float Magazine

Die Verlarca 135 hat kein Dynarigg, soll aber ebenfalls auf Schoten und Fallen komplett verzichten können. © Velarca Ohne Schoten, Fallen und Dirk kann die Velarca 135 zumindest auf dem Papier schon segeln. © Velarca
Nachhaltigkeit

Schluss mit dem Strippenziehen

Eine segelnde Superyacht ohne sichtbare Schoten und Fallen. Auf dem Papier segelt die Velarca 135 von Beiderbeck und einem finnischen Startup schon.

von
in
3 Minuten

Wer segelt, ist es gewohnt, an den Strippen zu ziehen. Doch bei der Velarca 135 ist nicht mehr nötig. Die segelnde finnische Superyacht aus der Feder von Beiderbeck Design soll auf Knopfdruck funktionieren. Man muss keine Schoten und keine Fallen händisch bedienen und auch keine Dirk. Segeln kann das Schiff trotzdem, zumindest auf Papier.

Lediglich feste Wanten stützen die beiden Carbon-Masten. Die Segel sind ohne Bäume daran angeschlagen. Es handelt sich also um zwei Fock- sowie eine Variante eines Stag-Segels, das mit dem Segelkopf nach unten zwischen den Masten angebracht ist. Die Schoten laufen unsichtbar in Kanälen.

So zeigt es der Entwurf des 41 Meter langen Schiffs, mit dem die virtuelle Werft Isola Corvus von der Insel Kråkö nahe Helsinki eine Schnittmenge zwischen Luxus und Nachhaltigkeit herstellen will. Der zugrundeliegende Gedanke: Das Schiff soll möglichst viel mit Windkraft fahren, aber dabei ein Maximum an Komfort bieten.

Die Erfinder wollen mit der Velarca 135 Interessenten ansprechen, die bisher auf Motorleistung vertrauten, und wollen sie für nachhaltige Antriebsarten interessieren. Dazu sind drei Segel – zwei Hoch- und ein Stagsegel – mit insgesamt 850 Quadratmeter Fläche in den Masten installiert. Sie können Motoren auf Knopfdruck ein- oder ausfahren. Auf Deck gibt es keine Leinen mehr, mit Ausnahme der Festmacher.

Beiderbeck Design
Das Deckslayout der Velarca © Beiderbeck Design

„Das Bedienen der Segel erfordert also keine kleine Matrosen-Armee, da es so weit wie möglich automatisiert wurde“, heißt es von den Velarca-Entwicklern. Und sie folgern: „Das Design ist eine Kombination aus den besten Elementen von Motor- und Segelyachten.“

Nur ein Entwurf?

Oder, umgekehrt ausgedrückt: Wer gern eine Superyacht besäße, aber vor dem Heißhunger der Energie verschlingenden Maschinen zurückschreckt, könnte hier seine Alternative finden. Eine vergleichsweise umweltverträgliche, wenn das Boot Realität würde. Denn es handelt sich bisher um einen Entwurf. Und auch eine öffentliche Website von Isola Corvus existiert nicht.

Bei den Urhebern handelt es sich um den Bootsbauer Sami Lehtonen und die Regattaseglerin Sanna-Kaisa Koivisto. Sie lernten einander an Bord einer finnischen Offshore-Rennyacht kennen. Und wollen nun die ideale Paarung aus Luxus und Nachhaltigkeit gefunden haben.

Lehtonen sieht seine Vorbilder nicht nur im Segelyachtbau, sondern auch bei Powerboat-Entwicklern wie den Brüdern Pentti und Harry Fabritius. Mit ihren Argo-Rennbooten gewannen sie seit den 1970er-Jahren 18 Weltmeisterschaften und stellten rund 30 Tempo-Rekorde auf. In der Tat wird die Velarca auch ein Hybrid aus Segel- und Motoryacht sein. Über das Rumpfmaterial ist nichts bekannt, vermutlich soll es Glasfaser-verstärkter Kunststoff sein.

210 Tonnen Design-Fantasie

Das Unterwasserschiff soll sich an dem von modernen Rennyachten orientieren. „Der Schwerpunkt wurde so niedrig wie möglich gelegt“, teilen die Finnen mit, die mit Beiderbeck Design zusammenarbeiten, einer anerkannten Größe in der Superyacht-Industrie. Und die Bremer sind auch für extravagante Entwürfe bekannt, die allerdings nicht immer den Sprung vom Design zum Dock schaffen.

alternativetext
Blaue Träume © Beiderbeck Design

Neben der Ausführung mit festem Kiel und 4,50 Metern Tiefgang ist auch eine Version mit Hubkiel vorgesehen. Sie kommt auf 3,60 Meter Tiefgang. Damit der 210 Tonnen schwere Superyacht-Rumpf auch bei völliger Windstille Vortrieb hat, gibt es einen Hybridantrieb. Der soll dem Boot eine Reichweite von unglaublichen 2.800 Seemeilen verschaffen. Dabei soll es sich um einen Diesel-elektrischen Antrieb handeln.

Zwei Decks und fast zehn Meter Schiffsbreite

Das, was oberhalb der Wasserlinie zu sehen ist, hat das Bremer Designbüro Beiderbeck entworfen. Hier setzt sich der Einfluss des Superyacht-Designs durch. Auf zwei Decks wird den Bewohnern so viel Platz geboten, dass sie sich bei einer Schiffsbreite von 9,50 Meter wie an Land wähnen dürften. Selbstverständlich kann das Interieur den Wünschen der Kunden weitgehend angepasst werden.

Velarca 135 © Beiderbeck DesignIm Untergeschoss lädt der „Beach Club“ am Heck zur Sommerfrische ein. Er besteht aus einer riesigen Freifläche, einem Whirlpool unter einem Terrassendach und je einem ausfahrbaren Balkon an der Steuer- und Backbordseite. Ein Teil des Sonnendecks ist als absenkbarer Bootslift angelegt. Dahinter befinden sich, wie ein Layout vorschlägt, Kajüten mit insgesamt 15 Kojen und dazugehörigen Sanitär-Räumen. Das Oberdeck ist ebenfalls überdacht und dient als Lounge ohne Zwischenwände, aber mit Sitzgruppen, Bar und großem Esstisch vorwiegend dem Sozialleben. Zur Kombüse im Unterdeck besteht direkte Verbindung über einen Speisenaufzug. Über den voraussichtlichen Preis der Velarca 135 ist bisher noch nichts bekannt.

Hat das Projekt Rückenwind? Oder ist es mehrheitlich heiße Luft, die da der Velarca 135 die Segel bläht? „Ohne eine Werft können wir nur Luft verkaufen“, gibt Sami Lehtonen auf float-Nachfrage unumwunden zu. Bisher gebe es auch keine Bestellung. Doch immerhin haben die beiden bereits ein paar Anfragen erhalten, auch die Fachmedien hätten großes Interesse an dem Projekt. Sami: „Wir erwarten das echte Geschäft, sobald wir unsere Partner-Werft nominiert haben.“ Das soll Mitte Juni der Fall sein. Es bleibt also turbulent um die Velarca 135.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame
Reklame