float Magazine

© Kerstin Zillmer
Bootstest

Rand Picnic: Picknick in Kopenhagen

Einfaches Handling und nachhaltige Materialien: Eine junge dänische Werft macht auf sich aufmerksam.

von in
5 Minuten

In Kopenhagen an der Langebro-Brücke liegt die Verleihstation von GoBoat. Mietboote schaukeln sanft im Wasser, die Saison ist fast vorbei, es ist Anfang Oktober und die Luft schon herbstlich kühl. Letzten Sommer stand ich schon einmal hier und war begeistert von dem Konzept der GoBoats, die mir überall auf dem Wasser wieder begegneten. Jetzt bin ich hier um das neue Rand Picnic Boot zu testen.

Carl Rand, der Werftbesitzer lädt mich zu einer Kanaltour mit dem brandneuen Picnic Boot ein. Wir gehen an Bord, ein Mitarbeiter von GoBoat reicht uns einen gut gefüllten Picknick-Korb, Carl startet den Elektro-Motor und wir legen ab auf unserer Tour durch Kopenhagens Kanäle. Während Carl mir sein Konzept vorstellt, ziehen wir im Fredriksholms-Kanal unter den niedrigen Brücken die Köpfe ein.

Schon als Kind zeichnet Carl Boote und weiß schon sehr früh, dass er später nichts anderes machen will. Er lernt Segeln, studiert Produktdesign und Architektur in Kopenhagen und geht in die USA und studiert boat design. Nach seinem Abschluss kehrt er zurück und gründet Rand Boats. Es ist die einzige dänische Motorbootwerft und Carl Rand mit 31 Jahren der jüngste Werftchef.

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Nach seiner Auffassung hat das Design eines Bootes einer klar definierten Anwendung zu folgen. Ein Boot soll in seiner Ausstattung seinem Zweck dienen und das so perfekt wie möglich. Für ein Picknick-Boot heißt das: viel Platz zum Sitzen, ein großer Tisch in der Mitte, ein integrierter Steuerstand, ein leiser Motor, nicht mehr. Das Design stilvoll und puristisch, die ausgewählten Materialien schön, funktional und nach Möglichkeit nachhaltig.

Wir fahren zu fünft. Das Platzangebot ist gut, der Abstand zwischen Tisch und Sitzbank richtig bemessen, die Polster sind sauber verarbeitet und bequem. Der Süllrand, auf dem ich mich während der Fahrt abstütze ist eine Hand breit und an den Kanten leicht abgerundet. Deck, Tisch und Steuerstand sind aus Kebony-Holz, einer nachhaltigen Alternative aus Norwegen, die sehr ähnliche Eigenschaften wie Teak aufweist. Es ist ebenso hart, formstabil, erfordert ein Minimum an Wartung und hat 30 Jahre Garantie. Der Steuerstand ist aus gebürstetem Aluminium und formschön gebogen. Auf der Holzoberfläche befindet sich die Torqeedo-Schaltung. Sonst nichts. Das Steuer ist aus Edelstahl, groß und leichtgängig. Der üppige Tisch ist zu einer großen Sonnenliege absenkbar aber nicht einklappbar, weil Carl auf Stabilität setzt. Der Steuerstand und die Heckbank integrieren sich in die Sitzgruppe. Im Bug befindet sich eine Backskiste, es könnte für meinen Geschmack etwas mehr Stauraum geben. Die Kissen und das Holzdeck gehören zur Grundausstattung dazu. Als Extra gibt es ein Sonnensegel, das mit 4 Stangen leicht aufgestellt werden kann.

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Am dänischen Architekturzentrum biegen wir in den Hafen ein. Hier im offenen Gewässer fahren wir bei Gegenwind und Welle 10,3 km/h Höchstgeschwindigkeit. Unser Boot ist einem Torqeedo Cruise 4 und zwei Lithium-Batterien ausgestattet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Hersteller 13 km/h, die beste Marschgeschwindigkeit liegt bei 6 km/h. Wir fahren vor Christiania in ruhigem Wasser gut mit 5 km/h. Unsere 48-Volt-Batterien halten bei dieser Geschwindigkeit 12 Stunden, bei voller Kraft noch 1 bis 2 Stunden. Ausreichend lange.

Carl Rand startete seine Produktlinie vor drei Jahren mit einem klugen Marketing-Konzept: Er baut ein einfach zu bedienendes Boot, minimalistisch und robust, für bis zu acht Personen, angetrieben von einem elektrischen Außenborder. Die Grundidee: Ein erschwingliches Boot auf dem man zusammen Spaß hat. Der große Tisch ist das Zentrum des Boots, um ihn herum sitzt man, isst und trinkt, genießt die Umgebung und verbringt Zeit auf dem Wasser.

