float Magazine

Farbenfroh: die LiteXP 16 ist eine kleinere Variante des kombinierten Segel- und Ruderbootes © Werft
Premieren AST Lowrider L12, Liteboat XP 16

Kleine Flitzer

Großer Spaß geht auch mit kleinen Booten: Der AST Lowrider L12 und das Liteboat XP 16 kommen auch mit wenig Wind fett in Fahrt.

von
Michael Krieg
in
5 Minuten

Ein eigenes Boot – das muss nicht gleich ein Zwölfmeterschiff mit Spinnaker und Beiboot sein. Denn alle fangen mal klein an, und in der Regel ist eine Jolle der erste Schritt ins Segeln. Abgesehen davon kostet ein kleines Boot einen Bruchteil der großen Kielyacht beim Anschaffungspreis ebenso wie im Unterhalt – so wie der Lowrider L 12 von Advanced Sailing Technologies aus Potsdam und das Liteboat Lite XP 16, das sich sogar rudern lässt.

Auch vor kleinen und kleinsten Segelbooten macht der Fortschritt nicht Halt. Die beiden Ultrakompakt-Fahrzeuge, die wir vorstellen, sind keine Kinderboote, sondern richtige Renner. In ihre Konstruktion flossen neueste Erkenntnisse über Strömungsdynamik, Leichtbau und Materialkunde ein. Die beiden High-Tech-Zwerge sind kompakt, aber ohne Kompromisse.

AST baut den Lowrider L12

Zehn Jahre Erfahrung im Bau von Hochleistungsbooten und -komponenten haben Folgen: Thilo Keller und Catarina Jentzsch aus Potsdam entschlossen sich 2017, ihre Leidenschaft und professionellen Fähigkeiten zu ihrem Geschäft zu machen. Sie gründeten die Advanced Sailing Technologies GmbH, kurz AST.

Und sie legten einen fulminanten Start hin mit dem aufregenden Foiling Dinghy, das 2017 auf den Markt kam. Die Premiere des foilenden Kleinboots war spektakulär. Denn nach der Vorstellung der AST-Gründer ermöglicht die Einmensch-Jolle „Foilen für alle“. Der Lohn für die Anstrenung war viel Aufmerksamkeit für die fliegende Potsdamer Kiste. Die Nominierung des Foiling Dinghy als „Dinghy of the Year“ bei den British Yachting Awards folgte 2020. Und: Das Schiffchen verkauft sich blendend.

Lowrider L12
Der Lowrider L12 aus der Vogelperspektive © Werft

Doch Fliegen auf dem Wasser mag mancher Jollensegler vorläufig mit Argwohn betrachten. Das nahmen die Potsdamer zum Anlass, ihre fliegende Kiste mit ein paar Umbauten als Lowrider L12 auf den Markt zu bringen. Statt der Foils ist die Jolle ganz herkömmlich mit einem Schwertkasten und Schwert ausgerüstet. Ansonsten wird das erfolgreiche Design der foilenden Schwester übernommen.

Vom Foiling Dinghy zum Lowrider

Als einfache und leicht zu bedienende Jolle bietet das Boot eine hervorragende Performance. Ihr breiter, gleitender Rumpf soll sensationell schnelle Vorwindfahrt ermöglichen. Und das Boot bietet dem Nutzer trotzdem viel Stabilität.

So sind die Rumpfformen wie auch die Bauweise in in kohlefaserverstärktem Epoxid-Sandwich mit Vakuum-Infusionstechnologie identisch. Auffällig eben der als Wavepiercer gestaltete Bug. Liegt dieser bei der foilenden Schwester meist über den Wellen, schneidet er beim L12 eher durch die Wellen hindurch.

Ein Vergleich mit dem Klassiker der Rennjollen, dem olympischen Laser, macht den Innovationssprung deutlich: Das 50 Jahre alte Baumuster ist 4,23 Meter lang und wiegt 60 Kilogramm. Jetzt der L12: Obwohl mit 3,82 m nur 40 cm kürzer, wiegt sein Rumpf lediglich 30 Kilogramm!

alternativetext
Im Vergleich sieht der Laser geradezu altbacken aus © Werft

Das neueste Rumpfdesign auf dem Jollenmarkt besitzt einen wellenbrechenden Bug. Der Laser, gelegentlich als segelnde Kühlschranktür tituliert, sieht als langjährige Olympiaklasse geradezu altbacken im Vergleich mit dem Lowrider aus. Aber auch andere Einhandjollen auf dem Markt bekommen nun einen attraktiven Mitbewerber.

Technische Daten AST Lowrider L12

Länge: 3,82 m
Breite: 1,58 m
Tiefgang: 0,95 m
Rumpfgewicht: 30 kg
Segelfläche: 7,5 qm oder 9,5 qm
Preis (segelfertig): 9.500 Euro

Schnellste Gleitjolle auf dem Markt?

Im komfortablen Cockpit, mit einem effektiven Anti-Rutschbelag belegt, sind alle Bedienelemente des Lowriders gut zu erreichen. Die Beschläge sind hochwertig, die Leinen aus Dyneema. Für die Performance sorgen am Carbonmast entweder ein 7,5 oder 9,5 qm großes, durchgelattetes Laminatsegel von North Sails.

