den Decksboden schräg, finde ich darunter den tiefen Bordkeller vor. Hier hinein lassen sich alle Fender, auch die extragroßen, vor den Blicken der Hafenkino-Gäste verborgen stauen.

Geschwister, deren Rumpf sich gleicht

Die Luft ist frisch, es ist kaum wärmer als 12 Grad über der Bucht von Cannes. Wir lassen die Promenade de la Croisette und das Palais des Festivals hinter uns und beschleunigen. Spannend ist, dass wir an Bord eines Bootes sind, dessen offizielle Weltpremiere erst sechs Monate später ist – beim Cannes Yachting Festival an gleicher Stelle. Präsentiert wird die 9.0 CC für das Modelljahr 2019. Für den Best of Boats Award 2018 ist es als Finalist in der Kategorie Best for Fun nominiert.

Cap Camarat 9.0 CC
CC und WA: zwei Modelle, ein Rumpf © Kerstin Zillmer

Bei unserem Testboot kommt der gleiche Rumpf wie beim Schwesterschiff Cap Camarat 9.0 WA zum Einsatz, das über eine große Cuddy-Kabine verfügt. Den Rumpf, der ohne Stufen auskommt, hat Michael Peters aus den USA entworfen. Etwas verwirrend ist, dass die Cuddy-Kabinenversion Cap Camarat 9.0 WA genannt wird. Unser offenes Walkaround-Boot hat wiederum CC (das steht naturgemäß für Center Console) als Zusatz. Beide Modelle eigenen sich hervorragend für Tagestouren.

Der hintere Teil des Cockpits ist bei beiden Booten identisch, mit einer festen Heckbank und Klappsitzen. Der Steuerstand beider Modelle ist im Großen und Ganzen ähnlich. Bei unserer CC 9.0 CC schlendert man an der Mittelkonsole auf Deckniveau vorbei nach vorn. Die erwähnte große Klappe in der Mitte ist gepolstert und dient geschlossen als Sonnenliege mit ebenfalls gepolsterter Rückenlehne an der Vorderseite der Konsole.

  • Cap Camarat 9.0 CCDie Klappe zur Kajüte © Kerstin Zillmer
  • Cap Camarat 9.0 CCAufbau für die… © Kerstin Zillmer
  • Cap Camarat 9.0 CC... Liegewiese im Bug © Kerstin Zillmer

Genug Platz für Kinder

Auf Deck ist klassisch Teakholz verbaut. Das Argument für den natürlichen Werkstoff und gegen Kunstholz ist, dass die Boote von Norwegen bis Florida verkauft werden. Teakholz sei ein bewährtes Material, heißt es seitens der Werft, dessen Schrumpf besser kalkulierbar sei als die modernen Bootsbau-Materialien.

Ist man mit kleineren Kindern unterwegs, lassen sich diese in der kompakten Koje mittschiffs unterbringen. Von der Länge und Breite her reicht es hier nicht für Teenager. Wer mehr Platz braucht, wechselt in die Modellreihe Merry Fisher. Das größte Modell, die ebenfalls von uns getestete Merry Fisher 1095, ist ein waschechtes Reiseboot mit drei Kajüten.

Feines für Fischer

Für die Anwendung als Fischerboot lässt sich noch zusätzliches Interieur einbauen. Dazu gehören vor allem Wassertanks für die frischen Fische. Diese Fischtanks ersetzen dann die Bordküche.

Seitlich in den Bordwänden sind auch Netze untergebracht, wie man es von kleineren Sportbooten kennt. Hier kann kleineres laufendes Gut von der Sonnenbrille bis zum Handy einfach verschwinden. Auf der Steuerbordseite lassen sich die Angelruten mit Gummistropps platzsparend wegstauen.

  • Cap Camarat 9.0 CCBreite Heckplattformen © Kerstin Zillmer
  • Cap Camarat 9.0 CCSitzgruppe im Heck © Kerstin Zillmer
  • Cap Camarat 9.0 CCKleine Bordküche © Kerstin Zillmer

Wie Sportcruiser sich wandeln

Vor knapp einem Jahrzehnt wäre man, auf der Suche nach einem sportlichen 9-Meter-Sportcruiser, an einem Messestand von Jeanneau höflich zur Leader-Linie geleitet worden, wo die Leader 8 die Brücke zwischen den Sportbooten und den größeren Modellen schlug. Ein tolles Boot, leistungsfähig und komfortabel.

