float Magazine

© Dragonfly
Dragonfly 40

Schön, schnell und klappbar

Die neue Dragonfly 40 zieht beim Urlaubstörn als Trimaran an allen Einrümpfern entspannt vorbei.

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6 Minuten | 2 Kommentare

Die neue Dragonfly 40 ist ein Boot, auf das viele Multihull-Segler fast 20 Jahre gewartet haben. Die Nachfolgerin der Dragonfly 1200 kommt unter Deck an das Platzangebot einer 30 Fuß langen Einrumpfyacht heran und bietet ein unglaubliches Leistungsspektrum. Wir haben das größte Modell der dänischen Trimaran-Produzenten gemeinsam mit Werftchef Jens Quorning unter die Lupe genommen.

Während gestandene Regattasegler auf ihren Performance-Cruisern um jeden halben Knoten kämpfen, zieht die Dragonfly mit mehr als der zweifachen Geschwindigkeit gemütlich an ihnen vorbei. Auch über Untiefen gleitet das dänische Schiff entspannt hinweg und erwiest sich so als ein perfektes Fahrtenboot für unsere heimischen Reviere im Norden.

Dragonfly 40
Auch in heimischen Rvieren ein perfektes Fahrtenboot © Werft

Intelligente Klapptechnik von Dragonfly

Einzigartig sind die Dragonfly-Boote vor allem wegen ihrer Klapptechnik. Wenn die 12,40 Meter lange Libelle ihre Flügel – sprich: die Seitenausleger – anlegt, ist sie nur vier Meter breit. Das breite Boot passt so also auch in europäischen Häfen in eine normale Box. Das Zusammenfalten ist ein Manöver, das dank ausgefeilter Technik und gut plazierter Anschlagpunkte keine Schwierigkeit darstellt. Das gilt auch für die von float vor einem Jahr vorgestellte Schnelle Libelle, die acht Fuß kürzere Dragonfly 32 Evolution.

Dragonfly 40
Die Schwimmer werden horizontal nach achtern ans Boot geklappt © float

Für gewöhnlich macht man das Manöver im Hafen. Die Werftcrew habe ich auch schon vor dem Hafen dabei beobachtet: Ruck-zuck… einen Schwimmer ranziehen, dann der andere – fertig. Auf dem Strelasund motorte im November ein Dragonfly-Eigner sein Schiff ins Winterlager, ohne es für die paar Meilen auszufalten. Die Mechanik der dänischen Quorning-Werft ist tausendfach erprobt. Der Sicherungstampen hat eher eine psychologische als technische Funktion.

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Neue Konstruktion mit mehr Volumen

Die Dragonfly 40 ist die Nachfolgerin der Dragonfly 1200, die 2002 eingeführt wurde. Er ist ein völlig neues Schiff. Für einen 40 Fuß langen Trimaran ist das neue Modell ausgesprochen voluminös. Schmale Wasserlinien sind das Geheimnis schneller Multihulls. Denn je schmaler die Wasserlinie, desto kleiner ist die Verdrängerwelle, die der Rumpf produziert.

Mit einem großen Maschinenraum besitzt es eine relativ breite Wasserlinie von 1:7 im Hauptrumpf. „Die wird beim Segeln sofort schmal, wenn der Auftrieb in den Lee-Rumpf wandert“, erklärt Dragonfly-Chef Jens Quorning gegenüber float. Der Werftchef hat das Schiff zusammen mit Steen Olsen konstruiert.

Dragonfly 40
Werft-Chef Jens Quorning im Gespräch mit float © Harry Schack

Jens Quorning ist ein Familienmensch, und er ist Regattasegler. Ihm kommt es auf Speed, Wohnlichkeit und Sicherheit gleichermaßen an. Sein privater „Firefly“ ist eine Rakete. Je nachdem, wie die Kunden Schwerpunkte setzen, können sie die Dragonfly 40 als Touring- oder als Ultimate-Version ordern.

