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Sieht verdammt schnell aus: Die Sea Ray SLX 400 kann bei Bedarf fliegen. Aber macht auch vor Anker Spaß. © Werft Die Sea Ray SLX 400 kann bei Bedarf fliegen, macht aber auch vor Anker Spaß. © Werft
Test Sea Ray SLX 400

Schwimmende Finca für den Süden

Die Sea Ray SLX 400 ist nicht einfach ein Weekender. Sie ist ein schnelles Schlösschen auf dem Wasser.

von
Arek Rejs
in
10 Minuten

Viele träumen von einem Landhaus im Süden. Doch selbst Fincas mit Meerblick oder eigenem Pool haben einen entscheidenden Nachteil: Sie bleiben immer vor Anker. Ein Boot dagegen erlaubt es, jeden Tag mit einer anderen Perspektive aufzustehen. Es muss nur eines haben: eine möglichst umfangreiche Ausstattung. Dann lassen sich die Tage an Bord so wie das Landleben genießen.

Ein solches Boot für warme Gefilde, eine schwimmende Finca für den Süden, ist die Sea Ray SLX 400. Sie ist mehr als nur einfach eine Motoryacht. In der Konzeption kommt sie dem Landhaus schon ziemlich nahe. Sea Ray hat ihr übrigens den Beinamen „The Entertainer“ gegeben. Und so ist das Boot auch aufgebaut.

SLX 400 Drohne
Die Sea Ray SLX 400 ist das größte Boot der SLX-Serie © Steinbergphoto/Werft

Das Zwölfmeter-Refugium ruht auf einem sehr guten Rumpf, wird von hervorragenden Motoren angetrieben und ist mit den aktuellsten technischen Innovationen ausgestattet. Soweit der Anspruch. Sea Ray hat die SLX-Serie ausdrücklich für Familienboote entworfen, auf denen sich „jede Minute wie eine Belohnung anfühlen soll“. Was heißt das konkret?

Mittelpunkt der Entspannung

Dass die Sea Ray SLX 400 ein Boot des Südens ist, zeigt schon der wichtigste Aufenthaltsort an Bord: Er befindet sich nämlich unter freiem Himmel. Das Zentrum der Entspannung ist – wir sehen es gleich, als wir an Bord gehen – eine monumentale Sonnenliege im Heckbereich. Dieser maritime Wellnessbereich in L-Form setzt sich im Cockpit als bequeme Couch fort.

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  • Sea Ray 400 SLXLiegt die SLX 400 vor Anker, entfaltet die Terrasse ihren Zauber © Steinbergphoto/Werft
  • SLX 400 MotorDie Heckliege bietet Platz für eine ganze Fußballmannschaft, und durch … © Werft
  • SLX 400 Motor… die klappbare Steuerbord-Bordwand vergrößert sich die begehbare Fläche © Steinbergphoto/Werft

Die achterliche Rückenlehne der Liege ist verschiebbar – und zwar anders als erwartet. Zur Arretierung muss man lediglich einen kleinen Hebel an der Rückenlehne entriegeln und sie nach hinten schieben. Dann befindet sich die gesamte Sonnenliege plötzlich in einer neuen Position: Nun sitzt man, mit einer bequemen Rückenlehne, zur Steuerbordseite hin.

Warum hat die Werft das so gelöst? Weil der Heckbereich der SLX 400 sich in Richtung Steuerbord erweitern lässt. Wenn er geöffnet wird, entsteht eine Terrasse, die sich fast auf demselben Niveau befindet wie die Badeplattform. Das funktioniert ähnlich wie bei der Galeon 400 Fly.

Doch während diese polnische Yacht sowohl nach Back- wie nach Steuerbord klappbare Bordwände hat, wird die Motoryacht aus den USA lediglich an einer Seite „aufgeklappt“. Auch die Franzosen bauen mittlerweile so: Mit der großen Jeanneau Cap Camarat 12.5 WA ist ein ähnliches Konzept mit Seitenausleger seit kurzem en vogue und in der Produktion.

Badeplattform wie eine Freitreppe

Ein weiterer Baustein der Finca auf dem Wasser ist die Badeplattform: Sie erinnert in den Ausmaßen und mit ihrer großzügigen Anmutung an eine Freitreppe zum Pool. Die weit ausladende Heckplattform der SLX 400, wahlweise mit Teak belegt, ist im mittleren Bereich absenkbar. Liegt diese hydraulisch bewegliche Stufe im Wasser, breitet sich vor ankommenden Schwimmern ein Willkommensbereich aus. Wie in einer kleinen Bucht gehen sie in einem geschützten Bereich an Deck.

