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Die Neel 43 bietet Platz für zehn Personen © Neel Trimarans
Premiere Neel 43 / Leen 56

Neel ist Leen: Die Werft, die ihren Namen umdreht

Sicher, schnell, geräumig: Dem Trimaran Neel 43 folgt der Motor-Kat Leen 56, auf dem der Konstrukteur selbst wohnt.

von
Michael Krieg
in
6 Minuten

Eigenständigkeit ist das Haupt-Attribut für die Schiffe von Eric Bruneels Firma Neel Trimarans. Die Werft aus dem französischen La Rochelle hat sich darauf spezialisiert, auf drei Rümpfen schnelle und einfach zu führende Segelyachten zu schaffen. Der Trimaran Neel 43 hält hier als neuestes Modell die Fahne hoch. In den ersten Frühlingswochen soll das neue Schiff, nach längerer Ankündigung, schwimmen und segeln. Und was bitte ist „Leen“, ein Projekt, das die Werft schon 2020 angekündigt hat?

Mit segellosen Schiffen betritt die Neel-Werft Neuland: Der eigene Name „Neel“ wird umgedreht, der Mast gekappt. Unter dem Modellnamen „Leen“ kommen, wie auf der boot Düsseldorf erstmals angekündigt, bald zwei imposante Motor-Trimarane ins Portfolio: die Leen 56 und die Leen 72.

Neel 43
Segeleigenschaften eines Offshore-Trimarans mit einem Plus an großzügigem Wohnraum © Neel Trimarans

Bewusst anders gestaltet

Doch von Anfang an: Trimarane von Eric Bruneel sind, verglichen mit üblichen Mehrrümpfern fürs Fahrtensegeln, bewusst anders gestaltet. Alle Modelle bieten die bekannt guten Segeleigenschaften eines Offshore-Trimarans. Die französischen Bootsbauer verbinden das mit Großzügigkeit beim Wohnraum. In diese Formel passten die vier bisher vorgestellten Modelle von 45 bis 65 Fuß bestens.

Nun löst die neue Neel 43 den vor elf Jahren eingeführten 45-Fuß-Trimaran ab. Das neue Einstiegsmodell – immerhin mehr als 40 Fuß lang – ist kaum kürzer als der Vorgänger. Aber mit 7,50 m Breite ist die Neel 43 über einen Meter schmaler.

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Das Hauptmerkmal des Multihull-Schiffs ist die Integration der beiden Ausleger mit der Verbindungsplattform. So entsteht ein einheitlicher Wohnraum. Aber, anders als bei der von uns als Schwimmendes Haus vorgestellten Neel 47 gilt: Die Seitenrümpfe der neuen Neel 43 sind, im Gegensatz zum nächstgrößeren Modell, nur teilweise bewohnbar. Das braucht es auch nicht: Denn das weit nach außen gezogene Deckshaus bietet viel Volumen mit so großzügig nutzbare Grundfläche.

Komfortables, schnelles Reisen

Der Neel 43, mit einer Selbstwendefock ausgestattet, dürfte für Einhandsegler und kleine Crews einfach zu segeln sein. Alle Fallen und Trimmleinen laufen am seitlich erhöhten Steuerstand auf der Steuerbordseite zusammen. Diese Position kann sowohl vom Seitendeck aus als auch direkt aus dem Außencockpit erreicht werden. Die Steuerung per Joystick ermöglicht ein 360-Grad-Andocken, also Bewegungen unter Motor in jede denkbare Richtung. Das macht Hafenmanöver einfach.

Neel 43
Die Neel 43 unter Segeln © Neel Trimarans

Das Rigg ist einfach, trotzdem leistungsstark und sehr effizient. Beim Vorgänger liegt die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit bei rund zehn Knoten. Bei frischeren Winden können sogar 15 bis 18 Knoten erreicht werden. Die Neel 43 wird ähnlich leistungsstark sein.

Komfortabel auf See

Großen Wert haben die Konstrukteure auf die Gewichtsverteilung gelegt. Viel Stauraum gibt es unter anderem unten im Mittelrumpf. Hier ist auch viel Platz für den Einbau großer Ausrüstungsteile, zum  Beispiel für einen Generator. Dieses „Kellerabteil“ liegt genau im Schwerpunkt des Tris: Damit ist die Gewichtsverteilung optimal.

