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Das erste Motorboot von X-Yachts: die X-Power 33 C © Werft
Premiere X-Yachts X-Power 33 C

Provokation in Rot

Die dänische Segelyachtwerft X-Yachts bringt ihr erstes Motorboot aufs Wasser. Der Beiname Red Baron ist Programm.

von
Arek Rejs
und in
5 Minuten

Die Dänen sind, was Hauen und Stechen betrifft, historisch einigermaßen fein raus: Seit der Wikingerzeit hat man kaum Gewalttätiges oder anderweitig Zweifelhaftes von ihnen gehört – von der Behandlung der Inuit einmal abgesehen. So mag es aus deutscher Sicht einen Hauch nachvollziehbarer sein, wenn eine dänische Werft ihr neues Boot mit einem Namen versieht, der auf einen deutschen Jagdflieger zurückgeht: der rote Baron.

Die ersten 15 sind rot

„The Red Baron“ heißt die erste Motoryacht von X-Yachts mit der Typbezeichnung X Power 33C. Folgerichtig ist der Bootsrumpf rot wie das Jagdflugzeug des Freiherrn Manfred von Richthofen – und wie das allererste, vor 42 Jahren von X-Yachts gebaute Boot überhaupt, die Segelyacht X 79.

Um das Jagdflugzeug, mit dem Richthofen im Ersten Weltkrieg mindestens 80 feindliche Maschinen mitsamt deren Piloten abschoss, geht es auch nur am Rande: Der Red Baron aus Haderslev ist natürlich unbewaffnet, soll auch nicht dauerhaft abheben, und nur die ersten 15 Exemplare werden in dem leuchtenden Rot lackiert, das auch der berühmt-berüchtigte Flieger für seinen Dreidecker wählte.

Der rote Baron
Das leuchtende Rot des berühmt-berüchtigten Fliegers © Werft

Danach, so X-Yachts-Chef Ib Kunøe bei der Präsentation am vergangenen Samstag, ist „fast jede Farbe“ möglich, die Kunden wünschen. Kunøe erklärt in der live gestreamten Präsentation auch den Hintergrund der Namensgebung: „Der Name kommt von dem Flieger-As, dem absolut Besten seiner Klasse, respektiert nicht nur von seinen Leuten, sondern genauso vom Gegner.“ Und das wünscht der Däne eben auch für seine Power-X-Yacht.

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Ein Element der Popkultur

Bleibt noch zu erwähnen, dass Richthofen und insbesondere sein Flugzeug im angelsächsischen Sprachraum im Lauf der vergangenen 100 Jahre ein Element der Popkultur geworden sind, ungeachtet ihrer einst so tödlichen Eigenschaften. Der Name dürfte X-Yachts dort also maximale Aufmerksamkeit und positive Assoziationen sichern.

Der rote Baron
Die neue X-Yacht ohne Mast © Werft

Nach mehr als vier Jahrzehnten Segelyachtbau und dem Stapellauf von über 6.000 Booten mit Masten hat die Werft aus dem süddänischen Haderslev nun ihre erste Motoryacht im Programm. Eine X-Yacht muss nicht mehr zwingend einen Mast haben. Das hat an der Haderslebener Förde noch nicht jeder verinnerlicht: Selbst bei der ersten Testfahrt spricht ein Mitarbeiter der Werft noch vom Segeln („sailing“).

Seit acht Jahren in Planung

Doch natürlich ist die Geschichte schon länger als ein paar Tage am Köcheln: Wie sich herausstellt, fanden die ersten Gespräche über den Bau einer Motoryacht durch X-Yachts bereits vor acht Jahren statt. Aber sie begannen erst vor etwa vier Jahren Gestalt anzunehmen. Die Trends auf dem Markt ließen schließlich Worte zu einem Boot werden. X-Yachts, die im vergangenen Jahr Verkaufserfolge hatten wie lange nicht, sind über ihren eigenen Schatten gesprungen.

Der rote Baron
Der Red Baron ist auf einem patentierten Petestep-Rumpf aufgebaut © Werft

Der Red Baron, die Provokation in Rot, zeigt schmerzlich, dass das Interesse an Segelyachten zugunsten von Motorbooten abnimmt – ob es uns nun schmeckt oder nicht.