Rand gründet eine Verleihfirma, nennt sie GoBoat und macht mit den Verleih-Booten die Marke Rand bekannt. Sein Konzept geht auf. 56 GoBoats hat er bisher gebaut, davon laufen 30 in Kopenhagen. Die Stadt mit Freunden oder Familie eigenständig auf dem Wasserweg zu erkunden und zu picknicken ist ein ganz besonderes Erlebnis. Und es ist gar nicht so teuer, eine Stunde kostet umgerechnet 50 €, bei acht Personen ein schlanker Preis.


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In diesen drei Jahren erfährt Carl im Rent durch den Verleih viel über Materialien, Motorisierung, Verschleiß und Nutzung. Mit dem Wissen experimentiert er weiter und verbessert die Qualität der Boote. Er drosselt die Geschwindigkeit auf 3,5 Knoten, damit sie auch in den kleinen Kanälen fahren dürfen und erhöht so gleichzeitig die Laufleistung der Batterien. Beim Sightseeing auf dem Wasser ist Geschwindigkeit sowieso nicht gefragt. Die meisten Mieter sind junge Leute und viele sind zum ersten Mal auf dem Wasser.

Kopenhagen hat beschlossen, bis 2025 die erste CO2-neutrale Hauptstadt der Welt zu werden. Bis heute konnte der CO2-Ausstoß schon um 40 % gesenkt werden. Auch der gebürtige Kopenhagener Carl Rand denkt nachhaltig. Er entscheidet sich bei der Motorisierung seiner Boote für den elektrischen Antrieb, der sauber, leise und kostengünstig ist. Er probiert verschiedene Elektromotoren-Hersteller aus und entscheidet sich für Torqeedo. In enger Zusammenarbeit erarbeitet er mit der Münchner Firma die passende Motorausstattung und Software. Davon profitiert Torqeedo, für den Rand ein wichtiger Kunde ist. Auch für das Laden der Batterien hat Rand eine nachhaltige Lösung gefunden: die Leihstation ist mit einem Solardach ausgestattet. Tagsüber kann damit ausreichend Ladestrom für die Batterien produziert werden, nachts kommt der Strom von der Stadt kostenlos, weil Rand nachhaltig wirtschaftet. Ein guter Deal.

Carl weiß, dass ein elektrisch angetriebenes Boot einen speziellen Rumpf verlangt, um den e-Antrieb richtig auszunutzen. Das neue Picnic Boot ist deshalb extra dafür konzipiert. Das 5,35 m lange und 2,12 m breite Boot wiegt gerade mal 330 kg. Elektroantriebe brauchen Leichtigkeit. Im Vergleich zu ähnlichen Booten verwendet die Werft lediglich die Hälfte an Material. Und senkt dabei die Herstellungskosten und den Preis für den Kunden. Das Boot hat nur 18 Zentimeter Tiefgang, für Stabilität sorgt ein Langkiel. Als Füllmaterial für den Sandwich-Rumpf verwendet Rand recycelte Plastikflaschen. Zusätzlich wird im Boot und recyceltes Aluminium verarbeitet. Auch die Gel Batterie ist recycelt. Gerade experimentieren sie mit Flachs-Faser anstelle von Glasfaser.

Die Fahreigenschaften des Rand Picnic sind durchweg gut. Das Boot läuft spurgerade und ist schön wendig in den engen Kanälen. Mit fünf Steuerumdrehungen habe ich einen Wendekreis von einer Bootslänge.
Es ist einfach zu bedienen und ist nicht nur für Einsteiger eine sehr gute Wahl. Das Boot hat nur einen Haken und der befindet sich vorn am Bug um es schnell festzumachen. Am Nachmittag kommt die Sonne heraus und wir haben das Glück das Boot vor Kopenhagener Kulisse und von seiner besten Seite zu zeigen.

Mehr über Boot, Werft und Konzept: www.randboats.com

Technische Daten:













Länge5,35 m
Breite2,12 m
Tiefgang18 cm
Gewicht:330 kg
Personen an Bordbis zu 10
Max. Last:900 kg
Motor:Torqeedo Cruise 4, oder
Alternativ auch mit Cruise 10, oder Benziner
2-4 x Lithium Batterien 48 Volt
max. Batterieleistung:20 Stunden
max. Geschwindigkeit:30 km/h
CE-Kategorie:C
Preis wie gefahren:19.999 Euro
Basispreis:14.990 Euro (incl. hydraulischem Steuer, Flexiteek-Deck, Polster, Soundsystem)

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