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Die GT 60 wird auf der Miami Boatshow 2020 vorgestellt © Werft
Update Premiere Palm Beach GT 50 & 60

Performance first

Die neue GT-Serie der australischen Marke Palm Beach sticht aus dem Cruiser-Markt heraus – auf der boot Düsseldorf und jetzt in Miami.

von
Florian Nierich
in
6 Minuten

Seit der Umstrukturierung der boot Düsseldorf gibt es neue Halle für sogenannte Superboats – Boote mit großem offenen Deck, stark motorisiert und mit viel Lebensraum an Deck. Die neue Palm Beach GT 50 stach, selbst hier, mit ihrem besonderen Design deutlich heraus.

Ihr nächstes Flaggschiff, die Palm Beach GT 60, stellte Palm Beach Motor Yachts gerade auf der Miami Yacht Show vor. In der Sea Isle Marina in der Biscayne Bay wurde die neue Kreation des Yachtkonstrukteurs und Grand-Banks-CEO Mark Richards erstmals gezeigt – beide Boote zeigen auf dem Wasser große Ähnlichkeiten.

Während die meisten Motoryachten dem aktuellen Trend – mit geradem Steven und kantiger Rumpfform – folgen, präsentierte sich die GT 50 mit traditionellem Bootsdesign – und meist ohne Reling. Die Werft selbst nennt ihre Rumpflinien eine Mischung aus Rennboot und Torpedoboot.

  • Palm Beach GT 50Immer sportlich unterwegs © Werft
  • Palm Beach GT 50Immer sportlich unterwegs © Werft
  • Palm Beach GT 50Immer sportlich unterwegs © Werft

Obwohl die IPS-Technologie (mit außen liegenden Pod-Antrieben von Volvo Penta) und spezielle Trimmklappen es ermöglichen, die Motoren weit im Heck des Schiffes zu verbauen, wird bei Palm Beach auf einen Mittelmotor gesetzt. Damit steht die Marke ziemlich einzigartig da. Die australischen Bootsbauer stellen damit klar: Bei Palm Beach hat das Handling des Boots in jedem Fall Vorrang vor maximal viel Lebensraum unter Deck.

Die Palm Beach GT 50 konnte schon auf dem Cannes Yachting Festival 2019 und auf der diesjährigen boot Düsseldorf besichtigt werden. Die neue Palm Beach GT 60 wird auf der Miami Boat Show 2020 als Weltpremiere vorgestellt, die am Donnerstag dieser Woche beginnt.

Die neue GT-Reihe ist schnell und Sprit sparend

Von außen unterscheiden sich die neuen GT-Modelle beim Aufbau stark von der traditionellen Palm-Beach-Reihe. Die Fenster sind schnittig, der Aufbau ist niedrig – und in der offenen Version ist der Weekender mit einem sportlichen Bügel versehen. Boote der GT-Reihe werden auf Wunsch auch ohne Reling geliefert. Damit bekommt das 50 Fuß lange Boot ein noch sportlicheres Aussehen. Das geht jedoch stark auf die Kosten der Sicherheit.

  • alternativetextDas 54 Fuß Boot steht ohne Reling auf der Messe © Florian Nierich
  • alternativetextDas Layout hinter dem Steuerstand ist variabel © Florian Nierich
  • alternativetextAufgeräumter Steuerstand mit Sichtcarbon © Florian Nierich

Auch im Inneren gibt es Neues: Die GT-Serie hat standardmäßig ein Carbon-Deck und deutlich weniger Holz im Interieur. Als Option sind IPS-800-Systeme von Volvo Penta mit je 660 PS Leistung zu haben. Sie beschleunigen das 13 Tonnen schwere Boot auf etwa 40 Knoten. Durch die zentrale Position der Motoren kann auf den massiven Einsatz der Trimmtabs verzichtet werden. Die GT-Reihe soll daher besonders Sprit sparend sein – relativ gesehen.

Die Palm Beach GT 60 hat eine erfreuliche Kraftstoffeffizienz: Bei Geschwindigkeiten von 35 Knoten sind es 75 Gallonen pro Stunde für beide Motoren. Das hat seinen Grund in der gewichtssparenden Bauweise mit Kohlefaser im Deck und im Aufbau, so Richards. Die errechnete Reichweite ermöglicht es, in gut fünf Stunden von Miami nach Nassau auf den Bahamas zu reisen, hieß es bei der Neuvorstellung in Florida.

„Ein Maximum an Performance“

Wir haben mit Mark Richards, dem CEO von Grand Banks und Palm Beach, gesprochen und ihn zur Intention für die neue Baureihe befragt.

Mark Richards
Mark Richards, CEO von Grand Banks und Palm Beach © Werft

Mark Richards, was war für die Werft der Anlass, die GT-Reihe zu starten?
Mit der GT-Reihe können wir das Maximum an Performance abrufen und speziell die Geschwindigkeit und den Verbrauch verbessern.

Zieht die neue Reihe auch ein neues Kundenklientel an?
Sowohl bestehende als auch neue Kunden haben die GT 50 und die GT 60 geordert. Und das einfach deshalb, weil sie einen sehr guten Geschmack haben. Scherz beiseite, ich bemerke viele neue Anfragen aus neuen Kundenkreisen und aus Regionen, wo wir sonst nicht viel verkaufen.

Wo werden die Yachten von Palm Beach produziert?
Palm Beach Motor Yachts kommt ursprünglich aus New South Wales in Australien, daher kommt auch der Name. Wir besitzen noch die eigentliche Werft dort. Aber nachdem Grand Banks 2014 Palm Beach 2014 kaufte und ich der CEO beider Marken wurde, haben wir Zugang zur größeren GrandBanks-Werft in Malaysia bekommen. Vor kurzem haben wir eine Werft in den USA gekauft. Dort warten und kommissionieren wir unsere amerikanischen Yachten. In Europa denken wir aktiv über Optionen für einen Standort nach.