Werften wie X-Yachts, die zu den Legenden in der Segelyachtwelt gehören, müssen in die Entwicklung und den Bau neuer Linien investieren. In Motoryacht-Serien. Nur so können sie sich selbst über Wasser halten, sprich: ihre Position auf dem Markt halten.

Daycruiser mit offenem Deck

In den Worten von Kræn Brinck Nielsen, CEO der Werft: „Dies ist ein Motorboot, das sich an Menschen richtet, die gerne schwimmen und aktiv Zeit auf dem Meer verbringen.“ Die erste Motoryacht von X-Yachts ist ein 33 Fuß langer Daycruiser mit offenem Deck. Unterhalb des Vordecks befindet sich eine große Doppelkabine mit separater Toilette und Dusche. Wer es wünscht, erhält einen großen Spiegel, der die Kabine doppelt groß erscheinen lässt. So „wie ein Fenster“, schreibt die Werft.

Der rote Baron
Große Doppelkabine © Werft
Der rote Baron
Separate sanitäre Anlage © Werft

Das Cockpit ist von Sitzbänken umgeben, und hinter dem Zwei-Personen-Steuerstand gibt es eine kleine Kombüse mit Herd, Spüle und Schubladenkühlschrank. Im hinteren Teil des Cockpits befindet sich ein elektrisch versenkbarer Tisch, der zusammen mit den Liegen ein großes Sonnenpolster achtern bildet.

Das Cockpitverdeck hat die Form eines T-Top-Dachs. Das ermöglicht es, das Cockpit mit einem Zelt zu schließen. So ist das Boot auch bei schlechtem, sprich feuchtem Wetter nutzbar.

  • Der rote BaronDas offene Heck des Daycruisers © Werft
  • Der rote BaronDas Cockpit ist von Sitzbänken umgeben © Werft
  • Der rote BaronDas Cockpitverdeck hat die Form eines T-Top-Dachs © Werft

Der Red Baron ist auf einem patentierten Petestep-Rumpf aufgebaut. Diese Rumpfform reduziert den Wellenschlag unter dem Boot. Das resultiert in 35 Prozent geringerem Energieverbrauch und weniger Schallemission durch das typische „Klatschen“ der Wellen von unten gegen den Bootskörper. Außerdem liegt der Rumpf ruhiger im Wasser, auch wenn das Boot nicht in Fahrt ist.

Antrieb mit bis zu 370 PS

Angetrieben wird das Motorboot im klassisch schlichten Design von einem Innenbord-Dieselmotor des Typs Yanmar 8LV mit einer Leistung von 320 bis 370 PS, wobei der stärkste Motor zur Serienausstattung gehört. Auch ein Bugstrahlruder (2,2 kW) ist Standard. Die X-Power 33 C hat die ersten technischen Tests bereits absolviert. Und obwohl die offizielle Premiere erst am 16. Januar ohne die eigentlich eingeladenen Gäste stattfand, wurden die ersten Exemplare bereits bestellt.

Der rote Baron
Innenbord-Dieselmotor des Typs Yanmar 8LV mit einer Leistung von 320 bis 370 PS © Werft

Auch Ib Kunøe, der Präsident der X-Yachts-Werft, wartet noch auf seine eigene X-Motoryacht. Seine rote X Power 33 C soll Anfang April ausgeliefert werden. Das Werftteam im Süden Dänemarks weiß, wie man schnelle, komfortable und qualitativ hochwertige Segelyachten baut. Jetzt werden wir die Gelegenheit haben zu sehen, ob X-Yachts auch herausragende Motoryachten bauen kann. Die X-Power 33 ist nur der Einstieg in die neue Linie von Motoryachten. Es sollen weitere folgen – mit ebenso klangvollen Namen.

Technische Daten X-Yachts X-Power 33C

Länge10,02 m
Breite3,10 m
Tiefgang1,20 m
Gewicht4.000 kg
Motorisierung379 PS Yanmar 8LV Diesel
Maximale Passagierzahl8 Personen
CE-KategorieC (im Bereich von Küstengewässern)

Der rote Baron selbst, und das macht wohl einen Teil seines Ruhms aus, verschwand am Ende des Ersten Weltkriegs, was seine ambivalente Popularität erst möglich machte: Der vielleicht prominenteste deutsche Vertreter der „Lost Generation“, der blutjungen Kriegsteilnehmer, wurde im letzten Kriegsjahr abgeschossen. So ein Schicksal bleibt dem „Red Baron“ sicher erspart.

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