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Die Parker 760 Quest ist eine Kombination aus Angelboot und Familienyacht © Werft Die Parker 760 Quest ist eine Kombination aus Angelboot und Familienyacht © Werft
Test Parker 760 Quest

Questwärts, junge Werft

Parker 760 Quest heißt das neueste Reiseboot der umtriebigen Familienwerft. Wir fuhren die Sommerpremiere vor Gdynia.

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6 Minuten

Wie steigt man am besten ein ins Bootsfahren? Junge Familien haben andere Ansprüche als Paare und Singles: Die Sicherheit ihrer kleinen Crewmitglieder an Bord steht für sie weit vorn. Ein Boot für Einsteiger, das diesen Anspruch zuverlässig erfüllt, ist die Parker 760 Quest. Das Kajütboot, das wir an der Ostseeküste in Gdynia fahren, ist mehr als ein schwimmender Kindergarten.

  • Parker 760 QuestDie Parker 790 ist im Stil eines Arbeitsboots gestaltet © Werft
  • Parker 760 QuestZahlreiche Handläufe sorgen für ein hohes Sicherheitsniveau © Werft
  • Parker 760 QuestBeim Test fuhr das Boot bis zu 37 Knoten schnell © Werft

Das Äußere zitiert die Elemente eines Arbeitsboots: Ein keilförmig sich zuspitzender Rumpf, in negativem Winkel geneigte Frontfenster und hohe Bordwände verleihen dem Premierenboot ein robustes Erscheinungsbild. Auch der Name „Quest“ (englisch für Suche) deutet an, dass das neueste Produkt der Parker-Werft für mehr gemacht ist als dafür, an Sommertagen vorm Babystrand zu ankern.

Anglerboot und Familienyacht

Tatsächlich hat man mit dem kleinsten Boot der inzwischen ziemlich bekannten Werft ein seetüchtiges, vielseitig verwendbares Fahrzeug, das der vielbemühten Erfolgsformel der eierlegenden Wollmilchsau recht nahe kommt.

Der erste Eindruck, den wir an Bord haben, bestätigt die „Universalität“ des schwimmenden Heims. Die neue Designlinie verbindet die Vorteile eines robusten Anglerboots mit dem Komfort einer Familienyacht. Auf kompaktem Raum ist sehr viel untergebracht.

  • Parker 760 QuestBis zu 300 PS Antriebsleistung sind möglich © Werft
  • Parker 760 QuestDas Boot wird über die Badeplattform betreten © Werft
  • Parker 760 QuestViele große Fenster bringen Licht ins Steuerhaus © Werft

Zum Steuerstand mit dem großen Salon – der umfasst einen Sitzbereich für die gesamte Crew sowie eine Pantry und die Navigator-Position – kommt die relativ geräumige Kabine. Und dazu, baulich getrennt, gibt es eine Toilette im Vorschiff. Die hohe maximal mögliche Geschwindigkeit und das einfache Handlung runden mein positives Bild ab: Die Parker 760 Quest ist eine vielseitig nutzbare Kleinyacht, die sich vor westeuropäischer Konkurrenz nicht verstecken braucht.

Zugang übers Heck

Bei vielen Details haben die Konstrukteure auf hohes Sicherheitsniveau geachtet: Natürlich ist das Deck, wie auf allen Parker-Booten, sehr gut gesichert und von einer hoher Reling eingefasst. Rund um das Boot führen solide Handläufe. Am Dach sind Handläufe zum Festhalten befestigt.

Das Vorschiff bietet nur eingeschränkt Platz. In der Mitte ist ein großes rundes Oberlicht eingelassen. Das stört jedoch nicht auf dem Weg zum Bug. Man kommt problemlos rechts und links daran vorbei. Der eigentliche – und sicherste – Aufenthaltsort an Deck ist allerdings das Cockpit im Heck, vom hohen Freibord geschützt.

Der bequemste Zugang aufs Schiff liegt ebenfalls achtern: Man betritt das Cockpit über die Badeplattform. Sie ist zweigeteilt; in der Mitte befindet sich die Aussparung für den Außenbordmotor. Eine kleine Pforte steuerbords führt zum Deck. Achtern an der Backbordseite befindet sich ein bequemes, L-förmiges Sofa. Dort lässt sich auch ein relativ großer, zusammenklappbarer Tisch aufstellen.

Durchgang an Steuerbord

Auf der Steuerbordseite des Cockpits ist eine spezielle Aussparung, in die vier Fender gelegt werden können. Im Boden und unter der Couch auf der Backbordseite sind weitere Fächer im XL-Format. Ich kann auf beiden Seiten des Aufbaus zum Vorschiffsdeck gehen. Der Durchgang auf der Steuerbordseite ist aber breiter und bequemer.

Auf dieser Seite gibt es auch einen Eingang vom Cockpit in den Salon. Dank der vielen großen Fenster ist die Messe sehr hell – und auch gut belüftet. Die Decke ziert ein großes Oberlicht. das weit geöffnet werden kann.

  • Parker 760 QuestVom Steuerstand gibt es eine gute Rundumsicht © Werft
  • Parker 760 QuestDie Toilette liegt auf der Steuerbordseite © Werft
  • Parker 760 QuestEin eigener Herd ist Goldes wert, auch an Bord © Werft

Die Seitenfenster auf der Höhe von Steuermann und Navigator lassen sich ebenfalls öffnen. Auf der linken Seite des Salons ist der Sitzbereich mit klappbarem Tisch und zwei Sofas.