Erhöhtes Cockpit und mäßiges Platzangebot

Der Steuerstand auf der Palm Beach GT 50 befindet sich unmittelbar über dem Steuerbordmotor. Die erhöhte Sitzposition ist sehr komfortabel, und die Nähe zur Maschine dürfte dem Fahrer bei kurzen Sprints viel Freude bereiten.

Der hintere Teil des leicht erhöhten Bereichs um den Steuerstand ist, je nach Layoutvariante, mit einer Sitzgruppe samt Küche oder einer reinen Sitzgruppe bestückt. Nimmt man keine Pantry an Deck, ist auch eine Wetbar auf dem Achterdeck möglich. Anders als bei den meisten offenen Motoryachten ist das Achterdeck flach.

  • Palm Beach GT 50Gleich beim Niedergang ist eine kleine Pantry © Werft
  • Palm Beach GT 50Bei der zweiten Kabine mussten Kompromisse geschaffen werden © Werft

Der Niedergang führt, links neben dem Steuerstand, zu den beiden Kabinen des Schiffes – mehr gibt es nicht. Eine Eignerkabine im Bug und eine weitere Doppelkabine an Steuerbord, beide en suite, also mit in die Suite integriertem Badezimmer. Die Kabinen sind für ein offenes Powerboot ausreichend groß. Anders als viele andere Boote in Düsseldorfs Halle 5 hat die Palm Beach GT 50 keinen Walkaround im vorderen Bereich. So kann man diesen Platz für viel Höhe unter Deck nutzen.

Fokus liegt auf dem Handling

Obwohl die Palm Beach GT 50 wie ein schickes Kajütboot aussieht, entpuppt sie sich bei genauerem Hinsehen als kompromisslos sportlich konzipierter Schnellläufer. Der Motorraum liegen mittschiffs, die Dieseltanks sind am Schott zur vorderen Kabine platziert.

Die Motoren und IPS-Pods sind fast vier Meter voneinander entfernt und durch knapp drei Meter lange Wellen verbunden. Die Wellen sind so lang, dass eine fixierte Kupplung sie auf halber Strecke hält. Dieses Provisorium hat Palm Beach mit einer durchgehenden Welle aus Carbon ersetzt. Ein Meisterwerk.

Während europäische Hersteller beim Yachtdesign in erster Linie an das Raumgefühl der Nutzer denken, haben die Gestalter der neuen Palm Beach vor allem die Performance des Boots im Fokus. Die mittige Positionierung der Motoren ist perfekt für die Balance des Schiffs. Und das war im letzten Jahrhundert auch notwendig, um die starren Wellen im optimalen Winkel nach achtern zu führen.

Durch den heutigen Einsatz von Pod-Antrieben fällt diese Notwendigkeit weg. Viele Hersteller platzieren die IPS-Motoren nun achtern, um den wertvollen zentralen Raum im Schiff anderweitig nutzen zu können. Der Nachteil der sportlichen Konstruktion ist ein geringeres Platzangebot unter Deck und die begrenzte Stehhöhe im Vorschiff.

Weltpremiere auf 60 Fuß in Miami

Dass die GT 50 keine Einzelerscheinung bleibt, war von Anfang an klar. Am 13. Februar wird die neue Palm Beach GT 60 zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Es bildet die neue Mitte – zwischen der GT 50 und einem noch größeren Modell, das in den kommenden Jahren auf den Markt kommen soll.

Palm Beach GT 60
Die Palm Beach GT 60 bei ihrer ersten Ausfahrt in Malaysia © Werft

Die Palm Beach GT 60 kann mit den größten IPS-Aggregaten von Volvo Penta, dem IPS 1350, ausgestattet werden. Beide Motoren haben zusammen eine Leistung von genau 2.000 PS – bei einem Hubraum von 25,6 Litern. Das ist so viel wie der rote Standardtank für kleine Außenborder. Bei den ersten Testfahrten vor der malaysischen Küste wurde bei 70 % Leistung eine Geschwindigkeit von 35 Knoten gemessen.

2.000 PS und über 25 Liter Hubraum

Der Verbrauch lag nach Werftangaben bei 246 Liter pro Stunde. Relativ zur Schiffsgröße und zur Verdrängung ist das ein ziemlich guter Wert. Bei dieser Geschwindigkeit kann die GT 60 theoretisch 400 Seemeilen weit fahren.

Beim Layout ähnelt die große GT der kleineren 50. Die Kabinen fallen etwas größer aus, und es gibt bisher nur die Version mit einem geschlossenen Aufbau. Außergewöhnlich ist die Tendergarage m Heck. Diese befindet sich nicht – wie üblich – über den IPS-Pods, sondern zwischen ihnen. So liegt der Ruheraum fürs Dinghi sehr tief im Schiff, und das Achterdeck bleibt auch hier flach.

  • Palm Beach GT 60Am Steuerstand wechseln sich Holz, Leder und Lackierte Karbonoberflächen ab © Werft
  • Palm Beach GT 60Auf der GT 60 ist die zweite Kabine deutlich luxuriöser © Werft
  • Palm Beach GT 60Doppelbett in der Eignerkabine © Werft
  • Palm Beach GT 60Hochwertiger Salon mit lackiertem Holz © Werft

Schluss ist hier aber noch nicht. Die Palm Beach GT 70 ist schon in Planung. Mit 70 Fuß wird sie nur wenig Konkurrenz auf dem Markt sportlicher Motoryachten im Überformat haben.

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