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Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Daniel Stenholm Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Daniel Stenholm
Diesel-Außenborder

BMW ist zurück auf See

Nach 33 Jahren betritt BMW erneut den Marine-Markt: Oxe aus Schweden baut in seine Außenborder bayerische Turbodiesel ein.

von
Roland Wildberg
und in
5 Minuten

Nach langer Pause wagt BMW den Sprung ins kalte Wasser: Der bayerische Autobauer ist eine längerfristige Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Oxe Marine eingegangen. Sichtbares Zeichen der Zusammenarbeit ist der neue Diesel-Außenborder Oxe 300 Bison. Er seit kurzem auf dem Markt, trägt ab sofort das weiß-blaue Logo der Bayerischen Motoren-Werke.

Außerdem prangt auf dem mattschwarzen Motorengehäuse des Bootsmotors der Schriftzug „In cooperation with BMW“. Das war nicht einmal Torqeedo gelungen, die ihren Elektromotor Deep Blue mit der Batterie des BMW i3 ausliefern. Das Herzstück der Maschine ist ein drei Liter großer Sechszylinder-Dieselmotor mit Biturbo. Das Aggregat, das unter anderem im 3er-Mittelklasse-BMW eingesetzt wird, leistet als Diesel-Außenborder 300 PS.

Der nächste marinisierte BMW-Motor kommt 2021

Und ein weiteres Projekt ist inzwischen auf dem Weg: die Marinisierung des Vierzylinder-Turbodieselmotors von BMW. Ende 2021 löst er einen ebenfalls 200 PS starken Vorgänger von General Motors als Bootsmotor von Oxe ab, der die aktuellen Abgasgrenzwerte nicht mehr erreicht.

Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Oxe
Die Diesel-Außenborder von Oxe sind sparsam und relativ leise © Oxe Marine

Der Beitrag von Oxe beschränkt sich nicht darauf, BMW aufs Wasser zu bringen: Ein großer Anteil an der Konstruktion stammt von den Schweden, die hier völlig neue Wege für den Bau von Außenbordmotoren gingen. „Wir glauben, dass die 110 Jahre alte Getriebetechnologie konventioneller Außenborder nicht nicht stark genug ist“, sagt Myron Mahendra, der erst seit kurzem amtierende CEO von Oxe Marine – mehr im float-Interview.

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Steuerkette und Carbonfaser-Riemen

Das Getriebe im Oxe 300 Bison bewältigt das gewaltige Drehmoment des Sechszylinders mit doppelter Kraftübertragung: Eine Kette verbindet Motor und Getriebe. Vom Getriebe zum Propeller übernimmt ein Riemen aus Carbon-Faser die Arbeit.

Die konventionelle Außenborder-Antriebstechnik mit Klauenkupplungen und Kegelrädern gehört bei Oxe der Vergangeneit an. Das System ist modular angelegt. So kann es auch auf weitere Motoren unterschiedlicher Größe angepasst werden.

Der Oxe 300 hat ein Gewicht von 395 kg. Sein Drehmoment- und Gewichtsverhältnis ist Freizeitprodukten damit überlegen. Noch wichtiger ist der sehr niedrige Kraftstoffverbrauch, der deutlich unter dem vergleichbarer Benzin-Außenborder liegen soll. Auch die Feuergefahr ist beim Diesel weit geringer.

Sonorer Sound wie beim Batmobil

Da sie einen ziemlich tiefen Sound haben, wirken Oxe-Außenborder im Leerlauf tatsächlich etwas leiser als ein benzinbetriebener Außenborder. Bei höheren Drehzahlen und breiterer Drosselklappenstellung haben sie ein markantes, gedämpftes Knurren. Bootsjournalist Simon Hill von Western Mariner verglich das Gespann mit dem Batmobil.

Und wer nutzt solche Außenborder? Typischerweise alle, die große Flotten besitzen, die mit Diesel betrieben werden – und statt Benzin nur einen Brennstoff bunkern wollen. So hat Oxe Marine lange exklusiv für Militär und kommerzielle Schifffahrt gebaut.

Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Oxe
Neben dem BMW-Logo trägt die Motorhaube die Aufschrift In cooperation with BMW © Oxe Marine

BMW lobt professionelle Partnerschaft

Myron Mahendra lässt im Gespräch mit float durchblicken, dass eine langfristige Zusammenarbeit mit BMW geplant ist: „Unsere Zukunft wird spannend, denn wir wollen unsere Produktangebot weiter verbessern und vergrößern.“

BMW seinerseits interpretiert die Zusammenarbeit mit den Schweden als gute Gelegenheit, nach jahrelanger Abwesenheit wieder in den Markt für Bootsmotoren einzutreten. „Es hat sich als sehr professionelle Partnerschaft erwiesen“, sagt dazu Uwe Breitweg. Er ist stellvertretender Geschäftsführer des BMW-Unternehmenszweigs Powertrain Systems Business Customers.

Der neue Motor sei einzigartig, nicht zuletzt wegen der modernen Dieseltechnologie. Das helfe, die CO2-Bilanz von Außenbordern beachtlich zu senken.

Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Oxe
Blick ins Innere des Motors © Oxe Marine
Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Oxe
Drei Baugruppen sind zu erkennen © Oxe Marine

BMW Marine ging 1987 an Mercury

Nach einer langen Tradition als Hersteller von Bootsmotoren verkaufte BMW 1987 seine Marine-Sparte an Mercury Marine und konzentrierte sich auf seine Kernmärkte, die nicht auf dem Wasser liegen. Oxe Marine wurde 2014 als Cimco Marine gegründet. Das relativ kleine Unternehmen ist an der Börse Stockholm gelistet und gehört mehrheitlich schwedischen Privatleuten.

