float Magazine

Die Parker Monaco 110 ist ein großzügiges Familienschiff © Werft
Parker Monaco 110

Vom Geheimnis zum Familienschiff

Mit der Monaco 110 hat Parker die Bootsklasse gewechselt – vom kompakten Kajütboot zur großen Familienmotoryacht.

Arek Rejs
von in
6 Minuten

Die Parker Monaco 110 ist die Antwort der polnischen Werft auf die wachsende Popularität von Außenbordmotoren auch bei größeren Motorbooten. Schon die neue Zählung im Modellnamen lässt erkennen, dass die erfolgreichen polnischen Bootsbauer in neue Gefilde vorstoßen. Mit der Monaco hat Parker Boats die Bootsklasse gewechselt – vom kompakten Kajütboot wie der 2015 beim Best of Boats Award siegreichen Parker 630 Sport zur großen und komfortablen Familienyacht. Das erste Modell der komplett neuen Baureihe sind wir im Sommer in der Bucht von Danzig gefahren. Doch kennen wir das Boot schon viel länger.

Vor zwei Jahren noch ein Geheimnis

Im Januar 2017, also vor fast zwei Jahren, hörte ich, dass bei Parker in Ostroda etwas Besonderes gebaut wird. Aber das ganze Projekt war streng vertraulich. Im Juli desselben Jahres sah ich erste Zeichnungen des neuen Boots. Schließlich, im Januar 2018, konnte ich in Düsseldorf die 33 Fuß lange Parker Monaco 110 auf der Messe persönlich betreten. Das Boot, das Ende November souverän den Best of Boats Award 2018 in der Kategorie Best for Family als bestes Familienboot 2018 erhalten hat, ist eine revolutionäre Konstruktion für die Verhältnisse der Werft.

Parker Monaco 110

Lange geplant: Parker Monaco 110 © Werft

Revolution heißt Umwälzung, und das ist es auch, was die Monaco in Bezug auf die Marke Parker bedeutet. Bislang war Parker bekannt als Hersteller von RIBs, Sportfischerboote sowie offene Daycruiser und kompakte Kajütboote für Wochenendausflüge wie die von uns getestete Parker 850 Voyager (hier die Fotostrecke). Je nach Konfiguration und Ausstattung können fast alle Modelle als kleine Familienyachten für einige Tage der Erholung auf dem Wasser genutzt werden.

Parker legt vor, andere folgten

Die Parker Monaco 110 aber ist eine komfortable Familienyacht, auf der eine vierköpfige Familie einen kompletten Urlaub auf dem Wasser verbringen kann. Kurz nachdem der polnische Hersteller das Konzept seines als Zehn-Meter-Reiseboots mit Außenbordmotoren bekannt gibt, legen andere Werften mit ähnlichen Lösungen nach.

Ich habe relativ lange auf die Möglichkeit gewartet, das Boot selbst zu fahren. Nach einem kurzen Intermezzo in der Lübecker Bucht kehrte das Boot in sein Heimatrevier zurück. Zur Bootsmesse Wind & Water in Gdynia habe ich das Boot schließlich für eine Testfahrt ganz für mich alleine.

Parker Monaco 110

Genug Platz für eine bis 14 Personen © Werft

Eine kleine Ausfahrt zu vierzehnt

Bevor ich das Ruder für den Bootstest übernehme, unternehmen wir eine kleine gemeinsame Ausfahrt von der Marina Gdynia aus. Die von der Werft an Bord eingeladene Gruppe ist recht groß. Am Ende sind wir 14 Personen. Dennoch finden alle einen bequemen Platz, und niemand fühlt sich wie an Bord eines Wassertaxis. Das ist der erste und beste Beleg dafür, dass die Parker Monaco 110 ein geräumiges, komfortables und ergonomisch gut durchdachtes Boot ist.

Entworfen wurde die Konstruktion vom Entwicklerteam der Werft in Zusammenarbeit mit Tony Castro Design. Das bekannte britische Designbüro entwickelt eher luxuriöse Motor- und Segelyachten und ist auch im Superyachtsektor aktiv. Bekannt sind vor allem die aktuellen Entwürfe für Galeon Yachts.

Rundgang mit Rundblick

Auf dem Hauptdeck befindet sich im Salon, links und leicht erhöht, die Ess-Insel mit einem großen Tisch in der Mitte und einer bequemen Couch rundherum. Rechterhand ist die Bordküche platziert – mit Zwei-Flammen-Kochfeld und einer elegant versteckten Spüle.

Die Dinette ist L-förmig. Ihre kürzere Seite reicht bis zum Cockpit. Dadurch verwandelt sich die Pantry nach dem Öffnen eines großen Fensters im Heck, in eine komfortable Bar. Die Bar liegt strategisch günstig zwischen Achtercockpit und Kombüse und bietet zwei Kühlschränke, die auf beiden Seiten eingebaut sind.

Parker Monaco 110

Nur die Pantry trennt Cockpit und Salon © Werft

In die breite Weite

Breite Glastüren trennen den Salon vom offenen Cockpit mit dem zentralen großen Tisch. Hier, in der Plicht, spielt sich bei gutem Wetter das Bordleben in Wesentlichen ab. Dahinter, weiter Richtung Heck, ist das zusammenfaltbare und verschiebbare Sonnenbett. Dessen Liegefläche deckt die beiden am Heck aufgehängten Außenbordmotoren geschickt ab. Die großen V8-Motoren von Mercury Marine sind, wenn sie im leisen Hafenmodus betrieben werden, auch sonst kaum merkbar.

Über breite Gangborde auf beiden Seiten des Boots geht es zum Vorschiff. Hier, am Bug, befindet sich das zweite Sonnenbett. Praktisch: Der Steuerstand und der Salon sind einfach von der Bootsspitze aus durch zusätzliche seitliche Schiebetüren zugänglich. Das erleichtert schnelle Anlegemanöver im Hafen erheblich. Vor allem dann, wenn man solo unterwegs ist.

  • Parker Monaco 110Viel Platz vorne © Werft
  • Parker Monaco 110Gangborde sind beidseitig begehbar © Werft
  • Parker Monaco 110Halb überdachtes Cockpit © Werft

Gut bedeckt, Tisch im Heck gedeckt

Einen großen Teil der Decke im Wohnsalon entfällt auf das Glasdach, das sich natürlich öffnen lässt. Das Dach wird im achterlichen Cockpit als Überhang fortgeführt. Das große GFK-Element schützt vor direktem Sonnenlicht und vor Wasser von oben. Toll ist, dass sich bei Bedarf die aus leichtem Textil gefertigte Markise aufrollen lässt, die in den Dachübergang integriert ist. So hat man bei Bedarf Sonne überall.

Zu einem Familienboot gehören auch Badeplattformen. Sie sind bei der Parker Monaco 110 nicht zu übersehen und wurden rechts und links von der Motorensektion platziert. Das Besondere an den Heckplattformen verrät uns Werftchef Chris Scott während der Boot & Fun Berlin: Die Badeplattform verlängern die Bootslinie optisch erheblich, während der Rumpf kürzer ist, um in einigen südlichen Ländern nicht unter die Luxussteuer zu fallen.

Parker Monaco 110

Werftchef Chris Scott in Berlin © Messe Berlin

Bequem zurück an Land geht es nicht nur übers Badedeck im Heck, sondern auch durch eine Seitentür auf der rechten Seite des Cockpits.

Viel, viel Licht im Inneren

Unter Deck sind zwei große Doppelkabinen mit einer gemeinsamen Toilette und einer großen Duschkabine. Letztere sind auf der rechten Seite platziert. Alle Räume bekommen viel natürliches Licht ab. Es fällt durch große Seitenfenster und ein großes, langes Oberlicht im Boden des Vorschiffsdecks ein.

