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Schon jetzt ein Klassiker: die Invictus TT 460 © Invictus Yacht
Premiere Invictus 460 TT

Schon jetzt ein Klassiker

Bei der Invictus TT 460 ist nichts Zufall: Christian Grande ist mit seinem besonderen Design ein kleines Meisterwerk gelungen.

von
Stefan Gerhard
und in
7 Minuten

Alles beginnt mit einem Fuß: In Großaufnahme, mit Stiletto-Absatz und römischer Schnürung streckt er sich aus einem Auto. Dann ein Schnitt, ein harter Beat, maximal elektronisch, dazu ein Schwarzweiß-Rendering. In ebenso harter Visualisierung erscheint ein Boot, die Kamera fährt geschmeidig daran entlang. Eine Frau wird sichtbar. Noch bevor wir sie auch nur fixieren können, springt das Bild zurück zur Invictus TT 460.

„Unconventional Luxury“ taucht als Schriftzug auf – und ebenso, wie der Videoclip wohltuend heraussticht aus dem gewohnten Bild von Bootswerbung, ist auch die Formensprache des neuen Boots der italienischen Design-Werft: cool und aufregend.

  • RenderDie neueste Invictus auf dem norditalienischen Iseosee (Lago d'Iseo) © Werft
  • RenderDie Rumpflänge von gut 14 Metern sieht man ihr nicht an © Werft
  • RenderDie klassische Version kommt ohne Seitenbalkone © Werft

Sneakers statt High Heels

Genau genommen lockt der High Heel zu Anfang des Werbeclips auf die falsche Fährte: Zur neuen Invictus TT 460 passen eher schicke italienische Sneakers. Denn der erstmals im Oktober 2020 in Genua präsentierte Cruiser kombiniert Sportlichkeit mit lässiger Eleganz. Dafür steht vor allem Christian Grande, der uns das Boot persönlich am Messestand präsentiert – in einem der raren Momente des letzten Jahres, als reisen kurzzeitig möglich war.

Der jüngste Entwurf von Invictus ist das größte Boot, das die fünf Jahre junge Werft bisher gebaut hat. Der Name der gut 14 Meter langen Invictus TT 460 erklärt sich sofort: Das organisch wie dynamisch geschwungene T-Top steht für das Doppel-T in der Modellbezeichnung – und es ist ein Statement in Sachen Design und Technik.

Invictus GT 370 S
Christian Grande ist Miteigner von Invictus © Kerstin Zillmer

Christian Grande, der 49-jährige Designer aus Parma, hat mit Invictus seine eigene Marke gegründet. Vorher hat er für große Werften gearbeitet und mehr als 100 Boote entworfen. Die einst bemerkenswerte Marke Sessa Marine ist untrennbar mit seinen Entwürfen verbunden. Für Invictus – zu deutsch „Unbezwingbar“ – hat er seine eigene Designsprache entwickelt. Die von ihm gezeichnete Modelllinie mit dem negativen Steven und weichen, fließenden Formen hebt sich ab von der Masse der Großproduktionen.

Das erste Modell: eine Punktlandung

So war das erste Modell, die Invictus 280 GT, sofort eine Punktlandung im Markt. Dann folgte die Invictus 370 S, die nicht weniger erfolgreich war und als Außenborderversion auch in den USA reüssierte. Seit kurzem wird alles, was bei Invictus nicht Innenboder ist, von Yamaha als Exklusivausstatter bei Außenbordern ausgerüstet.

Extreme Entwürfe haben ein kurzes Leben. Ihnen fehlt die Subtilität, um die wechselnden Trends zu überdauern.

Christian Grande ist ein Phänomen in der an Aufsehen erregenden Designs nicht armen Branche: Er hat seine Marke Invictus gut inszeniert und variantenreich mit Geschick in einer Marktnische platziert, die außer ihm nicht viele genutzt haben. Er erreicht wie Frauscher und Pardo eine Zielgruppe, die mit außergewöhnlichen Booten aus der Masse herausstechen möchte.

Was die Konstrukteure vom Traunsee kompromisslos mit der Frauscher 1414 Demon Air geschafft haben, versuchen Grande und seine Werftpartner von Aschenez im süditalienischen Kalabrien nun mit der Invictus TT 460. Aber ganz anders.

  • Invictus 460TTProbefahrt auf dem Lago Iseo © Werft
  • Invictus 460TTZwei IPS-Motoren treiben das 14-Meter-Boot an © Werft
  • Invictus 460TTDas Maximaltempo liegt bei 35,5 kn © Werft

Das T-Top scheint zu schweben

Im Design unterscheidet sich Invictus Yachts von allen anderen Mitbewerbern insbesondere durch die Rumpfform. Der abgerundete, nach innen geneigte Bug ist nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal von Invictus. Er schneidet die Welle auch besonders weich und hält das Boot sehr gut in der Spur.