Bei diesem ausgezeichneten Familiencruiser hätte niemand versucht, das Boot wie ein Sportboot zu fahren und über die Wellen zu springen. Und gewöhnlich war es mit einem einzelnen Diesel-Innenborder von Volvo Penta ausgerüstet.

Cap Camarat 9.0 CC
Zwei Außenborder sind Standard © Kerstin Zillmer

Heute hat der Bootsmarkt sich verändert und ebenso die Ausrüstung. Twin-Außenborder, die jeweils so leistungsstark sind wie der Single-Dieselmotor des Vorgänger-Modells, wiegen zusammen weniger als der einstige Diesel. Und die heutigen Motoren bieten eine Leistung, die schlicht in einer anderen Liga spielt.

Die nackten Daten erzählen bereits die halbe Geschichte: Schiebt man den Doppelgashebel beherzt nach vorne, hebt sich das Dreitonnenboot einschließlich der wuchtigen Motoren in weniger als fünf Sekunden in Gleitfahrt. Beschleunigt man weiter, ist man nach nur zehn Sekunden bei 40 Knoten Fahrt – wenn man es denn in seiner Freizeit so eilig hat. Maximum: 45 Knoten bei der WA und knapp 47 Knoten bei der Cap Camarat 9.0 CC. Das ist ziemlich schnell.

Es braucht aber keinen knallharten Rennbootpiloten, um Freude am Fahren mit der Cap Camarat zu haben. Bei 20 Knoten gleitet das Boot, und mit 24 Knoten und 3.500 U/min ist man in guter Marschfahrt unterwegs.

Doppelmotorisierung wird empfohlen

Die Range möglicher Motoren für unser Testboot reicht von einem einzelnen, sehr kraftvollen 350-PS-Motor über die erwähnten Twin-Motorisierungen mit jeweils 175 bis 350 PS Leistung. Jeanneau partnert hier mit Yamaha. Deren Motoren werden voll elektronisch mit Drive by wire angesteuert. Unsere Cap Camarat 9.0 CC ist mit zwei 250 PS starken V6-Außenbordern mit 4,2 Litern Hubraum ausgestattet.

Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC
Doppelt motorisiert, günstiger im Service? © Kerstin Zillmer

Warum sollte man eine Doppelmotorisierung wählen? Der Werftvertreter von Jeanneau, der uns an Bord begleitet, macht hier eine einfache Rechnung auf: Was die Kosten für den Motor und den Service betrifft, empfehle sich etwa die Doppelmotorisierung mit je 175 PS. Gegenüber einer einfachen Motorisierung mit 300 PS ergeben sich Servicekosten von 750 Euro im Vergleich zu 600 Euro für das große Einzelaggregat.


direkt zum Video Die Cap Camarat 9.0 CC im Werft-Video

Eins für alle

Das Boot fügt sich damit in die Reihe der universell verwendbaren Cruiser-Boote von Jeanneau ein. Es markiert das obere Ende der Modellreihe, die nach unten mit der Jeanneau Cap Camarat 5.5 als einem idealen Boot für Anfänger aufmacht. Die neue Cap Camarat 9.0 CC eignet sich für Fischer, Familien und aktive Wassersportler gleichermaßen – und ist sowohl Daycruiser als auch ein Weekender.

Jeanneau Cap Camarat 9.0 CC

Länge über alles:9,12 m
Breite:2,98 m
Tiefgang:0,65 m
Motorisierung:2 x Yamaha-Außenborder mit je 250 PS
Gewicht:2.380 kg (ohne Motor)
Maximale Passagierzahl:11 Personen
Kajüten:1
Schlafplätze:2
CE-Kategorie:B (küstenferne Gewässer)

Mehr Informationen

Motorboot-Vergleich der Jeanneau-Werft
Download der Ausstattungsliste der Cap Camarat 9.0 CC

Mehr auf der Werft-Website von Jeanneau

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