Wer die Badeplattform erklommen hat, tut nur noch einen weiteren Schritt, um Deckshöhe zu erreichen. Diese Übung gelingt allerdings nur bei Innenbord-Motoren. Bei einer Außenborder-Variante – und die ist inzwischen deutlich populärer – entfällt die Plattform. Ihren Platz nimmt dann der Antrieb ein, und der Zugang ins Wasser erfolgt über eine profane Badeleiter daneben.

  • SLX 400 MotorDer Heckbereich mit Badeplattform und klappbarer Bordwand wird zu einem Mini-Wellnessbereich © Steinbergphoto/Werft
  • SLX 400 MotorDie Badeplattform wird hydraulisch abgesenkt © Steinbergphoto/Werft
  • SLX 400 MotorEin mobiles Sonnendach lässt sich weit ins Heck ausfahren © Werft

Im Übrigen ist die Liege, klar der begehrteste Aufenthaltsort an Bord der Motoryacht, nicht unbedingt immer sonnenbestanden. Ein mobiles Sonnendach lässt sich vom Aufbau bis weit ins Heck ausfahren. Es beschattet dann weite Teile des Freidecks. Bei ungünstigen Wetterbedingungen, wie es bei unserem Test der Fall war, wird das Cockpit komplett mit einem Zelt umschlossen – davon später mehr.

Höchste Entspannung in der Plicht

Die Bucht vor Cannes und Mandelieu und der Himmel darüber zeigen sich garstig, als wir zur Testfahrt aufbrechen.

Unter Normalbedingungen sind Sonnenanbeter auch während der Fahrt eingeladen, bequem auf dem Wellness-Sofa zu sitzen, mit dem Blick nach achtern in die davonschießende Hecksee. Die versetzte Rückenlehne bildet zusammen mit dem Rest der Rückenlehne der Couch einen bequemen Sitzplatz auf der linken Seite der Motoryacht.

Vorschiff Sea Ray 400 SLX
Auch auf dem Vorschiff gibt es gemütliche Sitzmöglichkeiten © Steinbergphoto/Werft

Zu jeder Finca gehören auch ausgelassene Parties bis tief in die laue Sommernacht. Das begleitet an Bord der Sea Ray SLX 400 eine solide und durchsetzungsfähige Audio-Ausrüstung von Fusion. Wer sich mit der eigenen Yachtrock-Playlist müde getanzt hat, kann natürlich in der Plicht abhängen. Bis zu acht Personen finden dort bequem Platz: ohne die Achtercouch-Gäste, den Steuermann und den Navigator noch weitere vier Passagiere!

Audio-Anlage
Zur Ausstattung gehört auch die solide und durchsetzungsfähige Audio-Ausrüstung © Steinbergphoto/Werft

Wenn es bei Sonnenaufgang kühl wird: Das Cockpit ist mit einem Hardtop abgedeckt. Der mittlere Teil des Dachs lässt sich öffnen, er ist aus Stoff gefertigt. Auch das ist ein Zugeständnis an die südlichen Reviere, in denen jede Form von Abkühlung (tagsüber!) erwünscht ist.

Pantry ist üppig ausgestattet

Doch jetzt genug gefaulenzt, flanieren wir ein Stückchen! Beim Betreten des Cockpits passieren wir die Pantry auf der Steuerbordseite, dann zum Bug hin vorbei an einem sehr bequemen Einzelsitz, der sich auf der Rückseite des Steuer- und Beifahrersitzes befindet. Was wäre eine Finca ohne lukullische Freuden? Auf dem Testboot war die Pantry mit zwei Kühlschränken, einer Spüle, einer Kühlbox und einem Grill üppig ausgestattet. Das bietet Raum auch für die US-amerikanische Variante von Dolce Vita: mit Bier und Spareribs.

SLX 400 Pantry
Der großzügig dimensionierte Grill © Werft
SLX 400 Pantry
Auch Kühlbox und Kühlschrank bieten viel Platz © Steinbergphoto/Werft

Die Küchen-Infrastruktur wird mit einem weiteren Kühlschrank unter Deck und einer Mikrowelle komplettiert. Dazu später mehr. Auf der linken Seite des Cockpits befindet sich neben dem bequemen L-förmigen Sofa der klappbare Tisch. Weiter zum Bug hin ist ein großer Drehsessel platziert, der gleich  zwei Personen Platz bietet.

Der Durchgang zum Bug befindet sich an der Backbordseite. Dort angekommen, nehmen wir auf einem bequemen, breiten Drei-Personen-Sofa mit klappbaren Armlehnen Platz. Das ist noch nicht alles: Auf beiden Seiten des Decks befinden sich zwei weitere Sofas für je zwei Personen. Im Boden zwischen ihnen ist ein Tisch verstaut, der im Nest montiert werden kann.

