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Maxus 22 segelt hoch am Wind © Northman Yachts Maxus 22 segelt hoch am Wind © Northman Yachts
Maxus 22

Wenn’s doch mal Meer sein darf

Der Kleinkreuzer Maxus 22 aus Polen besticht mit guten Segeleigenschaften und funktionalem Design. Wir sind das 7-Meter-Boot gesegelt.

von
Michael Krieg
in
6 Minuten

Maxus ist bekannt für günstiges Segeln. Die Palette der polnischen Kleinkreuzer umfasst insgesamt acht Modelle in den Größen von 22 bis 33 Fuß Länge. Bestseller ist die von float getestete 24 Evo. Aufsehen in Seglerkreisen erregte aber die kleinere Maxus 22: Szymon Kuczyński hat damit auf sieben Metern die Welt umsegelt. Grund genug für uns, das kleine Kajütboot der Northman-Werft selbst einmal zu segeln.

Kleinkreuzer-Entwürfe um die 20 Fuß sind nicht nur bestens für Tagestouren oder ein verlängertes Wochenende geeignet, sondern auch für eine Urlaubstour zu zweit oder mit kleiner Familie. Sie lassen sich einfach trailern, bieten erstaunlich viel Raum und sind meist unkompliziert zu segeln. Im Mai diesen Jahres kam der Pole Szymon Kuczyński mit der lediglich 6,36 Meter langen und motorlosen Maxus 22 der polnischen Northman-Werft erfolgreich von einer Nonstop-Weltumsegelung zurück. Dass sie im Vergleich zum Basisangebot von Maxus kleinster Yacht erheblich umfangreicher ausgerüstet ist, versteht sich von selbst.

Maxus 22
Auf der Maxus 22 um die Welt © Szymon Kuczynski

Die Maxus 21 hatten wir bereits einem ausführlichen Test unterzogen. Nur zwei Jahre später legte die Werft nach und präsentierte die Maxus 22 – keine gänzlich neue Konstruktion, aber eine gründliche Überarbeitung der Maxus 21. Wir sind das Boot gesegelt und haben die Veränderungen genau unter die Lupe genommen.

Ein Blick zurück: Die Maxus 21 ist zwar kein typisches polnisches Preiswunder, aber ein interessantes Angebot mit fair kalkulierten Einstiegspreis. Es bietet ein erstaunlich großes Platzangebot unter Deck und ist solide ohne nennenswerte Mängel gefertigt. Wünscht man die entsprechende Aufrüstung – mit Rollfockanlage, Mastlegevorrichtung, Außenborder sowie Wasser- und Gasinstallation – sind etwa 20 % Aufschlag zu kalkulieren.

Maxus 22
Entspanntes Segeln © Northman Yachts

Die Maxus 22 ist gewachsen – ein kleines Stück

Die 22er ist im Vergleich zur Vorgängerin geringfügig gewachsen – um gut zehn Zentimeter in der Länge bei gleicher Breite. Das Deck wurde überarbeitet. Der Crew steht jetzt eine Ducht zur Verfügung, wodurch man im Cockpit angenehmer und geschützter unterwegs ist. Das Heck ist weiterhin offen. Das breite Deck fällt leicht zu den Seiten ab, so dass der Rudergänger sich bei Lage entspannt in die Relingsgurte lehnen kann – die Füße gegen die Leisten oder gegen den erhöhten Deckel der im Cockpitboden eingebauten Backskiste gestemmt.

Maxus 22
Guter Überblick vom Cockpit aus © Northman Yachts

Die hohe Sitzposition ermöglicht einen freien Blick ins Vorsegel und voraus. Großschotblock und -klemme sind griffbereit auf einem Podest platziert. Die Vorschoten laufen über die Holepunkt-Einstellungen auf dem Kajütdach zu je einer Winsch und werden auf einer vorgelagerten, drehbaren Curryklemme belegt. Ist man einhand unterwegs, kann man die Schot weiter nach Luv auf die zweite Winsch umlenken, um sie dort zu belegen. Alles ist funktional und gut erreichbar. Dann geht es los – und wir gehen aufs Wasser.


Maxus 22
Verbesserte Segeleigenschaften © Northman Yachts

Das Hand-GPS zeigt schnell 5 kn an

Für einen Kleinkreuzer dieser Art hatte schon die 21er viel Segelspaß zu bieten, bei der 22er fällt er noch größer aus. Vor allem, wenn zwei Erwachsene das Boot mit Gewichtseinsatz möglichst aufrecht segeln, sich dafür also so weit es geht in die Relingsgurte lehnen. Das Hand-GPS zeigt knapp fünf Knoten an der Kreuz bei rund neun Knoten Wind an. Die Wendewinkel beim Kreuzen sind mit 90 Grad durchaus annehmbar. Sowohl das lange Ruderblatt als auch das GFK-Schwert sind leicht profiliert.

Sollte jemand die Maxus mit Festkiel, Gennaker und gar mit hochwertigen Foliensegel bestücken wollen, hat die Yacht durchaus das Potential, sich bei Regatten als „Wolf im Schafspelz“ zu erweisen. Der im Vergleich zur Maxus 21 vergrößerte Abstand zwischen Ruderblatt und Schwert sorgt dafür, dass die Yacht nun deutlich ruhiger als ihre Vorgängerin segelt. Vorteile an der Kreuz bringt es, wenn die Yacht mit einer Doppelruderanlage (Option) ausgerüstet ist. Die Gefahr, aus dem Ruder zu laufen, wird dadurch vor allem bei stärkerer Krängung minimiert.