Unverwechselbar wird die Invictus TT 460 aber durch das geschwungene T-Top. Es scheint zu schweben. Grandes Boot beschreibt eine elegante Linie, die im Vorschiff entspringt, die Sonnenliege einrahmt, die Windschutzscheibe umschließt und sich dann zum T-Top verbreitert. Das gibt der Motoryacht eine Leichtigkeit, die bei einem 14 Meter langen Schiff sehr selten zu sehen ist.

Möglich ist dieser geniale Kunstgriff durch den zentral platzierten Träger in der Schiffsmitte, der das Dach im Cockpit stützt. Der Träger muss dabei den großen Kräften, die auf das Dach bei schneller Fahrt einwirken, standhalten können. Hier sollte nichts vibrieren. Möglich wird das, weil er stabil und gleichzeitg leicht aus Carbon gefertigt ist. Zugleich dient er als Geräteträger.

Exterior
Der starke Träger des T-Tops wirkt wie ein Design-Objekt © Werft

Beides, das Dach und der Träger, bilden durch die schwarze Grundfarbe einen optischen Ruhepol. Rechts und links des Trägers hat der Designer eine Außen-Pantry angelegt. Das T-Top-Dach ist mit etwa 2,20 m Höhe vergleichsweise hoch, und doch ist es niedrig genug, um ausreichend Schatten zu spenden.

Italienischer Großmeister der Subtraktion

Christian Grande ist ein Meister der Subtraktion, also der Reduktion aufs Essentielle: ein Boot, bei dem weniger mehr ist. In seiner auch auf Video verfügbaren Präsentation spricht er häufiger vom Subtrahieren: Er zieht ab, wo andere hinzufügen. Er nutzt die Design-Register, um die gewünschte Wirkung zu stärken: ein maskulines Boot mit weiblichen Kurven.

Unterstützt werden die Linien optisch durch eine Farbgestaltung, die Übergänge glättet oder unterstreicht und allzu heftige Eindrücke verwischt. Auch an anderer Stelle werden Zeichen gesetzt: Durch den nach innen geneigten Süllrand, der sich zum Heck hin verjüngt, sorgt er auf subtile Weise für noch mehr Dynamik.

Invictus 460TT
Ein Audiosystem, gestaltet wie der Lufteinlass eines Rennbootklassikers © Stefan Gerhard

Nichts dem Zufall überlassen

Grande hat visuell und funktional nichts dem Zufall überlassen: Die verchromten und versenkbaren Audio-Boxen auf der Sonnenliege im Bug könnten auch die Lüftung eines klassischen Rennboots sein. Das Lochgitter der Dinghi-Garage im Heck erinnert an den Kühlergrill eines Sportwagens. Die Fensterlinie im Rumpf, die zum Bug hin schmaler wird, fügt sich durch einen negativen Rahmen ohne Dominanz ins Bild.

An Deck lässt er an Back- und Steuerbord ein gut begehbares Gangbord frei, was Platz für Bewegung vom Bug bis zum Heck schafft. An die obligatorische Sonnenliege im Vorschiff schließt sich das zentrale Cockpit an. Eingefasst von einem glänzenden Rahmen wirkt der Fahrstand wie ein großes Computer-Tablet: Hier sind die Motordaten digital auf zwei Displays abgebildet. Die drei Einzelsitze sind jeder für sich so luxuriös wie ein Piloten-Sitz.

Invictus 460TT
Der großzügige Steuerstand mit digitalen Instrumenten © Stefan Gerhard

Optimale Raumnutzung

Der Abstand zwischen der ersten Sitzreihe hinter dem Fahrstand und der Pantry ist etwa 70 cm breit. Das ist nicht schmal, sondern in der Anordnung genial. Der Designer nutzt hier gelerntes Verhalten. In dieser Open-Air-Kombüse fühlt man sich wie in einer funktionalen Küche oder Café-Bar – alles direkt im Zugriff. Optimale Raumnutzung bei maximalem Wohlbefinden.

Invictus TT 460
Viel Platz für die schöne Aussicht © Werft
Invictus TT 460
Das breite Gangbord läuft beidseitig © Werft

Daran schließt sich der Essbereich an fürs Lunch oder Dinner auf dem Wasser. Zwei Sofas und zwei Tische, auf Wunsch geteilt in der Mitte, um Platz zu schaffen. Kein Zentimeter an Deck bleibt unbedacht. Die Möbel haben vielfach einen doppelten Nutzen: Der Loungebereich lässt sich durch absenkbare Tische zur Liegewiese umbauen. Und unterhalb des großen Hecksofas liegt die sich elektrisch öffnende Tendergarage.

