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Faurby 363 (vorne) © Werft
Bootstest Faurby 363

„Wir wollten kein Regattaboot bauen“

Was ist dran an der bestechend eleganten 36-Fuß-Yacht?

von in
6 Minuten

Segelyachten von Faurby sind ungewöhnlich elegant. Die nordisch-klassische und gefällige Linienführung erfreut das Auge und bietet ein anderes Erscheinungsbild als die breiten Raumwunder anderer Anbieter – mit schlankem Rumpf, niedrigem Freibord, schön gestalteten Sülls und flachem Aufbau mit Sprayhood-Garage.

Überall gibt es tadellos verlegten Teak-Belag: im Cockpit als Standard, an Deck als Option. Die mit Teakholz umrandeten Luks sind bündig ins Deck eingepasst. Eine Fußreling aus Teak sorgt für sicheren Halt bei Lage. Sogar die Fenderleiste, die den Rumpf schützt, ist aus massivem Teak.

Eine Werft lernt vom Olympiasieger

Und doch ist die neue Faurby kein Schiff von gestern. Angeregt durch das Bootsprojekt für den zweimaligen Olympiasieger Jesper Bank, begann für die Traditionswerft ein neues Zeitalter: Zwischen 2012 und 2014 wurde die Modellreihe erneuert. Der Fokus lag darauf, wie man ein gutes Tourenschiff in Sachen Performance weiter verbessern kann, ohne auf Komfort zu verzichten.

Die Überarbeitung umfasste nicht weniger als 150 Punkte, und doch hat sich äußerlich nicht viel verändert.

Denn, das betont Thomas Dan Hougaaard, Geschäftsführer von Faurby Yacht ApS, der uns beim Test begleitet, mit Nachdruck: „Wir wollten kein Regattaboot bauen.“ Die attraktiven klassischen Faurby-Rumpfformen sind dabei erhalten geblieben: Eine Faurby soll schließlich lang und schmal sein. So fand die Überarbeitung in nicht weniger als 150 Punkten statt.

Abspecken, ohne mager zu werden

Hauptaspekte waren die Gewichtsverteilung, Anhänge, das Rigg, Laminat, Deckslayout sowie das Interieur. Bei der Gewichtsoptimierung wurde viel Gewicht vom Steven und dem Heck weggenommen. Alle Tanks, Boiler und Batterien wurden mittig über dem Kiel platziert, wodurch die aktuellen Faurby-Yachten noch stabiler im Wasser liegen. Insgesamt wurde der Wasserwiderstand um 40 Prozent reduziert. Das steigert nach Aussage der Werft die Segelleistungen der schon gut segelnden alten Faurbys erheblich.

Alle Boote haben einen Stahlrahmen, durch den die Blei-Kiele durchgebolzt sind. Neben dem L-Kiel ist auch ein Performance-T-Kiel zu haben. Die etwas schmalere Faurby 360e sowie die von uns gesegelte Faurby 363e werden mit 1,60 bis 2,20 m Tiefgang angeboten. Unser Testschiff hat einen Tiefgang von 1,85 m.

Unter Segeln© Werft

Faurby-Yachten sind nicht nur in Nordeuropa vertreten, sondern haben auch in Binnenregionen vom Bodensee bis zum Lac de Neuchâtel eine große Fangemeinde. Wer für den Einsatz dort ein bisschen mehr Segelfläche haben möchte, kann ein etwas längeres Rigg ordern, das ebenfalls angepasst wurde.

Ein paar Prozent weniger Leistung gegen ein bisschen mehr Komfort – so tickt der Kunde.

Die Werft hat längst ermittelt, dass seit Einführung der neuen e-Modelle nur noch wenige Kunden ein längeres Rigg bestellen, weil die Boote schon mit dem Standard-Rigg sehr schnell sind. Noch erstaunlicher, aber ebenfalls durch Tests belegt ist, dass 30 bis 40 Prozent aller Kunden sogar mit Rollmast segeln wollen, durch den man mit den hochwertigen Membransegeln von Elvström nur wenige Prozente an Leistung einbüßt.