Bett für zwei Erwachsene

Gimmicks, die gute Boote auszeichnen, finden sich auch an Bord der Parker 760 Quest. Das vordere Sofa hat eine bewegliche Rückenlehne, und sobald es nach hinten geschoben wird, können alle Gäste mit Blick in Fahrtrichtung sitzen. Nach dem Absenken und Ausklappen der zusätzlichen Matratze dient der Tisch mit den Sofas als zweites Bett. Es ist sogar relativ breit.

An der Steuerbordseite des Salons gibt es auch eine kleine Kombüse mit Spüle, Kühlschrank und Platz für einen Herd. In der Mitte befindet sich der Durchgang zur Schlafkabine im Bug.

  • Parker 690 QuestDie Sitzgruppe im Salon lässt sich zum Bett umbauen © Werft
  • Parker 690 QuestDie Quest ist für bis zu acht Personen zugelassen © Werft
  • Parker 760 QuestAuf dem Vorschiff ist ein Oberlicht eingelassen © Werft

Sie ist offen und nicht durch eine Tür vom Salon getrennt. Auf ins Schlafabteil: Auf der rechten Seite der Kajüte befindet sich das separate Badezimmer mit Waschbecken und Toilette. Im übrigen Wohnbereich macht sich ein Bett breit, auf dem zwei Erwachsene bequem schlafen können. Weiche Polsterung an den Wänden erhöht auch hier die Sicherheit für Schlafende, ob nun groß oder klein.

Mehr als 37 Knoten möglich

Die 760 Quest ist für Außenborder mit maximal 300 PS zugelassen. Die getestete Yacht hatte einen einzelnen Mercury-Motor mit 225 PS. Diese Leistung reicht für das kleine Familienboot vollkommen aus.

Unser Test findet auf der herbstlichen Danziger Bucht statt. Mit der für das Revier typischen, eher unangenehm kurzen Welle kommt die Parker 760 Quest gut klar. Ohne Mühe beschleunigt sie auf 36,4 Knoten mit einer maximalen Motordrehzahl von 5.800 U/min.

Parker 769 Quest
Für einen sicheren Zugang zum Bug ist der Gang an Backbord breiter © Werft

Nach dem Auftrimmen ist dann – trotz der „Wellblechpiste“ – sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 37 Knoten möglich. Auf der flachen Oberfläche eines spiegelglatten Sees ließe sich, mit dem richtigen Trimm, das Tempo bestimmt um weitere ein bis zwei Knoten steigern.

Am angenehmsten jedoch fühlt es sich an, mit einer Geschwindigkeit von rund 24 Knoten bei 4.000 U/min unterwegs zu sein. Selbst bei Wellengang, wenn alle Fenster und Cockpittüren geöffnet sind, ist eine normal geführte Unterhaltung in der Kabine trotz des Motorgeräuschs möglich. Man muss sich also nicht anschreien. Bei diesem Tempo ist auch ein Spaziergang übers Deck möglich, ohne dass man sich an den Haltegriffen festhalten muss.

Außen übersichtlich

Die Parker 760 Quest lässt sich insgesamt sehr komfortabel und sicher steuern. Von der Position des Steuermanns aus ist die Rundumsicht sehr gut, auch in engen Kurven. Die nach vorn gerichtete Windschutzscheibe des Aufbaus schützt den Rudergänger vor Lichtreflexen, Regen oder eventuell überkommendem Seewasser.

Den Außensteuerstand gibt es als Option. Und der ist unbedingt empfehlenswert. Das gilt insbesondere dann, wenn die Parker 760 Quest als Angelboot genutzt werden soll. Für Hafenmanöver ist der zusätzliche Steuerstand nicht notwendig: Die neue Parker reagiert sehr willig auf alle Kommandos. Und das Bugstrahlruder wird problemlos auch mit stärkerem Seitenwind fertig.

Gelungene Kombination

Trotz des handlichen Formats ist das Boot groß genug, um auf fast acht Metern Länge zusammen ein paar Tage zu verbringen, ohne einen Lagerkoller befürchten zu lassen. Ausführliche Touren zu fahren geht durchaus auch bei schlechterem Wetter, wie unsere Probefahrt gezeigt hat. Die kleine Motoryacht kommt gut auch mit unruhiger See gut zurecht.

Das Warten hat sich gelohnt: Mit der Parker 760 Quest haben wir eine weitere, gelungene Konstruktion der Werft Parker Poland vor uns. Die gut ausgewogene Kombination aus Komfort, Dynamik und Sicherheit dar. Entspannte Ausflüge mit der Familie sind darin ebenso gut möglich wie mehrtägige Angeltörns mit Freunden bei raueren Bedingungen.

Die Konstrukteure, die 2019 mit der Parker 790 Explorer den Best of Boats Award gewonnen haben, zeigen mit der Quest, dass die Werft alles andere als auf der Suche ist. Mit Können bei Konstruktion und Fertigungsqualität schöpfen die Bootsbauer aus dem Vollen. Die Quest ist ein selbstbewusster Schritt westwärts. Aber liegt das Zentrum des europäischen Bootsbau nicht ohnehin östlich der Oder?

Technische Daten Parker 760 Quest

Länge7,99 m
Breite2,54 m
Tiefgang0,26 m
Gewicht1.800 kg
Motorisierungmaximal 300 PS
BaumaterialGFK
CE-KategorieC (küstennahe Gewässer)

Messwerte für Tempo und Verbrauch

Drehzahl (U/min)Tempo (km/h)Verbrauch (km pro Liter)
6004,450,32
1.0006,50,96
1.5009,651,13
2.00012,41,13
2.50015,81,13
3.500331,13

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