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Unbemanntes Boot © Narwhal
Technik

Spanisches Roboterboot

Ist das die Zukunft der Küstenüberwachung?

von in
3 Minuten

Der galizische Schlauchboot-Hersteller Narwhal Boats, das Technologieunternehmen UTEK aus Madrid und der Bootshändler Touron Nautica haben gemeinsam ein unbemanntes RIB entwickelt. Der Name des Festrumpf-Schlauchboots ist SV01 Kaluga. Sein Zweck: Forschung, Seenotrettung – und militärische Einsätze.

„Unmanned Surface Vehicles“, kurz USV genannt, sind unbemannte Boote für den Marineeinsatz. Erstmals wurden sie am Ende des Zweiten Weltkriegs verwendet. Ihre modernen Pendants setzt man seit den späten 1990er-Jahren hauptsächlich im Verteidigungsbereich ein. In den letzten Jahren steigt die Nachfrage nach den führerlosen Wasserfahrzeugen wegen der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die das Vehikel bietet: von der Meeresüberwachung über die Ozeanforschung bis zur Seenotrettung.

Der Hauptvorteil eines USV ist die Reduzierung von Risiken für die Besatzung an Bord. Ist keiner an Bord, sind auch die Betriebskosten geringer und der Einsatz im Dauerbetrieb möglich. Dazu kommt eine extrem kurze Reaktionszeit, da das Boot in der Regel schon auf See ist. Ein USV muss in der Lage sein, seine Funktion in der typischen Umgebung unbemannter Systeme gefahrlos zu erfüllen. Dies sind die berühmten 3D des Robotereinsatzes: „dull, dirty, dangerous“, also öde, schmutzig und gefährlich.

SV01 Kaluga
Riss der SV01 Kaluga© UTEK

Die SV01 Kaluga wurde in nur neun Monaten entwickelt und gilt, da Methoden und Verfahren aus der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt wurden, schon jetzt als Referenz für moderne USVs. Verantwortliche aus dem spanischen Verteidigungsministerium nahmen bereits an Bootstests im San-Juan-Stausee bei Madrid teil. Oder besser: Sie sahen den Tests zu.

100% spanisch

Entstanden ist das führerlose RIB auf Initiative des Madrider Startups UTEK (Unmanned Teknologies Applications). Das 6,70 Meter lange Narwhal-Festrumpfboot ist mit einem 150 PS starken Verado-Motor von Mercury ausgestattet, der einzigen nicht-spanischen Technologie im Boot. UTEK war bei dem im September 2016 gestarteten Projekt für die Koordinierung und Entwicklung der Fähigkeit zur unbemannten Fahrt zuständig, Narwhal steuerte das Boot samt technischer Unterstützung bei, und Touron übernahm Motor und Montage. Die Reichweite beträgt zur Zeit 24 Stunden bei niedriger Geschwindigkeit. Dies kann aber durch zusätzliche Kraftstofftanks erweitert werden.

SV01 Kaluga
Test auf dem San-Juan-Stausee© Narwhal

Mit über 40 Knoten über den See

Im Mai, nur acht Monate nach Beginn der Zusammenarbeit der drei Firmen, folgen die ersten Tests zu Wasser. Nicht auf See, sondern zunächst auf dem San-Juan-Stausee. Das Kaluga SV01 erreichte dabei Geschwindigkeiten von über 40 Knoten. Das System kann manuell vom Boot aus gesteuert werden oder es wird – das ist der eigentliche Sinn der Sache – von einer Kontrollstation aus ferngesteuert. „Im Moment ist die Verwendung des RIBs noch auf die Sichtlinie beschränkt.“ heißt es von ETEK. „Wir arbeiten bereits an der Integration von Navigationsgeräten wie AIS, RADAR, LIDAR und auch Kameras. Für die Kommunikation soll eine Satellitenverbindung dienen, so dass man sich aufgrund der Krümmung der Erde nicht auf kurze Entfernungen verlassen muss“, so der Hersteller.

Für Verteidigung, Seenotrettung, Forschung

Die häufigste Anwendung für ein autonomes Boot ist die Überwachung von See-Revieren. Denn die Boote erlauben einen kontinuierlichen Betrieb ohne Risiko für eine Schiffsbesatzung. Entsprechend plant das Dreier-Firmenkonsortium in diese Richtung. „Wir konzentrieren uns auf eine Port-Security-Anwendung, die traditionelle bodengestützte Kameras und Sensoren kombiniert, die in der USV installiert sind. Die andere Anwendung, die uns gefällt, betrifft die Bekämpfung von Ölverschmutzungen.“

Laut Hersteller ist das Boot bereits einsatzbereit. An der halbautomatischen Steuerung wird aber noch gearbeitet. Sie dient zur Aufrechterhaltung fester Bahnen und der voll automatischen Navigation zwischen GPS-Positionspunkten. Über andere navigatorische Herausforderungen für Roboterschiffe (float hat berichtet) ist nichts zu erfahren. Denn wie das Boot sich verhält, wenn ihm plötzlich etwas in die Quere kommt, sei es ein anderes Schiff, Treibgut oder ein Lebewesen, verrät der Hersteller nicht.

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