Unser Testboot Faurby 363 mit größerem Schwestermodell© Werft

Mit Muskelkraft im Zweifel schneller

Unser Testschiff hat keinen Rollmast. Das Groß ließe sich mit der als Option möglichen elektrischen Winsch problemlos allein setzen. Wir schaffen das zu zweit schneller und energiesparend: mit einer Person am Mast vorheißend, der Zweite die Lose im Cockpit aufnehmend. Dank der außen angeschlagenen Wanten – Rod schon im Standard – ist reichlich Platz am Mast. Der Gang auf dem breiten Seitendeck nach vorn ist problemlos.

Das Fall und weitere unter Deck laufende Leinen verschwinden in den geräumigen, sehr zu empfehlenden (und extra zu ordernden) Staukästen im Süll. Die Großschot wird im German-Sheet-System auf zwei Winschen in die unmittelbare Griffweite des Rudergängers geführt. Der bedient auch den direkt vor dem Rad positionierten Traveller und das Achterstag.

Eine Pinne? Ja! Heutzutage eher ungewöhnlich für eine Yacht dieser Größe.

Teakholz allerortenbeide: © Werft

Die Crew widmet sich unterwegs bei Manövern den Genuawinschen, die außer Reichweite des Lenkers liegen. Setzt man sich im Cockpit vor Rad und Traveller, ist es möglich, einhand auch mit Rad zu segeln. Einhandtauglich ist die Yacht aber auch mit der im Standard angebotenen Pinnensteuerung. Dann hätte man als Rudergänger erst recht Zugriff auf die großen Genuawinschen. Eine Pinne? Ja! Heutzutage eher ungewöhnlich für eine Yacht dieser Größe, bietet sie, was das Steuergefühl angeht, vor allem aktiven Seglern wohl noch größeren Segelspaß.

Der ist aber auch per Rad schon groß. Sofort auffällig ist, wie ausgeglichen bei entsprechendem Trimm die Yacht auf dem Ruder liegt. Das Schiff lässt sich mit zwei Fingern an der Windkante steuern. Es läuft sogar bei gleichmäßigem Winddruck stur und unaufgeregt geradeaus, ohne dass ich korrigierend eingreifen muss.

Regattasegeln, wenn man möchte

Aussagekräftige Geschwindigkeitswerte ließen sich nicht genau ermitteln, denn es stand reichlich Strom im engen Fahrwasser ausgangs des Kleinen Belts bei Fredericia und unter den Brücken, die das Festland mit Fünen verbinden. Um die sechs Knoten Tempo bei Wendewinkeln von knapp 80 Grad an der Kreuz sind es aber immer gewesen.

MDS-Mastrutscher, Lazy Jacks und Furlex-Rollanlage – alles ist in der Standardausrüstung enthalten.

Eine Faurby lässt sich wie ein Regattaschiff segeln, aber man muss es nicht: „Ein Boot soll Rückmeldungen geben. Man braucht nicht zu trimmen. Faurbys halten, wie Sie gemerkt haben, trotzdem ihre Spur“, so Werftchef Dan Hougaard. Man hat die Wahl: Einfach „Kaffeesegeln“, oder man segelt das Schiff halt aktiv.

Das gesamte Interview mit Werftchef Thomas Dan Hougaard über die neue Faurby-Linien lesen Sie in Kürze auf float.

Zurück im Hafen, sind die Segel schnell geborgen – dank MDS-Mastrutscher, Lazy Jacks und Furlex-Rollanlage, die alle in der Standardausrüstung enthalten sind. Die 30-PS-Maschine mit Saildrive und zweiflügligem Standard-Prop von Flex-o-Fold schiebt uns in Marschfahrt bei 2.300 U/min angenehm leise mit sechseinhalb Knoten zurück.

Für freie Gewässer empfiehlt die Werft diese 30-PS-Maschine. Sie wird bei einem Aufpreis von lediglich 2.300 Euro auch am häufigsten geordert. Segler von Binnenrevieren wollen dagegen aus Gewichtsgründen meist eine 20-PS-Maschine.

