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Jeanneau Merry Fisher 1095 Jeanneau Merry Fisher 1095 bei unserer Testfahrt © Kerstin Zillmer
Bootstest

Waschechtes Reiseboot

Mit der Merry Fisher 1095 führt Jeanneau seine Sportbootserie in eine neue Bootsklasse.

Stefan Gerhard
von in
7 Minuten

Die Lieblings-Serie der Deutschen, wenn es um Motorboote von Jeanneau geht, wächst immer weiter – in die Länge, und bei der Geschwindigkeit und dem Komfort an Bord sowieso. Im letzten Jahr hatte die französische Werft mit der von uns vorgestellten Merry Fisher 895 den Sprung vom Angelboot zum Familienschiff gemacht. Die neue, im Frühjahr vorgestellte Merry Fisher 1095 ist ganze zwei Meter länger. Das führt die Sportbootserie von Jeanneau endgültig in eine neue Bootsklasse. Die französische Neuheit ist ein waschechtes Reiseboot.

Eine gerade Sache

Potenzielle Bootskäufer haben sich bei Probefahrten, die einige Tage vor unserem Test stattgefunden haben, darüber gefreut, dass die Merry Fisher 1095 auch bei niedrigeren Drehzahlen sehr gerade und flach im Wasser liegt, ohne dass man die Trimmklappen bedienen muss. Und Trimmen ist nach Aussage von Motorenherstellern für 85 % aller Bootfahrer ein Buch mit sieben Siegeln.

Jeanneau Merry Fisher 1095

© Kerstin Zillmer

Etwas mehr als 20 Knoten, genau genommen 22,2 kn, sind für die niedrigste Gleitfahrt angemessen, damit das Boot stockgerade über die Wasseroberfläche gleitet. Liegt das Fahrtempo unter diesem Wert, senkt der Rumpf sich im Heckbereich ein bisschen ab. Das Boot gleitet aber auch dann nach wie vor ordentlich. Eine gute Marschfahrt in Gleitfahrt liegt bei 22 bis 26 Knoten an. Aber das ist noch nicht alles.

Die Motorisierung unseres Testboots mit 2 × 300 Pferdestärken am Heck reizt dazu, die äußerlich wie ein Pilothouse-Commuter-Boot ausschauende Weekender-Motoryacht wie ein Sportboot zu fahren. Und das geht gut! Wir erreichen in der Bucht von Cannes mit der starken Motorisierung ohne Mühe 38,6 Knoten. Als etwas komplizierter stellt sich das Bedienen des Lenkrads bei diesem frühen Exemplar aus der Serienfertigung von Jeanneau dar. Ist das wirklich eine hydraulische Lenkung? Mit beherztem Griff geht’s gut, und das Boot zieht seine Bahnen spurtreu und schnell, als wäre es halb so leicht wie es in Wirklichkeit ist.

Jeanneau Merry Fisher 1095

Steuerstand mit Seitentür © Kerstin Zillmer

Jeanneau Merry Fisher 1095

Außenborder von Yamaha © Kerstin Zillmer

Die Entdeckung der Langsamkeit

Wenn das Boot in höherer Geschwindigkeit oder sogar bei Maximaltempo unterwegs ist, ist es draußen auf dem Achterdeck geräuschtechnisch nicht ganz so angenehm. Motorisiert man immer größere Einheiten mit Motoren, die nicht im Schiffskörper untergebracht sind, sondern direkt hinter dem Heck, haben wir es konsequenterweise auch mit der entsprechenden Kraftentfaltung von 600 Pferdestärken zu tun. Und so viele Rösser scharren vernehmlich mit den Hufen, egal wie wohlerzogen sie sind, sobald man sie in den Galopp schickt. Bei Promenierfahrttempo ist an Deck akustisch alles bestens.

Das ist ein Nebeneffekt des Booms von Außenbordmotoren, den wir zurzeit erleben. Immer weniger Boote – auch Kajütboote und kleinere Motoryachten – werden ab Werk noch mit Innenbordern ausgerüstet. Mit dem Einsatz eines Außenborders gewinnt die Werft mehr Lebensraum für die Bordgäste unter Deck, wie man es zweifellos an Bord der sehr geräumigen Merry Fisher 1095 sieht. Die Servicetechniker haben mehr Überblick durch den komplett zugänglichen Motor und Antrieb. Und die Eigner können den Motor nach der Fahrt nach oben fahren, um Schraube und Chassis nicht dauerhaft Seewasser oder Entengrütze auszusetzen.