Beide Modellvarianten haben einen – in sich verstagten – Carbonmast mit Quadro-Saling. Der Touring-Mast ragt 17 Meter in die Höhe, der Mast des Ultimate-Modells misst 19 Meter. Die Selbstwendefock der Touring-Version ist 25 Quadratmeter groß, beim Ultimate sind es 27 qm. Das setzt sich bei allen Segeln so fort, bis zu den Gennakern mit 110 und 140 Quadratmetern Segelfläche.

Für einen Trimaran sehr geräumig

„Ganz schön eng“, murmelte ein Besucher in Düsseldorf, der als Vergleich offenbar die Serienyachten aus dem Chartersegment heranzieht. Wer maximales Volumen wünscht, muss zu den Großserienherstellern wie Jeanneau, Beneteau oder Hanse gehen. Die beiden letzteren haben mit den Marken Lagoon und Excess und der zugekauften Kat-Werft Privilege selbst Multihulls im Programm.

Eine Hanse 588 kostet in etwa 60.000 Euro weniger als die Dragonfly 40 und hat dabei bis zu fünf Kabinen mit Platz für zehn Personen. Tatsächlich aber ist die Dragonfly 40 für einen Trimaran sehr geräumig. In der Achterkabine ist ein tief positioniertes Doppelbett mit stattlichen Maßen und einem Notausstieg, der den Gästen in flachen nordischen Gewässern einen Blick auf den Meeresgrund gewährt.

  • Dragonfly 40Der Salon ist hell, modern und sehr gemütlich © Dragonfly
  • Dragonfly 40Bildbeschreibung © Dragonfly
  • Dragonfly 40Bildbeschreibung © Dragonfly


Das Platzangebot unter Deck des Dragonfly 40 muss relativ betrachtet werden. Der Salon ist nicht riesig, aber für vier Gäste allemal ausreichend. Die Ausbauqualität ist ausgesprochen gut. Durch die lackierten Flächen funkelt es geradezu. Nicht ganz überzeugend ist die Sitzbank an Steuerbord. Diese ist so hoch positioniert, dass eine Person mit Normalgröße von 1,80 m beim Sitzen noch etwa 20 cm „Luft“ zum Boden hat. Eine Klappleiste am Tisch kann zwar als Fußraste benutzt werden. Aber wirklich praktisch ist diese Lösung nicht.

  • Dragonfly 40Die Achterkabine mit großer Doppelkoje und Notausstieg © float
  • Dragonfly 40Die Pantry am Niedergang ist gut positioniert © Harry Schack
  • Dragonfly 40Der Durchstieg durchs Hauptschot ist leider etwas klein © float

Der kleine Durchstieg im Hauptschott hin zur Vorschiffkabine zeigt, dass ein Trimaran konstruktionsbedingt immer ein Kompromiss ist. Die Doppelkoje im Vorschiff selbst hat eine stattliche Größe. Sie bietet mit den großen Rumpffenstern einen schönen Ausblick nach vorn.

Der französische Hersteller Neel reklamiert für sich die Vorzüge sowohl von Trimaranen als auch jene von Katamaranen, also Multihulls mit zwei Rümpfen: Die von float vorgestellte Neel 47 bietet, als Schwimmendes Haus mit drei Türen, mehr Platz als manches Eigenheim.

Bis zu 24 Knoten Top-Speed

Das Cockpit wartet – ungewöhnlich bei einem doch recht schlanken Trimaran-Rumpf – mit zwei Steuerständen auf. Unter dem Cockpitboden schiebt der standardmäßige 40-PS-Motor von 40 PS das Schiff mit sechs bis sieben Knoten voran. Beim Prototypen auf der boot Düsseldorf ist ein 80-PS-Motor eingebaut. Er soll mühelos neun Knoten Marschfahrt und mehr als elf Knoten Topspeed liefern.

Unter Segeln werden für den Trimaran bis zu 24 Knoten erwartet. Im Mai soll die erste Dragonfly 40 mit Fullspeed durch die dänische Südsee preschen. Schließlich gibt es in der Werft, neben dem Chef, weitere engagierte Regattasegler. Der Wavepiercer-Bug der Schwimmer verspricht – nicht nur für die Probeschläge – sicheres, ungebremstes Segeln auch bei etwas mehr Welle.