Unter Deck: Wo nichts zu ändern ist

Der Niedergang liegt klassisch neben dem Fahrstand im Cockpit. Eine Ziehharmonikatür führt zum Vorschiff, wo rechts und links das Bett ist. Das Privatissimo hat etwas von einer Junior-Suite, wie es in einem Hotel der obersten Kategorien zu erwarten ist. Auf den ersten Blick scheinen die verbauten Elemente die üblichen zu sein: ein gut dimensioniertes Doppelbett, großer Kleiderschrank, viel Licht dank des langgezogenen Fensterbands. Doch etwas ist anders.

  • InteriorHome, sweet home: Die Eignerkajüte wirkt edel © Werft
  • InteriorBehaglich: souverän gestaltetes und funktionales Bad © Werft
  • InteriorGroßzügig: die luftige Mittschiffs-Kabine © Werft


Das Raumgefühl im Eignerzimmer der Invictus TT 460 ist beeindruckend. Dafür sorgt das zusätzliche, vorne rundum laufende Lichtband in dem hohen Raum. Nichts in der Eignerkajüte ist eine Geschmacksfrage. Alles ist genau da, wo es sein sollte. Hier gibt es nichts zu verbessern. Spooky? Nein: schön.

Wie bei anderen Invictus-Modellen ist die Mittschiffskajüte ebenso großzügig gestaltet. Zwei getrennte Betten bieten ein Mindestmaß an Rückzugsraum. Vermutlich werden hier, wenn überhaupt belegt, die Kinder der Familie unterkommen. Oder ein später Bordgast, der nach dem Dinner vor Anker das Dinghi lieber in der Garage lässt. Denn groß genug ist die Invictus TT 460, um auch über Nacht oder für ein ganzes Wochenende als Heimstatt in einer stillen Bucht zu dienen.

  • RenderEin maskulines Boot … © Werft
  • Render… mit weiblichen Formen © Werft
  • RenderZur eleganten Erscheinung … © Werft
  • Render… kommt mehr als eine große Klappe © Werft

Was bei der Präsentation am Steg nicht direkt zu sehen ist, sind die beiden Extra-Zugänge aufs Boot. Im Achterbereich sind Seitentüren an Back- und Steuerbord in die Bordwand eingelassen. Wie Zugbrücken lassen sich die mit Teakholz belegten Ausgänge absenken, die so zur zusätzlichen Badeplattform werden.

Damit liegt Invictus im aktuellen Trend, ein Familienboot durch Seitendecks und Balkone aufzuwerten, wie erstmals gezeigt bei der Galeon 400 Fly und gelungen variiert bei der schwimmenden Finca Sea Ray SLX 400 und der Best-of-Boats-Award-Finalistin Beneteau Antaris 11 Fly. Mit der großen Jeanneau Cap Camarat 12.5 WA ist ein ähnliches Konzept mit Seitenausleger ebenfalls in der Produktion.

Ein weiterer Coup der Werft ist die Farbgebung. Denn es ist immer kniffelig, zwischen konventionellem Weiß und einer einprägsamen Optik etwas zu finden, das allen zusagt. Grande bietet eine ganze Palette an Farbtönen an, die sich wie Geschmacksrichtungen lesen: Vanilla Sea, Heritage Mint, Wild Bronze und Personal White. Konsequenterweise gibt es für das alles einen Modell-Konfigurator.

Invictus Yacht TT460 - Unconventional Luxury

Wir sind beeindruckt. Ein verbindliches Lächeln von Christian Grande für die internationale Presse, der Ellbogengruß, dann muss er weiter. Denn viele Interessenten warten schon am Steg. Die Invictus TT 460 ist einer der Stars des Bootssalons in Genua, der einzigen internationalen Bootsmesse im Messe-Herbst. Die internationale Premiere auf der boot Düsseldorf 2021 fiel aus bekannten Gründen aus.

Technische Daten Invictus TT 460

Länge 14,27 m
Breite 4,43 m
Gewicht 14.740 kg
Höchstgeschwindigkeit: 35,5 Knoten
Motorisierung: 2x Volvo Penta IPS 650 (Diesel)
Maximale Passagierzahl: 12 Personen

Bereits deutsche Interessenten

In Deutschland gibt es bereits einige Interessenten für dieses große Modell, wie float am Rande der Premiere des Boots von der Werft erfuhr. Wo wir die größte Invictus einmal bevorzugt zu sehen bekommen, ist noch nicht sicher. Der Bodensee wird ihr deutsches Heimatrevier, das steht fest. Denn hier befindet sich der Firmensitz des Generalimporteurs.

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