Jeanneau Merry Fisher 1095

© Kerstin Zillmer

Die Merry Fisher 1095 alternativ auch mit zwei 250 PS starken Yamaha-Außenbordern erhältlich – und bietet dabei ebenfalls perfekte Fahreigenschaften, wie es Merry de la Poeze, der langjährige Entwicklungschef für Motorboote bei Jeanneau, im float-Interview verspricht.

Zum anderen war Ziel der Werft, es Bootfahrern zu ermöglichen, auch mit Außenbordmotoren langsam zu fahren. „Man muss nicht entweder sechs oder 25 Knoten als Reisegeschwindigkeit wählen.“ so Merry de la Poeze. „Die MF 1095 läuft auch bei zehn und 15 Knoten sehr gut.“ Man kann das Reiseboot für zehn Tage mit zwölf Knoten fahren, aber bei Bedarf auch bis zu 35 Knoten schnell.

Jeanneau Merry Fisher 1095

Großzügiges Achterdeck mit L-Sofa © Kerstin Zillmer

Meine Lieblingsstelle

Ich finde auf diesem Boot schnell meine Lieblingsstelle. Es ist draußen, auf dem Sitz direkt hinter dem Deckshaus – mit Blick achteraus aufs Meer, den Rücken an die Tür gelehnt, in niedriger Marschfahrt. Neben mir könnte, wenn ich sie denn mit an Bord genommen hätte, eine kühle Flasche Limonade stehen. Man sollte lediglich darauf achten, dass niemand die große Glasschiebetür aufmacht, während man sich anlehnt.

Apropos Schiebetür: Unter Deck geht es zu den drei Kajüten direkt über den Niedergang. Die Eignerkajüte ganz im Heck ist durch eine Schiebetür raumsparend als Privatissimo abgetrennt. Dieser Raumteiler erinnert sehr an die clevere Idee, die Jeanneau erstmals bei der Leader 40 ausprobiert hat und dann bei der Jeanneau Leader 33 perfektioniert hat. Mit dem Verzicht auf die üblichen Scharniertüren entsteht erst gar kein toter Raum durch den notwendigen Schwenkbereich der Tür. Nicht zuletzt deswegen hat die Leader 33 im letzten Jahr den Best of Boats Award in der Kategorie Best for Family gewonnen.

Die dritte Kajüte, mittschiffs an Steuerbord gelegen, hat eine besondere Aufgabe. Für ein Eignerpaar, das mit einem anderen Paar reist, ist es sehr bequem, diese dritte Kabine zur Aufbewahrung zu nutzen – für Taschen, Wasser und so weiter. „Normalerweise haben Sie dafür keinen eigenen, gut zugänglichen Platz zum Abstellen an Bord“, so Merry de la Poeze. Hier ist er vorhanden. Dass reichlich Platz vorhanden ist, wie es sich für ein Reiseboot gehört, zeigt ein Blick ins geräumige, lichthelle Bad, in dem der Duschraum separiert ist.

Jeanneau Merry Fisher 1095

3 Kabinen und ein Bad © Kerstin Zillmer

Schneller und leichter – Ziel erreicht

Die Aufgabe für die Konstrukteure von Jeanneau war nach deren eigenen Angaben, bei der größten Merry Fisher ein bisschen mehr von allem zu bieten – vor allem aber eine deutlich höhere Geschwindigkeit für das Bootsgewicht. Die Merry Fisher 1095 bietet bei einem Gesamtgewicht von sechs Tonnen bis zu 38 Knoten – statt einem Tempomaximum von 30 Knoten wie in dieser Klasse üblich. Und wie zu Beginn der Konstruktionsplanung eigentlich erwartet. „Wir waren sehr überrascht über die Höchstgeschwindigkeit der Merry Fisher 1095. Wir bekamen 38 kn statt 30 kn, was unser ursprüngliches Ziel war.“ so Merry de la Poeze.

Was es bei der Merry Fisher 1095 nicht gibt, ist der berühmte Blick ins Nichts, wenn ein Bug sich beim Beschleunigen so stark hebt, dass man den Kurs voraus nicht gut einsehen kann, bevor das Boot „über den Berg“ ist und in Gleitfahrt übergeht.