Mit VW Marine hatte in den frühen 2000er-Jahren auch der Volkswagen-Konzern versucht, seine Dieselmotoren als Innenborder auf den Bootsmarkt zu bringen – letztlich ohne großen Markterfolg. Auch dieses Motoren-Entwicklungsabenteuer endete erst mit einem Joint Venture, dann mit dem kompletten Verkauf der Sparte.

Oxe Marine
Die kleine Crew von Oxe Marine © Oxe Marine

Zahl der Bestellungen wuchs um 33%

Die Strategie der Schweden, mit dem Diesel-Außenborder eine Marktlücke zu besetzen, hat offenbar Erfolg. Seit der offiziellen Zulassung des 300er-Motors durch EPA und IMO ist die Zahl der Bestellungen nach Aussage des Unternehmens um rund ein Drittel gewachsen. In Deutschland werden die Oxe-Diesel durch den Marineausrüster Bukh Bremen vertrieben.

Wichtige Abnehmer sind Militär und Berufsschifffahrt, doch CEO Myron Mahendra hat weitere Zielgruppen im Auge, wie er im float-Interview verrät.

„Unglaublich leise und vibrationsarm“

Myron Mahendra, CEO von Oxe Marine, antwortete im Interview auf die Fragen von float-Redakteur Stefan Gerhard.

Myron Mahendra ist der CEO von Oxe Marine
Myron Mahendra ist der CEO von Oxe Marine © Oxe Marine

float: Wie kam Oxe dazu, einen solchen Bootsmotor zu bauen?

Mahendra: Seit Anfang 2010 ist uns klar, was kleinere Bootsmotoren brauchen, um die Ansprüche professioneller Nutzer zu erfüllen. Sie wollen Ausdauer, Drehmoment und den niedrigen Kraftstoffverbrauch von Innenbord-Heckantrieben mit der Flexibilität und Reproduzierbarkeit von Außenbordern kombinieren.

Bei Oxe Marine sind wir von der Annahme ausgegangen, dass die 110 Jahre alte Getriebetechnologie mit Klauenkupplungen und Kegelrädern, die heute in den meisten Außenborder-Designs verwendet wird, nicht für den kommerziellen Einsatz ausgelegt ist. Oder nicht stark genug ist, um das erforderliche Drehmoment zu übertragen, das kommerzielle Nutzer benötigen.

Unser Ziel war es, ein modulares System aus den besten Komponenten zu entwerfen, das eine kompromisslose Außenbordlösung ist und gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung ermöglicht. Dazu entwickelten wir unser patentiertes Riemen-Antriebskonzept.

Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Oxe
Hier noch ohne BMW-Logo: überlebensgroße Oxe-Motoren im Werk © Oxe Marine

Wie sind die neuen Oxe-Motoren aufgebaut?

Unser System besteht aus drei separaten Baugruppen: Powerhead, Getriebe und Unterwassergehäuse. Der Powerhead ist ein marinisierter Automotor mit einem geschlossenen Kühlmittelsystem und allen Vorteilen von Innenbordmotoren. Seine Abwärme heizt die Kabine, und der 180-Ampere-Generator gibt elektrischen Strom für externe Nutzung ab.

Das Getriebe und das Unterwassergehäuse, die wir zusammengenommen „Unterschenkel“ nennen, waren konstruktiv die eigentliche Herausforderung. Die Kraft vom Motor wird über eine Steuerkette an das Getriebe übertragen, das oberhalb der Wasserlinie sitzt. Vom Getriebe gelangt die Kraft über einen Treibriemen aus Carbon-Faser an den Propeller.

Was ist außerdem anders an den Oxe-Aggregaten?

Der BMW-Motor des Oxe 300 erzeugt 300 PS am Propeller und ein Drehmoment von 680 Newtonmetern an der Kurbelwelle. Das bedeutet, dass das Getriebe – im Gegensatz zu Kegelrädern, die unterhalb der Wasserlinie angeordnet sind – ausreichend groß gebaut werden musste, um die Kraft und das Drehmoment eines Hochleistungsdiesels ohne Beeinträchtigung des Luftwiderstands zu bewältigen.

Der Oxe kann bei niedrigeren Geschwindigkeiten gedrosselt werden, so dass auch Schleppangeln bei Schleichfahrt möglich ist. Auch eine Notbremsung ist möglich, ohne einen Getriebeschaden zu riskieren. Das erhöht die Sicherheit an Bord deutlich.

Oxe-Dieselmotoren emittieren relativ wenig Stickoxide (NOx) und Kohlenwasserstoffe (HC)
Oxe-Dieselmotoren emittieren relativ wenig Stickoxide (NOx) und Kohlenwasserstoffe (HC) © Oxe Marine

Haben Sie gehört, wie der BMW-Dieselmotor klingt? Unglaublich leise und vibrationsarm – das ist es, was Sie von einem hochmodernen Automotor bekommen.

Diesel-Außenbordmotoren von Oxe und BMW © Oxe
Die Oxe-Motoren sind auch im Doppelpack einsetzbar © Oxe Marine

Sie haben lange exklusiv für Militär und kommerzielle Schifffahrt gebaut. Ist diese Zielgruppe auch weiterhin Ihr Schwerpunkt?

Alle Oxe-Dieselmodelle werden für den kommerziellen Nutzer gebaut. Doch die Kunden und ihre Boote sind sehr unterschiedlich. Von Transportkähnen oder langsamen Plattformen, die für Hafenarbeiten gebaut wurden, bis hin zu Abfangjägern für die Küstenwache oder für Such- und Rettungseinsätze ist der Oxe-Diesel eine sehr gute Lösung. Schon allein wegen der um 70% größeren Reichweite im Vergleich zu Benzin-Außenbordern.

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