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Das Vorschiff mit Durchgang auf der Backbordseite © Steinbergphoto/Werft

Natürlich – wie es sich für ein amerikanisches Produkt gehört – sind auf dem Vordeck der Motoryacht, aber auch im Cockpit und an der Heck-Sonnenliege und überhaupt überall Getränkehalter installiert. Niemand auf dem Boot wird irgendwo gezwungen sein, seinen Drink mit eigenen Händen festhalten zu müssen. Natürlich gibt es auch überall solide Haltegriffe und Geländer, die die Fahrt für alle Passagiere, in jedem Alter, sicher machen.

Auch die Übernachtungsmöglichkeiten sind geräumiger, als man es erwarten würde.

Unter Deck ist Platz für vier

Zeit für ein kleines Nickerchen? Der Eingang zur Kabine befindet sich zwischen dem Steuerstand und der Passage zum Vordeck. Der Weg dorthin ist durch eine massive Laminatschiebetür gesichert. Ist sie geschlossen, wäre die Kabine fast völlig unsichtbar.

Tatsächlich kann man leicht übersehen, dass es auf der offenen Motoryacht eine recht große und komfortable Kabine für vier Personen gibt. Der Bugbereich wird von V-förmigen Sofas eingenommen. In der Mitte steht ein großer dreieckiger Tisch. Wird er abgesenkt und die entstehende Lücke mit einem Matratzen-Füllstück geschlossen, verwandelt sich der gesamte Bugbereich in ein bequemes Doppelbett.

  • SLX 400 SalonDas V-förmige Sofa im vorderen Teil der Kabine verwandelt sich … © Werft
  • SLX 400 Salon… mit wenigen Handgriffen in ein bequemes Doppelbett © Werft
  • SLX 400 SalonDie Kojen sind nicht durch eine Zwischenwand getrennt – links der Sanitärbereich © Werft
  • SLX 400 SalonIm hinteren Teil der Kabine unter dem Cockpit befindet sich ein weiteres, großes Bett © Werft

Eine zweite sehr bequeme Koje für zwei Erwachsene gibt es weiter hinten unter dem Boden des Cockpits. Hier müssen wir weder den Tisch absenken noch die Matratzen ausklappen. Es gibt aber auch keine Zwischenwand.

Koje im Heck ohne Fenster

Gleich nach dem Abstieg in die Kabine biegen wir hinter der Treppe nach links ab, ziehen den Kopf ein wenig mehr ein – und schon sind wir im eigentlichen Schlafgemach. Von diesem Bereich aus haben wir zwar keinen Blick auf das Meer (also nichts für klaustrophobische Bootsgäste), doch es ist zumindest sehr ruhig und auch gemütlich.

Auf der rechten Seite der Kabine befindet sich der abgeschlossene Sanitärbereich mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die bereits erwähnte Mikrowelle und der Kühlschrank aufgestellt.

SLX 400 Bad
Auch der Sanitärbereich … © Werft
SLX 400 Bad
… zeugt von hoher Qualität © Werft

Die Kabine sowie alle übrigen Räume der Sea Ray SLX 400 sind sehr schön mit Polstern ausgestattet. Deren Farbe kann bei der Bestellung aus diversen Varianten ausgewählt werden. Die Liebe zum Detail lässt sich an der hohen Qualität der Verarbeitung erkennen.

Elektronische Steuerung

Der Zwei-Personen-Steuerstand befindet sich im Obergeschoss auf der Steuerbordseite. Dafür sind zwei separate profilierte Sessel mit erhöhten Sitzen vorgesehen. Es gibt auch eine Erhöhung, die es dem Schiffsführer ermöglicht, höher zu stehen und sich an die Sitze anzulehnen. Das Armaturenbrett ist auffallend modern: Hier gibt es keine einzige mechanische Anzeige.

Alle Informationen über die Motoren, sämtliche Systeme und natürlich die Navigation sind auf zwei großen Simrad-Monitoren abgebildet. Darunter befindet sich nur eine Handvoll mechanische Tasten, um den Anker, die Beleuchtung, die Pumpen oder die Hupe zu bedienen. Ansonsten wird alles elektronisch gesteuert.