  • Maxus 22© Northman Yachts
  • Maxus 22© M. Krieg
  • Maxus 22© M. Krieg
  • Maxus 22© Northman Yachts

Unter Deck ist die Maxus 22 im Vergleich zur 21 nahezu identisch und ebenfalls qualitätsmäßig sauber ausgebaut. Der großzügig wirkende Wohnraum würde maximal für vier Erwachsene und zwei kleine Kinder reichen. Das wäre machbar, wenn auch nicht wirklich bequem. Um den großen Tisch fänden immerhin alle Platz.

Die Salonbänke lassen sich mit Einlegebrettern verbreitern, sind aber nur 1,28 Meter lang. Daher eignen sie sich als Schlafplätze nur für Kinder. Hingegen sind die Kojenabmessungen im Vorschiff und achtern erfreulich groß. Sowohl die 2,00 Meter lange und auf Schulterhöhe 1,50 Meter breite Liegefläche im Vorschiff als auch die achtern quer eingebaute 2,15 x 1,10 Meter große Doppelkoje machen bequemes Liegen möglich. Letztere hat genügend Freiraum unter dem Cockpitboden, so dass man sich hier nicht beengt fühlt. Auch der Salon wirkt geräumig: Die Stehhöhe vor dem Pantryblock unter dem Luk beträgt 1,72 Meter, 1,54 Meter sind es noch am Tisch.

  • Maxus 22© Northman Yachts
  • Maxus 22© Northman Yachts
  • Maxus 22© Northman Yachts
  • Maxus 22© Northman Yachts
  • Maxus 22© Michael Krieg

Ungewöhnlich für die Größe: ein separiertes WC

Der Einbau eines WC-Raums bei Kleinkreuzern ist in diesem Größensegment grundsätzlich fragwürdig. Doch viele Kunden, vor allem die weiblichen Crewmitglieder, wünschen sich diesen separaten Raum. Der Zugang ist zwar beengt und größere Mitsegler müssen sich bei einer Stehhöhe von 1,42 Meter bücken. Aber der Platz im Toilettenraum reicht für die Aufstellung eines Chemie-Klosetts mit ausreichend Kopffreiheit beim Sitzen. Und für ein großes Staufach für Wasch- und Putz-Utensilien. Wer es komfortabler mag, kann sich auch ein See-WC mit Pumpe und 47-Liter-Tank installieren lassen.

Maxus 22
Mit kleiner WC-Kabine © Northman Yachts
Maxus 22
Hubkiel © Northman Yachts

Auf der Maxus 22 ist in Form von Backskisten, Schränken und Schapps viel Stauraum vorhanden. Das ist genug für den Einsatz als Daysailer, als segelndes Wochenenddomizil oder für einen Urlaubstörn mit kleiner Familie. Erstaunliche 1.370 Liter passen unter Deck, und noch einmal 744 Liter in die beiden Backskisten, den Ankerkasten und das Gas-Fach, das hinten mittig im Cockpitboden platziert ist. Alles in allem ausreichend für eine Weltumseglung, wie Szymon Kuczyński bewiesen hat.

Der ideale Kleinkreuzer für ein langes Wochenende, selbst für einen Trailer-Tripp an die Adria geeignet

Lediglich die Pantry ist im Standard recht dürftig ausgestattet, darf allerdings nicht größer ausfallen, um den Zugang zur offenen Achterkabine nicht zu erschweren. Optional kann man sich die Pantry mit einem 40-Liter-Frischwassertank mit Druckanlage und einer Gasinstallation mit zweiflammigen Herd aufpeppen lassen. Der große Salontisch ist gut als Arbeitsfläche zu nutzen. Ein Gaskocher wird nach Aussage des Anbieters bei dieser Bootsgröße selten, ein Wasserhahn eher geordert.

Maxus 22
Pantry mit Gaskocher und Spüle © Northman Yachts

Erwachsener und gereifter

Unser Fazit: Die Maxus 22 macht im Vergleich zum Vorgänger einen wesentlich erwachseneren und gereifteren Eindruck. Die Segelleistung ist deutlich besser und ließe sich durch entsprechende Optionen sogar noch steigern. Das Innen-Design ist gut durchdacht, wirkt großzügig und bietet viel Stauraum auf kleinstem Platz.

Kurzum: Das 22-Fuß-Boot ist der ideale Kleinkreuzer für ein verlängertes Wochenende. Es eignet sich aber auch für den Urlaub auf dem Wasser zu zweit. Einem 14tägigen Törn auf der Müritz oder einem Trailer-Trip an die Adria steht mit der Maxus 22 nichts mehr im Wege.

Technische Daten Maxus 22

Länge über alles7,23 m
Breite2,48 m
Tiefgang0,25 bis 1,45 m (Schwertversion), 1,40 m (Festkiel), 0,25 bis 1,60 m (Hubkiel, mit Bombe 1,80 m)
Gewicht1.280 kg, mit Festkiel: 1.450 kg
Besegelung:Groß (13 m²), Genua (11 m²)
CE-Kategorie: C (küstennahe Gewässer
Preis:ab 22.730,19 Euro

Mehr Informationen zum Boot

Infos zur Maxus 22 im Detail gibt es auf der Website des Brodauer Bootshaues, der Vertretung der Werft für Deutschland und Österreich.

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Sportboothandel M. Johannsen
Brodauer Dorfstraße 09 04509 Delitzsch (Ortsteil Brodau) Tel. +49 170 904 68 13 [email protected]
www.brodauer-bootshaus.de

Seit 2009 ist der Sportboothandel Johannsen die Vertretung für Northman-Yachten in Deutschland – und mit Unternehmenssitz im mitteldeutschen Seenland seit 2004 zuverlässig für seine Kunden da.

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