Diese Balance sorgt für komfortables Seeverhalten unterwegs, und sie verhindert hartes Stampfen in den Wellen. Die gestreckten schmalen Seitenschwimmer kommen dabei wenig in Kontakt mit der Wasseroberfläche. Der Mittelrumpf ist ebenfalls schmal. Das erleichtert Wendemanöver; etwas, das  bei herkömmlichen Fahrtenkatamaranen oft schwierig ist.
Die Neel 43 wird – wie ihre Vorgängerin – wohl eine gute Höhe am Wind mit wenig Abdrift erreichen. Genaues werden wir nach einem Testschlag wissen.

Viele, viele Schlafplätze

Die Neel 43 bietet auf Wunsch und je nach Bedarf Platz für bis zu zehn Personen. Auf gleicher Ebene wie Salon und Cockpit befindet sich vorn die große, separierte Eignerkabine. Zwei Doppelkabinen, ebenfalls auf dem Hauptdeck, bieten einen beeindruckendem Ausblick. Für je zwei Einzelpersonen ist  Platz vorn in den Seitenrümpfen. Der absenkbare Tisch… richtig, der ist nächtens bei der Sitzgruppe im Salon die Basis einer Schlafgelegenheit für zwei Personen.

Neel 43 Interior
Ein absenkbarer Tisch © Neel Trimarans
Neel 43 Interior
Die Sitzgruppe im Salon © Neel Trimarans

Das sind viele, viele Schlafplätze: Vercharterer und ihre Gäste wird es freuen. Sollte es dann doch zu eng zugehen, ist die nächstgrößere Neel 47 eventuell die bessere Alternative. Eine schwimmendes Haus eben.

Sicher und unsinkbar

Stabilität sorgt für Sicherheit auf hoher See, und dafür ist vor allem die Breite des Neel-Trimarans ein wichtiger Faktor. Alle großen Formen der Bauteile sind Sandwich-Konstruktionen (GFK/Schaum). Sie werden mit Osmose-beständigem Vinylesterharz im Vakuum-Infusionsverfahren hergestellt. Die Kollisionsschotten sollen garantieren, dass das Boot unsinkbar ist. Die Flosse unterm Mittelrumpf schützt den Motorblock und die Ruderanlage. Durch den eher geringen Tiefgang sind auch flachere Uferregionen und Ankerplätze mit der Neel 43 zugänglich.

Neel 43
Ein Dinghy kann am Heck des Mittelrumpfes untergebracht werden © Neel Trimarans

Wer ein Dinghi dabei hat, kann es am Heck des Mittelrumpfs unterbringen. Davits zum Herunterlassen sind nicht notwendig: Ein erprobtes Dinghi-Lift-System funktioniert über den Großbaum mit einer eigenen elektrischen Winsch. Das ist wirklich praktisch.

Bauaufträge trotz Pandemie

Nach der Ankündigung der Neel 43 sind nun die ersten Neubauten in der Fertigung. So soll das erste Exemplar im März 2021 in La Rochelle zu Wasser gelassen werden. Dann steht es auch für erste Segeltests bereit. Von Mai an soll dann alle drei Wochen eine neue Neel 43 ausgeliefert werden. Und die Produktion boomt: Bis August 2022 ist die Produktion mit 25 Bauaufträgen schon jetzt ausgebucht.

Der Basispreis für das segelfertige Schiff variiert naturgemäß je nach Ausstattungs-Variante. Die vorkonfektionierten Pakete Evidence, Elegance und Adventure gibt es ab 395.000 Euro bis rund 470.000 Euro. Wer sehr schnell unterwegs sein möchte, bekommt die Performance-Version der Neel 43 mit Carbonmast für 486.000 Euro.

Eine Neel ohne Mast heißt Leen

Ein Blick zurück zur boot Düsseldorf 2020: Die französische Werft kündigt erstmals rein motorisierte Trimarane unter eigenem Markennamen an. Darauf muss man kommen: Der Name Leen ist einfach eine intelligente Reflektion von Neel, benannt nach dem Eigentümer und Gründer der Werft, Eric Bruneel.

Barbara Bruneel, zuständig fürs Marketing, hatte das neue Projekt ein Jahr zuvor am Rande der Pressekonferenz zur Multihull Boat Show in La Grande Motte vorgestellt. Doch 2019 war nur ein Testlauf. Das erste reine Motor-Mehrrumpfboot der Werft war eigentlich ein einmaliges Projekt, basierend auf einer Neel 47, nur ohne Mast.