Steuerstand, vom Niedergang gesehen© Werft

Unter Deck geht es hyggelig zu

Auch unter Deck geht es klassisch skandinavisch zu – und „hyggelig“,, also gemütlich und dazu komfortabel. Natürlich kann das Boot unter Deck bei nur 3,30 m Gesamtbreite kein Raumwunder sein. Für zwei Personen, die eventuell mit Kindern oder gelegentlich mit Gästen unterwegs sind, reicht es allemal.

Im Vorschiff stehen den Eignern zwei große Schränke zur Verfügung, auf Wunsch Schränke auf beiden Seiten über der Koje und eine Sitzbank. Achtern gibt es an Backbord eine Kabine, mit der man durch Quereinbau auch dort Platz für zwei Erwachsene bekäme. Eine weitere Alternative wäre eine Doppelkoje auf der Backbordseite im Salon.

Eine großzügig dimensionierte L-förmige Pantry, die funktionale Nasszelle und ein kleiner Navigationsbereich komplettieren den Innenausbau. Eine zweite Achterkammer wird als Variante ebenfalls angeboten, verbietet sich aber eher bei den schmalen Rumpflinien. Es würde auch eine Menge Stauraum wegnehmen.

Ein Trick macht das Boot leicht

Da es sich bei jedem Boot letztlich um einen Einzelbau handelt, kann man sich die eigene Faurby sozusagen auf den Leib schneidern lassen. Alle Komponenten werden direkt auf den Rumpf gebaut. Es gibt, bis auf die Nasszelle, keine Innenschale, und damit nirgends doppelte Wände. So geht kein Platz verloren. Obwohl vergleichsweise schweres Material zum Einsatz kommt, ist die Konstruktion relativ gesehen ein Leichtbau, der gleichzeitig sehr stark ist.

Furnier ist beim Innenausbau nicht zu finden

Beim exzellent ausgeführten Innenausbau ist man bei Massivholz geblieben. Kein Furnier! Im Standard ist es Khaya-Mahagoni in edel seidenmatter Optik. Wer Teak oder helle Eiche ordert, muss zuzahlen. Auch der lackierte, hochwertige Mahagoni-Fußboden mit sauber fluchtenden weißen Coto-Streifen muss erwähnt werden. Trotzdem wiegt das Schiff nur fünfeinhalb Tonnen, was der aufwändigeren Bauweise geschuldet ist.

Wer glaubt, unter Deck eine dunkle Mahagoni-Höhle betreten zu müssen, wird eines Besseren belehrt: Das durch die langen Seitenfenster einfallende Tageslicht spiegelt sich in der hell verkleideten Paneeldecke aus weiß lackierter Esche. Das sorgt für einen hellen Salon.

Drei Prinzipien hat sich die dänische Traditionswerft für ihre Yachten auf die Fahnen geschrieben: optimale Segeleigenschaften für viel Segelspaß, größtmögliche Haltbarkeit und hochwertiges Finish. Und das in bestechender Eleganz. Das Ziel sei, sagt Hougaard, die schönsten Yachten mit den besten Segeleigenschaften zu bauen. Er hat nicht übertrieben. Wer es sich leisten kann, erwirbt ein wertvolles, in seiner Art seltenes Liebhaberstück. Die Dänen haben eine Mission: Sie wollen Träume erfüllen.












Länge über alles:11,25 m (Länge Wasserlinie: 9,70 m)’
Breite über alles:3,30 m
Tiefgang:1,85 m (alternativ 1,60 m/2,00 m)
Gewicht:5.575 kg (T-Kiel)
Ballast:2.175 kg (40 %)
Besegelung:Groß (34,0 m²), Rollgenua (106 %, 27,0 m²)
Theoretische Rumpfgeschwindigkeit:7,57 Knoten
CE-Kategorie:A (Hochsee)
Preis:ab 264.996 Euro (mit Segeln)
Garantie:2 Jahre (5 Jahre gegen Osmose)

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