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Der Film zur Musik kommt in Kürze in die Kinos © Sailing Conductors
Kinofilm Sailing Conductors

Blown Away – Die Reise ihres Lebens

25.000 Seemeilen, 225 Musiker, 31 Länder, 2 Freunde, 1 Traum: Der Film der Sailing Conductors kommt im Frühjahr ins Kino.

Kerstin Zillmer
von in
4 Minuten

Benjamin Schaschek und Hannes Koch lernen sich beim Tontechnik-Studium in Berlin kennen, dann geht Ben nach Australien und macht seinen Master. Als er damit fertig ist, ruft er Hannes an, ob er mit ihm zurücksegeln wolle, man könne doch unterwegs ein Musikprojekt machen. Hannes war in seinem Leben noch nie auf einem Boot gewesen. Aber wenn man Musik machen will, muss man etwas lernen wollen, dachte er, steigt ins Flugzeug und fliegt nach Australien. Ben kauft ein Boot, sie nennen es Marianne und segeln los. Im Gepäck: Eine Gitarre, ein Bass, zwei Laptops und ausreichend Tontechnik. Es ist die Geburt der Sailing Conductors.

Sailing Conductors

Die Route der Klänge © Sailing Conductors

Der Klang war ihr Kompass

Eine musikalische Weltreise unter Segeln sollte es werden. Auf fünf Kontinenten wollten sie Musiker treffen, mit ihnen Musik machen und sie aufnehmen. Ihre Route hatte einen Klang, und ihr Kompass war die Musik. Soweit die Winde und die Strömung es zuließen.

„Bei mir ist sowieso ständig Musik an“, sagt Hannes, als wir im düsteren Januar bei Kaffee und Kuchen in der float-Redaktion sitzen. „Das schönste Geräusch war für mich, wenn wir aus dem Hafen kamen, Segel setzten und den Motor ausmachten – kurz danach ging die Musik an.“ Sie hatten ein Autoradio mit Boxen an Bord. Neben dem Segeln bearbeiteten sie die Musik, die sie aufgenommen hatten, schnitten die Filme, aktualisierten ihre Website. Denn auf dem Meer hatten sie Zeit und Muße, um kreativ zu arbeiten.

Manchmal hatten sie Glück, und Freunde empfahlen ihnen Musiker, aber meistens lief das Kennenlernen ganz spontan. „Wenn Du in Madagaskar ankommst, kennst Du ja erstmal niemanden. Da sprichst Du halt die Leute an, die in der Hafenbar herumhängen. Und die kennen dann vielleicht jemanden. Irgendwer kennt ja immer irgendwen.“ Sie sagten den Menschen: Wir wollen mit euch Musik machen. Wir wollen euch aufnehmen. Und fragten sie, ob sie zu dem Stück auch mal was spielen wollten. Und dann haben die Musiker ihre Stimme dazu gespielt.

Stück für Stück ein Stück

„Wir konnten ja nicht eine ganze Band aufnehmen, dafür hatten wir ja den Raum und das Equipement gar nicht.“ So haben sie die Musiker einzeln aufgenommen. Hannes sah Jack auf einem Motorboot vorbeifahren. Der sah Marianne, das Logo und kam vorbei. So fing es an. Sie filmten ihn mit seinem Song Radiate in Trinidad Tobago. Er hatte das Stück geschrieben, als er von Kapstadt nach Brasilien segelte. Sie nahmen den Song mit, und andere Musiker spielten ihren Part dazu. Heraus kam ein echtes Stück Weltmusik.

„Wenn wir das Projekt nicht gemacht hätten, wären wir nicht 4,5 Jahre zusammen unterwegs gewesen. Es war wie eine Musikerehe zwischen uns, es hat sehr harmonisch funktioniert.“ Ben war für das Boot verantwortlich, Hannes war der Vorschoter. Er ist bis heute noch nie alleine gesegelt, auch angelegen kann er nicht. Das war immer Bens Job.

Sie waren ein paar Wochen an Land und dann wieder wochenlang auf dem Meer. Weil ihr Kurs die Musik war und nicht die Winde oder die Großwetterlage, war das nicht ganz einfach. Und zwischendurch mussten sie oft einen großen Schlag machen. Jimmy Cornell mit seinem Buch „Segelrouten der Welt“ war ihr Guide. „Und er hat uns ständig gestresst“, lacht Hannes.

Aufgenommen wurde immer an Land

Während Benny vor allem skipperte, saß Hannes meist am Rechner. „Ich bin dabei zum Meister des Energiesparens geworden. Wir hatten zu Beginn zwei Solarpanels mit 65 Watt an Bord, das war eher knapp. In Indien haben wir uns noch zusätzlich ein 2 qm Solarpanel gekauft, das hatte um die 200 Watt. Und wir hatten noch einen Windgenerator für schlechtes Wetter. Das war mehr als ausreichend.“

Die meisten Segler, die sie unterwegs trafen, waren viel älter. Rentner, die sich noch mal ihren Traum erfüllen wollten, so wie Paul aus Südafrika. Der hatte auch ein Instrument an Bord, ein Keyboard, auf dem er aber mehr Shanty-Musik machte. Auch mit ihm haben sie gejammt.

Saling Conductors

Die Tonaufnahmen © Sailing Conductors

Aufgenommen haben sie die Musiker immer an Land. Die Filme waren wichtig, um zu zeigen, dass die Musik vor Ort entstanden war. Nur einmal haben sie auf dem Boot gejammt, weil es im Hafen verboten war. Mit 15 Leuten an Bord: Gitarren, Akkordeon, Geigen, Gesang.

Eine Barfrau nimmt sie mit

Beim Start auf den Salomon-Inseln nahm sie eine Barfrau mit zum Abschiedsfest eines Freundes. Hier nahmen sie den ersten Song auf. Es war eine irre Stimmung: Alle sangen mit, in Harmonien und die Kinder sangen zu der Stimme ihres Nachbarn eine zweite Stimme. Es war großartig, sagt Hannes.

Lange waren sie in Brasilien unterwegs und trafen viele tolle Musiker. „Eine Bekannte hatte uns geschrieben: Ich kenne Juan in Rio, meldet euch bei ihm. Also gingen wir zu Juan und lernen seine Band kennen und nahmen sie auf. Diesmal konnten wir direkt mit einem Musiker anfangen. Und wir mussten nicht erst den Gitarre spielenden Cousin vom Freund des Bruders kennenlernen.“

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