Laut Angaben des Herstellers soll das lediglich 30 Kilogramm „schwere“ Boot in nur fünf Minuten segelfertig aufgebaut sein. Mit diesem Gewicht kann das Boot problemlos auf dem Autodach transportiert werden.

alternativetext
Mit dem Lowrider kann man einfach reisen © Werft

Durch die flache Rumpfform und das geringe Gewicht wird der AST Lowrider L12 vor allem in Böen schnell beschleunigen, aber wohl auch bei leichtem Wind überzeugen. Dabei halten die breiten Flügel und der kantige Rumpf das Cockpit frei von Gischt und sorgen so für trockenes Segeln.

Auch das neue Liteboat Lite XP 16 ist von einem bestehenden Konzept abgeleitet.

Gibt’s Wind, wird gesegelt. Schläft dieser ein, greift man zu den Rudern. Das ist das Prinzip des Liteboats. Nach dem erfolgreichen LiteXP 20 hat der französische Bootsbauer mit der Lite XP 16 eine kleinere Einheit ihres kombinierten Segel- und Ruderboots auf den Markt gebracht.

Mit 16 Fuß Länge hat es etwa die Größe des guten, alten Piraten. Aber was für ein Unterschied zu der fast hundert Jahre alten Klasse besteht, verdeutlicht schon das Gewicht: Der Pirat wiegt über 200 Kilogramm, die französische High-Tech-Jolle weniger als die Hälfte.

Zehn Jahre Liteboat

Auf der Suche nach einem für seine Bedürfnisse geeigneten Ruderboot war Liteboat-Gründer Mathieu Bonnier zunächst erfolglos. Er hatte 2009 den Atlantik rudernd überquert und war ein Jahr später im Eis der Nordwestpassage unterwegs gewesen. Ein neues Ruderboot musste her.

Liteboat
Das Liteboat: die französische High-Tech-Jolle © Werft

Es sollte einfach und trotzdem sicher sein, dabei leicht und stabil, um es allein tragen und steuern und auf dem Dach seines Autos transportieren zu können. Bonnier fand aber nichts. Da traf er Sam Manuard, einem Schiffskonstrukteur und Segler, der ihm ein neues Konzept für ein Freizeit-Ruderboot entwarf. Das Liteboat war geboren.

Wasserwandern im Westentaschenformat

Die baulichen und seglerischen Qualitäten sowie das Design der neuen, nur fünf Meter langen LiteXP 16 sind von der LiteXP 20 übernommen. Ausgerüstet mit einem Großsegel und Gennaker ist es aber konzeptionell noch minimalistischer und einfacher zu handhaben.

Die Jolle hat im Vergleich zur „großen“ Schwester keine Schlupfkajüte. Bei einem Gewicht von lediglich 100 Kilogramm lässt sie sich bei Ausflügen jedoch leicht aufs trockene Ufer ziehen – dann kann die Crew campieren. Auch das Slippen im Hafen ist mühelos möglich.

  • Lite XP16Lässt sich leicht aufs trockene Ufer ziehen © Werft
  • Lite XP16Campieren mit dem Boot © Werft
  • Lite XP16Zwei Wasserdichte Stauräume am Heck © Werft
  • Lite XP16Keine Schlupfkajüte, aber ein ebenfalls wasserdichtes Ladefach © Werft

Die zum Wasserwandern nötige Ausrüstung – Zelt, Schlafsack, evt. Verpflegung – lässt sich in zwei wasserdichten Stauräumen am Heck des Bootes unterbringen. Ein kleineres und ebenfalls wasserdichtes Ladefach befindet sich vorn im Boot.

Segeln oder rudern – geht beides

Als sehr leichtes Boot wird es auf jeden Ruderschlag oder Windstoß reagieren. Das Segel ist hoch genug angeschlagen, um auch im Sitzen ungehindert rudern zu können. Ebenso kann die LiteXP 16 ohne Mast und Segel für Ruderausflüge genutzt werden. Fürs Rudern ist es wichtig, das Schwert herauszuziehen.

Das Segel kann während des Ruderns einfach mit den dafür vorgesehenen Halterungen im Boot befestigt werden. Ist man zu zweit an Bord, nimmt die zweite Person auf einer achteren Bank Platz. So kann sich die Besatzung von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen. Diese Sitzbank ist breit genug, um auch zwei Kinder zu befördern.

alternativetext
Die Besatzung kann sich gegenübersitzen © Werft

Wenn gesegelt werden soll, lassen sich die Ruder einfach im Boot mit den dafür vorgesehenen Klammern befestigen. Der Rudersitz sollte beim Segeln verstaut werden. Die gesamte Rudereinrichtung ist abnehmbar.

Die Lite XP 16 lässt sich auch zu zweit segeln. Bei zu starkem Wind kann die Crew das Großsegel sogar reffen. Unter Nutzung der Ausreitgurte lässt sich die LiteXP 16 bei Druck und größerer Krängung auch gut aufrecht segeln.

Technische Daten Lite XP16

Länge: 5,00 m
Breite: 1,40m
Tiefgang: 0,20 m
Gewicht: 100 kg
Segelfläche: 7,5 qm
Gennaker (Option): 6,0 qm
Preis: ab 13.325 Euro

Kein Durchkentern

Die LiteXP 16 liegt stabil im Wasser. Der hohle und luftgefüllte Mast verhindert beim Umkippen das gefürchtete Durchkentern. Die niedrige Freibordhöhe macht es einfach, mit Hilfe eines Rückholgurtes wieder an Bord zu kommen. Außerdem machen Auftriebskörper das Boot unsinkbar.

Der Einsatz eines Gennakers sorgt auch bei der LiteXP 16 für mehr Geschwindigkeit. Die Spitzengeschwindigkeit soll bis zu 15 Knoten betragen. Die Wendewinkel liegen je nach Seegang um die 90 Grad.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame