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Preste 18 One Design © Adam Smelkowski
Premiere Preste 18 One Design

Vorgeschmack aufs schnelle Gleitsegeln

Die Preste 18 ist ebenso kurz wie schnell. Die polnische Jolle ist hierzulande unbekannt. Kein Wunder: Noch gibt es keinen Vertrieb.

von
Michael Krieg
in
4 Minuten

Sie waren lange auf der Suche nach ihrem „Traumboot“. Es sollte leicht, schnell und ein Gleiter sein. Der polnische Konstrukteur Wojciech Kasprzak wurde beauftragt und hat es dann für sie gezeichnet. „Sie“ – das ist eine engagierte Gruppe polnischer Segler, die seit Jahren auf dem nahe Poznań gelegenen Kierskie-See segelt. Das Ergebnis: die Preste 18 One Design. Aber von Anfang an …

Hier, auf dem nur vier Kilometer langen Kierskie-See, probierten sie verschiedenste Freizeit- und Sportsegelboote aus. Das fing mit dem 420er an und entwickelte sich hin zu Performance-Booten der Focus 730 und der Nautica 450. Es war ein ständiger Lernprozess.

Die Freunde sammelten zunehmend Erfahrung, und sie verlangten von Saison zu Saison mehr von den Booten, die auf dem Markt erhältlich waren. Nur: Keines entsprach ihrem Wunsch, neben Schnelligkeit auch sicheres Segeln mit dem Gennaker vor allem bei starkem Wind zu bieten.

So kam Wojciech Kasprzak ins Spiel. Sie baten den Konstrukteur aus Warschau, etwas für sie zu entwerfen. Bald könnte das schnelle Boot auch in Deutschland zu sehen und zu segeln sein. Denn das Potenzial dafür hat es.

Sehr wendig und manövrierfähig

Die Prämissen waren klar formuliert: Verlangt war eine große Anfangsstabilität, um der Crew nicht von vornherein das Leben schwer zu machen. Vor allem bei viel Wind sollte das für ein sicheres Gefühl sorgen. Besonders dann, wenn „die Kiste abgeht“, wie es der Konstrukteur selbst nennt, und ein offenes Sportboot ins Gleiten kommt. Das Ergebnis ist die Preste 18 One Design.

Preste 18 One Design
Surft auch auf dem See © Adam Smelkowski

Der Rumpf wird in Suchy Las nahe Poznań im Westen Polens gebaut. Der Prototyp war 2020 fertig. Im Mai waren die Tests abgeschlossen, und das Boot gab sein Debüt in der Regatta Polish Cabin Yachts Cup (Offene Klasse). Dabei zeigte es sich sehr wendig und manövrierfähig.

Bei Regatten wird die Preste 18 zu zweit gesegelt. So lässt sich das Potenzial, das in ihr steckt, voll ausnutzen. Die maximale Anzahl der Besatzungsmitglieder beträgt vier Personen. Dann aber „ist Segeln in erster Linie ein Mittel zur Erholung“, sagt Norbert Nowacki von Preste-Yachten.

Sicher in allen Lagen und bei Lage

Witold Małecki ist die Preste 18 bereits gesegelt. Er ist einer der führenden Steuerleute der Nautica-450-Klasse und Teilnehmer von Ostseeregatten. Małecki, so berichtet es die Werft gegenüber float, äußerte sich anschließend sehr positiv.

Das neue One-Design-Modell sei ein Boot, das Seglern einen Vorgeschmack aufs schnelle Gleitsegeln vermitteln kann. Und das, ohne dass sie fürchten müssten zu kentern und gleich im Bach zu liegen.

Auch bei mehr Wind und Welle ist das so. Kurzum: Das Boot hat eine äußerst stabile Schwimmlage. Für Witold Małecki ist damit klar, dass die Preste 18 nicht nur Binnensegler erfreuen kann, sondern auch für den Einsatz auf der Ostsee vor der Küste geeignet ist. Und schießt die Jolle unter Gennaker dann doch mal in den Wind, ist sie schnell wieder auf Kurs zu bringen.

Preste 18 One Design
Duchblick, den sportliche Segler wünschen © Adam Smelkowski

Das Heck der Preste 18 ist breit und flach. Die Gesamtlänge von 5,54 m entspricht auch der Wasserlinienlänge – beide Maße sind gleich. Die Gesamtbreite beträgt 2,16 m.

Für den Vortrieb des 338 kg schweren Boots sorgt neben dem 12,5 qm großen Großsegel die 7,5-qm-Selbstwendefock. Deren Schiene ist auf einem höher gelegenen Querträger vorm Mast montiert. Der 29 Quadratmeter große Gennaker wird über den langen einziehbaren Bugspriet aus Kohlefaser gefahren. Ronstan liefert die Beschläge.

Technische Daten Preste 18 One Design

Länge5,45 m
Breite2,16 m
Tiefgang0,15-1,35 m
Gewicht338 kg (Kiel: 78 kg)
Segelfläche (Groß und mit Fock)20 qm
Maximale Passagierzahl4 Personen

Klassenvereinigung kommt 2022

Dank Hubkiel mit einer 78 kg schweren Ballastbombe bei nur 0,15 m bis 1,35 m Tiefgang ist die Preste 18 recht vielfältig einsetzbar. Mit dieser Konfiguration passt sie sowohl für anspruchsvolle Segler als auch für Wassersportneulinge, die viel Sicherheit brauchen. Der geringe Tiefgang ermöglicht es, auch in extrem flachen Gewässern zu segeln. Über die verstellbare Trapeztalje kann der Hubkiel heraufgezogen werden.

  • Sportjolle Preste 18Ein Boot für Sportler © Adam Smelkowski
  • Sportjolle Preste 18Ein Boot für Sportler © Adam Smelkowski
  • Sportjolle Preste 18Ein Boot für Sportler © Adam Smelkowski

Der Rumpf wird aus multidirektionalem Glasgewebe und einem Wabenschaumkern – auch Honeycomb genannt – im Infusionsverfahren hergestellt. So ist der Bootskörper leicht, steif und äußerst haltbar. Die Preste kann kaum „weichgesegelt“ werden. Hochwertiges Gelcoat mit großer UV-Beständigkeit soll die Struktur von außen schützen, sagt die Werft.

In Polen sind die ersten Exemplare der Preste 18 bereits ausgeliefert worden. Außerdem sollen erste Regatten organisiert werden. Für interessierte Crews werden Termine zum Probesegeln angeboten. Geplant ist, im kommenden Jahr eine Klassenvereinigung zu gründen.

Wir sind gespannt, das Boot selbst zu segeln, um die Performance der Preste 18 zu prüfen. Vielleicht gibt es dann ja auch schon hierzulande einen Händler.

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