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James Bond in luftiger Mission an Bord einer Glastron © Glastron
Klassiker

Wie Glastron Überflieger wurde

Bunt, schnell und schick waren die Boote, die Glastron aus dem neuen Werkstoff GFK baute – sogar für Elvis, den US-Präsidenten, Batman und James Bond.

Roland Wildberg
von in
7 Minuten

Es genügt nicht, eine gute Idee zu haben – der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Bob Hammond hatte die richtige Idee zur richtigen Zeit: Die Geschichte der US-amerikanischen Marke Glastron, zwischenzeitlich größte Bootswerft der Welt, begann um 1953. Es ist eine Story, die in vielen Details dem Klischee vom amerikanischen Traum entspricht. Noch dazu ist sie wahr.

Während Europa damals noch unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs litt, waren die USA ganz auf der Höhe. Breite Bevölkerungskreise nahmen am Aufschwung teil, die Massenmotorisierung führte zu Wohlstand, Serienfertigung und neue Werkstoffe machten auch Luxusprodukte wie Motorboote für die konsumbegeisterte Kriegsgeneration bezahlbar.

Glasfaser, das Material der Stunde

Bob Hammond arbeitete nach dem Krieg ursprünglich bei Douglas Aircraft und lernte dort den Nutzen von Kunststoffen im Leichtbau kennen. Fest entschlossen, sein neues Wissen gewinnbringend anzuwenden, fing er bei der texanischen Werft Lone Star in Grand Prairie zu arbeiten an. Mit Aluminium als Werkstoff hatte man dort gute Erfahrungen gemacht, doch gegenüber neuen Materialien war man skeptisch.

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Vier neue Modelle für 1958 © Glastron

Anders ging es Hammond: Glasfaserverstärktes Plastik schien ihm gerade für kleine Runabouts prädestiniert. Er überzeugte seine texanischen Arbeitgeber schließlich davon, das neue Material für die Fertigung der Rümpfe auszuprobieren: GFK, auf gut englisch „Glassfiber“ oder eben „Fiberglas“.

Einer von Bob Hammonds ersten eigenen Entwürfen war die seinerzeit berühmte „Meteor“ – ein drei Meter langes Glasfiber-Boot im seinerzeit populären Straßenkreuzer-Design, also mit opulenten Heckflossen und angedeuteten Kotflügeln. Sie verkaufte sich gut, aber Hammond wollte mehr.

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Aus dem Glastron-Katalog von 1959 © Glastron

Glastron baut Boote im Binnenland

Er hatte ein zukunftsweisendes Design, bessere Motorleistung, ein schöneres Styling im Sinn – und das alles nicht für Angler, sondern für den Freizeitbereich. Kurz gesagt: Hammond witterte den Markt, und wartete nur auf eine Gelegenheit, sich selbstständig zu machen.

1956 entwickelte er nach Feierabend in einer gemieteten Garage das 15-Fuß-Modell „Seaslide“. Seinen Helfer Mel Whitley konnte er nicht bezahlen – stattdessen versprach er ihm eines der Boote, dass hier entstand. Der Prototyp wurde ausgiebig im Golf von Mexiko getestet und bestand die Seeprüfung mit Bravour. Das war für Hammond der Moment, auf den er gehofft hatte.

Mit 25.000 US-Dollar Startkapital von Investoren gründete der Selfmademan gemeinsam mit dem Bootshändler Bill Gaston, Guy Woodward aus der Kunststoff-Branche und Robert Shoop, der in einem Beerdigungsinstitut arbeitete, am 14. Oktober 1956 die neue Werft.

Da Hammond und seine Frau Bettye das Seenrevier nahe der Großstadt Austin mit dem großen Lake Travis und dem Town Lake in unmittelbarer Nähe gefiel, starteten sie den Bootsbau mitten im Binnenland.

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Bill Gaston und Bettye Hammond vor der Glastron-Werft 1961 © Glastron

Bettye erfindet den Firmennamen

Fehlte nur noch ein einprägsamer Firmenname. Da kam Bettye Hammond auf die Idee, die Begriffe „Glas“, für das neue Material Fiberglas, mit „Tron“ zu kombinieren. Das klang technisch und modern, so wurde der Name „Glastron“ geboren.

Das Design der Glastron-Motorboote war von Beginn an optisch unverwechselbar, und sie trafen offenbar den Zeitgeschmack: In den zwei Monaten bis Jahresende wurden bereits 24 Boote verkauft.

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