Das Reffen mit dem Einleinenreff hat sich auf allen Dragonflys bewährt. So wird die Crew auch beim neuen und größten Modell erst dann an die Verkleinerung der Großsegelfläche denken, wenn die Zeit dazu gekommen ist.

Jens Quorning schätzt Einleinenreffs

Die Entscheidung für Einleinenreffs sieht Jens Quorning gegenüber float unproblematisch: „Wenn man gutes Material hat, dann funktioniert das fast reibungslos.“ Das gute Material stammt in diesem Fall von Frederiksen. Die ersten drei verkauften Boote werden auf Kundenwunsch allerdings mit einem Baum-Rollreff ausgestattet.

Selbst wenn das Reffen etwas zu spät ausfallen sollte, hat die Dragonfly noch erhebliche Sicherheitsreserven. Die Schwimmer können jeweils 120 Prozent des Gesamtgewichts von 5,8 Tonnen tragen. Und sie können über eine Luke im Heck der Schwimmer sogar mit einem Kajak beladen werden. Die sonst so unhandlichen Ausleger erweisen sich so als einzigartige „Paddel-Garagen“. Da müssen sogar großräumige Serien-Segelyachten mit einem Rumpf passen.

Dragonfly 40
Die Kajakgarage mit Arbeitsplatform © float
Dragonfly 40
Ergonomische Leinenführung mit Stauraum für die Enden © float

Dänisches Design

Wie andere Dragonfly-Modelle zuvor ist auch die Dragonfly 40 eine Augenweide. Viele elegante Details  hinterlassen den Eindruck eines wohlgestalteten Bootes. Dazu gehören ovale Handläufe, die Flucht der dunkel getönten Luks an Deck und perfekte Holzarbeiten unter Deck. Serienmäßige dabei gehören das einfahrbare Bugstrahlruder, elektrische Andersen-Hauptwinschen an den Steuerständen, die verdeckt geführte Großschot und tiefe Fallenkästen für Ordnung im Cockpit. Sie haben wieder einmal gründliche Arbeit geleistet bei Quorning.

Das Cockpit ist nach achtern offen, es gibt aber auch eine Heckklappe, die als Badeplattform dient. Wenn Ruder und GFK-Schwert hochgenommen sind, ist es möglich, bis auf 70 Zentimeter Wassertiefe an den Strand heranzufahren. Die Dragonfly 40 kann einhand oder zu zweit gesegelt werden, aber ebenso gut auch mit der Familie bis zu Großcrews zu sechst oder zu sogar acht.

50 neue Bauteile für den Trimaran

Jens Quorning sagt dazu im Gespräch mit float: „So ein Boot erfordert seitens der Werft große Investitionen und viel Entwicklungsarbeit. Wir haben beim neuen Dragonfly für über fünfzig Bauteile eigene Formen angefertigt.“

Offensichtlich haben die Dänen mit der neuen Dragonfly 40 voll den Publikumsgeschmack getroffen. Am Ende der boot Düsseldorf 2020, auf der das neue Schiff erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hatten die Werft vier der Schiffe verkauft. Das ist eine komplette Jahresproduktion der Werft. Beim Open Yard im Juni kann die gesamte Range in Skaerbaek besichtigt werden. Die Dragonfly 40 Touring kostet in der Standardausrüstung – dann schon mit E-Winschen und Bugstrahlruder – segelfertig 559.000 Euro. Der Ultimate ist für 585.000 Euro zu haben.


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2 Kommentare

alikatze /

Psst! Auch wenn das bei Dragonfly auf der homepage nicht ganz eindeutig ist, kann es sein, dass die Events nicht in Skaerbaek (Nordseeküste vor Rømø), sondern an der Ostsee im Skaerbaekvej in Fredericia stattfinden? Nicht, dass die Leute an die falsche Küste pilgern…
Fröhliche Grüße

Antwort
Stefan Gerhard /

Sollte eigentlich ganz eindeutig sein. Die Werft liegt laut Webseite am Skærbækvej in Fredericia an der Ostküste Jütlands. Das Problem ist halt, dass es in Dänemark mehrere Dörfer mit dem Namen Skærbæk gibt. 🙂

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