Aus einem Testlauf werden zwei neue Modelle

Neel Trimarans bereichert den Markt der Motor-Multihulls nun mit zwei Langstrecken-Schiffen, der Leen 56 und der deutlich größeren Leen 72. Beide Trimarane sollen fit für Transatlantikreisen sein, sich aber auch für das Bordleben in höheren Breitengraden eignen. Was heißt das praktisch?

Leen 72
Leen 72 © Leen Trimarans

Hohe Leistung, geringer Verbrauch

Beide Modelle haben einen großen Dieselmotor als Hauptantrieb und elektrische Antriebe in den Außenrümpfen. Die Leen-Baureihe ist damit ein echtes Hybrid-Elektro-Mehrrumpfboot.
Sollte die Hauptmaschine einmal ausfallen, dient ein großer Generator als effektive Ladevorrichtung für die E-Motoren. Beim Solo-Einsatz der elektrischen Antriebe erreichen die Leen-Motorkats eine Geschwindigkeit von maximal fünf Knoten. In der Wirklichkeit ist das vor allem fürs geräuschlose Manövrieren in Häfen oder Ankerbuchten gedacht.

Als durchschnittliche Reisegeschwindigkeit gibt die Werft rund 15 bis 18 Knoten an. Bei voller Leistung, so Barbara Bruneel, sind bis zu 20 Knoten möglich. Beeindruckend ist, dass der Spritverbrauch lediglich bei zwei Litern pro Stunde liegen soll. Noch beeindruckender ist die Reichweite. Die mit einem Hybrid-Verbundpaneel-System gebauten Trimarane sollen durch ihre üppige Tankgröße 5.000 Meilen weit können – und müssen nur einmal im Jahr aufgetankt werden.

Leen 56
Leen 56 © Leen Trimarans

Experten fürs Solide als Konstrukteure

Die Werft beauftragte Yachtkonstrukteur Bernard Nivelt mit dem Entwurf der neuen Motor-Trimaran-Baureihe, dem langjährigen Partner des Motorbootspezialisten Michel Joubert. Das legendäre Konstruktionsduo aus La Rochelle hat zusammen zahllose Boote gezeichnet. Ob es wirklich über 25.000 Modelle sind, wie auf der Webseite von Beneteau zu lesen ist, mögen andere nachzählen.

Fast steht, dass hier Experten für Boote für lange Seereisen am Werk waren: Sie sind unter anderen auch für die mit dem Best of Boats Award ausgezeichneten Swift Trawler von Beneteau verantwortlich.

Technische Daten Neel 43

Länge über alles12,90 m
Breite über alles7,40 m
Tiefgang1,50 m
Gewicht9 to
MotorisierungVolvo 50 PS mit Saildrive

Technische Daten Leen 56

Länge über alles17,10 m
Breite über alles8,25 m
Tiefgang1,18 m
Gewicht18 to
Motorisierung300 bis 450 PS

Das Projekt Hauptwohnsitz

Von seinen eigenen Entwürfen überzeugt, entschied sich Bernard Nivelt im Dezember 2020 für eine Leen 56 zum Eigengebrauch. In einem Interview erläutert der Konstrukteur, dass die Leen die Spezifikationen erfüllt, die er sich für sein zukünftiges Boot gesetzt hatte. So wolle er mehrere Optionen testen – ob nun Elektroantrieb, Wasserstoff-Brennstoffzelle oder auch Foils.

Nivelt wird seine Leen 56 als neuen Hauptwohnsitz beziehen. Das Boot biete schließlich ausreichend großen Lebensraum, um dort bequem in Vollzeit zu leben. Das Besondere: „Ich werde in der Lage sein, meine Umgebung so zu verändern, wie ich es wünsche.“ Sprich: Der Blick aus dem Fenster könnte immer mal etwas anderes zeigen.

Und er erläutert auch gleich die Vorteile einer Leen im Vergleich zu anderen Motoryachten dieser Größe, seien es nun Monohulls oder Katamarane. Für Bernard Nivelt ist für Komfort auf See ein Trimaran der perfekte Kompromiss. In Kürze ist sein Wohnschiff fertig. Vertrieben werden die Schiffe von Neel und Leen direkt über die Werft.

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