  • Parker Monaco 110Master Cabin © Werft
  • Parker Monaco 110Mittschiffskajüte © Werft
  • Parker Monaco 110Badezimmer © Werft

Während unserer Fahrt mit einer großen Gruppe sitzt niemand in der Kabine. Alle genießen das Vergnügen, gleichzeitig drinnen und draußen zu sein – denn so kommunikativ fühlt sich die Verbindung von Cockpit und dem fast vollständig offenen Salon an. Aber wie sind die Fahreigenschaften? Das erkunden wir, nachdem wir die Bordgäste abgesetzt haben.

Bei 30 Knoten behaglich aufgehoben

Nach der Rückkehr in die Marina bleiben noch vier Personen an Bord. Wir füllen die Treibstofftanks auf und machten uns auf den Weg zur Danziger Bucht. Unser Testboot wird von zwei Außenbordmotoren des Typ Mercury Verado mit je 300 PS angetrieben. Die Parker Monaco 110 ist auch mit einer Twin-Installation mit 400 PS starken Rennmotoren erhältlich. Ich denke, dass insgesamt 600 PS für ein aktuelles Familienboot mehr als ausreichen.

Parker Monaco 110

Bei der Arbeit: zwei V8-Motoren von Mercury © Werft

Parker Poland baut durchgängig solide und sehr seetüchtige Rümpfe. Dafür sprechen mehrere Auszeichnungen als bestes Motorboot des Jahres für andere Bootsmodelle der Werft. Vor der Premiere des bisher größten Bootes kündigte man daher eine ausgezeichnete Leistung an. Ich habe es überprüft! Für die Chronik: Für die Messfahrt fallen außer der Crew 150 Liter Treibstoff, 200 Liter Wasser und der Inhalt der mit Getränken halb gefüllten beiden Kühlschränke ins Gewicht.

Die Monaco 110 braucht nur 4,5 Sekunden, um in Gleitfahrt zu kommen und 14 Sekunden, um eine Geschwindigkeit von 30 Knoten zu erreichen. Für die Fahrt mit der Familie ist die Tatsache eher nachrangig, dass wir mit maximal 39 Knoten bei 6.300 U/min unterwegs waren. Bei einer schnellen Marschfahrt von etwas weniger als 30 Knoten, verbrauchen die beiden starken Motoren zusammen 120 Liter Benzin pro Stunde.

Parker Monaco 110

Noch größer im kommenden Jahr

Die kompakte Motoryacht fährt sich perfekt. Das Boot ist leise, überall an Bord fühlt man sich während der Fahrt behaglich aufgehoben. Die Geschwindigkeit ist dabei nicht zu spüren. Alles, worauf die Person am Steuer achten sollte, sind sehr scharf gezogene, heftige Kurven bei höherer Geschwindigkeit. Abgesehen davon ist das Boot ein Traum.

Der Parker Monaco 110 ist derzeit das größte von Parker Polen gebaute Boot. Dass dies nicht das letzte Wort der Werft aus Czosnów ist, wenn es um die Erweiterung der Flotte um größere Schiffe geht, hoffe ich nicht nur. Ich weiß es. Zur boot Düsseldorf 2019 ist die nächste Premiere angesagt.

Boote von Parker Boats werden in Deutschland und der Schweiz von mehreren Händlern angeboten.

Technische Daten Parker Monaco 110

Länge11,20 m
Breite3,62 m
Tiefgang0,80 m
Gewicht5,900 kg (ohne Motoren)
Motorisierungvon 2 x 150 PS bis 2 x 400 PS
CE-KategorieB (küstenferne Gewässer)

Messwerte

4 Personen an Bord, kaum Wind, Wellengang: 30 cm

Drehzahl (U/min)Tempo (Knoten)Verbrauch (l/h)
55023,6
1.0007,28,4
2.0001018
3.0007,045
4.0001872
5.00028,3120
5.50032,1147
6.30039226

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.