  • SLX 400Das Armaturenbrett hat ausschließlich digitale Anzeigen © Werft
  • SLX 400Alle Informationen werden auf zwei Simrad-Monitoren abgebildet © Steinbergphoto/Werft
  • SLX 400Gashebel und Joystick sind auf der Ablage bequem zu bedienen © Steinbergphoto/Werft

Während des Tests ist der Himmel vollständig von Wolken bedeckt. So ist es für mich schwer zu beurteilen, wie gut die Anzeigen der beiden Monitore bei direkter Sonneneinstrahlung ablesbar sind. Gashebel und Joystick befinden sich auf einer kleinen Ablage. Sie sind in beiden Positionen sehr bequem zu bedienen, egal ob man im Sitzen oder Stehen fährt.

Dann starten wir doch einfach mal …

Die Wendigkeit macht Spaß

So eine Finca mit ihrer gesamten üppigen Ausstattung ist kein Leichtgewicht: Die Sea Ray SLX 400 wiegt inklusive Tankfüllung mehr als acht Tonnen. Daher dauert es auch einige Zeit, bis diese Motoryacht abhebt. Genauer gesagt: 18 bis 20 Sekunden verstrichen, bis wir die volle Fluggeschwindigkeit erreicht hatten. Dazu muss man wissen, dass die getestete Yacht von dem leistungsstärksten Motorensatz angetrieben wurde, der für dieses Boot erhältlich ist: zwei Mercruiser-Innenborder mit je 8,2 Litern Hubraum, zusammen 860 PS stark.

SLX 400 Motor
Die Motorisierung der Sea Ray SLX 400 – es können auch Außenborder montiert werden © Werft

Nach dieser also recht langen Beschleunigungsphase kommt die Motoryacht allerdings gut in Schwung und fährt überaus angenehm. Die Höchstgeschwindigkeit, die wir während des Tests erreichten, beträgt 37,4 Knoten bei 4.700 Motorumdrehungen pro Minute. Wir brauchten etwa 50 Sekunden, um diese Geschwindigkeit zu erreichen.

Die Wendigkeit der Sea Ray 400 SLX hat mir extrem gut gefallen. Die Finalistin des Best of Boats Awards 2020 ist eine ziemlich schwere, reich ausgestattete Motoryacht, die dennoch stets willig und exakt auf Kommandos reagiert, ohne Geschwindigkeit und Drehzahl zu verlieren. Das macht Spaß.

SLX 400 beim Fahren
Gute Sicht aus dem Steuerhaus und kein Tropfen Wasser auf dem Vorschiff © Steinbergphoto/Werft

Auch die Sicht aus dem Steuerhaus ist sehr gut. Etwas gestört haben uns die Regentropfen auf dem Zelt in der Plicht, das wir während des Tests ständig aufgebaut hatten. Aber ansonsten ist die Sicht um das Boot herum sehr gut. Bemerkenswert ist, dass trotz der wenigen größeren Wellen, die wir gequert haben, kein Tropfen Seewasser auf die Windschutzscheibe oder das Vorschiff kam.

Schönheit geht auch ohne Tempo

Trotz ihrer erfreulichen Seetüchtigkeit bleibt der Schwerpunkt der SLX 400 ein anderer: Diese Motoryacht ist zur Unterhaltung der Bordgäste und für völlige Entspannung konzipiert. Sie ist bequem, sicher, geräumig und macht Spaß – sowohl am Steuer als auch auf der Liegefläche.

Die Sea Ray
Die SLX 400 ist konzipiert für Unterhaltung und völlige Entspannung © Steinbergphoto/Werft

Die Sea Ray SLX 400 ist ein guter Beleg dafür, dass man nicht mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40 Knoten fahren muss, um die Wonnen des Wassers unter Motor in vollen Zügen genießen zu können. Die US-Motoryacht eignet sich damit perfekt als Familienboot.

Die Kajüte bietet Platz für eine Familie von vier bis fünf Personen ohne jegliche Unbequemlichkeit. Alle Aufenthaltsbereiche lassen sich so abschotten, dass kleine Kinder nicht versehentlich über Bord fallen. Auch die Durchgänge sind sicher. Sicherer kann man fast auch an Land nicht wohnen.

Technische Daten Sea Ray 400 SLX

Länge12,04 m
Breite3,68 m
Tiefgang1,12 m
Gewicht7.722 kg
Motorisierung2x Mercruiser 8.2 l (380 PS) / 2x Mercruiser 8.2 l (430 PS) / 2x Mercury-Diesel TDI 4,2 l (364 PS)
Maximale Passagierzahl14 Personen

Messwerte für Tempo und Verbrauch

Drehzahl (U/min)Tempo (km/h)Verbrauch (Liter pro Stunde)
6606,76,2
1.0009,89,9
1.50013,917
2.0001729,5
2.50018,547
3.50042,685
SLX 400 Motor
Draufsicht mit dominierendem Element, der großen Sonnenliege © Werft

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