Die Abstimmung des Rumpfs und der Motorisierung mit zwei Außenbordern erlaubt eine gradlinige kontinuierliche Beschleunigung, ohne dass man am Steuer oder an anderer Position an Bord den Übergang ins Gleiten bemerkt. „Wir wollten immer eine flache Lage des Boots haben. Wir haben dazu mit dem Schiffsarchitekten am Rumpf und dem Gewicht gearbeitet.“ erklärt der Jeanneau-Mann. Eine Maßnahme auf dem Weg dorthin war ebenso einfach wie effektiv: Der Rumpf ist hinten weniger schwer.

Passt fast überall

Für Familien, die viel Platz an Bord gut gebrauchen können, ist das Schiff gemacht: Mit dem relativ großen Salon und vielen Kojen- und Kajütplätzen bietet es viel Rückzugsraum und genug Auslauf auch für Kinder.

  • Jeanneau Merry Fisher 1095Salon mit viel Platz
  • Jeanneau Merry Fisher 1095Vorschiffskajüte
  • Jeanneau Merry Fisher 10952. Kabine
  • Jeanneau Merry Fisher 10953. Kabine
  • Jeanneau Merry Fisher 1095Bad mit Dusche
  • Jeanneau Merry Fisher 1095Deckslayout
  • Jeanneau Merry Fisher 1095© Jeanneau

Dass Jeanneau seine Bootsmodelle für den internationalen Markt konzipiert, ist leicht zu erkennen: Durch die üppige Motorisierung empfiehlt sich die MF 1095 auch für skandinavische Länder als schnelles und geräumiges Commuter-Boot für die Fahrt von der Stadt zum Sommerhaus. Und im Süden bleiben die Türen und das große Dachfenster offen, um Luft hereinzulassen.

Jeanneau hat uns schon immer wegen seiner schlauen Detail-Lösungen gefallen. So öffnet Jeanneau auf der 1095 die Kajüten für Tageslicht, überall wo Platz ist und es sich technisch umsetzen lässt. Im Bad gibt es nun ein Oberlicht, und in der Kabine an Backbord scheint die Sonne von oben herein. Im Bugbereich, unter der Sonnenmatratze, ist ein Stauraum auf Deck integriert. Direkt hinter dem Anker platziert, ist der Schapp gut für 3 bis 4 Fender und die vorne benötigten Leinen zum Festmachen.

Jeanneau Merry Fisher 1095

Oberlichter

Jeanneau Merry Fisher 1095

...bringen Licht ins Boot © Kerstin Zillmer

Für das leichtere An-Bord-Kommen hat Jeanneau die Seitentür der kleineren Merry Fisher 895 übernommen, die für Kinder und ältere Menschen das Übersteigen vom Steg sehr bequem und sicher macht, wenn das Boot längs an der Pier liegt.

Jeanneau Merry Fisher 1095

Die Seitentür

Jeanneau Merry Fisher 1095

... hilft beim Einsteigen © Kerstin Zillmer

Bis auf kleinere Einschränkungen bei der Lenkung beim Testboot ist die Merry Fisher 1095 ist rundum gelungenes Reiseboot für Familien. Fischer können eine der kleineren Marlin-Varianten wählen.

Technische Daten (wie gefahren)

Länge über alles:10,50 m
Breite:3,35 m
Tiefgang:0,69 m
Motorisierung:2 x Yamaha F300 BETU mit je 300 PS (224 kW)
Gewicht:4.638 kg (ohne Motor)
Maximale Passagierzahl:10 Personen
Kajüten:2 oder 3
Schlafplätze:4 + 4
CE-Kategorie:B (küstenferne Gewässer)
Preis (ohne Motor):ab 115.430 Euro

Messwerte

Drehzahl (U/min)Geschwindigkeit (Knoten)Treibstoffverbrauch (l/NM)
6002,91,6
1.0004,91,9
1.5006,52,2
2.0008,23,1
2.5008,94,1
3.00011,14,4
3.50016,13,9
4.00024,93,4
4.50028,43,9
5.00032,54,1
5.50035,74,9
6.00038,65,2
5 Personen an Bord, Benzintank: 60 %, Wassertank: leer, Wind: 6 bis 8 m/s, Wellengang: 30 bis 50 cm

Mehr Informationen

Motorboot-Vergleich der Jeanneau-Werft
Download der Ausstattungsliste der Merry Fisher 1095

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